Die Asche von Birkenau ist ein Gedicht des Schriftstellers Stephan Hermlin aus seinem Zyklus Erinnerung.Fritz J. Raddatz: Was wissen die Jüngeren von unseren schweren Kämpfen? In: Die Zeit vom 14. Mai 1995. Es wurde 1965 von Günter Kochan als Kantate vertont.

Gedicht miniatur|KZ Auschwitz-Birkenau, 1945. Foto vom Torhaus, Aufnahme Stanisław Mucha Es wurde 1949 bei einem Besuch im KZ Auschwitz-Birkenau verfasst und 1951 veröffentlicht. Es ist aus fünf zwölfzeiligen Strophen aufgebaut. Hermlin setzt sich mit dem Holocaust auseinander. Die Motive sind Erinnerung und Vergessen.

In der letzten Strophe des Gedichtes heißt es optimistisch:

Der Autor äußerte sich mahnend zugleich; in einem Interview von 1979 sagte er:Wolfgang Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR. Berlin 1999, S. 318–319.

Musik Entstehung Zur Zeit der noch andauernden 2. Auschwitzprozesse schuf der Komponist Günter Kochan Die Asche von Birkenau für Alt-Solo und Orchester (1965). Er orientierte sich am Gedicht von Stephan Hermlin und teilte sein Werk in insgesamt sieben Sätze auf, wobei er die 4 Strophen als Grundlage benutzte und 3 drei zusätzliche instrumentale Teile komponierte. Die Schlüsselpassage ist der vierte Satz mit seiner Totenklage.

Sätze Andante rubato Interludium I (Andante) Allegro Grave Interludium II: Moderato Vivace Epilog: Moderato

Orchesterbesetzung Solistenstimme (Alt), 2 Flöten, 1 Oboe, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, 1 Posaune, 1 Pauke, 1 Schlagzeug, 1 Celesta, 1 Klavier, Streicher

Uraufführung Das Werk wurde am 25. Mai 1966 vom Berliner Sinfonie-Orchester unter Kurt Masur in Berlin uraufgeführt. Es hat eine Dauer von ca. 16 Minuten.

Bedeutung Kochan betrachtete die Asche von Birkenau als eines seiner wichtigsten Stücke. Nach eigenen Aussagen aus den 1970er Jahren wurde das Werk von mehr als sieben Rundfunkstationen gesendet.Ursula Stürzbecher (Hrsg.): Komponisten in der DDR. 17 Gespräche. Hildesheim 1979, S. 195. Die Kantate avancierte zu einem der bedeutendsten musikalischen Werke, die sich mit dem Völkermord an den Juden auseinandersetzen.

Aufnahmen Annelies Burmeister (Alt), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Leitung: Kurt Masur (1967) Annelies Burmeister (Alt), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Leitung: Wolf-Dieter Hauschild (1975) Annelies Burmeister (Alt), Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig, Leitung: Herbert Kegel (1975)

Rezeption Der Holocaustüberlebende Simon Wiesenthal schrieb 1979 einen Text zum Gedicht. Auszugsweise hieß es darin:Heinz Ludwig Arnold: Einigkeit und aus Ruinen. Eine deutsche Anthologie. Frankfurt/Main 1999, S. 45–46.

Im Jahr 2002 wurde der letzte Abschnitt des Gedichtes durch den Bildhauer Ingo Warnke in eine drehbare Steinsäule nahe dem Apellplatz in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch eingraviert. (PDF-Datei; 139 kB). Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch Der Text wurde spiralförmig in den Drehstein eingearbeitet, sodass der Besucher zum Umkreisen der Fläche aufgefordert wird.Auf spielerischer Suche nach den Strukturen der Wirklichkeit. Beobachtungen zum Bildhauer Ingo Warnke (PDF-Datei; 1,91 MB).

Literatur Wilhelm Buschkötter, Hansjürgen Schaefer: Handbuch der internationalen Konzertliteratur. Instrumental- und Vokalmusik [Manual of international concert literature]. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, de Gruyter, Berlin, New York 1996, ISBN 3-11-013905-7, S. 479. Hans-Peter Müller: „Die Asche von Birkenau“ zu Günter Kochans neuer Solo-Kantate. In: Musik und Gesellschaft 16 (1966), S. 553–462. Klaus Wagenbach (Hrsg.): Lesebuch Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1959. Wagenbach, Berlin 1980, ISBN 3-8031-3008-5, S. 112–113.

Einzelnachweise

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