Vetschau/Spreewald (bis 1. April 1997 Vetschau), , ist eine Kleinstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz 18 Kilometer nordwestlich von Cottbus im Süden Brandenburgs.

Lage mini|hochkant=1.35|Karte von Vetschau/Spreewald und seiner Umgebung

Vetschau liegt in der Niederlausitz am Südrand des Spreewaldes, rund zwölf Kilometer südöstlich von Lübbenau und 18 Kilometer nordwestlich von Cottbus. Die nördlich der Kernstadt gelegenen Ortsteile liegen unmittelbar im Biosphärenreservat Spreewald. Die Stadt grenzt im Nordosten an das Amt Burg (Spreewald), im Osten an Kolkwitz, im Südosten an Drebkau, im Süden an das Amt Altdöbern, im Südwesten an Calau und im Nordwesten an Lübbenau.

Die Stadt gehört zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden in Brandenburg.

Stadtgliederung Die Stadt Vetschau/Spreewald gliedert sich in folgende Ortsteile mit den zugehörigen Gemeindeteilen und Wohnplätzen (sorbische Bezeichnungen in Klammern; die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2025Entwicklung der Einwohnerzahl der Stadt Vetschau/Spreewald. Stadt Vetschau/Spreewald, abgerufen am 1. Februar 2026.):

Göritz (Chórice) mit dem Wohnplatz Göritzer Mühle (Chóricański młyn); 186 Einwohner Koßwig (Kósojce) mit dem Wohnplatz Dubrau (Dubrawa); 209 Einwohner Laasow (Łaz) mit den Gemeindeteilen Tornitz (Tarnojsk) und Wüstenhain (Huštań) und den Wohnplätzen Alte Windmühle (Stary Wětšnik), Briesen (Brjaze) und Knorraue (Knorawa); 383 Einwohner Missen (Pšyne) mit dem Gemeindeteil Gahlen (Gołyń) und dem Wohnplatz Jehschen (Jažyn); 396 Einwohner Naundorf (Njabožkojce) mit dem Gemeindeteil Fleißdorf (Długi); 222 Einwohner Ogrosen (Hogrozna); 209 Einwohner Raddusch (Raduš) mit den Wohnplätzen Radduscher Buschmühle (Radušański Młyn), Radduscher Kaupen (Radušańske Kupy) und Radduscher Ziegelei (Radušańska Cyglownja); 599 Einwohner Repten (Herpna); 88 Einwohner Stradow (Tšadow) mit den Wohnplätzen Stradow Ausbau (Tšadojske Wutwaŕki) und Stradower Mühle (Tšadojski Młyn); 260 Einwohner Suschow (Zušow) mit dem Wohnplatz Suschower Ausbau (Zušojske Wutwaŕki); 262 Einwohner

Zur Kernstadt Vetschau, die keinen Ortsteilstatus hat, gehören zudem die Gemeindeteile Belten (Běłośin), Lobendorf (Łoboźice) und Märkischheide (Husoka, bis 23. Oktober 1937 amtlich deutsch WeißagkStatistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939, S. 249.) sowie die Wohnplätze Altstadt (Stare Město), Brandtemühle (Brandtowy Młyn) und Neustadt (Nowe Město). Die Kernstadt hat 4817 Einwohner.

Derzeit gibt es Bestrebungen, den Gemeindeteil Märkischheide in einen Ortsteil mit eigenem Ortsbeirat umzuwandeln.

Geschichte mini|Marktplatz mit dem Ratskeller im Hintergrund mini|Schloss Vetschau mini|Ältestes Haus Vetschaus

Die Stadt Vetschau entstand vermutlich als Siedlung in der Nähe einer kleinen Wasserburg und wurde am 28. April 1302 als Veczicz erstmals urkundlich erwähnt. Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Zeit von Vetczaw im Jahr 1434 über Fetzow 1450 zu Fetczaw im Jahr 1480.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-89-1, S. 390–392. Im Jahr 1527 wurde der Ort unter dem Namen Fetzscho erstmals als Städtlein bezeichnet, das formelle Stadtrecht erhielt Vetschau 1543. Das Wappen für Rath und Gmaind des Marckhts Vetzschew wurde dem Ort am 17. März 1548 durch König Ferdinand I. in Augsburg ausgestellt. Die Urkunde war lange verschollen und wurde erst im Juli 2005 auf einem Dachboden in Vetschau wiederentdeckt.Brandenburgische Archive Heft 24, S. 5–11 als PDF

Noch bis ins 19. Jahrhundert war Vetschau Mediatstadt der Herrschaft Vetschau. Im Jahr 1540 ließ der damalige Besitzer Eustachius von Schlieben an Stelle der alten Wasserburg das Schloss Vetschau im Renaissancestil errichten. Die Stadt wurde 1619 durch einen Brand fast vollständig zerstört. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Vetschau 1626 von Söldnern des Generals Wallenstein überfallen, durch die Pest wurde die Stadt bis 1637 fast vollständig entvölkert. Bis 1635 gehörte Vetschau zum Markgraftum Niederlausitz und kam danach durch den Prager Frieden zum Kurfürstentum Sachsen. Die Stadt gehört zum historischen Siedlungsgebiet der Sorben, nach einem Anstieg der deutschsprachigen Bevölkerung zum Ende des 17. Jahrhunderts erhielt diese Kirche zwischen 1690 und 1694 einen Erweiterungsbau als deutsche Kirche (siehe Wendisch-Deutsche Doppelkirche). In der Nähe des Marktplatzes wurde 1724 eine Schule gebaut.Kleine Vetschauer Chronik. Stadt Vetschau/Spreewald, abgerufen am 14. Januar 2025. Eine der Haupterwerbsquellen der Einwohner von Vetschau war lange Zeit die Leineweberei. Ab dem 17. Jahrhundert kamen zunehmend Handwerksberufe auf, in den 1660er Jahren erhielt die Stadt das Braurecht.

Im Jahr 1794 kamen die Grafen zu Lynar, die auch die benachbarte Standesherrschaft Lübbenau besaßen, in den Besitz der Stadt Vetschau, die vorher Agnes Sophie Reuß zu Ebersdorf als letzter Angehöriger der gräflichen Linie der Familie von Promnitz gehört hatte. Bei der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung Sachsens kam Vetschau zum Königreich Preußen und wurde bei der Gebietsreform 1816 dem Kreis Calau in der Provinz Brandenburg zugeordnet. Nach mehreren Besitzerwechseln kamen die Grafen zu Lynar gegen Ende des 19. Jahrhunderts erneut in den Besitz der Stadt, die in der folgenden Zeit an Privatpersonen verkauft wurde. Bereits im September 1866 wurde Vetschau an die neu gebaute Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus angeschlossen. Bis ins späte 19. Jahrhundert waren vor allem die nördlich der Stadt gelegenen Dörfer in der näheren Umgebung von Vetschau überwiegend sorbischsprachig.Arnošt Muka: Pućowanja po Serbach. Nakład Domowiny, Budyšin 1957, S. 67f. Der Sprachwechsel zum Deutschen erfolgte hier – beschleunigt durch die Abschaffung sorbischer Gottesdienste und die Durchsetzung des Deutschen in den Schulen – im Wesentlichen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In Vetschau selbst und dem Gutsbezirk Schloss Vetschau waren 1884 von insgesamt 2630 Einwohnern nur noch 451 Sorben, was einem Anteil von 17,1 Prozent entspricht; auch in den heutigen südlicheren Ortsteilen war die Eindeutschung bereits stärker fortgeschritten.Arnošt Muka: Statistik der Lausitzer Sorben. Deutsch von Robert Lorenz. Domowina, Bautzen 2019, ISBN 978-3-7420-2587-6, S. 155.

Der Gutsbezirk Schloss Vetschau wurde 1920 in die Stadt eingegliedert. Von 1929 bis 1932 fanden in Vetschau jeweils Anfang August die Spreewälder Volks- und Trachtenfeste statt. Organisiert wurden sie vom damaligen Bürgermeister Otto Rohde und der niedersorbischen wissenschaftlichen Gesellschaft Maśica Serbska in Cottbus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, den Vetschau relativ unbeschadet überstand, kam die Stadt zur Sowjetischen Besatzungszone und somit 1949 zur DDR. Im folgenden Jahr wechselte Vetschau aus dem Landkreis Calau in den Landkreis Lübben (Spreewald); bei der Kreisreform im Juli 1952 wurde die Stadt dort dem Kreis Calau im Bezirk Cottbus zugeordnet.

Vetschau wurde 1964 zum Standort eines der größten Braunkohlekraftwerke der Region, des Kraftwerks Vetschau. Die Schornsteine des Kraftwerks waren Wahrzeichen der Stadt, sorgten aber auch für eine erhebliche Schwefeldioxidbelastung. Westlich der Stadt wurde 1988 der Braunkohletagebau Seese-Ost geöffnet. Nach der Wiedervereinigung kam Vetschau zum Land Brandenburg und wurde bei der Kreisreform am 6. Dezember 1993 dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz zugeordnet. Bereits seit Juli 1992 übernahm die Stadt die Verwaltung von zehn weiteren Gemeinden, die sich im Amt Vetschau zusammengeschlossen hatten. Nach der Einstellung des Betriebs des Kraftwerks Vetschau im Jahr 1996 wurden die Schornsteine im folgenden Jahr gesprengt. Mit Wirkung vom 1. April 1997 wurde der Name der Stadt in Vetschau/Spreewald geändert. Das Amt Vetschau wurde am 26. Oktober 2003 nach der Eingliederung der letzten verbliebenen Gemeinden in die Stadt Vetschau aufgelöst.

Im Oktober 2025 stimmte die Mehrheit der Stadtverordneten einer Beschlussvorlage zu, die eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten Lübbenau und Calau vorsieht. Mittelfristiges Ziel ist eine Zusammenlegung der Verwaltungen der drei Städte, die jedoch alle ihre politische Eigenständigkeit behalten sollen. Auch in Lübbenau und Calau stimmten die Stadtverordneten mehrheitlich für die Beschlussvorlage.Daniel Preikschat: Eine Verwaltung für alle? So wurde entschieden. Lausitzer Rundschau, 19. Oktober 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1928 wurde die Gemeinde Schönebegk nach Vetschau eingemeindet, sie ist heute mit der Siedlungsfläche der Vetschauer Kernstadt zusammengewachsen und auch keine Ortschaft mehr. Am 1. April 1959 wurde Märkischheide eingemeindet. Zum 31. Dezember 2001 erfolge die Eingliederung der Gemeinden Göritz, Naundorf, Repten und Stradow in die Stadt Vetschau, am 31. Dezember 2002 folgten Ogrosen und Suschow. Zuletzt wurden die Gemeinden Koßwig, Laasow, Missen und Raddusch im Zuge der Gemeindereform am 26. Oktober 2003 nach Vetschau eingemeindet.Sechstes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße (6.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S. 93.

Bereits zuvor wurden am 1. Januar 1925 die Gemeinde Lobendorf nach Repten, am 1. Januar 1928 die Gemeinde Jehschen und am 1. Januar 1957 die Gemeinde Gahlen nach jeweils nach Missen, am 1. Oktober 1966 die Gemeinde Dubrau nach Koßwig, am 1. Januar 1974 die Gemeinde Fleißdorf nach Naundorf und am 1. Mai 1974 die Gemeinden Tornitz und Wüstenhain nach Laasow eingemeindet. Die Gemeinde Briesen wiederum wurde bereits am 1. Januar 1926 nach Tornitz eingegliedert.10 Ortsteile ergeben eine vielfältige Gemeinde. Stadt Vetschau/Spreewald, abgerufen am 6. Februar 2023.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2452 1890 3142 1910 2699 1925 2471 1933 2908 1939 2990 Jahr Einwohner 1946 4064 1950 4047 1964 7494 1971 9233 1981 9628 1985 9415 Jahr Einwohner 1990 9063 1995 8203 2000 7338 2005 9616 2010 8770 2015 8307 Jahr Einwohner 2020 7862 2021 7819 2022 7675 2023 7607 2024 7635 2025 7533

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 30–33Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), von 2011 bis 2021 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Vetschau besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019 Sitze2019 Ergebnis2014 Sitze2014 Ergebnis2008 Sitze2008 Wählergemeinschaft Ortsteile 27,9 % 5 13,3 % 3 18,1 % 3 20,1 % 4 CDU 24,5 % 4 31,0 % 6 29,3 % 5 25,2 % 5 AfD 24,0 % 4 16,4 % 3 – – – – SPD 15,6 % 3 14,9 % 3 25,2 % 5 24,4 % 4 Bündnis 90/Die Grünen 8,0 % 2 10,9 % 2 9,4 % 2 6,5 % 1 Die Linke – – 10,4 % 2 17,1 % 3 23,8 % 4 Lausitzer Allianz – – 1,6 % – 0,9 % – – – Einzelbewerber Christoph Schneider – – 1,5 % – – – – – Wahlbeteiligung 65,4 % 58,7 % 47,0 % 53,2 %