Das Hofpostamt in Berlin bestand vom 15. Juni 1700 bis zum 25. August 1919. Der Name wurde von der postalischen Hauptfunktion für den Königlichen Hof abgeleitet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es in Postamt 1 in Berlin C („PA 1 in Berlin C“) umgetauft. Berlin C stand für Berlin Centrum, was heute Berlin-Mitte entspricht. Das Postamt befand sich auf dem Areal zwischen der Spandauer, Königs-, Heiliggeist- und der Kleinen Poststraße in der Spandauer Straße 13/14 (heute etwa das östliche Viertel des Marx-Engels-Forums). Der etwa 12.000 m² große Komplex bestand zunächst aus mehreren vereinzelten Gebäuden, die nacheinander von der Post aufgekauft und 1882 durch einen Neubau ersetzt wurden.

Das Hofpostamt war Mittelpunkt des postalischen Geldverkehrs der Reichshauptstadt Berlin. Am 1. Oktober 1930 ist es infolge organisatorischer Maßnahmen vom „Postamt C 2“ übernommen worden. Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Gebäudekomplex teils schwere Schäden. Die Deutsche Post plante im April 1950 ihre Wiederansiedlung im Block C 2.Benedikt Goebel: Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum, Verlagshaus Braun, Berlin 2003, ISBN 3-935455-31-3, S. 320 f., dort auch das Folgende Dazu kam es nicht, jedoch diente das gering beschädigte Briefpostamt entlang der Heiligegeiststraße weiterhin der Post. Im Zuge der Neugestaltung des Stadtzentrums wurde das in den Jahren 1899 bis 1902 errichtete Gebäude zwecks Anlage einer großen Parkanlage, dem späteren Marx-Engels-Forum, im Jahr 1971 gesprengt.

Aufgaben Gegen Ende 1875 war die Neustrukturierung der Reichspost- und Telegraphenverwaltung im Wesentlichen abgeschlossen. Der Berliner Oberpostdirektion waren die Postzustellung des Königlichen Hauses und das Hofpostamt in der Königstraße 60 Ecke Spandauer Straße 19–22 zugeordnet, ebenfalls unterstanden ihr das Stadtpostamt in der Spandauer Straße 19, das Paketpostamt in der Oranienburger Straße 70, das Postfuhramt in der Oranienburger Straße 35/36 und die fünf Bahnpostämter sowie die 51 Stadtpostanstalten.

Im Hofpostamt wurden folgende Dienstleistungen angeboten:Handwörterbuch des Postwesens; 1. Auflage; S. 292 Annahme von Postanweisungen und Zahlkarten, Einschreib- und Wertbriefen, gewöhnliche und eingeschriebene Postpakete, unversiegelte und versiegelte Wertpakete; Zustellung von Post- und Zahlungsanweisungen, Wertbriefen, Nachnahmebriefsendungen und Postaufträgen im Bezirk des Briefpostamtes sowie von versiegelten Wertpaketen für den Gemeindebezirk Berlin; Ausgabe von Post- und Zahlungsanweisungen sowie von Wertbriefen für Abholer aus dem Bezirk des Briefpostamt, von versiegelten Wertpaketen für Abholer aus dem Gemeindebezirk Berlin (Ausnahme: Reichsbank); Wertbriefeingangsstelle (Entkartung und Abfertigung) aller nach Alt-Berlin gerichteten Wertbriefe und Wertbeutelstücke. Die Wertbriefe werden nach der Entkartung den Briefzustellämtern zugeführt, sowie der im Durchgang zu bearbeitenden, das heißt der weiterzusendenden, Wertbriefe und Wertbeutelstücke; Ausgleich des Barverkehrs der Postämter des Oberpostdirektionsbezirks Berlin durch eine Geldsammelstelle.

Geschichte Als Kurfürst Friedrich Wilhelm 1646 die brandenburgische Staatspost begründete, richtete er gleichzeitig eine Kurfürstliche Postanstalt in Berlin ein. Sie war anfänglich im Berliner Stadtschloss untergebracht. Der Raum wurde jedoch infolge Erweiterung der Postanlagen bald zu klein. 1683 siedelte die Postanstalt daher zusammen mit der Verwaltung der Staatsposten in ein dazu angekauftes Haus nahe der Langen Brücke über. Die Straße, in der es jetzt lag, erhielt den Namen Poststraße und das Posthaus die Hausnummer 1.

mini|hochkant=1.3|Alte Post im Jahr 1890 (ehemaliges Palais Wartenberg)

1712 wurde das an der Langen Brücke gelegene Palais Wartenberg vom Königlichen Hofpostamt übernommen, nun Neue Post genannt. Die Alte Post an der Poststraße wurde bis ins 19. Jahrhundert als Wohnsitz des Generalpostmeisters genutzt.

Am 15. Juni 1700 erhielt die Postanstalt den Namen „Hofpostamt“. In Ostpreußen betrieb man zeitweise ein zweites Hofpostamt (Hauptpost Königsberg). Die eingegangenen Sendungen mussten damals von der Post abgeholt werden, was mit vielen Unzuträglichkeiten für Post und Publikum verbunden war. Dies führte 1712 zur Einstellung der ersten Briefträger. 1719 wurde die Zustellung auch auf die Pakete ausgedehnt. Der erste Briefkasten erschien 1766 und wurde auf dem Flur des Hofpostamtes aufgestellt „zur Gemächlichkeit der Correspondenten und zur Facilitierung derer Correspondenz“.Heinrich von Stephan: Geschichte der preußischen Post, S. 314 Dem Hofpostamt war auch der 1705 gegründete „Posthof“ in der Oranienburger Straße unterstellt, auf dem sich die Ställe, Wagenschuppen und Postillions­wohnungen befanden (siehe Postfuhramt). Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 geriet das Hofpostamt bis 1812 unter französische Verwaltung. Ab 1809 war (auch das von den Franzosen errichtete) berüchtigte Schwarze Kabinett, in dem täglich 2000 Briefe heimlich geöffnet und wieder verschlossen wurden untergebracht.

1816 siedelte das Hofpostamt nach dem Postgrundstück in der Spandauer und Königstraße über. Wenn es dort auch größere Räume erhielt, so reichten doch seine Einrichtungen im Ganzen für den Postverkehr der sich schnell vergrößernden Hauptstadt (1700: 28.500 Einwohner, 1800: 172.000 Einwohner; 1826: 225.000 Einwohner) bald nicht mehr aus. Die Postverwaltung musste sich daher zu einer Betriebserweiterung entschließen. Am 1. Dezember 1827 richtete sie 62 sogenannte „Briefsammlungen“ ein, die über die ganze Stadt verteilt, bei Kaufleuten und dergleichen untergebracht und der am selben Tage begründeten „Stadtpost-Expedition des Hofpostamts“ unterstellt wurden. Diese erhielt im Rahmen des Hofpostamt insofern eine besondere Stellung, als sie einen eigenen Beamtenstab bekam und der Vorsteher des Hofpostamt diese Beamten nicht eigenmächtig versetzen konnte. Die „Briefsammlungen“, die äußerlich durch ein Schild „Königliche Briefsammlung Nr. …“ gekennzeichnet waren, nahmen zuerst nur gewöhnliche Stadtbriefe an, später auch Stadtbriefe mit Geldeinlage sowie Briefe nach außerhalb, stempelten und führten sie täglich sechsmal der Stadtpostexpedition zu. Als Entschädigung erhielten die Inhaber drei Pfennige für jeden angenommenen Brief.

Der Betrieb des Hofpostamtes vergrößerte sich immer mehr. 1831 hatte es eine Hauptkasse, eine Stadtpostexpedition, eine Dekartierungsexpedition, eine Briefannahme, eine Geldexpedition, eine Packkammerexpedition, eine Hauptniederlage und neun Entkartierungs-Expeditionen, welche nach und nach auf 13 vermehrt wurden. Außerdem entstanden noch eine Briefausgabe, besondere Expeditionen für die Annahme von Personen, für Extraposten und Estafetten, für die Sachen des Königlichen Hauses und eine Geldausgabe-Expedition.

Die Eröffnung des Eisenbahnbetriebes machte die Einrichtung von Bahnhofs-Expeditionen notwendig, die dem Hofpostamt unterstellt wurden. Sie begannen ihre Tätigkeit: 1838 auf dem Potsdamer Bahnhof 1841 auf dem Anhalter Bahnhof 1842 auf dem Frankfurter Bahnhof und Stettiner Bahnhof sowie 1846 auf dem Hamburger Bahnhof

Außerdem waren im Laufe der Zeit dem Hofpostamt weitere neun auswärtige Postexpeditionen (in Zehlendorf, Altlandsberg, Werneuchen, Bernau, Biesenthal, Groß-Schönau, Cöpenick, Zossen und Charlottenburg) zugeteilt worden. Die Zahl der Briefsammlungen hatte sich auf 77 erhöht. Mit dem zunehmenden Geschäftsumfang stieg auch die Zahl der Beamten des Hofpostamtes. Während 1831 etwa 30 Beamte ihren Dienst versahen, waren 1848 bereits 127 Beamte beschäftigt (einschließlich des Hofpostmeisters), zu denen 307 Unterbeamte und 51 Postillione kamen. Insgesamt werden für das Jahr 485 Personen im Hofpostamt angegeben. Davon entfielen etwa 150 auf die Stadtpostexpedition, deren Vorsteher bereits ein Jahr zuvor 1847 den Titel „Postdirektor“ bekommen hatte. Er hatte unmittelbar an das Generalpostamt zu berichten. Diese Berichte waren zunächst dem Hofpostmeister vorzulegen, der Bemerkungen hinzufügen oder sein „vidi“ beisetzen konnte. Verfügungen des Generalpostamtes an die Stadtpostexpedition wurden dem Hofpostamt nachrichtlich mitgeteilt.

Am 1. Januar 1850, bei der Neuordnung des Preußischen Postwesens, erhielt Berlin eine Oberpostdirektion und der Vorsteher des Hofpostamtes wurde unter Beibehaltung seines Titels „Hofpostmeister“ gleichzeitig Oberpostdirektor. Er war also Bezirkschef und Amtsleiter in einer Person. Sein Büro führte die Bezeichnung „Cabinet“ und bearbeitete unter anderem die Postsachen des Königlichen Hauses. Die neun auswärtigen Expeditionen wurden vom Hofpostamt abgezweigt und der neuen Oberpostdirektion Potsdam unterstellt. Am 1. Mai 1851 wurden die Briefsammlungen aus dem Zuständigkeitsbereich entfernt. An ihre Stelle traten acht neue Stadtpostexpeditionen mit folgenden Aufgaben: Verkauf von Wertzeichen, in erster Linie Postwertzeichen aber auch zum Beispiel Wechselsteuermarken. Annahme gewöhnlicher Briefe und von Briefen mit baren Einzahlungen oder mit angegebenem Wert bis zu 100 Talern, Leerung der Briefkästen, Stempelung und Absendung der Briefe, Abfertigung der Briefträger und Stadtpostboten. Eingeschriebene, rekommandierte, Briefe wurden erst seit 1853 angenommen. Die neuen Expeditionen kamen unter die Leitung der Stadtpostexpedition des Hofpostamtes, die aus diesem Anlass den Namen „Centralstadtpostexpedition“ und die Nummer 1 erhielt.

Der stark erweiterte Verkehr des Hofpostamtes zwang zu einer Aufteilung der Dienstgeschäfte. Am 1. Juli 1859 wurde es in drei Abteilungen zerlegt: Abteilung I: Unter Leitung eines Postrats wurde die Zentralstadtpostexpedition mit ihren „Filialen“, den Stadtpostexpeditionen und den Expeditionen auf den Bahnhöfen organisiert. Abteilung II: unter Leitung eines Postinspektors sämtliche Annahme- und Abfertigungsstellen. Abteilung III: unter Leitung eines Postkassenkontrolleurs die Dekartierungs- und Ausgabestellen.

Die drei Beamten erhielten die Befugnisse, die Disziplinargewalt und die Verantwortlichkeit eines Postamt-Vorstehers. Dem Oberpostdirektor blieb nur die Leitung der Kabinettsexpedition. Am 17. Mai 1862 wurden die Stadtpostexpeditionen, deren Befugnisse inzwischen mehrfach erweitert worden waren, in selbstständige Postanstalten umgewandelt und der Oberpostdirektion Berlin unmittelbar unterstellt. Eine weitere Verkleinerung des Dienstbetriebes erfuhr das Hofpostamt am 1. Januar 1864 durch die Umwandlung der bereits am 1. Dezember 1863 nach der Oranienburger Straße verlegten Lokal-Packkammer nebst der Dekartierungsexpedition für Lokalfahrpostsendungen und der Abfertigung der Paketzustellfahrten, welche damals „Faktagefahrten“ genannt wurden, in eine selbstständige Stadtpostexpedition Nr. 24, ferner der Zentralstadtpostexpedition in eine selbstständige Stadtpostanstalt unter dem Namen „Hauptstadtpostexpedition“. Die drei Abteilungen des Hofpostamtes konnten infolge dieser Maßnahmen wieder zu einer zusammengezogen werden. Neu hinzu traten im September 1864 eine Sammelstelle für Lagersendungen unter dem Namen „Postrestantebureau“. Im Februar 1865 wurde auch die Verwaltung der Wertzeichen für den ganzen OPD-Bezirk Berlin unter der Bezeichnung „Postanweisungsbureau“ und im November 1867 ein Marinepostbüro hinzugefügt.