mini|Blüten mini|Früchte Die Sauerkirsche oder Weichselkirsche (Prunus cerasus) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie wird als Obstbaum genutzt. In Altbayern, Österreich und der Schweiz wird sie oft kurz Weichsel genannt, was im engeren Sinne allerdings speziell die Sortengruppe der Morellen bezeichnen kann.

Beschreibung Die Sauerkirsche kann als Strauch oder Baum wachsen und erreicht Wuchshöhen von 1 bis zu 10 Metern. Sie wurzelt sehr flach.https://archive.org/details/obstbauimgartene00vani/page/40/ Als Baum weist sie eine lockere, rundliche Krone auf. Ihre Äste sind abstehend und hängen oft über. Bei hellfrüchtigen Typen (Amarellen) finden sich nur strauchartige, leicht überhängende Wuchsformen, bei anderen kommen auch straff aufrechte Formen vor. Die Rinde ist rötlichbraun, glänzend und hat große Lentizellen. Später entwickelt sich eine Ringelborke. Junge Zweige sind dünn und kahl. Die Langtriebe besitzen eine Endknospe. Kurztriebe entspringen gehäuft an den Enden der Langtriebe. Die Laubblätter sind 5 bis 12 cm lang, 4 bis 6 cm breit, elliptisch-eiförmig und meist zugespitzt; ihre Oberfläche ist glänzend und etwas lederig. Die Unterseite weist lediglich an den Nerven eine schwache Behaarung auf, der Blattrand ist fein und oft doppelt gesägt. In der Knospenlage sind die Blätter gefaltet. Der Blattstiel ist 1–3 cm lang und kann Drüsen aufweisen.

Die Blüten der Sauerkirsche sind zu zweien bis vieren in sitzenden Dolden angeordnet. Die relativ späte Blütezeit bewirkt eine geringe Spätfrost-Gefährdung und Ertragssicherheit. Die Knospenschuppen bleiben bis nach dem Verblühen an den Dolden vorhanden. Die inneren Knospenschuppen sind aufrecht. Am Grund der Dolden befinden sich wenige, kleine Laubblätter. Die Blüten erscheinen zeitgleich mit den Blättern. Der Blütenstiel ist 2–4 cm lang, kahl und abstehend. Die Blüten haben einen Durchmesser von 2–2,5 cm. Der Blütenbecher ist breit glockenförmig und kahl. Die Kelchblätter sind kahl, bräunlich und in der Regel fein gezähnt. Die Kronblätter sind weiß, 10–13 mm lang, ganzrandig und fast kreisrund. Die ungefähr 20 gelben Staubblätter sind ein bisschen kürzer als die Kronblätter.

Die Steinfrucht der Sauerkirsche hat einen Durchmesser von 15 bis 20 mm und ist mehr oder weniger kugelig, geringfügig höher als breit, kahl, unbereift und hell- bis schwarzrot. Das Fruchtfleisch schmeckt säuerlich und ist rot gefärbt oder ungefärbt. Der Säuregehalt besteht hauptsächlich aus Apfelsäure und einem kleineren Anteil Weinsäure.https://biozac.de/biozac/capvil/Cvcerasu.htm Die wichtigsten Aromakomponenten sind Benzaldehyd, Benzylalkohol, Eugenol und Vanillin.DOI 10.1007/s00217-002-0641-8 Das Obst ist eine gute Quelle von Polyphenolen (viel Rutin und Chlorogensäure, einschließlich Flavonoiden wie Anthocyanen, Flavan-3-olen und Flavonolen), Hydroxyzimtsäuren und Hydroxybenzoesäuren.L. Gao, G. Mazza: Characterization, quantification, and distribution of anthocyanins and colorless phenolics in sweet cherries. J Agric Food Chem 43: 343–346 (1995).DOI: 10.1002/jsfa.7212 Diese tragen zu Bitterkeit, Adstringenz, Farbe, Geschmack/Geruch bei.K.B. Pandey, S.I. Rizvi: Plant polyphenols as dietary antioxidants in human health and disease. Oxid Med Cell Longev 2: 270–278 (2009). Der Weichselkern, ein Steinkern, ist bis zu 10 mm lang, kugelig bis eiförmig, stumpf und glatt. Der Ertrag setzt recht früh ein und fällt sehr regelmäßig aus.

Ihre Blütezeit reicht von April bis Mai. Im Gegensatz zu den meisten Süßkirschensorten sind Sauerkirschen in der Regel selbstfruchtbar oder selbstbestäubend. Dadurch sind die Samen in der Regel sortenecht und weniger Bestäuberinsekten nötig.

Die Sauerkirsche ist durch ihren hybridogenen Ursprung allopolyploid mit 2n = 4x = 32 Chromosomen.Yan Wang, Han-Mei Du, Jing Zhang, Tao Chen, Qing Chen, Hao-Ru Tang, Xiao-rong Wang, 2018: Ploidy level of Chinese cherry (Cerasus pseudocerasus Lindl.) and comparative study on karyotypes with four Cerasus species, DOI:10.1016/j.scienta.2017.12.065

Verbreitung und Standort mini|Ein kleiner Sauerkirschenbaum in Karadsch, Iran Die Sauerkirsche wird fast in der gesamten Nordhalbkugel als Obstbaum kultiviert. Im Norden wird sie in Finnland bis zum 63. und in Norwegen bis zum 68. Breitengrad angebaut. In den Südalpen ist sie bis in Höhenlagen von 1600, in den Zentralalpen bis 1800 Metern zu finden. Die Art verwildert häufig, besonders die Unterart acida.https://biozac.de/biozac/capvil/Cvcerasu.htm Es sind jedoch bisher keine echten Wildvorkommen bekannt.

Sie wächst wie Birnen bevorzugt auf lockeren, leichten, nährstoff- und basenreichen, sandigen Lehmböden, wobei sie gegenüber Süßkirschen mehr Stickstoff und Wasser benötigen. Staunässe wird schlecht vertragen, allerdings immer noch besser als von Süßkirschen. Gegenüber anderem Obst hat sie vergleichsweise niedrigste Standortansprüche, ggf. aber mit Ertragseinbußen. Verwildert ist sie in Hecken (vor allem in Schlehen-Liguster-Gebüschen) und Weinbergen, seltener auch in lichten Eichenwäldern zu finden.

Kultur Als hybridogene Art entstand sie wahrscheinlich innerhalb der letzten 1,6 Millionen JahreDOI 10.1093/hr/uhad097 in der Hybridzone der Elternarten P. avium und P. fruticosa. Die Kultur geht auf die Gegend um das Kaspische und das Schwarze Meer zurück. Sie war im antiken Griechenland bereits 300 vor unserer Zeitrechnung bekannt und wurde auch von den Persern genutzt. Die Römer führten sie lange vor dem 1. Jahrhundert unserer Zeit nach Britannien ein. In England wurde die Kultur im 16. Jahrhundert bekannter gemacht. 1640 waren dann in Kent über zwei Dutzend Kultursorten im Anbau, in England vor dem Zweiten Weltkrieg über 50. Heutezutage beschränkt sich der kommerzielle Anbau allgemein auf sehr wenigehttps://www.academia.edu/download/114611472/FVCSB_5_SI1_63_67o.pdf Sorten und Baumschulen führen dort oft nur noch die Schattenmorelle. Weltweit wurden in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts jährlich 1,1 bis 1,3 Millionen Tonnen Früchte produziert. Bei der modernen kommerziellen Produktion führen Russlandhttps://www.academia.edu/download/115797857/j.tifs.2019.02.05220240608-1-li2cwc.pdf und die Türkei.https://www.fao.org/faostat/de/#data/QCL In Amerika konzentriert sich die Produktion größtenteils auf Michigan. Systematische Zuchtprogramme gab es zuerst in Russland, Deutschland, Ungarn und Rumänien. Sie wurden später auch in den USA etabliert, allerdings verantworten die dortigen seit den 1990er Jahren nur etwa 8 % der Neuerscheinungen.

Da die Früchte bei vielen Sorten nicht trocken vom Stiel lösen, sollten sie in dem Fall vom Baum abgeschnitten werden.

Deutschland In Deutschland konzentriert sich der kommerzielle Anbau von Sauerkirschen auf die drei Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen. Laut den Angaben des statistischen Bundesamtes (destatis) wurden 2019 15.439 Tonnen Sauerkirschen geerntet. Der Spitzenreiter Rheinland-Pfalz kommt dabei auf 5.731 Tonnen. Es folgt Baden-Württemberg mit 3.880 Tonnen und Sachsen mit 2.372 Tonnen.Kirschenernte 2020 – Vorläufige Ernteschätzung (Juni) für Süß- und Sauerkirschen im Marktobstbau, Angaben des Statistischen Bundesamtes, abgerufen am 20. Januar 2021 In der Imkerei sind Sauerkirschen aufgrund des Zuckergehalts ihres Nektars (9,7–15 %) und seines hohen Zuckerwerts (bis zu 1,31 mg Zucker je Tag je Blüte) eine geschätzte Trachtpflanze.Helmut Horn, Cord Lüllmann: Das große Honigbuch. 3. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10838-4, S. 30f.

Krankheiten und Schädlinge Sauerkirschen sind weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten als Süßkirschen, allerdings kann die Beliebtheit bei Vögelnhttps://plants.ces.ncsu.edu/plants/prunus-cerasus/ (ohne Schutznetze) zu starken Ernteeinbußen führen. Folgende Krankheiten und Schädlinge können an Sauerkirschen wirtschaftliche Schäden verursachen: Stecklenberger Krankheit Monilinia-Spitzendürre Bakterienbrand Pseudomonas Fruchtfäule Gummifluss Schrotschusskrankheit Sprühfleckenkrankheit Kleiner Frostspanner Kirschfruchtfliege Schwarze Kirschenblattlaus (Myzus cerasi)https://www.kob-bavendorf.de/sauerkirsche.html Kirschenschorf (Venturia cerasi) Kirschenblattwespe

Systematik Für Prunus cerasus werden mindestens seit dem 17. JahrhundertAdam Lonitzer: Kreuterbuch. Künstliche Conterfeytunge der Baeume, Stauden, Hecken, Krauter, Getreyd, Gewuertze [...]. Hrsg. von Peter Uffenbach, (Frankfurt am Maion 1557, weitere Ausgabe ebenda 1630; letzte Ausgabe Augsburg 1783) Ulm an der Donau 1679; Neudruck (Leipzig 1934 und bei) Konrad Kölbl, (Grünwald bei) München 1962, S. 52. meist zwei Unterarten der Sauerkirsche unterschieden:

Die Baum-Sauer-Kirsche (Prunus cerasus subsp. cerasus) ist ein Baum mit aufrechten Zweigen. Die Blätter sind lebhaft grün und oval. Die Steinkerne sind rundlich. Die kultivierten Sorten dieser Unterart lassen sich in zwei Varietäten einteilen: Glas-Kirsche, Wasser-Kirsche, Amarelle (Prunus cerasus var. cerasus): Die Blütenstiele sind kurz und meistens doppelt bis dreimal so lang wie der Blütenbecher. Die Früchte sind hellrot, glasig und sauer. Der Saft ist ungefärbt. Der Steinkern löst sich nicht vom Stiel. Süßweichsel, Morelle (Prunus cerasus var. austera ): Die Blütenstiele sind lang. Die Frucht ist rot und süßsauer. Der Saft ist gefärbt. Der Steinkern löst sich leicht vom Stiel. Die Strauch-Sauer-Kirsche oder Schattenmorelle (Prunus cerasus subsp. acida ) ist ein Strauch oder ein kleiner Baum. Die Zweige sind überhängend und es werden Wurzelausläufer gebildet. Die Blätter sind dunkelgrün und länglich bis verkehrt eiförmig. Die Früchte sind dunkelrot, sauer und haben einen gefärbten Saft. Die Steinkerne sind eiförmig. acida leitet sich vom lateinischen acidus ab, was sauer bedeutet.

Die Sauerkirsche ist aus einer Kreuzung von Vogel-Kirsche (Prunus avium) und Steppen-Kirsche (Prunus fruticosa) hervorgegangen.Thomas W. Wöhner et al.: The draft chromosome-level genome assembly of tetraploid ground cherry (Prunus fruticosa Pall.) from long reads. In: Genomics. Band 113, Nr. 6, 2021, S. 4173–4183, doi:10.1016/j.ygeno.2021.11.002. Die Mutter der Schattenmorelle – Genomsequenz der Steppenkirsche entschlüsselt. Auf: idw-online.de vom 15. Dezember 2021.

Botanischer Name Die Sauerkirsche, in alten botanischen und pharmazeutischen Texten als cerasaOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 138 (Cerasa). oder cerasusVgl. Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 33 (Cerasus „kirsch baum“).Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 170 („Cerasus – kyrßbaum, cerasum, cerasie, cerasa […], granum regium“). bezeichnet, wurde 1753 von Linné als Prunus cerasus erstbeschrieben. Synonyme sind Cerasus vulgaris , Cerasus acida , Druparia cerasus , Cerasus caproniana , Prunus caproniana und Prunus recta .

Epitheton