Peilstein im Mühlviertel ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Rohrbach im oberen Mühlviertel. Mit einer Fläche von 23,24 Quadratkilometern und Einwohnern (Stand ) ist Peilstein sowohl flächenmäßig als auch auf die Einwohnerzahl bezogen die zwölftgrößte des Bezirks. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Rohrbach.
Geografie Landschaftlich gehört das Gemeindegebiet im oberen Mühlviertel mit seinem nördlichen Teil zum Zwischenmühlrücken und mit dem südlichen Teil zum Passauer Wald. Beide Höhenzüge teilt die Kleine Mühl (tiefster Punkt 490 m ü. A.). Der Zwischenmühlrücken erreicht am Hochbühel eine Höhe von 877 m ü. A. (höchste Erhebung), der Eschernhofer Berg im Passauer Wald 872 m ü. A. Der Markt Peilstein selbst, liegt auf 584 m ü. A. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7,4 km, von West nach Ost 5,3 km. Die Gesamtfläche beträgt 23,32 km². 29,6 % der Fläche sind bewaldet, 64,4 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt.
Das Landschaftsbild wird vom Granithochland geprägt. Dieses Granitplateau ist eine Urlandschaft und gehört der geologisch ältesten Zeit an. Durch Störungen (Alpenfaltung) entstanden darin Bruchlinien. Die Verwitterung schuf allmählich das heutige sanfthügelige Landschaftsbild.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Davon sind Kicking, Kirchbach und Peilstein Katastralgemeinden.
Höhenangaben
Gewässer Die Kleine Mühl teilt die beiden Höhenzüge Zwischenmühlrücken und Passauerwald. Sie tritt bei der Filzmühle (520 m) in das Gemeindegebiet ein und bei der Gumpenmühle (490 m) wieder aus. Von der Filzmühle bis Niederkraml bildet die Kleine Mühl die Gemeindegrenze zu Julbach. Am linken Ufer münden das Blumauerbachl, das Kichbacher-Bachl, das Groißbachl und der Grafeneder Bach, welcher am Unterlauf gleichzeitig die Gemeindegrenze zu Öpping bildet. Am rechten Ufer münden der Krebsenbach, der Wolfsleitenbach (Wäschbachl), das Winkelbauerbachl, der Kickingerbach, der Vordorferbach (Bockstaize) und das Edlbauerbachl (Kroißbachl).
Nachbargemeinden
Geschichte Ortsgeschichte mini|Peilstein im Mühlviertel, Tuschezeichnung von Rode Ignaz (19. Jhdt.)
Ursprünglich unter der Lehenshoheit der Passauer Bischöfe, wird der Ort urkundlich erstmals 1150 erwähnt. Wahrscheinlich erfolgte die Erhebung zum Markt schon vor 1650; sie ist aber erst 1708 urkundlich gesichert.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach u. a. von Bayern besetzt. Seit 1814 gehört der Ort endgültig zu Oberösterreich.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. Noch im selben Jahr wurden die Kleingemeinden Kicking, Kirchbach und Peilstein zur Marktgemeinde Peilstein zusammengelegt. Am 1. Mai 1945 besetzen amerikanische Truppen den Markt. Nach 1945 erfolgte die Wiederherstellung Oberösterreichs.
Urkundliche Erwähnungen 1200 – Peilenstein (Trad. Kodex Passau, HL PASSAU 5, Fol. 94, Hauptstaatsarchiv München) 1220 – Peilestein, Peilstein (Trad. Kodex Passau i. Hauptstaatsarchiv München) 13. Jahrhundert – Peilstain (Urbar Passau S. 94) 1373 – Peylstein (Strnadt: Velden, S. 214) 1380 – Peylstayn (Lehenbuch des Herzogs Albrecht III. von 1380, f. 25) 1397 – Peylstayn (Urbar und Lehenbuch Gundakers von Tannberg von 1397 mit jünderen Nachträgen i. Schlossarchiv Eferding) 1455 – Peylstain (Lehenbuch 191) 1537 – Peyllstain (Urbare der Herrschaft Falkenstein von 1537 i. Hofkammerarchiv Wien) 1570 – Peillenstein, Peillstein (Urbare der Herrschaft Falkenstein 1570, S. 133, S. 139)
Entstehung der Gemeinde Maria Theresia leistete entscheidende Vorarbeiten für die geographische Ausbildung der Gemeinden. Im Zuge der Staatsreform rief sie 1748 als erste allgemeine politische Verwaltungseinheiten die sogenannten „Kreisämter“ ins Leben. Im gleichen Jahr musste von allen Grundherrschaften des Landes eine Bestandsaufnahme ihres Besitzes erstellt werden. Das Ergebnis dieser Theresianischen Fassion war der 1750 abgeschlossene Theresianische Kataster.Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. Wien 1987, S. 216.
Im Jahr 1774 erfolgte eine Gliederung der Kreise in Distriktskommissariate, die mehrere Pfarrsprengel umfassten und von geeigneten Herrschaften bzw. deren Pflegern verwaltet wurden. Diese Distriktskommissariate bildeten die ersten allgemeinen Verwaltungsbehörden. Peilstein war ein eigenes Distriktskommissariat mit dem Amtssitz zu Peilstein. Der Sitz des Amtsrichters befand sich bis 1754 im Ortszentrum (heute Markt 2). Obwohl 1754 ein neues Gebäude als Amtsrichterhaus erbaut wurde (das sogenannte Schloss, heute Stifterstraße 12), blieb bis 1803 der passauische Richter meist im zuerst genannten Domizil. Nach der Säkularisation (Beschlagnahme durch den Staat) im Jahr 1803 wurde dieses Haus (Markt 2) im Jahr 1805 an Private verkauft.
Am 19. November 1812 kaufte Joseph Sengl aus Steyr die Herrschaft Peilstein mit 122 Häusern um 24.585 Gulden.Haßleder 1913, op. cit. S. 126; Michael Kaltenbrunner: Peilstein. In: Beiträge zur Landes- und Volkskunde des Mühlviertels. 15. Bändchen, 1915 (Seitenangabe fehlt).
Unter Joseph II. wurden die Distriktskommissariate 1786 in Steuergemeinden unterteilt und die Hausnummerierung in den Ortschaften eingeführt. Die Ergebnisse der Ausmessungen und Schätzungen der Grundstücke wurden in sogenannten Fassionstabellen festgehalten (Josephinischer Kataster 1787). Das Distriktskommissariat Peilstein (Peilstein, Julbach, Kollerschlag) hatte im Jahr 1827:
1 Markt, 49 Dörfer, 873 Häuser, 1323 Wohnparteien, 5799 Einwohner, 1 Herrschaft, 3 Pfarren und Schulen, 7 Steuergemeinden, 2 Chirurgen, 2 Hebammen, 1 Spital-Stiftung, 2 Blattbinder, 1 Bleicher und Manger, 1 Drechsler, 2 Hammerschmieden, 2 Steinmetze, 277 Weber, 2 Ziegelbrenner, 20 Kommerzial-, 113 Polizeigewerbe und freie Beschäftigungen
Die drei Pfarren und Schulen befanden bzw. befinden sich in Julbach, Kollerschlag und Peilstein. Über Julbach und Peilstein war der Landesfürst Patron und der Pfarrer zu Sarleinsbach in dessen Namen Präsentant; über Kollerschlag stand dem Religionsfonds das Patronatsrecht zu. (ebenso ).
Aus den Steuergemeinden wurden später die Katastralgemeinden. 1848 wurden die Grundherrschaften aufgehoben. 1849 erhielten alle ehemaligen Untertanen das Recht zur Selbstbestimmung. Das provisorische Gemeindegesetz nahm die Katastralgemeinde als Grundlage für eine Ortsgemeinde. In heutigen Gemeindegebiet wurden daher die Gemeinden Kicking, Kirchbach und Peilstein errichtet.
Erschießung Peilsteiner Bürger am 28. April 1945
Am 28. April 1945 wurden fünf Bürger von Peilstein – ein Maurer, ein Glaser, ein Kaufmann, ein Siebreifenerzeuger und der Gemeindesekretär – am Militärübungsplatz in Treffling von einem Erschießungskommando hingerichtet. Sie hatten versucht, eine Panzersperre zu entfernen, um einen Beschuss durch die näherrückenden amerikanischen Truppen zu verhindern, und wurden deshalb von einem Standgericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt.Richard Wall: Vom Widerstand. Die NS-Endphaseverbrechen in Treffling. Engerwitzdorf 2015, 24 Seiten (online auf engerwitzdorf.gv.at).Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW): Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934–1945. Band 2, Österreichischer Bundesverlag, Wien 1982, S. 341. Der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, wurde unter anderem wegen dieser Ereignisse im Rahmen der Dachauer Prozesse zum Tode verurteilt.
Zur Erinnerung an die getöteten Peilsteiner und weitere zu Kriegsende ermordeten Oberösterreicher wurde in Treffling ein von dem Linzer Künstler Heimrad Bäcker entworfenes Mahnmal errichtet.Mahnmal feierlich eingeweiht. In: Textarchiv OÖ Nachrichten, Linz, Extra vom 10. Mai 1990.
Im Oktober 2025 bringt die Kulturgemeinschaft Kirchberg ob der Donau mit 50 Darstellenden das Drama „Feuerzeichen“ von Oskar Zemme über die 6 getöteten widerständigen Peilsteiner auf die Bühne. Ein Teil wird in einer ehemaligen Tischlerei aufgeführt. Frauen werden in den Mittelpunkt gerückt.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Peilstein mini|Pfarrkirche Peilstein
Schloss Peilstein Katholische Pfarrkirche Peilstein Hll. Ägidius und Leonhard
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von den 108 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 waren 50 Haupterwerbsbauern. Diese bewirtschafteten 70 Prozent der Flächen. Im Produktionssektor arbeiteten 121 Erwerbstätige in der Bauwirtschaft, 40 im Bereich Herstellung von Waren, 7 in der Wasserver- und Abfallentsorgung, 3 im Bergbau und 2 in der Energieversorgung. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (102), Handel (45) und Beherbergung und Gastronomie (33 Mitarbeiter). Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)1081347588Produktion2513173140Dienstleistung5134199157 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Bildung In Peilstein befinden sich ein Kindergarten, eine Volksschule und eine Mittelschule.
Vereine Agrargemeinschaft, Bauernbund, Bogensportverein, Club 25, Elternverein, Freiwillige Feuerwehr Kirchbach, Freiwillige Feuerwehr Peilstein, Goldhaubengruppe, Imkerverein, Jägerschaft, Kameradschaftsbund, Katholische Frauenbewegung, Katholische Männerbewegung, Kleintierzüchterverein, Kopftuchgruppe, Kulturreferat, Marktmusikkapelle, Ortsbauernschaft, Ortsbäuerinnen, Pensionistenverband, Pfarrbibliothek, Pfeifenclub Kirchbach, Rotes Kreuz – Ortsstelle Peilstein, Schi- u. Sportunion, Seniorenbund, Siedlerbund, Sozialsprengel, SPÖ Peilstein, Stockschützenverein, Taekwon-Do, Tourismusverein, Verein Art of Noise, Verein für Jugend, Freizeit & Kultur (JFK), Verschönerungsverein, Volkstanzgruppe, Wassergenossenschaft, Wirtschaftsbund, Zivilschutzverband, ÖAAB, ÖAAB-Frauen, ÖVP Peilstein
Sport Peilstein war Austragungsort der U-21-Faustball-Europameisterschaft 2010 und der U-21-Faustball-Europameisterschaft 2015.
Durch den Ort führen der Rupertiweg, ein österreichischer Weitwanderweg, und der Europäische Fernwanderweg E10.
Politik mini|Marktgemeindeamt Gemeinderat Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2003 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP und 8 SPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2009 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 12 ÖVP, 6 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 6 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich 2021 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP und 5 SPÖ.Wahl Oberösterreich 2021 orf.at
Bürgermeister
Bürgermeister seit 1850 waren:
Marktwappen 60px|rechts Blasonierung: In Rot auf einem schwarzen Felsen ein silbernes, schräglinks gestelltes Beil mit gekrümmter Schneide und schwarzem Stiel. Ein urkundlicher Nachweis über eine Wappenberechtigung Peilsteins ist nicht zu finden und zu erbringen. In einem Schreiben vom 23. November 1928 stellt das oö. Landesarchiv fest: „Wie aus dem von der Gemeindevorstehung beigebrachten Siegelabdruck zu ersehen ist, führt die Gemeinde bereits seit langer Zeit, der Siegelstock dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen, ein Marktwappen.“
Die oö. Landesregierung hat 1928 die Wappenberechtigung des Marktes Peilstein anerkannt, jedoch wurde über die Zeichnung und Farbgebung des Marktwappens nicht berichtet.
Nach einer weiteren Eingabe durch die Gemeinde teilte das oö. Landesarchiv 1939 mit, dass „das Wappen der Gemeinde Peilstein aus einem weißen Schilde mit einem blauen Felsen, über dem ein querstehendes eisernes Beil schwebt, besteht. Die Farbe Blau wird heraldisch durch waagrechte Schraffierung kenntlich gemacht.“ (Gemeinde-Chronik)