mini|Präsident Truman und General MacArthur bei der Wake Island-Konferenz, 15. Oktober 1950

Die Entlassung von General MacArthur durch Präsident Truman von all seinen Kommandos erfolgte am 11. April 1951. Der General of the Army Douglas MacArthur, eine in der Öffentlichkeit populäre Gestalt aus dem Pazifikkrieg, befehligte zu diesem Zeitpunkt die Truppen der Vereinten Nationen (UNO) im Koreakrieg. Seine Entlassung durch Präsident Harry S. Truman wurde und wird im Zusammenhang der Beziehungen zwischen Ziviladministration und Militär auch international diskutiert. In deutschsprachigen Medien der Zeit wurden die Entlassung und die sie begleitenden Ereignisse auch als MacArthur-Kontroverse bezeichnet.

MacArthur führte während des Pazifikkriegs die alliierten Truppen im Befehlsbereich Südwestpazifik und leitete im Anschluss als Supreme Commander for the Allied Powers (SCAP) die Besatzungsverwaltung in Japan. Nach dem nordkoreanischen Überfall auf Südkorea im Juni 1950 erhielt er das Kommando über die auf südkoreanischer Seite in den Krieg eingreifenden UNO-Truppen. Er plante und befehligte die am 15. September 1950 stattfindende amphibische Landung bei Incheon, deren Erfolg ihm den Ruf eines militärischen Genies einbrachte. Die anschließende Invasion Nordkoreas provozierte eine Intervention chinesischer Truppen. Eine Reihe von Niederlagen zwang MacArthur, seine Truppen zunächst aus Nordkorea zurückzuziehen. Verschiedene öffentliche Aussagen MacArthurs führten trotz einer militärischen Stabilisierung dazu, dass Präsident Truman ihn seiner Kommandos enthob. Das United States Senate Committee on Armed Services und das United States Senate Committee on Foreign Relations führten im Anschluss eine gemeinsame Untersuchung zu den Umständen von MacArthurs Entlassung durch. Sie kamen zu dem Schluss, dass „die Entlassung General MacArthurs in der verfassungsrechtlichen Zuständigkeit des Präsidenten lag, die Umstände aber ein Schlag für den Nationalstolz waren“.“the removal of General MacArthur was within the constitutional powers of the President but the circumstances were a shock to national pride.”James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year. 1972, S. 365.

Truman hielt durch die Entlassung MacArthurs aufgrund eines Mangels an „Respekt [vor der] Autorität des Präsidenten“,“respect the authority of the President” die er vertraulich mit dem Kongress abstimmte, den Eindruck der Rolle des Präsidenten als überragende Führungsfigur aufrecht, löste aber eine verfassungsrechtliche Krise aus. Die Idee der außergewöhnlichen oder gar absoluten Macht des Präsidenten wurde unter dem Begriff Imperiale Präsidentschaft bekannt.

Hintergrund der beteiligten Personen Harry S. Truman Harry S. Truman übernahm 1945 nach dem Tode Franklin D. Roosevelts das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Fast vier Jahre später gelang ihm 1948 die Amtsbestätigung durch seine Wiederwahl. Truman hatte im Ersten Weltkrieg im Rang eines Obersts der Reserve bei der Artillerie gedient, obwohl ihn die Militärakademie West Point vor dem Krieg aufgrund einer Sehschwäche abgelehnt hatte. Dieser Dienst erfüllte ihn zeit seines Lebens mit Stolz.Michael D. Pearlman: Truman and MacArthur. Policy, Politics, and the Hunger for Honor and Renown. 2008, S. 17–19.

Truman misstraute nach eigenen Aussagen Berufssoldaten und berief mit Louis H. Renfrow und Harry H. Vaughan zwei Mitglieder der Nationalgarde der Vereinigten Staaten zu seinen Militärberatern. Er äußerte einmal, nicht zu verstehen, wie die US Army einerseits „Männer wie Robert E. Lee, John J. Pershing, Eisenhower und Bradley und zur selben Zeit andererseits Custers, Pattons und MacArthurs hervorbringen könne“.“produce men such as Robert E. Lee, John J. Pershing, Eisenhower and Bradley and at the same time produce Custers, Pattons and MacArthur.” Er bezog sich mit dieser Metapher auf die menschliche Größe beziehungsweise deren Nichtvorhandensein bei letzteren.

Als Reaktion auf den Aufstand der Admirale von 1948 ersetzte Truman den Chief of Naval Operations, Admiral Louis Denfeld, durch den Admiral Forrest Sherman. Die Offiziere hatten unter anderem gegen Einschnitte bei den Kapazitäten zur amphibischen Kriegsführung protestiert.L. Lewis: The Revolt of the Admirals. 1998, S. 38. In seiner Aussage vor dem United States Senate Committee on Armed Services zur Untersuchung der Vorfälle zweifelte der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff (JCS) Omar Bradley im Oktober 1949 an, dass es jemals wieder eine groß angelegte amphibische Operation geben werde.L. Lewis: The Revolt of the Admirals. 1998, S. 30–34.

Douglas MacArthur Von Errungenschaften und Dienstzeit her war General of the Army Douglas MacArthur der führende General der US Army. Der Sohn von Generalleutnant Arthur MacArthur schloss die Militärakademie von West Point 1903 als bester seines Jahrgangs ab.Douglas MacArthur: Reminiscences of General of the Army Douglas MacArthur. 1964, S. 27. Er hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft und diente von 1930 bis 1935 als Chief of Staff of the Army. Auf diesem Posten arbeitete er, abgesehen von gelegentlichen Streitigkeiten über das Militärbudget, eng mit den Präsidenten Herbert Hoover und Franklin D. Roosevelt zusammen.Douglas MacArthur: Reminiscences of General of the Army Douglas MacArthur. 1964, S. 89–103. Später stellte er Roosevelts nach seiner Sicht „außergewöhnlicher Selbstkontrolle““extraordinary self-control”Douglas MacArthur: Reminiscences of General of the Army Douglas MacArthur. 1964, S. 101. Trumans angeblich „hitziges Naturell und unbändige Wutanfälle““violent temper and paroxysms of ungovernable rage”Douglas MacArthur: Reminiscences of General of the Army Douglas MacArthur. 1964, S. 393. gegenüber.

Abgesehen von Dienstaufenthalten in Mexiko und Europa während der Zeit des Ersten Weltkriegs bekleidete er Posten in Asien und im Pazifikraum. Während des Pazifikkriegs stieg er zu einem Nationalhelden auf und erhielt die Medal of Honor für seine erfolglose Verteidigung der Philippinen gegen die japanischen Streitkräfte. Er befehligte die alliierten Streitkräfte während der Schlacht um Neuguinea und der Rückeroberung der Philippinen. Damit löste er ein berühmt gewordenes, 1942 abgegebenes Versprechen ein, auf die Philippinen zurückzukehren. 1944 wurde er als möglicher Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl gehandelt und trat erfolglos in den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahl 1948 an. Nach Kriegsende leitete er die alliierten Besatzungsbehörden in Japan. Dabei spielte er eine wichtige Rolle in der politischen und sozialen Transformation des Landes nach seiner Niederlage im Pazifikkrieg und der folgenden Entmachtung der vom Militär dominierten Regierung.Peter Lowe: An Ally and a Recalcitrant General. Great Britain, Douglas MacArthur and the Korean War, 1950–1. 1990, S. 625–626.

1950 begannen die Besatzungsbehörden, ihre Kontrollfunktionen in Japan zu reduzieren. MacArthur blieb aber in seiner Funktion als Commander-in-Chief Far East (CINCFE), zu dem Truman ihn 1945 ernannt hatte, weiterhin im Land.Michael D. Pearlman: Truman and MacArthur. Policy, Politics, and the Hunger for Honor and Renown. 2008, S. 14. Er hatte dabei mit großen Einschnitten im Verteidigungshaushalt zu kämpfen, durch die die Zahl der ihm unterstehenden Truppen bis Juni 1950 auf 108.000 Soldaten im Far East Command reduziert wurden.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 52–53. Kürzungen von Budget und Personal führten zu Ersatzteilmangel. 10.000 der 18.000 Jeeps des Far East Command waren defekt, und von den 113.870 2½-Tonnen-6×6-Lastkraftwagen galten nur 4.441 als einsatzbereit. Um diesem Mangel zu begegnen, erschloss das Command stillgelegte Militärlager und die dortigen Ausrüstungsgüter im Pazifikraum. Darüber hinaus begünstigte dieses Erschließungsprogramm die Errichtung einer Instandhaltungs- und Wiederaufbauindustrie in Japan. Das absehbare Ende der Besatzungszeit führte zu einer Schwerpunktverlagerung der Truppenausbildung hin zu einer stärkeren Ausrichtung auf Kampfeinsätze.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 58–60.

Zur Entlassung führende Ereignisse Koreakrieg

mini|Chief of Staff of the Army J. Lawton Collins, Douglas MacArthur und Chief of Naval Operations Forrest P. Sherman (von links) treffen sich auf einem Flugfeld in Tokio, um das weitere Vorgehen in Korea zu erörtern, 21. August 1950 Nordkorea überfiel am 25. Juni 1950 Südkorea und löste damit den Koreakrieg aus. In Reaktion auf eine dringliche Anfrage der Korean Military Advisory Group nach Munitionsnachschub ordnete MacArthur an, das in Yokohama vor Anker liegende Versorgungsschiff USS Sgt. George D Keathley (T-AGS-35) nach Busan zu schicken.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 65–66. Präsident Truman traf sich mit den JCS und anderen Beratern am selben Tag in Blair House. Er bestätigte nach dem Treffen alle schon von MacArthur und US-Außenminister Dean Acheson getroffenen Entscheidungen.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 68–69. Bei einem weiteren Treffen in Blair House am Abend des 26. Juni genehmigte Truman den Einsatz von Luft- und Marinekräften gegen Ziele südlich des 38. Breitengrades.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 71–72.

Am 27. Juni verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in Abwesenheit der Sowjetunion die Resolution 83, die empfahl, dass „Mitglieder der Vereinten Nationen der Republik Korea solche Hilfe leisten, die nötig sein könnte, um den bewaffneten Angriff zurückzuschlagen und den internationalen Frieden und die Sicherheit in der Region wiederherzustellen“.“members of the United Nations furnish such assistance to the Republic of Korea as may be necessary to repel the armed attack and to restore international peace and security in the area.”Vereinte Nationen: Resolution 83 (1950) of 27 June 1950. 27. Juni 1950. Abgerufen am 1. September 2012. Die südkoreanische Hauptstadt Seoul fiel am 28. Juni. Am Folgetag genehmigte Truman Luft- und Marineangriffe auch nördlich des 38. Breitengrades. Dies geschah nachträglich, da MacArthur sie bereits angeordnet hatte.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 76–77. Truman befahl den Einsatz von Bodentruppen nicht vor dem 30. Juni, als er eine ernüchternde Beschreibung der Situation durch MacArthur erhielt.James F. Schnabel: Policy and Direction: the First Year 1972, S. 78–79.