Der Große Preis von Frankreich 1979 (offiziell LXV Grand Prix de France) fand am 1. Juli auf dem Stade Automobile de Dijon-Prenois in der Nähe von Dijon statt und war das achte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1979.
Der Sieger Jean-Pierre Jabouille gewann im Heimrennen mit Chassis, Motor, Reifen und Treibstoffen aus heimischer Produktion. Bei diesem GP gewann erstmals ein 1500-Kubik-Turbomotor gegen die seit 1966 etablierten Dreiliter-Sauger, was durch mehrfaches gegenseitiges Überholen im Kampf um den zweiten Platz auch auf der Strecke sichtbar wurde. Während der Sieger relativ ungefährdet vorneweg fuhr, aber kaum im Gedächtnis blieb, lieferten sich Gilles Villeneuve im Ferrari und René Arnoux im zweiten Renault-Turbo ein packendes Duell. Bei einer Leserwahl der Motorsport-Zeitschrift Motorsport aktuell im Dezember 2010 wurde dieser Grand Prix zum Besten Formel-1-Rennen aller Zeiten gewählt.
Berichte Hintergrund Eigentlich war der Große Preis von Schweden wie in den Jahren zuvor für Mitte Juni vorgesehen gewesen. Da jedoch die beiden schwedischen Formel-1-Rennfahrer Ronnie Peterson und Gunnar Nilsson zwischenzeitlich nach Unfall und Krankheit verstorben waren, ging das Interesse der Zuschauer und Sponsoren dort derart zurück, dass das Rennen abgesagt wurde. Aufgrund dessen lag zwischen dem Großen Preis von Monaco und dem darauffolgenden WM-Lauf in Frankreich eine Pause von mehr als einem Monat.
Diese Unterbrechung wurde von vielfach für Testfahrten genutzt, um weitere Erfahrungswerte hinsichtlich der nach wie vor für die meisten Teams relativ neuen Wing-Car-Technik zu sammeln und die Rennwagen entsprechend zu modifizieren. Auch einige Personalwechsel fielen in diese Zeit, nachdem das Teilnehmerfeld während der ersten Saisonhälfte für damalige Verhältnisse erstaunlich konstant geblieben war, obwohl es das Concorde Agreement zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab.
James Hunt hatte nach dem Monaco-GP überraschend seinen Rückzug aus der Formel 1 erklärt. Sein Nachfolger bei Walter Wolf Racing wurde Keke Rosberg, der bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Renneinsatz in der Saison 1979 absolviert hatte. Patrick Depailler, der sich bei Ligier in einer aussichtsreichen Position befand, hatte sich während eines Unfalls beim Gleitschirmfliegen beide Beine gebrochen und schied daher für den Rest der Saison aus. Seinen Platz nahm Jacky Ickx ein, der letztmals beim Großen Preis von Schweden 1978 in der Teilnehmerliste gestanden hatte und der somit nach fast einem Jahr Unterbrechung zu einem weiteren Formel-1-Comeback kam, nachdem er bereits zwischen dem Großen Preis von Monaco 1977 und 1978 nahezu ein Jahr lang keine Grand-Prix-Einsätze bestritten hatte. Derek Daly entschied sich aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit bei Ensign Racing, in die Formel 2 zurückzukehren. Patrick Gaillard wurde anlässlich seines Heim-Grand-Prix als Ersatzmann unter Vertrag genommen.
Arturo Merzario, Héctor Rebaque und Bruno Giacomelli, die nicht am Monaco-GP teilgenommen hatten, kehrten ins Fahrerfeld zurück.
In der Fahrerwertung führte Jody Scheckter mit sechs Punkten vor Jacques Laffite und mit zehn Punkten vor Carlos Reutemann. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit acht Punkten vor Ligier und mit 17 Punkten vor Lotus.
Mit Mario Andretti (zweimal) und Niki Lauda (einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an. Beide gewannen dabei jeweils einmal den Großen Preis von Frankreich als dieser auf dem Circuit Paul Ricard ausgetragen wurde.
Training Renault sorgte nach mehreren Rückschlägen bei den zurückliegenden Einsätzen ausgerechnet beim Heimrennen für Furore, indem Jabouille die schnellste Trainingszeit fuhr, gefolgt von seinem Teamkollegen Arnoux. Villeneuve im Ferrari 312T4 und Brabham-Pilot Nelson Piquet bildeten die zweite Startreihe vor ihren jeweiligen Teamkollegen Scheckter und Lauda. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 24. August 2012)
Rennen Da das ATS Racing Team seine Teilnahme am Rennen trotz erfolgreicher Qualifikation durch Hans-Joachim Stuck kurzfristig absagte, durfte der eigentlich nicht qualifizierte Elio de Angelis ins Starterfeld aufrücken.
Villeneuve übernahm zunächst die Führung vor Jabouille und Scheckter, während Arnoux nach einem schlechten Start auf den neunten Rang zurückfiel. Bis zur 10. Runde kämpfte er sich jedoch wieder bis auf den vierten Rang und bis zum 15. Umlauf bis auf den dritten Platz zurück. Er stellte damit abermals die Konkurrenzfähigkeit des neuen Renault RS10 unter Beweis.
Aufgrund von Handlingproblemen fiel Villeneuve in der 47. Runde hinter Jabouille auf den zweiten Rang zurück. In der 78. Runde wurde er von Arnoux überholt und es schien, als ob Renault den ersten Sieg der Teamgeschichte direkt als Doppelsieg würde feiern können. In der vorletzten Runde bekam es Arnoux jedoch mit Motorenproblemen zu tun. Villeneuve konnte dadurch wieder aufschließen und so kam es zwischen den beiden Kontrahenten während der letzten Runde zu einem der bemerkenswertesten Rad-an-Rad-Duelle der Formel-1-Geschichte, welches Villeneuve knapp für sich entschied und rund zwei Zehntelsekunden vor Arnoux die Ziellinie kreuzte.
Jabouille stellte den ersten Sieg eines turbogetriebenen Fahrzeugs in der Formel 1 sicher. Hinter Villeneuve und Arnoux belegten Alan Jones, Jean-Pierre Jarier und Clay Regazzoni die Plätze vier bis sechs.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Lotus 80 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 Lotus 79 3 Tyrrell 009 4 5 Brabham BT48 Alfa Romeo 1260 3.0 V12 6 7 McLaren M28C Ford Cosworth DFV 3.0 V8 8 9 ATS D2 11 Ferrari 312T4 Ferrari 015 3.0 F12 12 14 Fittipaldi F5A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 15 Renault RS10 Renault EF1 1.5 V6t 16 17 Shadow DN9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 18 20 Wolf WR8 22 Ensign N179 24 Merzario A3 25 Ligier JS11 26 27 Williams FW07 28 29 Arrows A2 30 31 Lotus 79 35 Alfa Romeo 177 Alfa Romeo 115-12 3.0 F12
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:07,19 203,602 km/h 1 2 1:07,45 202,817 km/h 2 3 1:07,65 202,217 km/h 3 4 1:08,13 200,793 km/h 4 5 1:08,15 200,734 km/h 5 6 1:08,20 200,587 km/h 6 7 1:08,23 200,498 km/h 7 8 1:08,55 199,562 km/h 8 9 1:08,65 199,272 km/h 9 10 1:08,80 198,837 km/h 10 11 1:08,95 198,405 km/h 11 12 1:09,35 197,260 km/h 12 13 1:09,36 197,232 km/h 13 14 1:09,68 196,326 km/h 14 15 1:09,97 195,512 km/h 15 16 1:10,15 195,011 km/h 16 17 1:10,59 193,795 km/h 17 18 1:10,61 193,740 km/h 18 19 1:10,70 193,494 km/h 19 20 1:10,92 192,893 km/h 20 21 1:11,14 192,297 km/h 21 22 1:11,40 191,597 km/h 22 23 1:11,75 190,662 km/h DNS 24 1:11,97 190,079 km/h 23 25 1:12,23 189,395 km/h 24 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 25 Wagen begrenzt war, scheiterten Gaillard und Merzario an der Qualifikation. 1:13,00 187,397 km/h – DNQ 1:14,95 182,522 km/h – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 80 0 1:35:20,42 1 1:10,23 (65.) 2 80 0 + 14,59 3 1:10,46 (59.) 3 80 0 + 14,83 2 1:09,16 (71.) 4 80 0 + 36,61 7 1:10,44 (75.) 5 80 0 + 1:04,51 10 1:10,88 (60.) 6 80 0 + 1:05,51 9 1:10,83 (76.) 7 79 0 + 1 Runde 5 1:10,84 (71.) 8 79 0 + 1 Runde 8 1:11,71 (72.) 9 79 0 + 1 Runde 16 1:12,12 (71.) 10 78 0 + 2 Runden 20 1:12,33 (72.) 11 78 0 + 2 Runden 15 1:11,52 (73.) 12 78 0 + 2 Runden 23 1:12,65 (74.) 13 77 0 DNF 13 1:11,38 (72.) 14 77 0 + 3 Runden 19 1:13,22 (52.) 15 75 0 + 5 Runden 22 1:14,55 (74.) 16 75 0 + 5 Runden 24 1:13,01 (66.) 17 75 0 + 5 Runden 17 1:12,94 (74.) 18 73 0 + 7 Runden 21 1:13,30 (71.) – 71 0 DNF 11 1:12,77 (30.) – 54 0 DNF 18 1:12,39 (45.) – 52 0 DNF 4 1:11,13 (49.) – 52 0 DNF 12 1:12,68 (43.) – 45 0 DNF 14 1:13,33 (43.) – 23 0 DNF 6 1:12,58 (3.)
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten vier Ergebnisse aus den ersten sieben Rennen und die besten vier Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung wurden alle Resultate gewertet. Streichresultate sind in Klammern gesetzt.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 30 (34) 2 Ferrari 26 3Ligier-Ford 24 4Lotus-Ford 20 (25)5Ligier-Ford 20 (22) 6 Lotus-Ford 12 7Renault 98Tyrrell-Ford 99Tyrrell-Ford 810McLaren-Ford 811Williams-Ford 7 12 Williams-Ford 713Renault 414Arrows-Ford 215Brabham-Alfa Romeo 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 16Fittipaldi-Ford 117Arrows-Ford 118Shadow-Ford 019Brabham-Alfa Romeo 0 20ATS-Ford 021Wolf-Ford 022Wolf-Ford 023McLaren-Ford 024Shadow-Ford 025Ensign-Ford 026Lotus-Ford 0 27Alfa Romeo 0–Merzario-Ford 0–Ligier-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 602 463 37 4 175 146 137 88 3 Pos. Konstrukteur Punkte9 110 111 012 013 014 015 0 – 0 Einzelnachweise
Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
#1979 Frankreich Kategorie:Sportveranstaltung in Prenois