Der Berliner Esperantoplatz liegt im Berliner Ortsteil Neukölln des gleichnamigen Bezirks an der Schudomastraße, im Bereich zwischen der kreuzenden Braunschweiger Straße und der einmündenden Schwarzastraße. Der Platz wurde 1991 neu gestaltet durch einen Rückbau des Verkehrsraums der Schwarzastraße. Der verkehrsberuhigte Bereich wurde parkartig angelegt zu einer städtischen Naturoase mit Wiesen, Büschen, Bäumen und Blumenbeeten.

Geschichte, Lage, Beschreibung Am 14. Dezember 1991 wurde die kleine Grünanlage nach der Plansprache Esperanto benannt und feierlich der Öffentlichkeit übergeben.Im Amtsblatt für Berlin, Herausgeber: Senatsverwaltung für Inneres, 41. Jg., Nr. 58, Berlin, den 13. Dezember 1991, heißt es: „Im Bezirk Neukölln wird mit Wirkung vom 14. Dezember 1991 der Platz im Kreuzungsbereich Braunschweiger Straße, Schudoma- und Schwarzastraße mit Esperantoplatz nach der aus den gebräuchlichen Kultursprachen gebildeten internationalen Universalsprache benannt. Die statistische Schlüsselnummer lautet: 06047.“

Baustadtrat Bodo Manegold enthüllte eines der beiden Straßenschilder gemeinsam mit Eva Hoffmann (1920–2008), deren Vorschlag für die Platzbenennung das Bezirksamt gefolgt war.In einem Brief an Eva Hoffmann vom 15. Oktober 1991 schrieb Bezirksstadtrat Bodo Manegold: „Sehr geehrte Frau Hoffmann, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das für Benennungen zuständige Gremium des Bezirksamtes Neukölln Ihrer Anregung folgend, Ihrem Benennungsvorschlag zugestimmt hat, den Platzbereich an der Braunschweiger Straße/Schwarza- und Schudomastraße mit Esperanto-Platz zu benennen." In dem Brief wird Frau Hoffmann weiter gebeten, einen Vorschlag für das Erläuterungsschild zu unterbreiten und es wird angekündigt, dass sie zu einer kleinen Benennungsfeier eingeladen wird. (Brief im Privatbesitz) Eva Hoffmann sprach Esperanto, ebenso wie ihre Eltern, die nahe dem Platz in der Teupitzer Straße 111 (heute Braunschweiger Straße 26) die Druckerei Conrad Noeske führten, in der auch einige Druckerzeugnisse in Esperanto erschienen. Bodo Manegold erklärte bei der anschließenden Feier in der St.-Richard-Kirche: „Wir haben den heutigen Tag gewählt, weil morgen der 132. Geburtstag von Ludwig Lazarus Zamenhof gefeiert wird […] und [um] darauf hinzuweisen, dass er viel dazu beigetragen hat, dass diese Welt friedlicher wird.“ Frau Hoffmann würdigte er mit den Worten: „Sie gehört mit zum Kiez. Sie ist ein Original.“ Pfarrer Hans-Jürgen Lischka (1941–2015) verwies auf neu aufgeflammte Konflikte und mahnte: „Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass Verständnis und Verständigung unter Menschen das einzige ist, was den Menschen wirklich dient. Und da, so denke ich, ist die Namensgebung Esperantoplatz ein wichtiger Punkt.“ Anwohnerin Eva Hoffmann sagte froh: Ich danke Ihnen dafür, dass wir diesen kleinen grünen Platz der Hoffnung jetzt haben.“Fritz Wollenberg: Treffpunkt Berlin, Esperantoplatz, in: Esperanto-Informilo por Berlino kaj Brandenburgio 615 – 4/2007, S. 1–5 (Der Beitrag ist deutschsprachig.)

Der Stadtplatz wird begrenzt von der Braunschweiger Straße (nordwestlich), der Schmalseite einer Blockrandbebauung zwischen Braunschweiger und Schwarzastraße (nordöstlich), durchschnitten von der abknickenden Schwarzastraße mit Giebelschmalseiten der Schudomastraße (südöstlich) und der Schudomastraße (südwestlich). Er ist etwa 60 m × 30 m groß. Von der Schwarzastraße aus führt diagonal über den Platz ein Fußweg direkt zur Kreuzung Schudomastraße/Braunschweiger Straße. Die Ränder des Platzes sind mit Bäumen bestanden, die teilweise neu gepflanzt wurden. Andere gut gewachsene alte Ahorn-Bäume sind in die neue Platzgestaltung miteinbezogen worden. Seit der 1980 stillgelegte S-Bahnhof Sonnenallee 1997 wieder in Betrieb genommen wurde, dient der Platz den Anwohnern als viel begangener Durchgang vom und zum S-Bahnhof Sonnenallee. Über den Platz sind die angrenzenden Wohnquartiere zu erreichen, auch der Richardplatz, das Böhmische Dorf und der Comenius-Garten.

mini|links|hochkant|Zamenhof-Eiche

Hervorhebenswert ist eine 1992 auf dem Platz gepflanzte Eiche, die zu Ehren des Esperanto-Gründers Ludwig Zamenhof seinen Namen erhielt (Bild). Vor dem Baum befindet sich auf einer Tafel die Inschrift: „Zamenhof-Eiche, gepflanzt am 14. April 1992 zum 75. Todestag des Begründers der internationalen Sprache Esperanto Dr. Ludwig Zamenhof. Esperanto-Liga Berlin“.

Die Pflanzung der Zamenhof-Eiche war Teil einer Zamenhof-Comenius-Ehrung der Berliner Esperanto-Freunde und Freundinnen, die auch dem 400. Geburtstag von Comenius gewidmet war. Sie begann im Saalbau Neukölln, wo Henning Vierck, der wissenschaftliche Berater und spätere Geschäftsführer des Comeniusgartens anhand der Ausstellung das Weltbild von Comenius und dessen Vorstellungen von einer Universalsprache darlegte. Anschließend führte er durch den gerade entstehenden Comeniusgarten und erklärte das Konzept. Die dann zu Ehren Zamenhofs auf dem Esperantoplatz gepflanzte Säuleneiche stammt aus den Späth’schen Baumschulen im Ortsteil Baumschulenweg.

Die Erinnerungstafel wurde am 3. Juli 1999 vom damaligen Bürgermeister Bodo Manegold während einer Feier der Esperanto-Liga Berlin zum 50. Jahrestag ihrer Gründung enthüllt. Henning Vierck sprach darüber, was die beiden Humanisten, Theoretiker und Praktiker der Idee einer Universalsprache Comenius und Zamenhof verbindet, und Rudolf Rogler vom Heimatmuseum Neukölln würdigte den Neuköllner Reformpädagogen, Schulrat und ersten Vorsitzenden der Esperanto-Liga Berlin Wilhelm Wittbrodt (1878–1961).Volker Hoffmann, Rudolf Rogler: Wilhelm Wittbrodt 1878–1961. In: Schulreform – Kontinuitäten und Brüche. Das Versuchsfeld Berlin-Neukölln. Hrsg.: Gerd Radde, Werner Korthaase, Rudolf Rogler und Udo Gößwald im Auftrag des Bezirksamts Neukölln, Abt. Volksbildung, Kunstamt, Band II: 1945 bis 1972, Opladen 1993.

Die Berliner Planergemeinschaft Dubach Kohlbrenner hat 2005 im Auftrag der Neuköllner Verwaltung ein „Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Aktionsraum plus Neukölln-Nord“ erstellt. Das sah für den Böhmischen Platz, den Esperantoplatz und den Platz an der Kanner Straße eine Umgestaltung vor. Diese erfolgte im Zeitraum 2005 bis 2008 und wurde aus Mitteln der EU und dem Bund-Länderprogramm Soziale Stadt finanziert (Gesamtprojektsumme 2,5 Millionen Euro).

Am 14. April 2007 erläuterte die verantwortliche Landschaftsarchitektin Bettina Longardt auf dem Esperantoplatz und in der Jugendbegegnungsstätte „Die Scheune“awo-sdost-u9a.de: am Richardplatz das Konzept der Umgestaltung. Der Platz sollte sonniger, offener und überschaubarer werden. Deshalb waren schon 2006 die hohen Sträucher entfernt, mit denen der Platz noch im Vorjahr dicht bewachsen war.

Es wurde diagonal von der Ecke Schwarza-/Schudomastraße über die Mitte des Platzes zur Ecke Braunschweigerstraße 17 ein Weg angelegt. Dadurch entstanden vier dreieckige Grünflächen, die durch niedrige Metallgeländer begrenzt wurden. Auf den Grünflächen wurden Bodendecker (Vinca) gepflanzt.

Als abschließende Maßnahme erhielt die Mitte des Platzes ein Bodenmosaik, das einen Stern in einem helleren Kreis zeigt. Der grüne Stern ist ein Esperanto-Symbol, der Kreis steht für die Weltkugel. Die Zamenhof-Eiche stand nun an der Wegekreuzung und wurde damit räumlich aufgewertet. Bänke laden zum Verweilen und Betrachten.berlin.de:

Mit einem Drei-Plätze-Fest am 5. Mai 2007 wurde auf dem Böhmischen Platz, dem Platz an der Kanner Straße (ab Spätsommer 2007: Freundschaftsplatz) und dem Esperantoplatz der Abschluss der Neugestaltung gefeiert, obwohl noch nicht alle Arbeiten beendet waren. Dort, wo das Sternmosaik entstehen sollte, gab es bislang nur ein großes Fragezeichen, da in der Richardschule noch ein Zeichenwettbewerb zur Gestaltung im Gange war.Bianka Spieß: Ĉu vi komprenas Esperanto? (‚Verstehen Sie Esperanto‘) und „Auf die Plätze fertig los…“, in: Richard. Die Quartierszeitung vom Richardplatz Süd, Ausgabe 14, April 2007, S. 3

Eine am 3. Juli 2008 auf dem Platz aufgestellte Tafel informierte in Esperanto und Deutsch über den Namen des Platzes und zur Esperanto-Bewegung insgesamt. Außerdem erfuhr der Leser den Zusammenhang mit dem Ortsteil Neukölln.Esperanto im „Problemkiez“? Interview mit Peter Kühnel, Vorsitzender der Esperanto-Liga Berlin, In: Neues Deutschland, 21. Juni 2008 (vollständiger Beitrag gegen Registrierung); abgerufen am 5. Februar 2013

In der Rütli-Schule in Neukölln unterrichtete Wilhelm Wittbrodt in den 1920er und 1930er Jahren Esperanto,Wilhelm Wittbrodt – Reformpädagoge und Esperanto-Lehrer, in: Fritz Wollenberg (Red.): Esperanto. Sprache und Kultur in Berlin, Jubilea LIbro 1903-2003, Mondial, New York – Berlin 2006, S. 272–278. in der Schule Sonnenallee 10 wurde 1949 die Esperanto-Liga Berlin gegründet. In der Richardstraße 61 war in den 1950er und 1960er Jahren die Geschäftsstelle der Esperanto-Jugend Berlin, die in Neukölln besonders aktiv war. Die Neuköllner Festsäle und das Rathaus Neukölln erlebten den Deutschen Esperanto-Kongress von 1960 und die Nikodemuskirche Gottesdienste und unterschiedliche Kulturveranstaltungen in Esperanto. In der Falkstraße 25 befand sich von 1978 bis 2005 das Esperanto-Zentrum Berlin.

Zum 4. Sommerfest am 14. September 2016 wurde für den Schaukasten auf dem Esperantoplatz ein neues Informationsplakat (Design: AG Urban, Texte und Bilder: Esperanto-Liga Berlin) vorbereitet, das die Sprache Esperanto und ihren Initiator Ludwig Zamenhof, aber auch den Platz mit seiner Geschichte und seinen Sehenswürdigkeiten vorstellte, dazu auch einige hier ansässige Vereine. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey enthüllte es gemeinsam mit vielen Kindern.

Auf der dem Esperantoplatz gegenüberliegenden Seite der Schudomastraße schließt sich ein kommunaler Kinderspielplatz in den Abmessungen 45 m × 50 m an, der im Jahr 2014 neu gestaltet und ausgestattet wurde.

Dem Platz diagonal gegenüber steht die denkmalgeschützte katholische St.-Richard-Kirche an der Schudomastraße.

Auch die Wohnanlage Braunschweiger Straße 7–17, Schwarzastraße 3/4 ist denkmalgeschützt.. In: Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Objekt-Nr. 09090424, auf: berlin.de. Die Fußballkneipe „Teupitzer Klause“ an der Braunschweiger Ecke Schudomastraße bewahrt den früheren Namen der Braunschweiger Straße.

Seit 2006 hat die A–Z Hilfen Berlin gGmbH ihre Geschäftsstelle am Esperantoplatz (Braunschweiger Straße 17). Seit März 2015 bietet das itz (Interkulturelle Theaterzentrum) Theaterprojekte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit verschiedenen Sprachen aus verschiedenen Kulturen am Platz an (Schudomastraße 32).

Während des Neuköllner Kulturfestivals 48 Stunden Neukölln im Jahr 2012 trat die Münchner TrashArt-Künstlerin ADLER A.F.ADLER A.F. „Das Adler-Universum“ bei ARD alpha-Bildungskanal mit einer Performance auch auf dem Esperantoplatz auf, um auf den desolaten Zustand des Platzes aufmerksam zu machen und dessen Aufwertung als „Symbol für Verständigung“ zu erreichen.Der Esperantoplatz in Neukölln – Umgestaltung – Treffen – Ausstellungen – Sommerfeste!, in: Fritz Wollenberg (Red.): Esperanto. Sprache und Kultur in Berlin und Brandenburg. 111 Jahre, Jubilea LIbro 1903-2014, Mondial, New York – Berlin 2017, S. 439–444

Sommerfeste auf dem Esperantoplatz

18. August 2013

A–Z Hilfen Berlin gGmbHBlog der A–Z Hilfen Berlin gGmbH und Esperanto-Liga Berlin veranstalten das erste der inzwischen alljährlich stattfindenden Sommerfeste auf dem Esperantoplatz, um die Vereine und Institutionen im Kiez zu vernetzen, mit ihnen gemeinsam der Verwahrlosung des Platzes entgegenzuwirken und ihn zum Ort der Verständigung, des gegenseitigen Kennenlernens und des Dialogs zu machen.

Die Feste werden gefördert durch das Quartiersmanagement Richardplatz Süd und aus dem Programm Soziale Stadt.