mini|Rittergut Voldagsen – Schloss und Schlosswiese mit einem Teil der Aue Das Rittergut Voldagsen ist ein landwirtschaftlicher Gebäudekomplex mit einem Schloss im Stil der Neorenaissance und einer ausgedehnten Parkanlage. Es befindet sich im Ortsteil Marienau der Gemeinde Coppenbrügge (Landkreis Hameln-Pyrmont) im Süden Niedersachsens. Eine Belehnung des Ritterguts durch die Grafen von Spiegelberg wurde um 1350 erstmals urkundlich erwähnt.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 1. Während seiner Lehnsgeschichte befand sich das Rittergut Voldagsen bis in das Jahr 1878 über 200 Jahre lang im Besitz des Adelsgeschlechts Münchhausen. Von 1945 bis 1955 befand sich hier das Erwin-Bauer-Institut, eine Forschungsstelle der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Von 1956 bis 1996 war im Schloss ein Schulungszentrum des Bundesverbandes für den Selbstschutz untergebracht. Heute befindet sich das Rittergut wieder in Privatbesitz und wird als Veranstaltungsort für Hochzeiten und andere Veranstaltungen genutzt. Das gesamte Ensemble mit Schloss, Wirtschaftsgebäuden, See und Parkanlage steht unter Denkmalschutz.

Geographische Lage und Verkehrsanbindung mini|Historischer Bahnhof Voldagsen von 1896 Voldagsen liegt im östlichen Weserbergland Südniedersachsens in der Mitte des Tals zwischen dem Höhenzug Osterwald und dem nördlichen Ende des Ith. Das Rittergut selbst befindet sich dabei auf einer Höhe von 131 m über Normalnull. 18 km östlich von Hameln und 20 km südlich von Springe und Bad Münder am Deister. Über einen Teil des Grundstückes fließt die Aue, ein etwa 9 km langer Fluss, der auch den zur Parkanlage gehörenden See versorgt und bei Benstorf-Quanthof in die Saale mündet.

Südlich unweit von Voldagsen liegt die Bundesstraße 1, welche in westlicher Richtung über Coppenbrügge nach Hameln und in östlicher Richtung über Elze nach Hildesheim führt. Voldagsen ist Teil der Ith-Schleife, einem 2012 neu eingeweihten Radwanderweg. Am Rittergut Voldagsen vorbei führt auch der Kansteinweg, eine etwa 83 km lange Wanderstrecke von Hannover nach Alfeld.

Bahnhof

Der Bahnhof Voldagsen liegt an der Bahnstrecke Elze–Löhne. 1896 wurde außerdem die Bahnstrecke Voldagsen–Delligsen eröffnet, die 1967 in eine Anschlussbahn umgewandelt wurde und nur noch auf dem Abschnitt bis Salzhemmendorf genutzt wird. Im Personenverkehr wurde der Bahnhof stündlich von der Linie RB 77 (Weser-Bahn) zwischen Hildesheim Hbf und Herford bedient. Um die Ortschaft Marienau besser zu erschließen, wurden die bestehenden Bahnsteige durch einen neuen Bahnsteig etwa 700 m weiter westlich ersetzt, der sich im Ort nahe dem Bahnübergang der Bundesstraße 1 befindet und seit 2025 in Betrieb ist. Der Bahnhof Voldagsen wird seitdem nicht mehr bedient.

Beschreibung Das heutige Herrenhaus besteht im Kern aus einem Bruchsteingebäude von 1836, das 1885 im Stil der Neorenaissance stark umgebaut wurde. Die ehemalige Oberförsterei steht an der Stelle des ehemaligen „Unterhauses“ der Burg. Der Gewölbekeller stammt wohl noch von 1350, das heutige Gebäude vom Anfang des 20. Jhs. ersetzt einen Vorgängerbau von 1575. 1826 wurden bei Ausschachtungsarbeiten Reste der Ringmauer und der Zugbrücke samt Ketten in der Nähe des jetzigen Nordausgangs des Gutes gefunden.

Geschichte Der Ortsname Voldagsen geht auf einen Mann mit dem Namen „Volktag“ zurück, der mit den Landgütern belehnt war. Als Grundwort ist diesem ein -hausen in der verkürzten Form -sen angehängt. Dieses stammt von dem altnordischen Wort hus ab, welches eine mit einem Haus bebaute feste Wohnstätte bezeichnet. Es gab im Mittelalter für Voldagsen auch die Schreibweisen Voldaghausen und Voldagessen. Ebenfalls nachweisbar sind Bezeichnungen mit F anstelle von V, wie Foldagusheim, Foldaghusen und Foldagsen.Daniel Eberhard Baring: Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein des Braunschweig-Lüneb. Fürstenthums Calenberg und aller in dieselbe fliessenden Quellen und Bäche, 1744, §135.

In seiner Geschichte gehörte das Rittergut Voldagsen zu verschiedenen Lehnsherren und wurde mehrfach weitervererbt. Voldagsen gehörte zuerst zur Grafschaft Spiegelberg, welche unter Graf Moritz I. von Spiegelberg 1281 mit dem Hauptort Coppenbrügge und dem Stammsitz auf Burg Coppenbrügge entstand. Als 1557 mit Graf Philipp von Spiegelberg und Pyrmont der letzte männliche Nachkomme in der Schlacht bei Saint-Quentin fiel, wurde die Grafschaft in weiblicher Linie unter Vorbehalt der Landeshoheit des Herzogtums Braunschweig und des hierzu gehörenden Fürstentums Calenberg an eine Nebenlinie des Hauses Lippe vererbt. Als Graf Simon von der Lippe 1583 starb, ging das Erbe an die Grafen von Gleichen über. Mit dem Tod von Graf Hans Johann Ludwig von Gleichen-Tonna im Jahre 1631 erlosch auch dieses Grafengeschlecht in männlicher Linie, und die Spiegelberger Lehen gingen an Nassau-Diez. Ab 1702 gehörte Nassau-Diez zum Königshaus Oranien, dem heute noch regierenden Königshaus der Niederlande. Erst 1819 verkauften diese die Spiegelberger Grafschaft an das Königreich Hannover, welches 1866 als Provinz Hannover von Preußen annektiert wurde.

Bock von Nordholz (1350–1628) mini|hochkant=0.5|Wappen der Bock Die ersten urkundlich nachweisbaren Lehnsnehmer von Voldagsen waren die Bock von Oldendorf, eine Nebenlinie der Bock von Wülfingen. Die Bock von Oldendorf waren Burgmänner im Dienste der Edelherren von Homburg auf deren Stammsitz, der Homburg bei Stadtoldendorf. Durch langjährige treue Dienste gegenüber verschiedenen Lehnsherren konnten die Bock von Oldendorf ihren Lehnsbesitz in der Region weiter ausbauen. Etwa 1285 errichteten sie südlich von Marienau am Hang des Ith mit der Burg Nordholz ihren eigenen Stammsitz. Ab 1286 wurden sie nun als Bock von Nordholz in einer Urkunde der Homburger erwähnt.

Um 1350 erscheinen sie als Lehnsnehmer von Voldagsen in einer Urkunde der Grafen von Spiegelberg. Zu dieser Zeit bestand Voldagsen noch aus zwei voneinander getrennten Meierhöfen, die in der Folgezeit zu Sattelhöfen erweitert wurden. Im Verlauf der Hildesheimer Stiftsfehde wurde die Burg Nordholz 1521 zerstört und musste geräumt werden. Die Bock von Nordholz wählten nun Voldagsen als ihren neuen Stammsitz.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 2. In dieser Zeit wurde das Oberhaus (das heutige Schloss) zu einer Wasserburg umgebaut.Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1826 durch Otto Friedrich Julius von Münchhausen wurden Reste der Zugbrücke und Ketten in der Nähe des jetzigen Nordausgangs von Gut Voldagsen gefunden. Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 96.

Bis in das Jahr 1628 konnten die Bock von Nordholz das Voldagser Lehen als Stammsitz und ihre Besitztümer in der Region halten. Diese reichten von Lauenstein bis nach Lechstedt östlich von Hildesheim. Noch heute ist das Familienwappen der Bock von Nordholz an einem der Wirtschaftsgebäude an der Innenhofseite zu sehen. Mit dem Tod von Christoph Dietrich Bock von Nordholz 1628 endete das Geschlecht in männlicher Linie.

Übernahme durch die von Münchhausen (1628–1878) miniatur|hochkant=0.5|Wappen der Münchhausen Die Bock von Nordholz und die Adelsfamilie Münchhausen standen bereits seit 1517 miteinander in Verbindung. Sie waren von 1517 bis 1521 gemeinsam Pfandbesitzer der Burg Aerzen. Als sich abzeichnete, dass die beiden letzten männlichen Familienmitglieder der Bock von Nordholz wahrscheinlich keine männlichen Nachkommen mehr haben würden, erwarb Hilmar der Jüngere von Münchhausen bei den Grafen von Gleichen und zu Spiegelberg bereits Ostern 1613 für 2000 Taler eine Anwartschaft auf das Voldagser Lehen.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 3.

Christoph Dietrich Bock von Nordholz hatte noch zwei Schwestern, welche auf Gut Voldagsen lebten. Mit einem Schreiben vom 21. Juni 1619 hatte er bei dem Braunschweigischen Herzog Friedrich Ulrich, als damaligem obersten Lehnsherren von Voldagsen, ein Leibgedinge für seine Schwestern erreicht.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 4. Dies bedeutete, dass sie ein Anrecht darauf hatten, dort wohnen zu bleiben, auch wenn das Lehen an einen neuen Besitzer übergeht. Hinzu kamen Streitigkeiten über die Zuständigkeit bei der Neuvergabe des Lehens und Schulden, welche Christoph Dietrich Bock von Nordholz seinen Schwestern hinterlassen hatte. Dies führte dazu, dass die Münchhausen das Rittergut Voldagsen erst 1655 nach einem langjährigen Gerichtsstreit durch einen Vergleich zugesprochen bekamen.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 47.

mini|Wappensteine von Johann von Münchhausen und seiner ersten Frau Wilhelmine Osterheld von der Wense, 1665 Bei einem Erbvergleich mit seinen Brüdern erhielt Johann von Münchhausen (* 24. Juni 1629 in Rinteln; † 8. Dezember 1714 in Germsee) Voldagsen und bezog das Rittergut im Jahre 1657. Er baute den Gutshof wieder auf, der seit 1628 brachgelegen und sich in einem sehr schlechten Zustand befunden hatte. Die Wappensteine von Johann von Münchhausen und seiner ersten Frau Wilhelmine Osterheld von der Wense sind auf das Jahr 1665 datiert und markieren den Abschluss des Wiederaufbaus des Gutsbetriebs.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 49.

Johann von Münchhausen ließ neben dem Schloss auch eine Kapelle errichten, welche im Jahre 1661 fertiggestellt war.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 56. Johann von Münchhausen hatte insgesamt 10 Kinder aus drei Ehen. In dem Gewölbe unter der Kapelle wurden zwischen 1661 und 1722 seine Söhne Johann († 1661), Börries Wilhelm († 14. Mai 1697) und Johann Friedrich († 9. Oktober 1722), seine Tochter Albertina († 10. März 1697), sowie seine erste Frau Wilhelmine Osterheld von der Wense († 10. Juli 1676) begraben. Der genaue Standort der Kapelle lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Einige Generationen später wurde durch Otto Friedrich Julius von Münchhausen (* 28. April 1754 auf Schwöbber; † 2. April 1828 auf Schwöbber) damit begonnen, den Gutshof Voldagsen in seine heutige Form umzubauen.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 96. Die Bauarbeiten wurden durch seinen Sohn August Friedrich Gottlob Freiherr von Münchhausen (* 21. Mai 1798 auf Schwöbber; † 3. März 1861 auf Schwöbber) im November 1838 fertiggestellt. Dieser errichtete auch das heutige Schloss. An den Baubeginn und die Fertigstellung erinnern heute noch zwei Gedenktafeln, welche in die Außenwand der Wirtschaftsgebäude eingelassen worden sind.Ernst Bertram: Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes Voldagsen-Nordholz, 2. Teil 1628–1968, 1970, Seite 149.