Der Internationale Mathematikerkongress (, kurz ICM) ist der größte Kongress auf dem Gebiet der Mathematik. Er wird alle vier Jahre unter Schirmherrschaft der Internationalen Mathematischen Union (International Mathematical Union, kurz IMU) abgehalten.
Geschichte Der erste Kongress wurde 1897 an der Universität Zürich abgehalten und es nahmen rund 200 Mathematiker aus 16 Ländern teil, darunter vier Frauen.Nach der Teilnehmerliste im offiziellen Tagungsband: Charlotte von Wedell (Dr. phil., Göttingen), Charlotte Angas Scott, Vera von Schiff (Professorin an der Universität für Damen Sankt Petersburg), Iginia Massarini (Dr. phil., Rom) Auf dem Kongress von 1900 in Paris stellte David Hilbert seine berühmte Liste von 23 offenen Problemen der Mathematik vor.
Aufgrund der Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs waren auf den Kongressen in Straßburg 1920 und Toronto 1924 Mathematiker aus Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien ausgeschlossen. Schon in Toronto stellte die US-Delegation – unterstützt durch Schweden, Norwegen, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und Dänemark – allerdings einen Antrag, dies zu überdenken, und die Restriktionen wurden für den Kongress 1928 in Bologna von dem neuen IMU-Präsidenten Salvatore Pincherle aufgehoben.Vorwort im Tagungsband des Internationalen Mathematikerkongresses in Bologna 1928
Der Kongress von 1998 in Berlin hatte 3346 Teilnehmer. Das Programm umfasste 21 einstündige Plenar-Vorlesungen, und 169 durch die Organisatoren ausgewählte Mathematiker hielten 45-minütige Vorlesungen im Kreise von Spezialisten ihres Fachgebiets. Zusätzlich konnte jeder Teilnehmer seine Arbeit mit einer kurzen 15-minütigen Präsentation oder einem Poster darstellen. Das Halten eines Plenarvortrags oder überhaupt als Gastredner (Invited Speaker) eingeladen zu sein, gilt als besondere Ehrung.
Auf dem Kongress werden mehrere Preise vergeben: seit 1936 die Fields-Medaille für herausragende Entdeckungen in der Mathematik, seit 1983 der Nevanlinna-Preis (ab 2022 IMU-Abakus-Medaille) für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Informatik, seit 2006 der Carl-Friedrich-Gauß-Preis für angewandte Mathematik und seit 2010 die Chern-Medaille für herausragende Lebenswerke in der Mathematik. mini|Teilnehmer mit Angehörigen am Internationalen Mathematikerkongress 1932 am Westeingang der Universität Zürich
Liste der Kongresse mini|alt=Motiv aus der Geometrie: Auf den ersten Blick die einfache, perfekte Quadratur eines Quadrates der Ordnung 11; tatsächlich die Parkettierung eines nur annähernd quadratischen Rechtecks.|Deutsche Sonderbriefmarke von 1998 zum Kongress in BerlinVor diesen Kongressen kam der Internationale Mathematikkongress von 1893. 2030: Glasgow, Großbritannien 2026: Philadelphia, USA (Vorträge in New York City) 2022: Sankt Petersburg, Russland (wegen des russisch-ukrainischen Kriegs wurde dieser Kongress storniert und durch einen virtuell stattfindenden Kongress mit Eröffnungsveranstaltung in Helsinki ersetzt) 2018: Rio de Janeiro, Brasilien 2014: Seoul, Rep. Korea 2010: Hyderabad, Indien 2006: Madrid, Spanien 2002: Peking, VR China 1998: Berlin, Deutschland 1994: Zürich, Schweiz 1990: Kyōto, Japan 1986: Berkeley, USA 1982 (1983 abgehalten): Warschau, Polen 1978: Helsinki, Finnland 1974: Vancouver, Kanada 1970: Nizza, Frankreich 1966: Moskau, UdSSR 1962: Stockholm, Schweden 1958: Edinburgh, Großbritannien 1954: Amsterdam, Niederlande 1950: Cambridge, USA 1936: Oslo, Norwegen 1932: Zürich, Schweiz 1928: Bologna, Italien 1924: Toronto, Kanada 1920: Straßburg, Frankreich 1912: Cambridge, Großbritannien 1908: Rom, Italien 1904: Heidelberg, Deutschland 1900: Paris, Frankreich 1897: Zürich, Schweiz
Siehe auch Liste der Plenarvorträge auf den Internationalen Mathematikerkongressen Liste der Vortragenden auf den Internationalen Mathematikerkongressen
Literatur Guillermo P. Curbera: Mathematicians of the world, unite! The International Congress of Mathematicians. A Human Endeavor. A. K. Peters, Wellesley MA 2009, ISBN 978-1-56881-330-1. Donald J. Albers, Gerald L. Alexanderson, Constance Reid: International mathematical congresses. An illustrated history, 1893–1986. Springer, New York NY 1986, ISBN 0-387-96409-6.
Weblinks
Website des IMU über den ICM (mit Link auf die Online Ausgaben der Conference Proceedings aller Kongresse) ICM 1904 Chronik und ausgewählte Vorträge Andrea Westermann: Die wissenschaftliche Konferenz. (Artikel zum ersten internationalen Mathematiker-Kongress) Konferenzvideos vom ICM 2006 in Madrid. Bereitgestellt im AV-Portal der Technischen Informationsbibliothek
Einzelnachweise
Kategorie:Wissenschaftliche Tagung (Mathematik) Kategorie:Organisation (Mathematik)
Kategorie:Erstveranstaltung 1897