Der Große Preis von Argentinien 1954 (offiziell II Gran Premio de la Republica Argentina) fand am 17. Januar auf dem Autódromo 17 de Octubre in Buenos Aires statt und war das erste Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1954.

Bericht

Hintergrund Die Fahrerweltmeisterschaft 1954 wurde wieder nach den Regeln der Formel 1 ausgetragen, was zahlreiche Neuerungen mit sich brachte. Erlaubt waren jetzt Saugmotoren mit 2500 cm3 Hubraum bzw. aufgeladene Motoren mit 750 cm3. Von letztgenannter Lösung machte allerdings niemand Gebrauch. Erst 1977 kamen mit Renault erstmals aufgeladene Motoren in der Formel 1 zum Einsatz.

Bei den Fahrern zeichneten sich zwei wichtige Wechsel ab. Juan Manuel Fangio sollte die neuen Mercedes-Rennwagen fahren, die allerdings erst zum Großen Preis von Frankreich fertig wurden. So lange fuhr Fangio weiter für Maserati. Alberto Ascari, der amtierende Weltmeister, hatte sich mit Ferrari überworfen und heuerte beim neu gegründeten Lancia-Team an. Diese Fahrzeuge waren aber erst zum letzten Rennen in Spanien einsatzbereit. Bis dahin steuerte er sporadisch ebenfalls einen Maserati.

In diesem ersten Rennen der Saison traten nur drei Werksteams an. Maserati stellte Fangio und Onofre Marimón den neuen 250F zur Verfügung, Luigi Musso und Prinz Bira fuhren den Vorjahreswagen A6GCM, allerdings mit einem 2,5-l-Motor. Ferrari war mit vier Fahrzeugen vom Typ 625 vertreten, die von Giuseppe Farina, Mike Hawthorn, José Froilán González und Umberto Maglioli gesteuert wurden. Es handelte sich dabei mehr oder weniger um Ferrari 500 aus dem Vorjahr, die mit einem an die Regeln angepassten 2,5-l-Motor ausgerüstet waren.David Hodges: Rennwagen. Motorbuchverlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-613-01477-7, S. 95. Die Maserati waren den Ferrari in der Höchstgeschwindigkeit unterlegen, ihre Straßenlage war jedoch dem Ferrari überlegen.Stirling Moss: Fangio. Heel Verlag, Königswinter 1991, ISBN 3-89365-236-1, S. 103. Gordini schickte neben Jean Behra und Élie Bayol den Debütanten Roger Loyer ins Rennen, der hier sein einziges Rennen in der Fahrerweltmeisterschaft bestritt.

Mit Ascari (einmal) trat der bisher einzige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Das Training wurde von Ferrari dominiert. Lediglich Fangio konnte mit seinem neuen Maserati mithalten und den dritten Startplatz belegen. Die Pole-Position ging an Farina, der eine Zehntelsekunde schneller war als González.

Rennen Farina nutzte seine Pole-Position und übernahm sofort die Führung vor Fangio und Hawthorn. González lag an vierter Stelle, überholte aber in Runde fünf Hawthorn, in der achten Runde Fangio und ging nach 15 Runden an Farina vorbei in Führung. Die Führung behielt er bis zur 32. Runde, als plötzlich Regen einsetzte und er sich auf der rutschigen Straße drehte und auf den vierten Platz zurückfiel. Farina hielt an den Boxen, um sich ein Regenvisier zu holen. Damit lag Hawthorn vorn, drehte sich aber ebenfalls und musste die Führung Fangio überlassen, der im Regen überlegen fuhr. Als der Regen kurzzeitig aufhörte und die Bahn abtrocknete, konnten sich die Ferrari-Piloten wieder an Fangio vorbeikämpfen, jedoch nur so lange, bis der Regen wieder einsetzte und sie ihre motorische Überlegenheit verloren. Fangio ging wieder an ihnen vorbei. Hawthorn drehte sich erneut und wurde wegen Inanspruchnahme fremder Hilfe disqualifiziert. Das Gleiche passierte weiter hinten auch Behra. Bis zur 61. Runde hatte sich der Regen so weit verstärkt, dass Fangio die Box ansteuerte, um Regenreifen montieren zu lassen. Ferrari-Rennleiter Nello Ugolini legte daraufhin Protest bei der Rennleitung ein, weil sich angeblich mehr als die erlaubten drei Mechaniker um Fangio kümmerten. Er war sich seiner Sache so sicher, dass er den beiden führenden Piloten Farina und González signalisierte langsamer zu fahren. Fangio holte dadurch wieder auf und ging an den beiden vorbei und als Sieger über die Ziellinie. Der Ferrari-Protest wurde abgewiesen.Soweit nicht anders angegeben basierend auf: Mike Lang: Grand Prix 1950 - 1965. Haynes Publishing Group, Sparkford Sommerset 1981, ISBN 0-85429-276-4, S. 69. (engl.)In Internationaler Motorsport, Jahrbuch 1954, Hrsg. ADAC und AvD, weicht die Schilderung des Rennverlaufs an einigen Stellen von dem Bericht hier im Artikel ab. Danach lautete zum Beispiel die Reihenfolge nach dem Start: Farina, Fangio, Gonzáles, Hawthorn. Hawthorn überholte Gonzáles in Runde vier.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen2Maserati 250F Maserati 2.5 L6 46Maserati A6GCM810Ferrari 625 Ferrari 2.5 L4 12141618Gordini T16 (1954) Gordini 2.5 L6 202224Ferrari 500 Ferrari 2.5 L4 26Ferrari 625 28Maserati A6GCM Maserati 2.5 L6 30Maserati A6GCM Maserati 2.5 L6 32Maserati A6GCM Maserati 2.5 L6 34Maserati A6GCM Maserati 2.5 L6 36Maserati A6GCM Maserati 2.5 L6

Klassifikationen

Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Startreihe11:44,81R21:44,91RM31:45,71LM41:47,01L51:47,72R61:47,72M71:49,03R81:49,33RM91:50,03LM101:50,23L111:51,04R121:51,64M131:52,64L141:52,65RM151:53,05LM161:56,75L171:48,2181:49,2

Rennen Pos. Fahrer KonstrukteurRunden Zeit Start Schnellste Runde1873:00:55,8 3287 + 1:19,0 1387 + 2:01,021:48,2486 + 1 Runde 5585 + 2 Runden 15684 + 3 Runden 11783 + 4 Runden 10883 + 4 Runden 13982 + 5 Runden 12–48DNF 6–37DNF 8–19DNF 16–19DNF 18–2DNF 14DNS––7–DNS––9–DSQBehra wurde disqualifiziert, nachdem er Hilfe von Streckenposten erhalten hatte, um wieder auf die Strecke zu kommen61– 17–DSQHawthorn wurde disqualifiziert, nachdem er Hilfe von Streckenposten erhalten hatte, um wieder auf die Strecke zu kommen52–4– Anmerkungen

WM-Stand nach dem Rennen Die ersten fünf bekamen 8, 6, 4, 3 bzw. 2 Punkte; einen Punkt gab es für die schnellste Runde. Es zählten nur die vier besten Ergebnisse aus acht Rennen.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Maserati 8 2 Ferrari 6 3 Ferrari 5 4 Ferrari 3 5 Gordini 2 6 Maserati 0 7 Maserati 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte8Maserati 0 9 Ferrari 0–Maserati 0 – Maserati 0–Gordini 0–Maserati 0–Ferrari 0 Anmerkungen

Einzelnachweise

#1954 Argentinien Kategorie:Autódromo Juan y Oscar Alfredo Gálvez