extra 3 ist ein politisches Satiremagazin des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Es wird in mehreren Staffeln an 27 Donnerstagen im Jahr im Ersten präsentiert und an den darauf folgenden Mittwochen im NDR Fernsehen sowie auch auf tagesschau24 wiederholt. Außerdem ist es jederzeit in der ARD Mediathek zu sehen.
Geschichte Gegründet wurde die Sendung vom damaligen NDR-Chefredakteur Peter Merseburger und seinem Stellvertreter Dieter Kronzucker. Die Erstausstrahlung erfolgte am Dienstag, den 21. September 1976 im NDR-Regionalprogramm.Westfälische Nachrichten: 50 Jahre den Finger in die Wunde: „Extra 3“ feiert Jubiläum mit Gästen, Musik und einem Blick auf fünf Jahrzehnte Satire, Medien, Hamburg, Christiane Bosch, 17. September 2026 Rudolf Lauschke und Gerhard Quack entwickelten die Sendung.
Die Sendeplätze wechselten im Laufe der Jahre: 1988 zum Beispiel jeden Freitag ab 20:15 Uhr, in den 1990er Jahren anfangs freitags um 20:45 Uhr, später und in den 2000er Jahren dann donnerstags um 22:30 bzw. 23 Uhr. Ende der 2000er wechselte die Sendung auf den Sonntagabend um 22:45 Uhr und läuft seit dem 8. Juni 2011 am Mittwochabend um 22:50 Uhr. Am 9. Oktober 2014 wurde extra 3 erstmals bei Das Erste ausgestrahlt, wo es seitdem staffelweise am Donnerstag um 22:50 Uhr im Wechsel mit anderen Satireformaten zu sehen ist. Die Sendung wird ohne festen Sendeturnus auf tagesschau24 wiederholt.
Im Jahr 2018 hatten die Ausgaben im NDR Fernsehen durchschnittlich 244.000 Zuschauer bei einem Marktanteil von 7,1 % (NDR Sendegebiet, Zuschauer ab 3 Jahre). Die Ausgaben im Ersten hatten 2018 durchschnittlich 1,8 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 10,4 % (bundesweit, Zuschauer ab 3 Jahre).
Zum Vergleich: 1997 betrug die Einschaltquote der Sendungen im NDR Fernsehen durchschnittlich 180.000 Zuschauer, was einen Marktanteil von 5,7 % im NDR-Sendegebiet bedeutete (Zuschauer ab 3 Jahre). Die erste Sendung im Ersten am Donnerstag, dem 9. Oktober 2014, erreichte bundesweit 1,43 Millionen Zuschauer und entsprach einem Marktanteil von 8,4 %.
Eklat um Erdoğan-Videos
In der Sendung vom 17. März 2016 wurde ein Lied mit dem Titel Erdowie, Erdowo, Erdogan ausgestrahlt. Dieses befasst sich satirisch mit der Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Der mit Erdoğan-Bildern unterlegte Text thematisiert die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei, beispielsweise bei der Abschaltung des türkischen Fernsehsenders Bugün TV, Menschenrechtsverletzungen sowie den Prozess gegen kritische Journalisten. Am 27. März 2016 wurde bekannt, dass der deutsche Botschafter Martin Erdmann ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden war. Hierbei war unter anderem verlangt worden, die weitere Verbreitung des Videos zu unterbinden. Der Botschafter musste sich nach Medienangaben für den rund zweiminütigen Beitrag rechtfertigen. Daraufhin teilte das Auswärtige Amt mit, Erdmann habe bei dem Gespräch mit Unterstaatssekretär Murat Esenli deutlich gemacht, „dass Rechtsstaatlichkeit, die Unabhängigkeit der Justiz und der Schutz grundlegender Freiheiten, einschließlich der Presse- und Meinungsfreiheit, hohe Güter seien, die gemeinsam geschützt werden müssten“, sowie darauf hingewiesen, dass politische Satire in Deutschland von der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt sei „und es deshalb weder eine Notwendigkeit noch die Möglichkeit für ein Handeln der Bundesregierung gibt“.
NDR-Fernsehen-Chefredakteur Andreas Cichowicz betonte, das diplomatische Handeln der türkischen Regierung aufgrund eines extra-3-Beitrages sei nicht mit dem sendereigenen Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit vereinbar.
Daraufhin veröffentlichte die Redaktion eine weitere Videoversion des Liedes mit türkischen Untertiteln. Zudem wurde Erdoğan in der Sendung als „Mitarbeiter des Monats“ ausgezeichnet. Mit Stand Juni 2022 erreichte das Original auf der Internetplattform YouTube bereits über 16 Millionen Aufrufe.
Als Reaktion auf diesen Eklat verlas Jan Böhmermann am 31. März 2016 in seiner Sendung das umstrittene Gedicht Schmähkritik, das Grundlage für die Böhmermann-Affäre war.
Am 23. März 2017 legte die extra-3-Redaktion zu diesem Thema nach, diesmal mit dem Lied Neuer Song für Erdogan (den Schnuckel-Schnauzbart-Chef-Osman). Erneut diente ein Lied von Nena als Vorlage, diesmal 99 Luftballons. Der wiederum mit Bildern Erdoğans unterlegte Text behandelt neben den Themen des ersten Liedes seinen Hass gegen Kurden, die Kritik an ausländischen Politikern und Ausweisung von türkischen Politikern aus den Niederlanden sowie Auftrittsverbote von türkischen Politikern in den Niederlanden und Deutschland.
Alice Weidel als „Nazi-Schlampe“ Die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, forderte in ihrer Parteitagsrede im April 2017, die politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. In einer extra-3-Sendung äußerte Moderator Ehring Zustimmung mit den Worten: „Jawoll. Schluss mit der politischen Korrektheit, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!“Beitrag, ab 3:38 min, auf dem Kanal von extra 3 auf YouTube Daraufhin stellte Weidel beim Hamburger Landgericht einen Unterlassungsantrag, der jedoch scheiterte. Das Landgericht argumentierte, dass es sich „klar erkennbar“ um Satire handele. Da Alice Weidel im „Blickpunkt der Öffentlichkeit“ stehe, müsse sie auch „überspitzte Kritik“ hinnehmen, zumal der Ausdruck „auf Weidel und ihre Forderung nach Abschaffung der Korrektheit Bezug“ nehme. Weidel legte Beschwerde beim Hanseatischen Oberlandesgericht ein, zog diese jedoch wieder zurück.
Grönland-Flaggenzwischenfall Während der Grönlandkrise reiste der freie extra3-Mitarbeiter Maxi Schafroth nach Grönland. Am 28. Januar 2026 gab er sich in der Hauptstadt Nuuk im Rahmen von Dreharbeiten als Vertreter der US-Regierung aus und versuchte, vor dem Kulturzentrum Katuaq eine Flagge der Vereinigten Staaten zu hissen. Daran wurde er von Passanten gehindert, auch bekam er ein Bußgeld auferlegt. Schafroth und extra3 entschuldigten sich bei den Grönländern, der Beitrag wurde nicht ausgestrahlt.
Sendeinhalte Als Dieter Kronzucker 1976 extra 3 „erfand“, sollten eigentlich einfach nur die Absurditäten des politischen Alltags abgehandelt werden, die Sendung wurde deshalb zwangsläufig zum reinen Satire-Magazin. Heute beleuchtet extra 3 wöchentlich das politische Geschehen in Form von satirischen Kurzbeiträgen, Moderationen und Stand-Ups. Neben Beiträgen, in denen aktuelle Geschehnisse satirisch dargestellt bzw. verarbeitet werden, gibt es in der Sendung auch einige feste Rubriken.
Aktuelle Rubriken mini|Das extra 3-Studio von Oktober 2014 bis Januar 2026
Der reale Irrsinn: In dieser Rubrik geht es um skurrile, reale Vorfälle und Ereignisse in Deutschland. Oft sind dies Schildbürgerstreiche rund um staatliche Baumaßnahmen oder Behördenpossen. Unregelmäßig gibt es auch ganze Sendungen rund um diese Rubrik als „extra 3 Spezial: Der reale Irrsinn XXL“, in der sechs Beiträge in Form einer Hitliste präsentiert werden. extra 3 Extra: Janin Ullmann präsentiert im extra-3-Studio satirische Nachrichten über bestimmte aktuelle Themen im Stil der Tagesschau. Statistikexperte Klaas Butenschön präsentiert im extra-3-Studio fiktive Umfragen mit satirischen Fragen und stellt deren absurde Antwortmöglichkeiten vor. Petra Nadolny, Judith Richter, Holger Stockhaus, Cem-Ali Gültekin und andere Comedyschauspieler treten in verschiedenen Sketchen auf. Max Giermann tritt im extra-3-Studio in verschiedenen Rollen auf, darunter als Günter Wallraff, Thomas Roth (in der Tagesthemen-Parodie „Thomasthemen“), Sigmar Gabriel, Martin Schulz, Jens Spahn, Donald Trump und Robert Habeck. Die Laudatio der Woche hält Oliver Kalkofe regelmäßig am Pult im extra-3-Studio über aktuelle politische Themen. GroKo in der FuZo: Die fiktiven Bundestagsabgeordneten Philipp Meyer-Degenhardt von der CDU und Ingo Wolski von der SPD streiten sich ständig und werden gespielt von Nils Holst und Oliver Kleinfeld. In der Fußgängerzone treffen sie auf reale Menschen, die auf diese Streitereien der Großen Koalition entsprechend reagieren und damit die Regierungspolitik kommentieren. Der kleine Mann: Der extra-3-Reporter Jakob Leube geht in den Bundestag, auf Parteitage oder Messen und fordert die Politiker o. a. vermeintlich naiv dazu auf, ihm ein bestimmtes Thema (z. B. Vorratsdatenspeicherung) genauer zu erklären und provoziert dadurch unerwartete Antworten. Katja Kreml: Katja GarmaschProfil von Katja Garmasch. wdr.de entlockt den Menschen in Umfragen auf der Straße mit ihrem vermeintlich en Background als „russische Austauschreporterin“ überraschend ehrliche Antworten, die diese „normalen“ Reporterinnen nicht gäben.Utz Dräger: Comedian Katja Garmasch: „Ich fühle mich als Ukrainerin und als Russin“, deutschlandfunkkultur.de, 17. April 2022 mini|hochkant|Jesko Friedrich als „Johannes Schlüter“ Johannes Schlüter (Jesko Friedrich und Dennis Kaupp): diese fiktive Figur hat in jedem Beitrag einen anderen Beruf, der vorgestellt und an dem ein aktuelles Thema satirisch aufbereitet wird, z. B. Johannes Schlüter als Bushpilot im Kopf des (damaligen) amerikanischen Präsidenten George W. Bush, als Supernanny der Politiker, als Empörungsindustrieller, als Wahlkampfberater der Union, als Filmregisseur des neuen „SPD-Blockbusters“, als Mitarbeiter des Bundespräsidenten und weitere. 2009 wurde die Rubrik mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. extra 3 Songs: Hier werden Rock- und Popsongs sowie Schlager wie Born to Be Alive, Hier kommt Alex und Mein kleiner grüner Kaktus mit aktuellen Bezügen umgetextet. Autoren sind Dennis Kaupp und Jesko Friedrich (siehe Rubrik „Johannes Schlüter“). extra-3-Experte Heinz Strunk: Der Autor und Schauspieler Heinz Strunk „erklärt“ aktuelle gesellschaftliche Themen und bringt mit vermeintlichen Tipps überraschende Wahrheiten ans Licht. Torsten Sträter: Er tritt als „Vize-Ersatz-Pressesprecher“ verschiedener Parteien, Organisationen und Personen auf und erklärt mit überraschenden Fakten deren kritikwürdiges Verhalten. Die extra-3-Familie: Am Beispiel einer fiktiven Familie werden aktuelle Alltagsphänomene und gesellschaftliche Trends satirisch aufs Korn genommen (z. B. Sprachassistenten, Ernährungswahn oder Selfies). Darsteller sind Janis Zaurins (»Vater«) und Jenny Klippel (»Mutter«). Werbung: Hier wird eine fiktive und ironische Werbung, meist für eine Partei, eine Firma oder sogar eine Person gesendet. Oft finden sich Parallelen zu realen Werbeclips. Parteienforscherin Prof. Dr. Ute Rehbein: Kirstin Warnke erläutert als burschikose Parteienforscherin Prof. Dr. Ute Rehbein im Gespräch mit Moderator Christian Ehring aktuelle politische Zusammenhänge. Schlegl in Aktion: Tobias Schlegl geht auf die Straße, zu Parteitagen oder Messen und konfrontiert Passanten und Politiker mit „grotesken“ Situationen (Verscherbeln von Atommüll, Unterschriften sammeln für „Ein Herz für die SPD“ oder für „Homosexuelle sind ganz normale Menschen“). Caroline Korneli ist, ähnlich wie Tobias Schlegl, Außenreporterin und wirft einen ironischen Blick auf aktuelle Trends und Ereignisse. Die Berichterstattung persifliert den Ton des gängigen Betroffenheitsjournalismus und nimmt ironisch Anleihen aus der Erzählweise von Milieustudien bzw. -reportagen (Caro Korneli bei den „Anonymen Liberalen“; Apple, die Sekte – ein Bekehrungsversuch). Sarah Bosetti: Sarah Bosetti liest „Liebesbriefe“ (oftmals bösartige und unsachliche Hassbriefe) vor, und kommentiert/beantwortet diese, auch auf verspottende Weise. Die letzte Antwort nimmt dabei immer die Form eines Gedichts an.