Das Kampfgeschwader 26 war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund seines Wappens wurde es auch Löwen-Geschwader genannt. Als Kampfgeschwader, ausgestattet mit Bombern, erst vom Typ Heinkel He 111, später mit der Junkers Ju 88 und der Junkers Ju 188, führte es Luftangriffe mit Bomben auf zugewiesene Ziele durch. Das Geschwader beteiligte sich am Überfall auf Polen, dem Unternehmen Weserübung, dem Westfeldzug, der Luftschlacht um England und dem Deutsch-Sowjetischen Krieg. Es spezialisierte sich ab 1942 vollends auf die Schiffsbekämpfung auf hoher See und versenkte Schiffe vom Nord- bis zum Mittelmeer und von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer. Anfangs griff es Schiffe noch mit Bomben an, später verwendete es ausschließlich Lufttorpedos. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 wurde es aufgelöst.

Aufstellung Das Kampfgeschwader 26 entstand am 1. Mai 1939 nach dem neuen Benennungsschema der Luftwaffe aus dem am 1. April 1938 in Lüneburg aufgestellten Kampfgeschwader 257. Aus dem Geschwaderstab und der II./KG 257 entstanden am 1. Mai 1939 in Lüneburg der Stab und die II./KG 26. Zeitgleich bildete sich die I. Gruppe aus der I./KG 257 in Lübeck-Blankensee. Anfang 1940 entstand in Jesau die III./KG 26 und im August 1940 die IV. (Ergänzungs-)Gruppe in Lübeck-Blankensee.

Das Geschwader war anfangs mit der Heinkel He 111 ausgestattet. Im April 1942 rüstete die II. Gruppe als erste auf die Junkers Ju 88 um. Bis März 1944 war auch die I./KG 26, als letzte Gruppe des Geschwaders, mit diesem Flugzeugmuster ausgestattet. Im August 1944 erhielt die III./KG 26 die Junkers Ju 188. Die Geschwaderkennung war 1H.

Gliederung Der Geschwaderstab führte die I. bis IV. Gruppe, die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe, die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe und die 10. bis 12. Staffel der IV. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Bombergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln plus ein Flugzeug für den Gruppenkommandeur. Dies ergab bei vier Bombergruppen eine Sollstärke von 148 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergibt sich eine Sollstärke von 152 Flugzeugen. Die IV. Gruppe war eine Ergänzungsgruppe und nahm in der Regel nicht an Kampfeinsätzen teil. In ihr wurden frisch ausgebildete oder rekonvaleszente Flieger eine Zeitlang an die Frontbedingungen gewöhnt und geschult, bevor sie in eine der drei Einsatzgruppen wechselten. Darum hatte sie meist ihren Standort in der Heimatbasis des jeweiligen Geschwaders.

Geschichte Überfall auf Polen mini|Luftaufnahme des brennenden Warschau, September 1939 Der Stab und die II. Gruppe des Kampfgeschwader 26 (II./KG 26) nahmen im Rahmen der 1. Flieger-Division der Luftflotte 1 im Nordabschnitt der Front am Überfall auf Polen teil.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 80 Anfangs lagen sie auf dem Fliegerhorst Gabbert () und wechselten am 7. September nach Neudorf () und Nieder-EllguthHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 484–485, abgerufen am 8. Februar 2024 (). Damit einher ging auch ein Wechsel in der Unterstellung hin zur 2. Flieger-Division der Luftflotte 4 im Süden der Front. Die II. Gruppe führte mit 35 Heinkel He 111H-1 und H-2, davon 31 einsatzbereit, die ersten Luftangriffe durch. Dieser Bomber hatte je zwei Jumo 211 A-1 oder Jumo 211 A-3 Motoren die je 1000 PS leisteten und ihm eine Höchstgeschwindigkeit von 390 km/h und eine Bombenlast von 2000 kg verliehen. Die ersten Luftangriffe zwischen dem 2. und 4. September galten Zielen rund um Poznań, wo Eisenbahnziele und polnische Truppenkonzentrationen bombardiert wurden. Damit unterstützte es den Vormarsch der 4. Armee.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 81 Anschließend bekämpfte die II. Gruppe Flugplätze im Bereich Łódź und Warschau. Ab dem 7. September intervenierte sie im Bereich der 14. Armee und griff Transportverbindungen im Bereich von Lwów an. Ab dem 12. September war der Einsatz für die beiden Geschwaderteile beendet.Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/1, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718–719. Die I. Gruppe befand sich währenddessen in Lübeck-Blankensee, wo sie der 4. Fliegerdivision der Luftflotte 2 unterstellt war.Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Die personellen Ressourcen des Dritten Reiches im Spannungsfeld zwischen Wehrmacht, Bürokratie und Kriegswirtschaft 1939–1942, Band 5/1, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718.

Schiffsbekämpfung 1939 bis 1940 Der Geschwaderstab, die 1. Staffel und die II. Gruppe versammelten sich bis Oktober 1939 auf dem Fliegerhorst Westerland () auf Sylt und die 2. und 3. Staffel gingen ab dem 25. September auf den Fliegerhorst Schleswig. () Von dort sollte das Geschwader den feindlichen Schiffsverkehr in der Nordsee bekämpfen. Dazu war es der 4. Flieger-Division der Luftflotte 2 unterstellt. Die I. Gruppe flog vom 1. September an Aufklärungsflüge bis zur Themsemündung und entlang der englischen Ostküste. Dabei sichtete die 1. Staffel am 26. September nachmittags den britischen Flugzeugträger Ark Royal und griff ihn mit mehreren 2000 kg Bomben an, die aber alle ihr Ziel verfehlten.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 75 Am 28. Oktober schossen mehrere Spitfire der No. 603 und No. 602 Squadron nahe dem Firth of Clyde eine He 111 des Geschwaderstabes mit dem Kennzeichen 1H+JA ab. Dies war der erste Abschuss eines deutschen Flugzeugs auf der britischen Insel nach Kriegsbeginn.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 73 In der Nacht vom 22. zum 23. Februar bombardierte es im Seegebiet der Doggerbank irrtümlich die deutschen Zerstörer Leberecht Maass, Max Schultz, Richard Beitzen, Theodor Riedel, Erich Koellner und Friedrich Eckoldt, die zum Unternehmen Wikinger ausgelaufen waren. Durch drei direkte Bombentreffer auf Leberecht Maass wurde der Kapitän des Bootes, Korvettenkapitän Bassenge getötet. Aufgrund des Angriffs gerieten Leberecht Maass und Max Schultz in eine britische Minensperre und versanken unter dem Verlust von 590 Toten. Weiterhin wurde am 1. März 1940 der norwegische Frachter Vestfoss südöstlich der Insel Copinsay versenkt und nahe der Isle of Wight das britische Passagierschiff Domala so schwer getroffen, dass es in Brand geriet. Am 16. März 1940 erfolgte ein Angriff auf den britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow (). Neben Luftangriffen auf Flakstellungen und die Flugplätze Stromness, Barthhouse und Kirkwall wurden auch das auf Grund festsitzende alte Schlachtschiff Iron Duke und der Schwere Kreuzer Norfolk beschädigt.

Überfall auf Dänemark und Norwegen Danach wurde das gesamte Geschwader dem X. Fliegerkorps zugeteilt, um ab dem 9. April 1940 am Überfall auf Dänemark und Norwegen teilzunehmen. Es lag nacheinander auf den Plätzen in Aalborg-West (), Stavanger-Sola () und Trondheim-Vaernes (). Die I. Gruppe griff am 9. April Schiffe der norwegischen Marine und die Küstenbatterien in Kristiansand und im Oslofjord an. Einen Tag später bombardierte sie den Hafen von Scapa Flow, um ein Eingreifen der britischen Home Fleet zu verhindern. Da große Teile der britischen Kriegsschiffe schon in See gestochen waren, brachte der Luftangriff nichts. Der II. Gruppe gelang es am 9. April, eine britische Kriegsschiffgruppe, bestehend aus den Kreuzern Aurora, Manchester, Southampton, Sheffield und Glasgow und den Zerstörern Afridi, Gurkha, Sikh, Mohawk, Somali, Matabele, Mashona, südwestlich von Bergen aufzuspüren. Zusammen mit 47 Junkers Ju 88 des Kampfgeschwaders 30 und griffen die 41 Heinkel He 111 der II. Gruppe an und versenkten den Zerstörer Gurkha () während die Leichten Kreuzer Southampton und Glasgow beschädigt wurden. Weitere Luftangriffe der I. Gruppe galten am 17. April dem Schweren Kreuzer Suffolk der zusammen mit den Zerstörern Kipling, Juno, Janus und Hereward vor Stavanger kreuzte und den Flughafen Stavanger-Sola beschoss. Später, ab 7. Juni griff sie in die Erdkämpfe der Schlacht um Narvik ein. Die II. Gruppe beschädigte am 18. April bei Narvik, das britische Schlachtschiff Warspite leicht. Am 9. Juni versenkte sie westlich von Bodo die beiden norwegischen Transporter Ariadne () und Prins Olav () und griff ohne Erfolg die Ark Royal an. Die III. Gruppe beteiligte sich während dieser Zeit sowohl an Luftangriffen auf norwegische und alliierte Bodentruppen als auch an maritimen Angriffen.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 87 Insgesamt verlor das Geschwader zwischen dem 9. April und 9. Juni 40 Flugzeuge.

Westfeldzug Mit der Kapitulation Norwegens am 10. Juni 1940 endete das Unternehmen Weserübung. Das Geschwader blieb auf seinen Basen im besetzten Norwegen und griff von hier aus in den Westfeldzug ein. Der Geschwaderstab, die I. und die III. Gruppe waren dem Fliegerführer Trondheim unterstellt und in Trondheim-Vaernes stationiert, während die II. Gruppe dem X. Fliegerkorps zugeteilt war und von Aalborg-West abflog. Beide übergeordneten Kommandobehörden unterstanden der Luftflotte 5, welche von Dänemark und Norwegen den Kampf gegen die Westmächte führte.

Luftschlacht um England Bei der Luftschlacht um England blieb es unter dem Kommando des X. Fliegerkorps der Luftflotte 5 und griff von südnorwegischen Basen und dem dänischen Alborg-West in die Kämpfe ein.Ulf Balke: Der Luftkrieg in Europa 1939–1941. Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-591-6, S. 408–413. Ab August/September 1940 wechselte das gesamte Geschwader in den besetzten Teil Frankreichs auf die Plätze Beauvais (Stab, I. Gruppe), Amiens (II. Gruppe, ) und Poix-Nord (III. Gruppe, ). Dort blieben sie bis Anfang 1941 stationiert.

Schiffsbekämpfung 1941 bis 1942 mini|Heinkel He 111 des Kampfgeschwaders 26 mit einer SC-1000-Bombe unter dem Rumpf Die I. Gruppe ging im Februar 1941 auf den Fliegerhorst Aalborg-West zurück, um von hier aus den Schiffsverkehr in der Nordsee entlang der englischen Ostküste zu bekämpfen. Ab März war sie dem Fliegerführer Nord der Luftflotte 5 unterstellt. Bis zum 15. Juni hatte sie nach eigenen Angaben Frachtschiffe mit 436.186 BRT versenkt.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 77

Die II. Gruppe verlegte im Januar 1941 nach Sizilien und griff von Catania (), später von Comiso () aus, die britische Kronkolonie Malta und Ziele in Ägypten (Suezkanal, Rotes Meer) an. Dabei versenkte sie am 31. Januar 1941, vor Marsa Matruk, den britischen Minensucher Huntley () und bei Sidi Barani den ägyptischen Transporter Solloum mit 250 italienischen Kriegsgefangenen an Bord.

Anschließend verlegte sie ab Mai 1941 nach Griechenland und nahm an der Eroberung Kretas teil. Dazu war sie dem VIII. Fliegerkorps der Luftflotte 4 unterstellt. Die Abflugbasen waren Eleusis (Mai bis November, ) und Kalamaki (November bis März 1942, ). In der Nacht vom 3. zum 4. August griff die II. Gruppe den Hafen von Suez, an der Mündung des Roten Meeres an, versenkte den belgischen Frachter Escaut, beschädigte den belgischen Tanker Alexandre André und den britischen Tanker Desmoulea. Anfang Oktober gelang es ihr, südlich von Suez die Frachter Thistlegorm () und Rosalie Moller zu versenken und die Salamaua zu beschädigen. Die II. Gruppe blieb bis 1944 im Mittelmeerraum stationiert und wurde im Mai 1942 auf Lufttorpedoeinsatz umgeschult.

Deutsch-Sowjetischer Krieg