Die Kronprinz war ein Panzerschiff der Marine des Norddeutschen Bundes und der Kaiserlichen Marine. Es war das erste größere Panzerschiff, das seinerzeit noch die Marine des Norddeutschen Bundes in Dienst stellte. Die 1866/67 in London gebaute Kronprinz wurde im Deutsch-Französischen Krieg und zeitweise für diplomatische Aufgaben im Mittelmeer eingesetzt. Der Segeldampfer blieb bis 1892 im aktiven Dienst, war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits völlig veraltet. Danach fand das Schiff bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als Maschinenschulhulk Verwendung.

Geschichte Entwicklung und Bau Mit der Erfindung der Bombenkanonen und der weiteren Entwicklung der Schiffsartillerie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verloren die alten Linienschiffe zunehmend an Bedeutung. Bis dahin waren sie nur schwer mittels Geschützfeuer zu versenken. Mit den neuen Granaten war jedoch eine ernsthafte Beschädigung der hölzernen Schiffsrümpfe möglich, was einen Schutz der Schiffe vor den modernen Geschossen notwendig machte. Während des Krimkrieges zeigte sich sowohl die Wirkung von Sprenggranaten gegen Schiffe in der Seeschlacht bei Sinope als auch die gute Schutzwirkung eiserner Panzerplatten der französischen schwimmenden Batterien bei der Beschießung Kinburns.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. S. 31f.

Der zu Beginn der 1860er Jahre einsetzende Bau von hochseetauglichen Panzerschiffen, beginnend mit der französischen La Gloire und der britischen Warrior, und die ersten Einsätze gepanzerter Schiffe im Sezessionskrieg ließen 1862 in der Preußischen Marine die Forderung nach eigenen Panzerschiffen aufkommen. Sie bestellte daher 1863 einen Monitor, die spätere Arminius, bei der Londoner Werft Samuda Brothers, der im Jahr 1865 abgeliefert wurde. Im selben Jahr kaufte die Marine zusätzlich das Widderschiff Prinz Adalbert aus französischer Produktion, das sich jedoch als wenig brauchbar erwies.Gröner, Jung, Maass: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 1, S. 24. Ein weiterer Ausbau der Flotte war notwendig, da sich die Marine mit den wenigen vorhandenen Einheiten nicht in der Lage befand, die preußische Küste zu verteidigen. Da die aufkommenden Panzerschiffe den älteren ungepanzerten Schiffen überlegen waren, eröffnete sich die Möglichkeit, auch mit wenigen dieser für alle Flotten neuen Schiffe den konkurrierenden Marinen im Ostseeraum, besonders der dänischen, zumindest gleichwertig entgegenzutreten. Auch im Kampf gegen überlegene Flotten erwarteten führende preußische Militärs, darunter Albrecht von Roon, dass die Panzerschiffe eine feindliche Landung an der deutschen Küste abwehren und eine Blockade zumindest zeitweise durchbrechen können würden. So legte die preußische Regierung im Jahr 1865 dem Landtag einen Flottenplan zur Abstimmung vor. Dieser sah vor allem den Bau weiterer Panzerschiffe vor, wurde jedoch abgelehnt.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 1, S. 55f. Daraufhin setzte am 4. Juli ein königlicher Erlass den Marinehaushalt fest, in welchem 750.000 Taler für den Panzerschiffsbau enthalten waren. Mit diesen Mitteln plante das Marineministerium die Anschaffung von zunächst zwei Panzerfregatten. Dabei bevorzugte es den Bau im Ausland, da die deutschen Werften nicht als ausreichend erfahren erschienen. So wurde am 9. Januar 1866 in Frankreich ein gerade auf Kiel gelegtes Panzerschiff angekauft und später als Friedrich Carl in Dienst gestellt.

mini|links|Panzerfregatte Kronprinz nach dem Stapellauf auf der Themse, Illustration aus der Illustrirten Zeitung vom 1. Juni 1867

Das zweite Schiff, die spätere Kronprinz, bestellte die Marine am 13. Januar 1866 bei Samuda Brothers auf der Isle of Dogs in London. Dabei übernahm sie einen Entwurf des britischen Konstrukteurs Edward James Reed für ein Zentralbatterieschiff. Obwohl dieser den französischen Plänen der Friedrich Carl stark ähnelte und beide Schiffe in der zeitgenössischen Presse auch als Schwesterschiffe gesehen wurden, handelte es sich tatsächlich bei beiden um Einzelschiffe.Gröner, Jung, Maass: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 1, S. 25f. Samuda Brothers legte den Neubau am 1. Februar 1866 auf Kiel. Der Stapellauf erfolgte am 6. Mai 1867 in Gegenwart des preußischen Gesandten in London, Albrecht von Bernstorff, dessen Frau die Taufe des Schiffes vornahm. Der Bau war dabei bereits weit fortgeschritten. Bereits am 10. Januar 1867 war von König Wilhelm der Titel des Thronfolgers, Kronprinz, als Name für das Schiff festgelegt worden. Nur wenige Monate nach dem Stapellauf, am 6. August, begann die Werft mit ersten Probefahrten, während der auch Beamte des preußischen Marineministeriums anwesend waren. Die Kronprinz konnte am 19. September von der Werft übernommen und als erstes großes Panzerschiff der deutschen Marine offiziell in Dienst gestellt werden. Allerdings traf die Besatzung erst später in London ein, nachdem sie von der Hertha nach Portsmouth gebracht worden war. Die Kronprinz konnte am 24. Oktober die Werft in Richtung Kiel verlassen und traf dort vier Tage später ein. Nach weiteren Probefahrten, bei denen sich die Kronprinz als sehr gutes Seeschiff mit guter Manövrierfähigkeit erwies, wurde das Schiff am 1. November wieder außer Dienst gestellt. Die anschließende Fertigstellung und Ausrüstung der Kronprinz zog sich – unter anderem wegen Lieferschwierigkeiten der Essener Firma Krupp, welche die Geschütze und Lafetten lieferte – bis zum Frühjahr 1869 hin.

Einsatz mini|Lithografie der Kronprinz aus der Illustrirten Zeitung vom 21. März 1868

In der Marine des Norddeutschen Bundes Die Kronprinz wurde nach ihrer Fertigstellung am 11. Mai 1869 wieder in Dienst gestellt. Ab Anfang August gehörte sie zu einem unter Vizeadmiral Eduard Jachmann gebildeten Panzer-Übungsgeschwader, das neben der Kronprinz die Friedrich Carl und die als Flaggschiff dienende König Wilhelm sowie den Aviso Preußischer Adler umfasste. Die Kronprinz lief am 8. August nach England, um in einem dortigen Dock den Bewuchs am Schiffsboden entfernen zu lassen. Sie traf am 30. August in Kiel wieder mit dem Geschwader zusammen, das inzwischen für die folgenden Übungen um die Niobe, die Schulschiffe Hela und Musquito, den Aviso Grille und die Kanonenboote Cyclop und Scorpion verstärkt worden war. Bis zum 2. September führte das Übungsgeschwader unter dem Befehl des Prinzen Adalbert von Preußen Manöver in der Ostsee durch. Es wurde am 10. September aufgelöstHildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 114f. und die Kronprinz am 25. September außer Dienst gestellt.

Die nächste aktive Zeit begann für die Kronprinz am 30. April 1870. Bereits wenige Wochen später, am 17. Mai, musste das Panzerschiff gemeinsam mit der Cyclop die Friedrich Carl nach Kiel einschleppen, welche trotz eines dänischen Lotsen an Bord, auf dem Weg nach England bei Langeland im Großen Belt aufgelaufen war. Die Friedrich Carl konnte sich zwar mittels eines Warpankers selbst befreien, war jedoch auf Grund schwerer Schäden am Propeller manövrierunfähig. Eine Reparatur war in Deutschland nicht möglich, weshalb das Schiff von der Kronprinz von Kiel weiter nach Portsmouth geschleppt wurde,Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 3, S. 106f. wo beide Schiffe am 2. Juni eintrafen. Während die Friedrich Carl an die Werft ging, lief die Kronprinz nach Plymouth weiter. Dort lag bereits das angekaufte, ehemals britische Linienschiff Renown vor Anker. Am 16. Juni erreichte zudem das Kanonenboot Delphin und drei Tage später König Wilhelm, Prinz Adalbert und die nicht völlig wiederhergestellte Friedrich Carl den Hafen. Das Übungsgeschwader, das am 1. Juli offiziell aus den Panzerschiffen gebildet wurde, blieb zunächst in Plymouth, da die König Wilhelm während der Fahrt durch die Nordsee einen Maschinenschaden erlitten hatte und repariert werden musste.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 115f. Am 22. Juni traten die Renown und die Delphin den Marsch nach Kiel an. Die Panzerschiffe verließen Plymouth am 10. Juli und nahmen Kurs auf den Atlantik. Die Prinz Adalbert wurde unterdessen nach Dartmouth befohlen, da erste Gerüchte von einem drohenden Krieg mit Frankreich aufgekommen waren und genauere Informationen von der deutschen Botschaft in London erwartet wurden. Das Übungsgeschwader kehrte am Westausgang des Ärmelkanals um und nahm am 13. Juli die Prinz Adalbert wieder auf. Diese brachte die offizielle Kriegswarnung der Reichsregierung mit, woraufhin das Geschwader zügig in die Heimat zurückkehrte und dort am 16. Juli ankam.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 116. Beim Marsch durch die Nordsee musste die Prinz Adalbert dabei von der Kronprinz in Schlepp genommen werden, da sie die Geschwindigkeit des Verbandes nicht halten konnte.

Deutsch-Französischer Krieg mini|hochkant|Vizeadmiral Eduard Jachmann, Befehlshaber des deutschen Panzergeschwaders im Deutsch-Französischen Krieg

Mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges wurden die vorhandenen Schiffe der Marine zur Küstenverteidigung in der Nord- und der Ostsee eingesetzt und erhielten verschiedene Liegehäfen zugewiesen. Die drei großen Panzerschiffe lagen auf der Außenjade, jedoch war von ihnen lediglich die Kronprinz voll einsatzfähig.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 117. Nachdem am 5. August fälschlich zwei französische Panzerschiffe mit Kurs auf Dänemark in der Nordsee gemeldet wurden, unternahm Jachmann mit dem ihm unterstellten Panzergeschwader einen Vorstoß bis auf die Höhe des Limfjords, ohne dabei auf feindliche Schiffe zu treffen. Wenige Tage später erschien die französische Mittelmeerflotte unter dem Kommando von Vizeadmiral Martin Fourichon in der Deutschen Bucht. Fourichon kreuzte mit seinem aus acht Panzerschiffen sowie vier ungepanzerten Korvetten und Avisos bestehenden Verband vor der deutschen Küste und erklärte am 12. August offiziell deren Blockade. Ein für diesen Tag geplanter Vorstoß der deutschen Schiffe unterblieb, da ihre Kommandanten, Ludwig Henk (König Wilhelm), Gustav Klatt (Friedrich Carl) und Reinhold Werner (Kronprinz), bei Vizeadmiral Jachmann gegen einen Angriff auf den überlegenen französischen Verband eintraten.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 134. In der Folge lief Werner mit der Kronprinz jedoch mehrfach aus, um eigenständig gegen die Blockadeschiffe vorzugehen, geriet dabei aber in keine größeren Gefechte. Am 11. September unternahm das Panzergeschwader einen Vorstoß bis nach Helgoland, traf jedoch keine französischen Schiffe an. Diese hatten von den Deutschen unbemerkt am Vortag die Blockade beendet und sich nach Cherbourg zurückgezogen. Die deutschen Panzerschiffe lagen jedoch weiterhin auf der Außenjade in Bereitschaft.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 121.

Mitte Dezember lief die Kronprinz in Wilhelmshaven ein, um dort in einem Trockendock eine Bodenreinigung und eine Maschinenreparatur durchführen zu lassen. Die Arbeiten waren Mitte Januar 1871 beendet. Auf einen Vorschlag Werners hin erhielt die Kronprinz den Befehl, Cherbourg anzugreifen. Das Schiff sollte die dortigen Schleusentore zerstören, im Hafen befindliche Schiffe per Rammstoß versenken und die Forts beschießen.Hildebrand, Röhr, Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 164f. Als Auslauftermin war der 3. Februar festgesetzt worden. An diesem Tag traf in Wilhelmshaven jedoch die Meldung des Waffenstillstandes ein und die Aktion gegen Cherbourg wurde abgesagt. Ihren letzten Einsatz während des Krieges hatte die Kronprinz am 27. März 1871, als sie bei Glückstadt die Verschiffung von insgesamt 20.000 französischen Kriegsgefangenen überwachte. Inzwischen war durch die Reichsgründung und die Unterstellung der Marine unter den Befehl des Kaisers die Kaiserliche Marine entstanden.Kroschel, Evers: Die deutsche Flotte. S. 9.

In der Kaiserlichen Marine