mini|Aldenhoven

Aldenhoven ist eine Gemeinde im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. Vor dem 1. Januar 1972 gehörte Aldenhoven zum Kreis Jülich.

Geografie Geologie Der Ort gab der Aldenhovener Platte den Namen. Sie ist ein Teilgebiet der Jülicher Börde und wird begrenzt von den Flusstälern der Rur, der Inde und der Wurm. Fruchtbarer Lößboden liegt über dem Schotter der Hauptterrasse.

Im Untergrund steht Braunkohle aus dem Tertiär sowie Steinkohle an.

Lage Die Gemeinde Aldenhoven liegt im nordwestlichen Teil des Kreises Düren an der Grenze zum Nachbarkreis, der Städteregion Aachen und liegt im Dreieck Aachen, Köln, Düsseldorf, direkt an der A 44.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn und von Norden beginnend: Linnich, Jülich, Inden, Eschweiler, Alsdorf und Baesweiler.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Aldenhoven gehören die folgenden sieben Ortschaften. Dabei bilden mit Ausnahme von Aldenhoven alle übrigen Ortschaften je einen Gemeindebezirk mit je einem Ortsbürgermeister: Aldenhoven (mit Pützdorf) Dürboslar Engelsdorf Freialdenhoven Niedermerz (mit Weiler-Hausen) Schleiden (mit Weiler Langweiler) Siersdorf360px|Ortsteile der Gemeinde AldenhovenDie Ortschaft Aldenhoven unterteilt sich in folgende drei Gemeindebezirke mit je einem Ortsbürgermeister: Aldenhoven 1 Aldenhoven 2 Neu Pattern

Abgegangene Ortsteile Der Ortsteil Obermerz wurde im Jahr 1972 und der Ortsteil Langweiler im Jahr 1973 im Zuge des Braunkohletagebaus „Zukunft“ abgebaggert. In den 1980er Jahren wurde der Ortsteil Pattern wegen des Braunkohletagebaus „Inden“ abgebaggert.

Geschichte Auf dem Gebiet der Gemeinde Aldenhoven liegen eine Reihe neolithischer Siedlungen, unter anderen die bandkeramischen Siedlungen von Niedermerz, Langweiler 2, Langweiler 8 und Langweiler 9.

Aus römischer Zeit sind Überreste einer Wasserleitung erhalten, die aber im Bereich von Aldenhoven unterirdisch geführt wurde und daher nicht sichtbar ist.

Urkundlich nachweisbar ist der Ort Aldenhoven seit dem Jahr 922. In einer Urkunde vom 11. August 922 weist Erzbischof Hermann I. von Köln dem Stift Gerresheim das Kölner Ursulastift zu, hierzu gehörte ein in der Urkunde beschriebenes Gelände im namentlich aufgeführten Aldenhoven.

Im Zentralort erinnert heute noch der „Alte Turm“ an die im 15. Jahrhundert errichteten Festungsanlagen.

Aldenhoven ist seit 1654 Marienwallfahrtsort. 1659 wurde eine achteckige Wallfahrtskapelle um das 1654 aufgefundene Gnadenbild, eine geschnitzte Madonnenfigur im Strahlenkranz vermutlich aus dem 14. Jahrhundert, erbaut. Ihre Blütezeit erlebte die Wallfahrt im 18. Jahrhundert. Für die Betreuung der Pilger wurde 1661 ein Kapuzinerkloster errichtet, das bis 1802 bestand.Silke Lübke: Website von Aldenhoven

Weltgeschichtliche Bedeutung erlangten die beiden Schlachten bei Aldenhoven in den Jahren 1793 und 1794. Aldenhovens Name ist noch heute im Triumphbogen von Paris mit der Jahreszahl 1794 unter den Orten aufgeführt, an denen die französischen Revolutionstruppen siegreich blieben. Damit begann am Linken Rheinufer die sogenannte Franzosenzeit.

In Siersdorf, dem zweitgrößten Ortsteil der Gemeinde, befindet sich die Ruine der ehemaligen Deutschordenskommende Siersdorf des Deutschen Ordens. Der um 1580 errichtete Bau des Haupthauses wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und bisher nicht wieder aufgebaut. Die benachbarte katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer wurde zwar auch teilweise zerstört, jedoch wieder aufgebaut und durch einen Erweiterungsbau ergänzt. Sehenswert ist das spätgotische Antwerpener Retabel, das Chorgestühl und der hölzerne Lettnerbogen.

1821 wurde das Friedensgericht Aldenhoven errichtet,125 Jahre Rheinische Amtsgerichte, hrsg. von Armin Lünterbusch und Dieter Strauch, S. 55 das 1879 zum Amtsgericht Aldenhoven wurde und als solches 1932 aufgelöst wurde.Preußische Gesetzsammlung 1932, S. 253

Am 1. Januar 1972 kam Aldenhoven an den Kreis Düren. Gleichzeitig wurde die Gemeinde durch die Eingliederung der bisher selbstständigen Orte Dürboslar, Engelsdorf, Freialdenhoven, Niedermerz, Pattern (Aldenhoven), Schleiden und Siersdorf vergrößert.

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 47,0 % der Einwohner römisch-katholisch, 15,8 % evangelisch und 37,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15. Mai 2022, Religion), abgerufen am 16. Juli 2026 Der Anteil der katholischen und evangelischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand Mai 2026) hat Aldenhoven 14.683 Einwohner davon 40,7 % katholische Kirchenmitglieder und 14,1 % evangelische; 45,2 % gehörten entweder einer anderen oder gar keiner Glaubensgemeinschaft an.Aldenhoven Einwohnerzahlen, abgerufen am 16. Juli 2026

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Aldenhoven. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre, zuletzt am 14. September 2025.

Bürgermeister Nach einer Stichwahl am 12. Oktober 2014 wurde mit knapp 66,6 % der Stimmen der CDU-Kandidat Ralf Claßen gegen den parteilosen Stephan Spaltner neuer Bürgermeister. Claßen wurde 2020 und 2025 mit jeweils 56,80 % und 52,20 % der Stimmen wiedergewählt. Er kommt aus Siersdorf.

Wappen

Städtepartnerschaften Mit Albert in der französischen Picardie besteht seit 1981/1982 eine Partnerschaft.

Sehenswürdigkeiten

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Von 1952 bis 1992 war der Hauptarbeitgeber die Steinkohlezeche „Emil Mayrisch“ in Siersdorf, welche in ihren besten Zeiten mehr als 4000 Beschäftigte hatte. Kurz nach der Zechenstilllegung wurde auch das daneben befindliche Steinkohlekraftwerk (150 MW) stillgelegt und abgebrochen. Somit war die Grube eine der letzten des Aachener Steinkohlenreviers.

Nach der Stilllegung der Zeche gibt es nun ein Gewerbe- und Industriegebiet östlich von Aldenhoven entlang der ehemaligen B 1. Auf dem ehemaligen Zechengelände entstand das Aldenhoven Testing Center sowie eine Autoteststrecke und ein Stück Autobahn zu Filmzwecken, wo unter anderem für die Serie Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei gedreht wird. Sie ist gleichzeitig Europas größte Filmkulisse, genannt die Film + Test Location (FTL).

Im Industriegebiet befindet sich die Firma IP Verpackungen (früher Indeplastik), Deutschlands größter Hersteller von Verpackungen für den Convenience-Food-Bereich.

Verkehr Aldenhoven liegt an der B 56 sowie der ehemaligen B 1 (heute L 136) und verfügt über den Autobahnanschluss „Aldenhoven“ auf der A 44.

Aldenhoven gehört zum Aachener Verkehrsverbund (AVV). Hauptbusverkehrspunkt ist die Haltestelle „Aldenhoven Markt“, die von den Linien 6, 71 und 90 der ASEAG sowie 220, 278 und 281 des Rurtalbus bedient wird. Die Gemeinde wird per Bus mit allen Nachbargemeinden Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Jülich und Linnich verbunden. Außerdem bestehen umsteigefreie Verbindungen nach Aachen und Geilenkirchen. Zusätzlich verkehren zu bestimmten Zeiten ein Rufbus beziehungsweise ein Anruf-Sammel-Taxi. An Schultagen verkehren zudem die Schulbuslinien 274 und 275.

Linie Betreiber Verlauf

mini|Trasse 2010; links unten Reste des Bahnsteigs

Aldenhoven hatte früher den Bahnhof Aldenhoven, der 1985 abgerissen wurde und auf dessen Grundstück heute das Feuerwehrhaus steht. Ferner bestand ein Haltepunkt Aldenhoven-Ost an der ehemaligen B 56 (Markfeststraße) direkt vor der Kreuzung mit dem Urweg. Die Bahnstrecke Aachen Nord–Jülich ist stillgelegt, entwidmet und vollständig abgebaut. Die Trasse dient heute als Radweg.

Die Gemeinde ist an mehrere Radwanderwege angeschlossen. Die 524 km lange Wasserburgen-Route verbindet mehr als 130 Burgen am Rand der Eifel und in der Kölner Bucht. Die Grünroute führt auf 370 km entlang der schönsten Naturgebiete zwischen Beringen in Belgien, Heerlen in den Niederlanden und Düren in Deutschland durch eines der ehemals größten Steinkohlereviere Europas.

Bildung Im Gemeindegebiet Aldenhoven gibt es zwei Grundschulen und zusammen mit der Stadt Linnich eine Gesamtschule. Gemeinschaftsgrundschule Aldenhoven Johannesschule Siersdorf (Grundschule) Gesamtschule Aldenhoven-Linnich.

Museen Museum Bergmannshaus Schützenmuseum Aldenhoven

Sport Die Gemeinde Aldenhoven hat mehrere Sportvereine, der erfolgreichste ist die Fußballmannschaft von Borussia Freialdenhoven Es folgt eine Liste mit den wichtigsten Sportvereinen der Gemeinde. Verein Sportart LigaFC Germania DürboslarMotorsport Klub AldenhovenSC Amicitia SchleidenSC Borussia FreialdenhovenSV Aldenhoven/PatternSV SiersdorfTuS Aldenhoven 1969 e. V.FußballKartsportFußballFußballFußballFußballBreitensportKreisliga C1 Kreis Dürenverschiedene RennenKreisliga B1 Kreis DürenMittelrheinligaKreisliga B1 Kreis DürenKreisliga B1 Kreis Dürenverschiedene Ligen

Erholung Der Blausteinsee, ein künstlicher See auf dem Gebiet der Nachbarstadt Eschweiler, entstand durch die Auffüllung eines Tagebaurestlochs mit Oberflächenwasser. Heute dient der See als Naherholungsgebiet für die umliegenden Städte. Er wird von einem breiten Grüngürtel umgeben, in dem sich Wanderwege und separate Reitwege befinden.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Am 22. Dezember 1994 wurde den beiden langjährigen Bürgermeister Wilhelm Prell (1927–2000) und Franz Vit (1916–2005) die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Aldenhoven verliehen.

Söhne und Töchter der Gemeinde Franz Theodor Biergans (1768–1842), Mönch, deutscher Jakobiner und Notar Heinrich von der Mark (1784–1865), bayerischer Generalleutnant und Kriegsminister Edmund Emundts (1792–1871), Oberbürgermeister von Aachen Ludwig Gall (1791–1863), Erfinder Franz Anton Vaßen (1799–1891), Dechant und erster Ehrenbürger von Düren Heinrich Flatten (1907–1987), Kirchenrechtler Lothar Ruch (* 1958), Bundestrainer im Ringen Reinhold Yabo (* 1992), deutscher Fußballspieler

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahlen der Gemeinde Aldenhoven seit 1871: Jahr187119251950197219801990200020052010201520172019202120222023Ew565860555875138591307512823139751427013925141261411114023141471433814475

Siehe auch Jüdischer Friedhof (Aldenhoven) Synagoge Aldenhoven

Literatur Der Pilger nach, zu und von Aldenhoven, so wie Andachts-Uebungen, welce in der Wallfahrtkirsche zu Maria, der Zuflucht der Sünder daselbst von der Pfarrgemeinde abgehalten werden. Verl. des Verf. C. Quos, Linnich 1860. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.

Günter Bers: Aldenhoven. Bausteine zur Geschichte einer jülichschen Stadt (= Forum Jülicher Geschichte. 3). Joseph-Kuhl-Gesellschaft, Jülich 1991, ISBN 3-9802601-2-7. Günter Bers: Aldenhoven: Neue Aspekte der Ortsgeschichte (= Forum Jülicher Geschichte. 14). Joseph-Kuhl-Gesellschaft, Jülich 1996, ISBN 3-9803988-4-6. Günter Bers, Willi Dovern: Aldenhoven im Jahre 1799. Bevölkerungsstruktur und soziale Verfaßtheit einer rheinischen Kleinstadt in französischer Zeit (= Forum Jülicher Geschichte. 19). Joseph-Kuhl-Gesellschaft, Jülich 1997, ISBN 3-9803988-9-7. Günter Bers: Aldenhoven: Alte Ansichten. Neue Einblicke. Schritte zur Erforschung der Ortsgeschichte. Eine Aufsatzsammlung, Teil I (= Forum Jülicher Geschichte. 27). Jülich 1999, ISBN 3-932903-07-2. Günter Bers: Aldenhoven: Neue Einblicke, Schritte zur Erforschung der Ortsgeschichte. Eine Aufsatzsammlung, Teil II (= Forum Jülicher Geschichte. 36). Jülich 2003, ISBN 3-932903-24-2. Ulrich Coenen: Architektonische Kostbarkeiten im Kreis Düren. 2. Aufl., Verlag Mainz, Aachen 1989. Willi Dovern: Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung in der Gemeinde Aldenhoven im Jahre 1812 (= Forum Jülicher Geschichte. 5). Joseph-Kuhl-Gesellschaft, Jülich 1992, ISBN 3-9802601-5-1. Anton Kohlhaas: Die Marktveste Aldenhoven im Jahre 1781 (= Kleine Schriftenreihe der Joseph-Kuhl-Gesellschaft. 7). Jülich 1993.