Cloud Atlas ist eine Literaturverfilmung aus dem Jahr 2012 nach David Mitchells Roman Der Wolkenatlas. Die Regie führten die Wachowskis und Tom Tykwer, die auch gemeinsam das Drehbuch schrieben. Der Film galt zum Zeitpunkt seines Entstehens als einer der teuersten bis dahin produzierten Independent-Filme und als der bei weitem teuerste deutsche Film. Er hatte seine Premiere am 8. September 2012 auf dem Toronto International Film Festival und lief am 26. Oktober 2012 in den US-amerikanischen und am 15. November 2012 in den deutschen Kinos an. Filmstarts in zahlreichen weiteren Ländern folgten bis März 2013. Der Publikumserfolg blieb vergleichsweise gering.
Handlung Der Film behandelt die Schicksale sechs verschiedener Personen, die sich in einem Zeitraum von mehreren hundert Jahren ereignen. Die einzelnen Geschichten sind teils durch gemeinsame Figuren, teils nur durch Andeutungen und Erinnerungen miteinander verbunden. Die sechs Einzelgeschichten werden im Film „verzahnt“ erzählt, so dass Erzählstrang und Zeitebene in Schnitten ständig, oft abrupt und überraschend, wechseln. mini|Drehort Torrent de Pareis 1849: Der amerikanische Anwalt Adam Ewing bereist den Pazifik, wo er mit der Unterdrückung der Maori und der Moriori konfrontiert wird. Auf einer seiner Erkundungstouren freundet er sich mit dem Arzt Henry Goose an. Goose behandelt Ewing, der aufgrund eines Schwächeanfalls zusammengebrochen ist. Gooses Diagnose, Ewing leide am „Polynesischen Wurm“, sorgt dafür, dass Ewing aus Angst vor möglicher Ansteckung im Frachtraum des Schiffes untergebracht wird. Während der Rückreise hilft der immer weiter geschwächte Ewing dem Moriori Autua, der sich als blinder Passagier auf der Flucht vor Misshandlungen als Sklave im Frachtraum versteckt hat. Autua entdeckt, dass Goose Ewing tatsächlich schleichend vergiftet, um ihn zu bestehlen. Gemeinsam besiegen sie Goose. Ewing erkennt daraus, dass Schwarze keine gefühllosen Untermenschen sind und die auf dieser Rassenlehre beruhende Sklaverei demnach ein unmenschliches Prinzip ist. Er und seine Frau stellen sich offen gegen seinen im Sklavenhandel erfolgreichen Schwiegervater und schließen sich der Abolitionismusbewegung an.mini|Drehort Edinburgh – Scott Monument 1936: Der junge homosexuelle Komponist Robert Frobisher beschreibt seinem Liebhaber Rufus Sixsmith in Briefen seine Tätigkeit als künstlerischer Gehilfe für den alten Komponisten Vyvyan Ayrs, von dem er viel hält, dessen künstlerische Karriere jedoch im Niedergang begriffen ist. Es entwickelt sich eine künstlerische Symbiose zwischen den beiden. Ayrs braucht das junge Talent, um seine Werke zu vollenden, und Frobisher nutzt seine Anstellung, um eigene zu komponieren. In Ayrs’ Villa findet Frobisher Ewings Tagebuch und ist davon gefesselt; es fehlt jedoch die zweite Hälfte davon. Das Arbeitsverhältnis zwischen Ayrs und Frobisher bricht ab, als der alternde Komponist eine geniale, noch unfertige Schöpfung seines Assistenten, das Wolkenatlas-Sextett, als Produkt ihrer Kooperation betrachtet und die Urheberschaft für sich beansprucht. Er setzt Frobisher mit der Drohung unter Druck, dessen sexuelle Orientierung offenzulegen und damit seine künstlerische Reputation zu zerstören. Als Ayrs versucht, Frobishers Abreise zu verhindern, schießt Frobisher ihn an. Ayrs setzt eine Hetzkampagne gegen Frobisher in Gang, der sein Wolkenatlas-Sextett in Einsamkeit vollendet und sich anschließend das Leben nimmt. Seine Beweggründe hierfür erläutert er Sixsmith in einem letzten Brief. Sixsmith erreicht Frobishers Hotelzimmer wenige Sekunden nach dessen Tod. 1973: Die aufstrebende Journalistin Luisa Rey steckt in San Francisco zusammen mit dem alternden Rufus Sixsmith aus der Geschichte von 1936, der nun als Kernphysiker tätig ist, in einem Fahrstuhl fest. Ein Muttermal auf Reys linker Schulter erinnert Sixsmith an Frobisher, worauf er ihr Informationen für eine brisante Story in Aussicht stellt. Kurz vor dem verabredeten Treffen wird Sixsmith von einem Auftragskiller ermordet. Rey findet unter seiner Leiche nur einen Stapel alter Briefe und nimmt sie an sich. Dann verfolgt sie anhand von Sixsmiths Andeutungen die Verhältnisse an seiner früheren Arbeitsstelle und findet heraus, dass dort ein schadhafter Kernreaktor bewusst weiterbetrieben wird, um einen Nuklearunfall zu provozieren und damit die nationale Energiepolitik im Interesse des Konzerns zu beeinflussen. Einen Mordanschlag auf sie selbst überlebt sie knapp und versucht dann mit Unterstützung eines ehemaligen Kriegskameraden ihres Vaters, dem auf sie angesetzten Killer zu entkommen, der schließlich von einer mexikanischen Unternehmerin aus Rache erschlagen wird. Von Sixsmiths Nichte Megan, deren Adresse sie von den gefundenen Briefen hat, erhält Rey Kopien der gesuchten Unterlagen über den defekten Kernreaktor und veröffentlicht den Skandal als ihre erste große Geschichte. Im Gegenzug bekommt Megan die Briefe von Frobisher an Sixsmith. 2012: Die zunächst unverkäufliche Autobiografie des Gewalttäters Dermot Hoggins wird zu einem Bestseller, nachdem der Autor in einem spontanen Wutanfall bei einem gesellschaftlichen Treffen seinen schärfsten Kritiker spektakulär in den Tod gestürzt hat. Das veranlasst die ebenfalls gewalttätigen Brüder des in Haft sitzenden Autors dazu, von dessen Verleger Timothy Cavendish eine hohe Summe zu erpressen. Da die Umsätze bis dahin nur dazu ausreichten, Cavendishs frühere Verluste zu begleichen, kann er die Forderung nicht erfüllen und wendet sich an seinen von ihm seit Jahren entfremdeten reichen Bruder Denholme. Auf der Zugfahrt dorthin liest er ein Manuskript eines Freundes von Luisa Rey und spürt heimlich seine Jugendliebe Ursula auf, entfernt sich aber wieder ohne Kontaktaufnahme. Denholme empfiehlt Cavendish das „Haus Aurora“ als Unterschlupf, das zunächst wie ein Hotel wirkt, tatsächlich aber ein von Denholme betriebenes, tyrannisch geführtes Gefängnis für abgeschobene Senioren ist. Denholme rächt sich damit für eine zurückliegende Affäre zwischen seiner Frau und Cavendish. Mit Gleichgesinnten gelingt Cavendish die Flucht aus dem Heim. Später befindet er sich mit Ursula im „Exil“, wo er seine Memoiren schreibt. 2144: Der weibliche „Duplikant“ Sonmi~451 lebt im koreanischen Neo-Seoul. In der herrschenden Konzernokratie wurde sie wie zahlreiche gleich aussehende Kolleginnen als Bedienung in einem Fast-Food-Restaurant erschaffen. Duplikanten gelten als Inventar, sie leben nur im Restaurant. Ihnen wird versprochen, als Belohnung für ein gehorsames Arbeitsleben nach zwölf Jahren Dienst ins paradiesische Elysium zu gelangen. Doch bei einem Regelverstoß werden sie sofort getötet. Der Rebell Hae-Joo Chang gewinnt Sonmis Vertrauen und schleust sie aus dem Restaurant. Sie studiert die ihr fremde Welt, verliebt sich in Hae-Joo Chang und gelangt zu neuem Wissen. Beim Anschauen eines alten Spielfilms über Cavendishs Geschichte, der sie beeindruckt, wird sie verhaftet, kann aber kurz vor ihrer Hinrichtung erneut von Hae-Joo Chang gerettet werden. Als sie erfährt, dass Duplikanten nach Ende ihrer Dienstzeit statt des versprochenen Elysiums industriell geschlachtet und zu neuer Duplikantennahrung verarbeitet werden, schließt sie sich den Rebellen an, eine tradierte Äußerung Cavendishs wird zu ihrem Leitmotiv. Von einer Sendestation auf Hawaii verbreitet sie ihre Botschaft über die ganze Erde und die damit verbundenen Kolonien im Weltraum. Während der Ausstrahlung wird die Station von Truppen der „Eintracht“ gestürmt, dabei kommt auch Hae-Joo Chang um. Um ihr für einen Duplikanten beispielloses Verhalten zu dokumentieren, führt sie vor ihrer Hinrichtung ein Gespräch mit einem Archivar, der das Geschehene für die Nachwelt festhält und dabei, ohne es zunächst zu bemerken, von ihr überzeugt wird. 106. Winter nach dem Untergang (laut Abspann 2321): Der Ziegenhirte Zachry, der als „Talbewohner“ auf primitive Weise in einer gebirgigen Gegend lebt, freundet sich mit Meronym an, einer Angehörigen des technisierten Volks der „Prescients“. Die Prescients hüten und nutzen zwar hochentwickelte technische Geräte, sind jedoch in der sterbenden Welt aufgrund der vorherrschenden Strahlung dem Untergang geweiht und suchen nach einem Ausweg. mini|hochkant=1|Tom Hanks bei der Vorstellung des Films in Toronto Die Talbewohner werden immer wieder von den kannibalischen „Kona“ angegriffen. Nachdem Meronym Zachrys erkrankte Nichte gerettet hat, ist Zachry als Gegenleistung dazu bereit, Meronym auf die Spitze eines heiligen Berges zu führen. Dort verbirgt sich die Kommunikationsstation, von der Sonmi einst ihre Botschaft sandte. In den Gebäuden finden sie zahlreiche Hinweise auf Sonmi, die von den Talbewohnern mittlerweile als Göttin verehrt wird; die Leichen der bei der Erstürmung getöteten Rebellen liegen in mumifiziertem Zustand auch noch dort. Meronym hat vor, mit der Kommunikationsanlage einen Hilferuf an die außerplanetarischen Kolonien zu senden, ohne zu wissen, ob diese den Untergang der Zivilisation überlebt haben – Kontakt dorthin besteht längst nicht mehr. Zachry muss dabei immer wieder den Einflüsterungen der Teufelsgestalt „Old Georgie“ widerstehen, der ihn gegen Meronym anstachelt und von ihm verlangt, sie zu töten. Als sie die Kommunikationsstation wieder verlassen, sehen sie aus der Ferne, dass Zachrys Dorf in Flammen steht. Meronym, die über eine Schusswaffe verfügt, rettet Zachry und dessen Nichte, die in einem Versteck überlebt hat, vor den Kona, und die drei fliehen auf das Schiff der Prescients.
In der letzten (wie auch in der eröffnenden) Szene des Films erzählt der alte Zachry seinen und Meronyms gemeinsamen Enkeln die Geschichte ihrer Rettung. Sie befinden sich auf einem erdähnlichen Planeten mit zwei Monden. Auf die Frage nach der Erde zeigt er den Kindern einen „blauen Schimmer“ am Himmel.
Verknüpfungen über die zeitlichen Epochen hinweg Innerhalb der sechs dargestellten zeitlichen Episoden ist die jeweilige Handlung abgeschlossen. Durch den Reinkarnationsgedanken erhält der Film jedoch zusätzliche Tiefe, die sich durch wiederkehrende Begegnungen und Interaktionen der inkarnierten Seelen in den verschiedenen Epochen äußert. Auch sind Entwicklungen der Seelen erkennbar. Darüber hinaus finden beispielsweise Gegenstände/Objekte oder historische Aufzeichnungen ihren Weg über die Zeiten hinweg. Bezüglich der Verhältnisse und Interaktionen der „Wesen“ wäre es an dieser Stelle schwierig, mit den jeweiligen fiktiven Personennamen des Films zu arbeiten, da es zur Identifikation eines übergeordneten Schlüssels bedarf. Behelfsmäßig wird daher im Folgenden mit Abkürzungen der Schauspieler gearbeitet. Die volle Nennung der Namen der Darsteller könnte zu anderen Missverständnissen führen. BeWh = Ben Whishaw (Robert Frobisher) BrLe = Brody Lee (Javier Gomez) DaGy = David Gyasi (Autua) DoBa = Doona Bae (Sonmi 451) HaBe = Halle Berry (Luisa Rey) HuGr = Hugh Grant (Lloyd Hooks) HuWe = Hugo Weaving (Old Georgie) JaDA = James D’Arcy (Archivar Park) JiBr = Jim Broadbent (Timothy Cavendish) JiSt = Jim Sturgess (Adam Ewing) KeDa = Keith David (Joe Napier) SuSa = Susan Sarandon (Äbtissin) ToHa = Tom Hanks (markanteste Person im Film: Zachry) ZhXu = Zhou Xun (Yoona 939)
Charaktere, Verhältnisse und Interaktionen der Wesen Bei JiSt und DoBa ist auffällig, dass sie wiederholt ein Paar werden (1849, 1973 [Eltern von Megan] und 2144) und sich mehrfach dem Kampf gegen Unterdrückung widmen (Sklavenhandel, System in Neo-Seoul). DoBa tötet 1973 den Profikiller HuWe aufgrund einer rassistischen Äußerung; HuWe war 1849 ihr Vater und Sklavenhändler, von dem sie sich unterdrückt fühlte. HuWe ist über alle Epochen hinweg „böse“ oder eine zwielichtige/strenge Persönlichkeit (Sklavenhändler, Dirigent, Profikiller, herrische Krankenschwester, Rebellenjäger, Dämon). JiSt hilft oft dem Hauptcharakter der Epochen: 2012 als Schotte, 2144 als Hae-Joo Chang.