mini|Das Stadion während der Weltmeisterschaften Die 49. Biathlon-Weltmeisterschaften fanden vom 8. bis 19. Februar 2017 im österreichischen Hochfilzen statt.
Im Folgejahr 2018 standen turnusmäßig anstelle der Weltmeisterschaften wieder Olympische Winterspiele auf dem Programm. Da dort alle WM-Wettbewerbe angeboten wurden, gab es keine Teil-WM.
Wahl des Ausrichters Gegen den Mitbewerber Östersund (Schweden) sicherte sich Hochfilzen im Sommer 2012 den Zuschlag für die Austragung der Weltmeisterschaften. Nach 1978 und 2005 wurden die Titelkämpfe zum dritten Mal in der Gemeinde im Bezirk Kitzbühel ausgetragen.
Wettbewerbe Die Wettkämpfe wurden wieder im Rahmen des Weltcups ausgetragen, die Ergebnisse der Meisterschaften flossen damit auch in die Weltcupwertungen mit ein. Wie bei den Weltmeisterschaften der letzten Jahre wurden mit Sprint, Verfolgung, Einzelwettkampf, Massenstart und Staffel je fünf Disziplinen für Frauen und Männer ausgetragen. Als elfter Wettbewerb kam die Mixed-Staffel hinzu.
Die im Weltcup ausgetragene Single-Mixed-Staffel dagegen fand noch keinen Eingang in das WM-Programm und wurde erst ab 2019 bei Weltmeisterschaften angeboten.
Veranstaltungsort
Die Wettbewerbe fanden im Langlauf- und Biathlonzentrum Hochfilzen statt, das sich im Gebiet der österreichischen Gemeinde Hochfilzen befindet. Hochfilzen liegt im Pillerseetal im Bundesland Tirol, direkt an der Grenze zum Bundesland Salzburg, ungefähr auf halber Strecke zwischen den Landeshauptstädten Innsbruck und Salzburg.
In Hochfilzen werden in der Regel jährlich Rennen im Rahmen des Biathlon-Weltcups ausgetragen, zudem war Hochfilzen Ausrichter der Biathlon-Weltmeisterschaften 1978 und 2005.
Für die Titelkämpfe 2017 wurden insgesamt 20 Millionen Euro in die Infrastruktur des Stadions investiert.WM wirft Schatten voraus. In: Tiroler Tageszeitung 9. März 2013, tt.com. Abgerufen am 23. Juli 2023 Hauptprojekt war der Zu- und Umbau des Zentralgebäudes. In diesem Zuge wurde ein neues Team- und Servicegebäude errichtet, das 30 Wachs- und Servicekabinen mit modernem Abluftsystem sowie 30 Umkleidekabinen beherbergt. Es wurde eine neue Indoorschießanlage mit einem Laufband errichtet, die während der Wettkämpfe auf 570 m² Platz als Medienzentrum mit Blick auf den Schießstand bietet. Aus dem Servicebereich haben die Teams eine direkte, kurze Wegverbindung zum Hauptgebäude. Die Skirollerbahn wurde um über einen Kilometer verlängert und es wurden zusätzliche Zufahrts- und Notfallwege errichtet.
Eröffnungsfeier und Medaillenvergaben fanden am Kulturhaus in Hochfilzen statt, die Medaillenvergaben am letzten Wettkampftag und die Schlussveranstaltung wurden direkt im Stadion abgehalten.Rahmenprogramm | Biathlon Party, biathlon-hochfilzen.at, 25. Januar 2017. Abgerufen am 23. Juli 2023
Regeländerung Zu den Weltmeisterschaften kam erstmals eine Regeländerung der „IBU Veranstaltungs- und Wettkampfregeln“ zum Tragen, die auf Initiative des DSV eingeführt wurde. Bei Weltmeisterschaften haben die Weltmeister bzw. die olympischen Goldmedaillengewinner des Vorjahres in Einzel-, Sprint- und Massenstartwettkampf persönliches Startrecht. Deshalb hat der Nationalverband dieses Athleten für den Titelverteidiger einen zusätzlichen Startplatz zur Verfügung, der über die übliche Quote hinausgeht. Da sich aber Athleten für die Teilnahme am Verfolgungsrennen immer erst über den Sprint qualifizieren müssen, erhalten seit diesen Weltmeisterschaften gem. IBU Veranstaltungs- und Wettkampfregeln, 12.6.1.1.1 die Titelverteidiger im Verfolgungswettkampf ein persönliches Startrecht im Sprint.INTERNATIONAL BIATHLON UNION, VERANSTALTUNGS UND WETTKAMPFREGELN, Artikel 12.6.1.1.1 Zusätzliche Startquoten, S. 68, assets.ctfassets.net (PDF; 787 KB). Abgerufen am 23. Juli 2023 Deshalb durfte Deutschland nicht nur vier Athleten für den Sprint melden, sondern zusätzlich Laura Dahlmeier, die 2016 in Oslo Verfolgungsweltmeisterin geworden war. Dahlmeier wurde hier in Hochfilzen Zweite im Sprint und gewann auch in diesem Jahr das Verfolgungsrennen. Bei den Männern konnte Martin Fourcade von dieser Regelung nicht profitieren, weil er als amtierender Sprintweltmeister ohnehin persönliches Startrecht im Sprintrennen hatte.
Sportliche Erfolge Bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Hochfilzen herrschte meist gutes Wetter. Mitte Februar wurden Temperaturen bis zu 11 °C im Schatten gemessen. Dies machte einigen Athleten, die ihre Wettkämpfe im Winter in der Regel um oder sogar deutlich unter dem Gefrierpunkt bestreiten, zu schaffen. Der Norweger Emil Hegle Svendsen erlitt nach dem Sprintrennen einen Kollaps, musste ärztlich versorgt werden und wurde vorsichtshalber zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht.Norwegens Biathlon-Star Svendsen wieder fit. In: Westdeutsche Zeitung vom 13. Februar 2017, wz.de. Abgerufen am 23. Juli 2023 Im Einzelwettkampf starteten mehrere Athleten kurzärmelig, der Österreicher Daniel Mesotitsch gar in kurzer Hose. Auch Laura Dahlmeier erlitt nach dem Gewinn der Goldmedaille im Einzelwettkampf und ebenso nach ihrem siegreichen Staffelrennen einen Schwächeanfall und wurde vom Teamarzt betreut."Dann kommt der Doktor und hebt mich wieder auf", welt.de vom 18. Februar 2017. Abgerufen am 23. Juli 2023 Zwei Tage später stand sie beim Massenstart der Damen wieder am Start und gewann erneut eine Goldmedaille.
Überraschender Sieger im Einzelwettkampf wurde der 35 Jahre alte Lowell Bailey, der als erster US-Amerikaner Gold bei Biathlon-Weltmeisterschaften gewann. Für Bailey, der seine Karriere schon zum Ende der vergangenen Saison hatte beenden wollen, war es auch der erste Sieg im Biathlon-Weltcup. Seine Mannschaftskameradin Susan Dunklee errang im Massenstart die Silbermedaille, dies war die erste Medaille überhaupt für eine Biathletin aus den Vereinigten Staaten. Die Deutschen Benedikt Doll und Simon Schempp gewannen mit Gold im Sprint bzw. im Massenstart jeweils ihre erste Einzelmedaille bei Weltmeisterschaften.
Erfolgreichste Teilnehmerin war die Deutsche Laura Dahlmeier, die als erste Sportlerin fünf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften gewann. Im Sprint gewann sie zudem Silber, sodass es für sie in allen Wettbewerben, in denen Frauen startberechtigt waren, Medaillen gab. Erfolgreichste Nation war Deutschland mit sieben Goldmedaillen und einer Silbermedaille vor Frankreich (1 × Gold, 2 × Silber, 4 × Bronze) und Tschechien (1 × Gold, 2 × Silber, 1 × Bronze).
Besucher Während der Wettkämpfe waren insgesamt 143.700 Besucher im Stadion. Zuschauerrekord war der Wettkampftag der Herrenstaffeln am 18. Februar mit 22.300 Zuschauern, gefolgt von den Massenstarts am 19. Februar mit 22.100 Zuschauern und den Verfolgungswettkämpfen am 12. Februar mit 19.600 Zuschauern.IBU president Besseberg praised the World Championships, biathlon-hochfilzen.at vom 19. Februar 2017. Abgerufen am 23. Juli 2023
Berichterstattung Die Bilder für die Fernsehübertragungen wurden vom ORF zur Verfügung gestellt. Dieser war mit 170 Mitarbeitern und 49 Kameras vor Ort, die Wettkämpfe wurden in fast 60 Länder der Welt übertragen. Der ORF selbst hatte – wie bei den Weltcups auch – die ehemaligen Biathleten Günther Beck und Christoph Sumann abwechselnd als Experten bzw. als Co-Kommentator vor Ort. Die Rennen wurden in Österreich live unter anderem von ORF eins und Eurosport übertragen.
Die Berichterstattung für das deutsche Fernsehen teilten sich ARD und ZDF. Als Experten und Co-Kommentatoren waren die ehemaligen Biathleten Sven Fischer, Herbert Fritzenwenger und Kati Wilhelm vor Ort.
Für Eurosport kommentierten Sigi Heinrich und Michael Greis die Rennen.
Doping Dopingverdacht gegen das kasachische Team Am 8. Februar 2017 wurde eine Hausdurchsuchung in den Unterkünften der kasachischen Biathlonmannschaft durch das Bundeskriminalamt durchgeführt. Vorausgegangen war ein im Januar – nach dem Weltcup in Antholz – an einer Tankstelle in Osttirol entsorgter Karton, der eine beträchtliche Menge an Einwegspritzen, medizinischem Material, Aufzeichnungen sowie Akkreditierungen und Unterlagen der IBU enthielt. Nach einer Begutachtung durch Spezialisten der Nationalen Anti-Doping Agentur Austria wurde davon ausgegangen, dass der Inhalt des Kartons der kasachischen Mannschaft zuzuordnen sei. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ordnete daraufhin eine Hausdurchsuchung an, die das Landeskriminalamt Tirol mit 30 Beamten durchführte und „eine erhebliche Menge an medizinischen Produkten und Medikamenten sowie Mobiltelefone“ sicherstellte. Zudem wurden von der österreichischen Anti-Doping-Agentur in Abstimmung mit der IBU Blut- und Urintests durchgeführt. Es wurden Untersuchungen angestellt, ob gegen Anti-Doping-Gesetze verstoßen wurde und ob Sportbetrug vorliegt.Biathlon-WM, Dopingverdacht in Hochfilzen: Hausdurchsuchung bei Kasachen. In: Tiroler Tageszeitung vom 17. Februar 2017, tt.com. Abgerufen am 23. Juli 2023
Provisorische Suspendierung Jekaterina Glasyrina Am 10. Februar 2017 teilte die IBU mit, dass die russische Athletin Jekaterina Glasyrina provisorisch gesperrt wurde. Auf der Grundlage des zweiten McLaren-Reports wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die weitere Daten zu den im Bericht genannten Athleten sammeln sollte. Diese Gruppe kam zu dem Schluss, dass eine Suspendierung ausgesprochen werden sollte, da mehrere Proben der Athletin verbotene Substanzen enthalten haben könnten und da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die von der russischen Anti-Doping-Agentur genommenen Proben ebenfalls manipuliert wurden. Der Vorstand der IBU folgte dieser Empfehlung und suspendierte Glasyrina. Diese hätte an diesem Tag im Sprint an den Start gehen sollen.Ekaterina Glazyrina banned for suspicion of doping, ESPN vom 10. Februar 2017, espn.com. Abgerufen am 23. Juli 2023 Eine große Rolle bei dieser Entscheidung spielte auch die beispiellose Vertuschungspraxis des russischen Veranstalters bei den Olympischen Winterspielen 2014 im russischen Sotschi.Olympische Spiele 2014 in Sotschi, Drahtzieher bestätigt Doping russischer Medaillengewinner. In: Der Tagesspiegel, Update vom 13. Mai 2016, tagesspiegel.de/sport. Abgerufen am 23. Juli 2023 Der Startplatz von Glasyrina wurde an ihre Mannschaftskollegin Irina Uslugina vergeben.START LIST WOMEN 7.5 KM SPRINT, ibu.blob.core.windows.net, englisch (PDF; 557 KB). Abgerufen am 23. Juli 2023
Razzia im Hauptquartier der IBU Das Bundeskriminalamt durchsuchte am 10. April 2018 die Geschäftsräume der IBU in Salzburg. Die Razzia, die in Koordination mit der norwegischen Polizei sowie mit Interpol durchgeführt wurde, stand laut Auskunft der Welt-Anti-Doping-Agentur im Zusammenhang mit Doping. Ermittelt wurde insbesondere gegen den Präsidenten Anders Besseberg sowie die Generalsekretärin Nicole Resch.Ermittlungen gegen Biathlon-Chef und IBU-Generalsekretärin. In: Süddeutsche Zeitung vom 11. April 2018, sueddeutsche.de. Abgerufen am 23. Juli 2023
Im Fokus der Ermittler stand auch die WM 2017. In der Saison 2016/17 sollen im Welt- und IBU-Cup 17 von 22 russische Athleten gedopt gewesen sein.Eine schrecklich korrupte Familie. In: Sächsische Zeitung vom 18. April 2018 saechsische.de. Abgerufen am 23. Juli 2023
Ermittlungen gegen russische Athleten und Betreuer