Der BA3-2101, deutsche Transkription WAS-2101, international gebräuchliche Transkription VAZ-2101, ist eine Limousine aus der von AwtoWAS hergestellten Schiguli-Reihe (russisch: Жигули). Das Fahrzeug ist ein Lizenznachbau des Fiat 124, mit einigen wesentlichen technischen Änderungen. Die Produktion wurde am 19. April 1970 aufgenommen und 1988 eingestellt. Es entstanden rund 4,7 Millionen Exemplare. Für den Export wurde teilweise der Markenname Lada verwendet, ab 1976 auch in der DDR. In der Sowjetunion hingegen blieb es bei der Bezeichnung als Schiguli mit Schriftzug in kyrillischen Buchstaben am Heck. Im russischen Volksmund wurden zumindest die Limousinen der Modellreihe WAS-2101 Kopeika (zu Deutsch Pfennig/Groschen) genannt. Der Export wurde 1984 eingestellt. Bereits ab 1980 löste der WAS-2105 nach und nach den WAS-2101 ab. Auf Basis des WAS-2101 entstand auch eine Kombiversion, die eine eigene Typenbezeichnung hat: WAS-2102.Tass: 45 лет с момента старта: знаменитые автомобили АвтоВАЗа. 24. März 2016, abgerufen am 25. Februar 2020 (in russischer Sprache).
Baumuster mini|Жигули-Schriftzug am Heck eines WAS-2101 mini|Heckansicht des WAS-21013
Es entstanden mehrere Baumuster des WAS-2101, in russischer Sprache als Модификации („Modifikationen“) bezeichnet.
WAS-2101 Dies war die erste, ab 1970 produzierte Variante, ausgestattet mit einem 1,2-Liter-Motor mit 60 DIN-PS (44 kW) und einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h bei einer Beschleunigung 0–100 km/h in etwa 22 Sekunden. Der Exportname dieses Modells war unter anderem Lada 1200. Wie lange dieses erste WAS-Modell produziert wurde, lässt sich aufgrund sehr unterschiedlicher Literaturangaben nicht feststellen. Allerdings fehlt der WAS-2101 in einer Produktionsaufstellung von 1986 bereits,Sa rulem. Heft März 1987 sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Serienfertigung vor 1986 endete.
WAS-21011 Der WAS-21011Viertes Modell aus Togliatti: Shiguli WAS 21011. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1975, S. 154–155. war eine ab 1974 gebaute modifizierte Variante mit einem 1,3-Liter-Motor. Während der Motor des WAS-2103 durch Hubverlängerung entstand, hatte der 21011 einen aufgebohrten Motor. Die Scheinwerfer wurden verbessert. Äußerlich unterschied sich der 21011 in mehreren kleinen Details von der Basisausführung: Die Hörner auf den Stoßfängern entfielen und ein Gummistreifen wurde über die gesamte Breite der Stoßfänger angebracht. Erst auf den zweiten Blick fallen ein geändertes Kühlergrill und zusätzliche Lufteinlässe unterhalb dessen auf. An der C-Säule gab es nun Entlüftungsschlitze. Die Rückleuchten erfuhren ebenso eine Überarbeitung und erhielten mittig zwischen den Kammern einen passiven Reflektor in die im Querschnitt vorher dreieckig und nun glattflächigen Gläser integriert, während beim WAS-2101 weiterhin jeweils ein kleiner rechteckiger Reflektor unter den Rücklichtern angebracht war. Dieser wurde beim 21011 durch ein Rückfahrlicht ersetzt. Die Scheibenwasserpumpe bediente man im WAS-21011 gegenüber dem WAS-2101 mit dem Fuß, anstatt per Gummi-Taste auf dem Armaturenbrett. Das Armaturenbrett hatte bei diesem Modell eine Holz-Kunststoff-Verkleidung, und statt schwarz war es nun hellgrau oder weiß-schwarz. Die Sitze entsprachen denen des 2103, hier jedoch mit Kunstlederbezug. Die Beleuchtung der Instrumententafel wurde verbessert. Eine Verbesserung, die auch beim 2101 serienwirksam wurde, waren selbstnachstellende Trommelbremsen an der Hinterachse. All diese Maßnahmen wurden speziell für den Export geschaffen, um das Modell wettbewerbsfähiger anbieten zu können, was anfänglich auch der Fall war. 1979 gab es für die Exportmodelle optische Überarbeitungen, so geänderte Außenspiegel, andere Lüftungsgitter und ein überarbeitetes Armaturenbrett. Der Exportname dieses Modells war meist Lada 1300.
Auch beim WAS-21011 gibt es in der Literatur widersprüchliche Angaben zum Bauzeit-Ende, genannt werden unter anderem die Jahre 1981 Werner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2. Auflage 2000, ISBN 3-613-01913-2. und 1983.Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. Transpress Verlag, Berlin, 1. Auflage 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 128. Die KFT schreibt im Messebericht von der Leipziger Herbstmesse 1981, dass Mitarbeiter von Avtoexport mitgeteilt hätten, dass der WAS-21011 noch „einige Zeit“ weitergebaut würde.Premiere auf der Leipziger Herbstmesse: WAS 2105 – der neue Lada 1300. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1981, S. 374–375.
WAS-21013 1977 kam der WAS-21013 hinzu, wobei die Modifikationen des WAS-21011 mit dem 1,2-l-Motor kombiniert wurden. Die Exportbezeichnung lautete Lada 1200S. Dieses Modell machte auch Mitte der 1980er Jahre noch einen erheblichen Teil der gesamten WAS-Produktion aus, beispielsweise wurden 1986 noch 132.405 Stück des WAS-21013 produziert. Die Bauzeit endete – in diesem Fall ist die Literatur weitgehend übereinstimmend – im Jahr 1988.
WAS-2101-Modelle für die sowjetische Miliz WAS-21016 (1976–1981) Spezielle Variante für die sowjetische Miliz mit einem 1,5-Liter-Motor des WAS-2103. WAS-21018 (1978) Ein WAS-21011 mit Wankelmotor für die sowjetische Miliz und den KGB mit 80 PS (59 kW). WAS-21019 „Arkan“ (1983) Ebenfalls ein WAS-21011 mit Wankelmotor für die sowjetische Miliz und KGB mit nun 120 PS (88 kW).
Technik
Der WAS-2101 ist eine viertürige Stufenhecklimousine mit längs eingebautem Frontmotor und Hinterradantrieb. Die Ganzstahlkarosserie ist selbsttragend. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorn und Starrachse hinten ist so konstruiert, dass auch ein Befahren schlecht asphaltierter Straßen möglich ist. Ferner wurde bei der Konstruktion des WAS-2101 Wert auf die Anfang der 1970er-Jahre vermehrt in den Fokus geratene passive Fahrzeugsicherheit gelegt.
Unterschiede zum Fiat 124 Technisch basiert der WAS-2101 direkt auf dem ursprünglichen Fiat 124, unterscheidet sich von diesem aber in über 800 Punkten. Die Änderungen wurden einerseits vorgenommen, um neue technische Erkenntnisse in die Konstruktion einfließen zu lassen: Anstelle des Fiat-Motors mit seitlicher Nockenwelle wurde ein von NAMI entwickelter Ottomotor mit obenliegender Nockenwelle, Schlepphebeln und Drehstromlichtmaschine eingebaut. Die Kurbelwelle war 5-fach gelagert (wie Fiat 124). Ein wesentlicher Unterschied zum Fiat-Motor war die kurzhubige Auslegung des 1,2-l-Motors (Bohrung 76 mm, Hub 66 mm). Anstelle des Horizontalvergasers (Fiat) wurde ein Fallstromvergaser im WAS verwendet. Wie bereits im Fiat ab 1968 eingeführt, besaß auch der WAS-2101 die verbesserte Anlenkung der Hinterachse: Zusätzliche Längslenker nehmen die Bremsmomente auf. Auch besaß der WAS-2101 eine lastabhängige Bremskraftbegrenzung für die Hinterräder und Zweikreisbremsanlage (im Fiat ab Ende 1970). Ferner flossen auch Reklamations-Meldungen vom Fiat 124 in die Entwicklung des WAS-2101 ein. So wurden die Druckplatte der Kupplung verstärkt und Seilzüge durch Hydraulik (Kupplung) bzw. Gestänge (Gas) ersetzt und neue, versenkte Türgriffe verwendet.Shiguli und der XXIV. Parteitag der KPdSU. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1971, S. 133–135.
Weitere Änderungen hatten das Ziel, den Wagen an die Bedingungen der schlechten sowjetischen Straßen und teilweise extremen klimatischen Verhältnisse anzupassen. Dazu wurde die Karosserie um 3 cm auf 17 cm Bodenfreiheit höhergelegt, die Federung weicher abgestimmt und die Achsen erhielten zusätzliche Stabilisatoren. Die Vollkommenheit italienischer Karosserieformgebung in Gestalt präzise geformter Radausschnitte ging dabei freilich verloren. Karosserie und Anbauteile wurden teilweise verstärkt, darunter Radschalen, Felgen, Dachpartie und Kofferboden. Auch diverse Gelenke und Lenkungsteile wurden verstärkt. Eine kräftige Heizungsanlage besaß bereits der Fiat, schlechteren Wetterverhältnissen wurde im WAS-2101 mit einem zweistufigen Scheibenwischer, einem zweistufigen Gebläse, zusätzlichen Lüftungs-Öffnungen und einem anderen Wärmetauscher für die Heizung begegnet. Die Scheibenbremsen an der Hinterachse wurden aus Gründen besseren Schutzes vor Verschmutzung durch Trommelbremsen ersetzt. Der Motor war so beschaffen, dass er mittels Andrehkurbel bei Startproblemen angekurbelt werden konnte.
Fahrwerk Die Vorderräder sind einzeln an ungleich langen Dreiecksquerlenkern mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern aufgehängt. Es gibt weiters einen Querstabilisator. Die schraubengefederte Hinterachse ist starr, sie wird mit vier Längslenkern und in seitlicher Richtung von einem Panhardstab geführt. Auch hier sind hydraulische Teleskopstoßdämpfer eingebaut. Die Schraubenfedern hatten keine progressive Kennung, sodass bei voller Beladung ein recht tiefes Einsinken schon im Ruhezustand auftreten konnte.KFT Langstreckenerfahrungen mit den Lada-Modellen WAS 2101, 2102 und 21011. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1979, S. 24–27. Der WAS-2101 hat Stahlscheibenräder der Größe 4½ × 13 in mit Reifen der Größe 6¼–13 in. Die Bremsanlage ist eine hydraulische Zweikreisbremsanlage mit 252,7-mm-Scheiben vorne und 250-mm-Trommeln hinten. Die Handbremse wirkt mechanisch auf die Hinterräder. Die Lenkung ist eine Schnecken-Rollen-Lenkung mit stark positivem Lenkrollradius, weshalb sie beim Rangieren recht schwergängig ist, dafür aber sehr solide gebaut ist.
Die Fahrwerkseinstellungen wurden werksseitig teilweise nachlässig ausgeführt. Optische Achsvermessungen ergaben an einem Testfahrzeug der KFT einen deutlich zu negativen Sturz und eine wesentlich zu große Vorspur. Die Folge waren erhöhte Lenkkräfte und ein vorzeitiger Reifenverschleiß. Das Problem war kein Einzelfall und führte in der DDR seinerzeit zu Auseinandersetzungen zwischen Instandhaltern, Binnenhandel und Hersteller bei Garantieansprüchen.Zur Vorderradgeometrie der WAS-PKW. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1976, S. 290–291.
Motor
Es ist ein wassergekühlter Vierzylinderreihenmotor mit 1198 cm3 Hubraum eingebaut. Der Motor arbeitet nach dem Ottoverfahren, hat einen Registervergaser mit mechanisch gesteuerter zweiter StufeAufbau und Arbeitsweise des Vergasers des PKW WAS 2101 "Shiguli". In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1972, S. 368–370. und eine obenliegende Nockenwelle. Gemessen nach GOST-Standard leistet er 62 PS (46 kW).
Bei der Konzeption des Motors wurde auf Wartungsfreundlichkeit geachtet. Er hat einen Motorblock aus niedriglegiertem Gusseisen. Die Kolben haben eine flache Form. Die geschmiedete Kurbelwelle ist fünffach in Aluminium-Stahl-Lagern gelagert. Der Gegenstromzylinderkopf ist aus Aluminiumguss mit einer Zylinderkopfhaube aus Stahl. Zwischen Motorblock und Zylinderkopf ist eine Zylinderkopfdichtung aus asbesthaltigem Material eingebaut. Die Brennräume sind vollständig im Zylinderkopf und haben eine keilartige Form. Je Brennraum hat der Zylinderkopf ein Einlassventil und ein Auslassventil. Sie werden über Schlepphebel von der mit einer Duplexrollenkette angetriebenen fünffach gelagerten Nockenwelle betätigt. Die Zündanlage arbeitet mit einem konventionellen Zündverteiler und Unterbrecherkontakt.
Markant für die Lada-Motoren allgemein war das ausgeprägte Geräusch des Ventiltriebs. Es empfahl sich ein regelmäßiges Spannen der Steuerkette nicht erst nach den herstellerseitig angegebenen 10 000 km, sondern bereits nach 5000 km.Selbst geholfen: Instandsetzungshinweise für die Lada-Modelle. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1978, S. 223–227.
Ein Kuriosum des WAS-2101 und anderer Shiguli-Modelle war die Konstruktion des Gasgestänges, die in Verbindung mit der ungünstigen Gaspedalstellung ein gefühlvolles Anfahren schwierig machte. Das Problem wurde seinerzeit in der Fachpresse wiederholt diskutiert und Umbauanleitungen veröffentlicht, um ein gefühlvolles Anfahren zu ermöglichen.Verändertes Gasgestänge für Shiguli/Lada. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1979, S. 13.
Antriebsstrang