Der Bauernmarkt ist eine Gasse im 1. Wiener Gemeindebezirk, der Inneren Stadt. Der Name ist seit dem 16. Jahrhundert in Verwendung. Die Gasse ist aus mehreren älteren Gassen zusammengewachsen und besteht in ihrer heutigen Länge seit 1913.

Geschichte Der Bauernmarkt war ursprünglich ein Verkehrsweg, der den Petersfreithof mit dem Hohen Markt verband. Für den Abschnitt zwischen Freisingergasse und Landskrongasse ist 1302 der Name Münzerstraße urkundlich bezeugt, weil das Gewerbe der Münzer in der Schlagstube in der heutigen Landskrongasse ausgeübt wurde. (Die Münzerstraße schien noch um 1830 auf dem Vasquez-Stadtplan auf.) Zwischen 1547 und 1848 wurde nur mehr der Abschnitt zwischen Brandstätte und Landskrongasse Münzerstraße bzw. Münzergasse genannt, während der südlichste Teil zwischen Freisingergasse und Brandstätte Bauernmarkt und 1710 Alter Bauernmarkt hieß. Auf dem erstmals 1440 genannten pawrnmarkt verkauften die Bauern aus der Umgebung Wiens ihre Erzeugnisse selbst. Dabei handelte es sich im 16. Jahrhundert vor allem um Milch, Käse, Schmalz, Kraut und Trauben. Als Anfang des 18. Jahrhunderts den Bauern andere Plätze für ihren Direktverkauf zugewiesen wurden, hielt sich der Name Bauernmarkt dennoch weiter für die Straße. mini|Der Bauernmarkt im dicht verbauten Kärnthnerviertl zwischen Hohem Markt und Stephansplatz, kartografiert von Carl Graf Vasquez um 1830 mini|links|Georg Emanuel Opitz, Am Bauernmarkt (um 1825/30), Wien Museum Der Abschnitt zwischen Landskrongasse und Hohem Markt bzw. Lichtensteg gabelte sich ursprünglich in zwei Gassen, die durch einen Häuserblock mit sieben kleinen Häuschen getrennt waren. Die westliche, zum Hohen Markt führende Gasse ist 1291 als Hühnerbühl, um 1300 als Hühnerlucke, 1360 als Gäßlein am Hühnerbühl und 1371 bzw. noch 1527 als Hühnergässel bekannt gewesen. 1509 und 1664 sprach man auch vom Sulzgässel, 1701 und noch 1827 hieß die kleine Straße Hühnergasse. Hier wurden Hühner und Sülze verkauft, die Bezeichnung Bühl verweist auf eine kleine Geländeerhebung.

Die östlichere Gasse hieß 1369 Refellucke, weil hier die Refler (Schuhflicker) ansässig waren. Da diese aber nicht lang danach in die Irisgasse übersiedelten, scheint 1388 bereits der Name Unter den Taschnern auf, weil am Lichtensteg dieses Gewerbe ausgeübt wurde. 1461 hieß die Gasse dann Taschnergässel; der Name schien noch um 1830 auf dem Stadtplan auf. 1844 riss man die Häuser zwischen Hühnergasse und Taschnergässel ab, verbaute das Taschnergässel, verbreiterte die Hühnergasse und rechnete sie fortan zur Münzerstraße.

1862 erhielt der gesamte Straßenzug von der Freisingergasse bis zum Hohen Markt den Namen Bauernmarkt, während sich noch bis ins 20. Jahrhundert im Volksmund die Bezeichnung Alter Bauernmarkt hielt. Seit 1876 münden die Jasomirgottstraße und die Brandstätte in den Bauernmarkt ein. 1913 wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Ankerhofs, zwischen dessen beiden Bauteilen er seither verläuft, der Bauernmarkt vom Hohen Markt nach Norden über den Fischhof bis zum Fleischmarkt verlängert. mini|Der Bauernmarkt rund um die Brandstätte

Lage und Charakteristik Bedingt durch seine Geschichte besitzt der Bauernmarkt keinen einheitlichen Charakter; es sind noch die ursprünglich verschiedenen Gassenabschnitte zu erkennen. Beginnend bei der Freisingergasse, wo auch die Hausnummern beginnen, wendet sich der Bauernmarkt in nordöstlicher Richtung bis zur Brandstätte, setzt sich von dort (etwas weiter östlich als bei der Einmündung in die Brandstätte) bis zur Landskrongasse fort, verengt sich weiter bis zum Hohen Markt, nach dem die Ankeruhr den 1913 hinzugekommenen Gassenteil des Bauernmarkts überspannt, und mündet schließlich im Norden nahe der Jerusalemstiege zum höher gelegenen Desider-Friedmann-Platz in den Fleischmarkt. Die höchsten Hausnummern, Ecke Fleischmarkt, sind 21 und 24.

Der Bauernmarkt wird als Einbahnstraße geführt, abwechselnd in anderer Richtung zwischen Freisingergasse und Brandstätte, zwischen Brandstätte und Hohem Markt und zwischen Hohem Markt und Fleischmarkt. Es verkehren keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Die Verbauung der Straße ist heterogen. Sie besteht aus einem barocken Gebäude im Süden, aus historistischen, secessionistischen und modernen Gebäuden im mittleren Abschnitt und aus einem einheitlichen späthistoristischen Ensemble im Norden. Der Bauernmarkt wird von Geschäftslokalen und zahlreichen Restaurants gesäumt.

Gebäude mini|links|Oppenheimersches Haus Gebäude mit ungeraden Nummern befinden sich an der nordwestlichen Gassenseite, Gebäude mit geraden Nummern an der südöstlichen. Nr. 1: Oppenheimersches Haus

Das auch als Zur Brieftaube bekannte barocke Bürgerhaus war im Besitz des jüdischen Geldgebers Kaiser Leopolds I., Samuel Oppenheimer. Dieser hatte als einziger Jude das Privileg erhalten, sich im Zentrum Wiens anzusiedeln. Am 21. Juni 1700 kam es, ausgelöst durch das Lachen zweier Diener Oppenheimers über das Benehmen von zwei Rauchfangkehrern, zu einem Aufruhr gegen die Juden, bei welchem die Wohnung Oppenheimers geplündert und alle Kassen aufgebrochen wurden. Daraufhin wurde ein Mann gehängt, andere wurden verhaftet, fremde Juden ausgewiesen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stifteten Eduard und Maria Böhm das Gebäude dem Wiener Bürgerspitalfonds, wie eine große Aufschrift mitteilt.

Das große Eckhaus, das sich in der Freisingergasse bis zum Petersplatz erstreckt, hat eine mehrfach geknickte Fassade, wobei die Ecke abgeschrägt ist. Sein Kern stammt aus dem Mittelalter, große Teile sind aus dem 17. Jahrhundert, Anfang des 18. Jahrhunderts wurde umgebaut. Die ursprüngliche Einfahrt wurde in ein 1927 von Bothe und Ehrmann gestaltetes Geschäftslokal integriert; darüber ist noch ein Hausrelief mit der Darstellung von Mariä Verkündigung zu sehen sowie ein lateinischer Text, der Maria um Hilfe gegen die Pest anruft, wahrscheinlich aus dem vierten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die Fenster weisen reich dekorierte Verdachungen auf. Im unregelmäßigen Innenhof befinden sich teilweise verglaste Pawlatschengänge und ein Hofbrunnen mit einer barocken Steinstatue des hl. Johannes Nepomuk vom Ende des 17. Jahrhunderts. Remisen und ein maskenbesetzter Laternenarm sind aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde 2020 zeitgleich zu einer verkehrsberuhigenden Umgestaltung der umgebenden Straßen renoviert und zu einem Luxushotel umfunktioniert, wobei die vergoldeten Schriftzüge entfernt und der ursprüngliche Fensterstuck wiederhergestellt wurde. mini|Assicurazioni Generali

Nr. 2: Gebäude der Assicurazioni Generali Das Haus für Assicurazioni Generali, die 1831 im bis 1918 österreichischen Triest gegründete Versicherungsgesellschaft, errichtete Otto Thienemann 1880 im historistischen Stil in Formen der Neu-Wiener Renaissance. Es besitzt einen geknickten Fassadenverlauf an der Einmündung des Bauernmarkts in die Freisingergasse. In der Sichtachse vom Petersplatz liegt der übergiebelte Mittelrisalit mit dem Rundbogenportal und Skulpturen von Rudolf Weyr in den Zwickeln. Darüber befinden sich im Hauptgeschoß ionische Doppelsäulen, auf denen wappenhaltende Putten stehen. Die Fensterreihen besitzen geschoßweise unterschiedliche Formen und Verdachungen, dazwischen liegen kräftige Kordongesimse. Im Inneren befindet sich das Vestibül mit Bogennischen zwischen korinthischen Pilastern auf hohen Sockeln und eine Kassettendecke. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Nr. 2A: Ehemals Margaretenhof Auf den einstigen Konskriptionsnummern 590 und 591 der Münzerstraße, die die heutigen Hausnummern 2 und 2A des Bauernmarkts und 3, 4, 5, 6 und 7 der Jasomirgottstraße bilden, befand sich einst der Margaretenhof, der 1327 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Wahrscheinlich um 1250/60 wurde hier von Paltram vor dem Freithof die Margaretenkapelle gestiftet und 1310 erstmals erwähnt. 1587 gehörte der Margaretenhof dem Wiener Bürger und Handelsmann Hans Prämer. Einige Jahre befand sich hier der Sitz der Freimaurer. Während eines Festes wurde das Haus 1743 vom Militär (das damals auch die Polizeiagenden führte) besetzt, die Teilnehmer wurden verhaftet, darunter auch die Grafen Starhemberg und Trauttmansdorff. Die Margaretenkapelle wurde 1782 profaniert. Beim Abriss des Gebäudes 1880 fand man romanische Architekturspolien in den Fundamenten, die sich heute im Wien Museum befinden.

Das heute hier befindliche spätsecessionistische Wohn- und Geschäftshaus wurde 1911/12 von Wilhelm Schallinger errichtet und steht unter Denkmalschutz. Es hat die Hauptadresse Jasomirgottstraße 6–8.

Nr. 3: Bürohaus Das Eckhaus wurde 1958/62 von den Architekten Wiser, Pfaffenbichler und Bamer errichtet und befindet sich an der Hauptadresse Brandstätte 7–9. Hier befand sich um die Jahrhundertwende die berühmte Buchhandlung von Hugo Heller. Das Gebäude war seit 1902 im Besitz der Ersten Allgemeinen Unfall- und Schadensversicherungs-Gesellschaft und wurde im Jahre 1904 neugebaut bzw. renoviert. Heute befindet sich der Eingang in das Gebäude in der Brandstätte 5. Im ehemaligen Geschäftslokal Hugo Heller & Cie. am Bauernmarkt 3 ist derzeit eine Boutique für Designermode untergebracht.

Nr. 4: Gundelhof

An Stelle des heutigen, 1949 errichteten Eckhauses befand sich der alte Gundelhof. Eine hier gelegene Thomaskapelle wurde schon 1343 erwähnt. Im Biedermeier befand sich hier der Sonnleithnersche Salon, in dem Franz Schubert und seine Freunde, Franz Grillparzer und Caroline Pichlerverkehrten. In den 1850er Jahren zählten Clara Schumann, Johannes Brahms und Joseph Joachim zu den Mitwirkenden anspruchsvoller musikalischer Soireen. Das zuletzt im Besitz von Salomon Rothschild befindliche Haus wurde 1877 durch einen Neubau ersetzt, der im April 1945 ausbrannte und 1949 wiedererrichtet wurde.mini|Bauernmarkt beim Zacherlhaus gegen Norden

Nr. 5, 7: Zacherlhaus → siehe unter Hauptartikel Zacherlhaus

Das als Wohn- und Geschäftshaus 1903–1905 von Josef Plečnik für den Fabrikanten Johann Evangelist Zacherl errichtete Zacherlhaus ist einer der bedeutendsten Jugendstilbauten Wiens. An der Seite zum Bauernmarkt befindet sich eine Gedenktafel mit Porträtrelief für Plečnik aus dem Jahr 2005. Das Gebäude hat die Hauptadresse Wildpretmarkt 2–4 und auf der Brandstätte die Nr. 6 (mit dieser Adresse, der prominentesten der drei Gassen, scheint es in Architekturpublikationen auf).

Nr. 6: Wohnhaus Das Eckhaus wurde 1956/60 von Siegfried Theiss, Hans Jaksch, Walter Jaksch, Bruno Doskar und Norbert Schlesinger errichtet. Es befindet sich an der Hauptadresse Brandstätte 4.

Nr. 8: Wohnhaus Das schmucklose Wohnhaus mit sieben Geschoßen wurde 1964 von Josef Vytiska errichtet. In einem Vorgängerbau war bis 1883 der Wiener Zweig der Imperial Continental Gas Association tätig, die Gaswerke in Wien betrieb (siehe Henry James Drory).

Nr. 9: Wohnhaus Das Wohnhaus mit acht Geschoßen wurde 1953 von Rudolf Sorgo erbaut. mini|links|Grillparzerhof

Nr. 10: Grillparzerhof