Das Kabinettspostamt in Berlin bearbeitete die Postsachen des preußischen Königs- bzw. ab Gründung des Kaiserreichs des deutschen Kaiserhauses und einer Anzahl hoher Behörden. Untergebracht war es im Postgrundstück in der Königstraße. Es war unmittelbar der Oberpostdirektion Berlin unterstellt und rechnerisch dem Hofpostamt zugeteilt. Leiter war zuletzt ein Oberpostsekretär als „Vertreter des Oberpostdirektors“. Aufgehoben wurde das Kabinettspostamt am 1. Juli 1919.
Geschichte Die Ursprünge des Kabinettspostamts liegen in der bereits im Mittelalter begründeten Botenpost der brandenburgischen Kurfürsten. Bei dieser handelte es sich noch nicht um eine Posteinrichtung im eigentlichen Sinn, da sie ausschließlich für den Briefverkehr des Kurfürstenhauses zur Verfügung stand. Erst ab 1646 wurde durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm eine brandenburgische Staatspost eingerichtet, die von jedermann genutzt werden konnte. Die Botenpost ging in dieser Staatspost auf. Im Jahr 1823 war sie unter dem Namen „Cabinets-Expedition“ dem Hofpostamt zugeordnet und nutzte einen entsprechenden Stempel („C.E.d.H.P.A. BERLIN“ = „Cabinets-Expedition des Hofpostamts Berlin“). mini|Brief der „Cabinets-Expedition des Hofpostamts“ Berlin mit dem entsprechenden Stempel, der von 1823 bis 1838 verwendet wurde 1860 lautete die Bezeichnung „Expedition für die Postsachen des Königlichen Hauses“. Ohne eine besondere Verfügung wurde bereits 1864 der Name in „Cabinets-Expedition“ geändert und 1876 in „Kabinetts-Postamt“.
Aufgaben Dem Kabinettspostamt oblag die Bearbeitung der Postsachen des Hofes und einer Anzahl hoher Behörden wie beispielsweise des Staatsministeriums, Kriegsministerium (für die Allerhöchsten Kabinettsorders), des Auswärtigen Amtes, Reichsamt des Innern, Reichsschatzamt usw.
Bearbeitung nach Sondervorschriften: Auslandssendungen des Auswärtigen Amtes und Postsendungen für den Kaiser und sein Gefolge wurden durch Kabinettsbriefträger befördert, die auch als Postkuriere zwischen Berlin und dem jeweiligen Hoflager reisten. Die Postkuriere beförderten ferner die Auslandssendungen des Auswärtigen Amtes bis zur Grenze.
Auflösung Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde es am 1. Juli 1919 aufgehoben, da sich der Geschäftsumfang erheblich verkleinert hatte. Die Arbeiten des Kabinettspostamtes sind auf das Briefpostamt in Berlin C2 (Königstraße 61/62a, Heiligegeiststraße 24/33) und das Hauptpostamt W8 in der Französische Straße 9–12 in Berlin übergegangen.
Literatur Handwörterbuch des Postwesens 1. Auflage; S. 306 2. Auflage; S. 372 Archiv für Post und Telegraphie 1903; S. 716 1920; S. 20 ff.
Kategorie:Preußische Geschichte Kategorie:Berliner Postgeschichte Kategorie:Reichspost Berlin-Mitte Hof Kategorie:Berlin im Deutschen Kaiserreich Kategorie:Aufgelöst 1919