Als Relegation zur deutschen Fußball-Bundesliga werden im deutschen Ligafußball die Relegationsspiele zur Bundesliga und zur 2. Bundesliga bezeichnet. Derartige Spiele gibt es seit 1982.

Seit 2008/09 werden zum Saisonende zwei Spiele zwischen der drittletzten Mannschaft der Bundesliga und der drittplatzierten Mannschaft der 2. Bundesliga sowie zwischen der drittletzten Mannschaft der 2. Bundesliga und dem Drittplatzierten der 3. Liga ausgetragen. Ziel ist es, durch direkten Vergleich die letzten Teams zu bestimmen, die in der folgenden Saison einen Platz in der jeweils höheren oder niedrigeren Spielklasse erhalten (d. h. entweder beibehalten, aufsteigen oder absteigen).

Geschichte mini|FC St. Pauli gegen Stuttgarter Kickers im dritten und entscheidenden Relegationsspiel auf neutralem Platz im Gelsenkirchener Parkstadion (1991) Bekannt geworden ist der Begriff der Relegation in Deutschland seit 1982. Er entstand nach Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga im Zusammenhang mit dem Aufstieg in die Bundesliga. In den Jahren 1964 bis 1974 hatten die jeweils Ersten und Zweiten der Regionalligen (insgesamt zehn Mannschaften) zwei Aufsteiger in Aufstiegsrunden ermittelt. 1975 bis 1981 waren die Meister der 2. Bundesliga Nord und Süd aufgestiegen; um den dritten Aufstiegsplatz wurden sogenannte Aufstiegsspiele der beiden Ligazweiten ausgetragen.

Von 1982 bis 1991 wurden Entscheidungsspiele zwischen dem Sechzehnten (und damit Drittletzten) der Bundesliga und dem Dritten der eingleisigen 2. Bundesliga ausgetragen, und zwar grundsätzlich in Hin- und Rückspiel. In den Jahren 1986, 1988 und 1991 wurde ein drittes Spiel nötig. Im Jahr 1988 kam es – nachdem sowohl der SV Darmstadt 98 als auch der SV Waldhof Mannheim im dritten Spiel auch nach Verlängerung kein Tor geschossen hatten – zum einzigen Mal zu einem Elfmeterschießen.

Diese 1982 bis 1991 ausgetragenen Entscheidungsspiele wurden „Relegationsspiele“ genannt. Die Spiele waren für den Drittletzten der Bundesliga Abstiegs-, für den Dritten der 2. Bundesliga Aufstiegsspiele. Am 9. Oktober 2007 beschloss die DFL eine Wiedereinführung dieser Spiele ab der Saison 2008/09. Die gleiche Regelung gilt seitdem auch für 2. Bundesliga und 3. Liga.

mini|rechts|500px|Schematische Darstellung der Regelung zu Auf- und Abstieg in der Bundesliga Betrachtet man übergreifend beide Zeiträume, in denen die Relegation zur Bundesliga ausgetragen wurde, lässt sich feststellen, dass der Hamburger SV als einzige Mannschaft bereits viermal an den Relegationsspielen zur 1. Bundesliga teilgenommen hat, von denen zwei gewonnen wurden. Alle drei von drei Relegationsduellen konnte Eintracht Frankfurt gewinnen. Ligaübergreifend bestritt der 1. FC Nürnberg ebenfalls insgesamt vier Relegationen und gewann davon drei (zwei zur 1. Bundesliga und eine zur 2. Bundesliga). Bei insgesamt 40 Duellen konnten sich die Zweitligisten bislang lediglich zehnmal durchsetzen.

2024 gelang es zum ersten Mal in der Relegation zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga einer Mannschaft (VfL Bochum) einen 0:3-Rückstand aus dem Hinspiel (gegen Fortuna Düsseldorf) im Rückspiel noch zu drehen. 2026 gelang es erstmals beiden Zweitligisten, sich in ihrer jeweiligen Relegation durchzusetzen.

Relegationsspiele 1982 bis 1991 zur Bundesliga Siebenmal gewann der Erstligist das Duell und durfte in der obersten Spielklasse verbleiben, drei der zehn Relegationsduelle konnte die Mannschaft aus der 2. Bundesliga für sich entscheiden – es gab in jenen Jahren somit drei Auf- und Absteiger.

Der 1. FC Saarbrücken nahm dreimal an den Relegationsspielen teil, zwei Vereine (Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli) zweimal, alle anderen nur einmal.

Regelung seit 2009 Im deutschen Profifußball gibt es seit der Saison 2008/09 wieder Relegationsspiele um Auf- und Abstieg. Der Drittletzte der höheren Liga und der Dritte der Spielklasse darunter tragen zwei Entscheidungsspiele um einen Platz in der höheren Spielklasse aus. Es hat diejenige Mannschaft zunächst Heimrecht, die gemäß dem Spielplan der abgelaufenen Spielzeit mehr spielfreie Tage vor dem Hinspiel genießt. Hierdurch soll die Mannschaft, die durch eine kürzere Pause zwischen dem letzten Pflichtspiel und dem Relegationshinspiel benachteiligt ist, durch das Heimrecht im Rückspiel einen möglichen ausgleichenden Vorteil zugesprochen bekommen. In der Regel hatte deshalb der Erst- bzw. Drittligist Heimrecht im Hinspiel, da der letzte Spieltag der 1. Bundesliga bzw. 3. Liga normalerweise vor dem letzten Spieltag der 2. Bundesliga stattfindet. Eine Ausnahme bildete die Saison 2019/20: Da die Saison der 3. Liga in diesem Fall später endete, hatte hier zunächst der Zweitligist Heimrecht. Bei gleicher Anzahl spielfreier Tage zwischen Liga-Ende und Relegationshinspiel soll das Los entscheiden.

Gegenüber der früheren Regelung (bis 1991) gibt es kein drittes Entscheidungsspiel mehr. Bis einschließlich der Saison 2020/21 galt zur Entscheidungsfindung zunächst die Auswärtstorregel: Bei gleicher Toranzahl nach Hin- und Rückspiel gewann die Mannschaft, die auswärts mehr Tore erzielt hatte. Falls hiernach im Rückspiel nach 90 Minuten noch keine Entscheidung gefallen war, gab es zweimal 15 Minuten Verlängerung, bei der weiterhin die Auswärtstorregel galt. Stand danach immer noch kein Sieger fest, fand ein Elfmeterschießen statt.

Seit der Saison 2021/22 kommt – analog zu den europäischen Pokalwettbewerben der UEFA – die Auswärtstorregel nicht mehr zur Anwendung. Somit kommt es bei gleicher Toranzahl nach Hin- und Rückspiel stets zu einer Verlängerung. Sollten beide Mannschaften auch hiernach gleich viele Tore aufweisen, findet ein Elfmeterschießen statt.

Zur Bundesliga Von den 18 bisherigen Relegationsrunden fielen 14 zugunsten des Erstligisten und vier zugunsten des Zweitligisten aus. Sehr auffällig ist, dass die Zweitligisten in den 16 Relegations-Heimspielen von 2010 und 2025 kein einziges Mal als Sieger vom Platz gingen. Seit der Wiedereinführung der Relegation zur Bundesliga im Jahre 2009 konnten damit lediglich der 1. FC Nürnberg (2009) und der SC Paderborn (2026) als Zweitligisten ihre Relegations-Heimspiele gewinnen.

Der Hamburger SV nahm bisher viermal teil. Der 1. FC Nürnberg nahm dreimal teil, zusammen mit der Relegation zur 2. Bundesliga sind es ebenfalls bereits vier Teilnahmen an Relegationsspielen. Der VfL Wolfsburg nahm dreimal teil. Hertha BSC, Holstein Kiel, der VfB Stuttgart, der VfL Bochum, Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Heidenheim nahmen jeweils zweimal teil; zusammen mit der Relegation zur 2.Bundesliga kommen auch der SC Paderborn und die SpVgg Greuther Fürth auf jeweils zwei Teilnahmen. Nürnberg, der HSV, Bochum und Heidenheim nahmen sowohl als Erst- als auch als Zweitligist teil. In zwei Begegnungen wurde die Entscheidung um den Klassenverbleib oder Aufstieg in der Verlängerung, in einer weiteren erst im Elfmeterschießen entschieden.

Zur 2. Bundesliga Von den 18 bisherigen Relegationsrunden endeten zwölf zugunsten des Drittligisten und sechs zugunsten des Zweitligisten.

Der VfL Osnabrück sowie der FC Ingolstadt 04 nahmen bislang jeweils viermal teil. Osnabrück konnte keine der vier Teilnahmen erfolgreich gestalten. Dynamo Dresden, der SSV Jahn Regensburg und der SV Wehen Wiesbaden kommen auf jeweils drei Teilnahmen, Arminia Bielefeld, der Karlsruher SC und der TSV 1860 München haben bereits jeweils zweimal teilgenommen.

Kritik Die Relegation stellt ein kontroverses Thema für die DFL, Sportler, Vereinsfunktionäre und Fans dar.ZDF: Fußball-Bundesliga: Wie (un)fair ist die Relegation?, Sport, Ralf Lorenzen, 18. Mai 2022FUMS: Relegation? Weg damit!, Thomas Poppe, 7. Juli 2020

Bei Wiedereinführung der Relegation im Jahr 2009 wurde sie vom damaligen DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus als „die Rückkehr eines Spannungsfaktors“ bezeichnet.Der Spiegel: KSC gegen HSV: Schafft die Relegation ab!, Sport, Christian Gödecke, 2. Juni 2015 Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass die Erstligisten in der Relegation einen signifikanten Vorteil gegenüber den Zweitligisten genießen. Diese ungleiche Spielansetzung, auch als „David gegen Goliath“ bezeichnet, führt Mannschaften stark unterschiedlicher Kaderqualitäten zusammen auf den Platz, wobei sich die höher spielende Mannschaft im Verlauf der Saison an einem höheren Spielniveau messen durfte. Vor allem aber ist die offensichtliche Chancenungleichheit in den unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der beiden Spielklassen begründet.Stern: Der HSV und die Angst vor der Statistik: Zweitligisten steigen in der Relegation meistens nicht auf, Fußball-Bundesliga, Fußball, Sport, tis, 19. Mai 2022 Teilweise verfügen potentielle Aufsteiger gerade einmal über 10 % des Budgets des Konkurrenten. In zwei der vier Fälle, in denen dem Zweitligisten der Aufstieg gelang, war der Unterschied der Mannschaftsetats besonders gering. Der 1. FC Nürnberg konnte als niederklassig spielende Mannschaft gar einen höher dotierten Kader vorweisen als sein Konkurrent aus der Relegation, als sie die Relegation in der Saison 2008/09 gegen Energie Cottbus gewannen. Relegationsspiele, die in der Regel auf einen weiteren Klassenerhalt anstatt eines zusätzlichen Aufsteigers hinauslaufen, lassen die Schere zwischen den beiden Ligen weiter auseinandergehen. Entsprechend wird die Relegation als Chance für den Bundesligisten und als Hürde für den Zweitligisten wahrgenommen. Das DFL-Vorstandsmitglied Heribert Bruchhagen räumte ein: „Der Zweitligist ist immer Außenseiter – natürlich.“ZDF: Bolzplatz by Manu Thiele – Talk mit Ex-Manager Heribert Bruchhagen, Manu Thiele, 17. Mai 2022 Der Erstliga-Trainer Markus Anfang prognostizierte: „Der Bundesligist wird sich langfristig immer durchsetzen.“

Bemängelt wird bei diesem tendenziell einseitigen Ausgang, dass dem potentiellen Aufsteiger der Lohn einer erfolgreichen Saison verwehrt wird, während der gegen den Abstieg spielenden Mannschaft ein „Rettungsnetz“ geboten wird, das sportlich nicht verdient sei.Süddeutsche Zeitung: Bundesliga: Die Relegation ist ein Fallschirm für privilegierte Klubs, Fußball, Johannes Aumüller, 23. Mai 2018Tagesspiegel: Keine Chance für die Zweite Liga: Warum die Relegation in hohem Maße ungerecht ist, Stefan Hermanns, 7. Juli 2020 Dabei laste ein hoher Druck auf allen Beteiligten, denn der Ausgang der 34 Spiele umfassenden Saison wird auf zwei Spiele verdichtet, die dadurch nicht nur unverhältnismäßig stark gewichtet werden, sondern zugleich richtungsweisend über die Zukunft oder gar die Existenz eines Klubs entscheiden können. Niko Kovač äußerte sich 2016 nach dem Klassenerhalt mit Eintracht Frankfurt durch die Relegation über die Drucksituation: „Nervlich, was die Spieler, was die Trainer hier auch erleiden und ertragen, das geht schon ins Unermessliche. Und ich würde mir wünschen, dass das nicht mehr so ist.“ZDF: Bolzplatz – Relegation abschaffen: Das ist die beste Alternative!, Manu Thiele, 17. Mai 2022