mini|Ludwig Zimmermann Ludwig Zimmermann (* in Mitau, Gouvernement Kurland, Russisches Kaiserreich; †  in Lennewarden, Gouvernement Livland, Russisches KaiserreichA. von Sieber: (Baltische Monatsschrift, Bd. 67.1908, Heft 6, Seiten 284 ff, das Ehepaar Zimmermann auf )), mit vollem Namen Ludwig Gottfried Zimmermann, lettisch Ludvigs Gotfrīds Cimmermanis oder Ludvigs Gotfrīds CimmermansLudwig Zimmermann auf Nekropole.info (mit Porträtfoto), russisch Людвиг ЦиммерманVirtual International Authority File, war Propst des Rigaer Landsprengels. Er gilt als evangelischer Märtyrer.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Leben Werdegang Ludwig Zimmermanns Mutter hieß Helene Idola Polyx Tima Zimmermann (geborene Schreibvogel, 1819–1904). Sein Vater Alexander Joachim Gottfried Zimmermann (1806–1871) war Oberlehrer für Geschichte am Mitauer Gouvernementsgymnasium.

Diese Schule besuchte auch Ludwig Zimmermann, wo er durchgehend Klassenbester war. Nach seinem Schulabschluss immatrikulierte er sich 1871 an der Kaiserlichen Universität Dorpat für ein Theologiestudium und wurde Mitglied der Korporation „Curonia“ (siehe Deutsch-Baltische Studentenverbindungen). Die Fakultät für Theologie befand sich zu dieser Zeit auf einem Höhepunkt ihrer Geschichte. So konnte Zimmermann bei Moritz von Engelhardt, für den das Gewissen einen hohen Stellenwert einnahm, Alexander von Oettingen, einem Dogmatiker von Weltruf, und Wilhelm Volck, einem Schüler Hofmanns, studieren. Ludwig Zimmermann durchlitt keinerlei Zweifel, der kirchliche Glaube war für ihn eine Selbstverständlichkeit.

1876 schloss er sein Studium als Kandidat der Theologie ab. Danach war er zunächst von 1877 bis 1879 Hauslehrer in Mitau. 1879 bis 1880 war er Pastor-Adjunkt bei Pastor Pacht in Kokenhusen, der als Original galt. Im März 1881 wurde Zimmermann dann zum Pastor von Neuermühlen-Westerotten, einer kleinen, nur 3000 Mitglieder zählenden Gemeinde nahe Riga, gewählt.Zum Pastor in Neuermühlen in der Rigaschen Zeitung, Nr. 72, 28. März 1881, online unter Die Gemeinde war frei von ehemals russisch-orthodoxen Konvertiten, so dass es zu keinerlei Konflikten mit der orthodoxen Staatskirche kam und sich Zimmermann keine Vorstrafen oder Verweise einhandelte.

Von 1884 bis 1890 war Zimmermann Substitut des geistlichen Schulrevidenten. 1890 bis 1892 war er selbst geistlicher Schulrevident des Rigaschen Kreises. Er war erst 39 Jahre alt, einer der jüngsten Pfarrer der Propstei, als er 1891 zum Propst der Propstei Riga-Land gewählt wurde. Die Wahl wurde im Mai 1892 vom Innenministerium bestätigt.Personalien. in der Düna-Zeitung, Nr. 105, 9. Mai 1892, online unter Dies war möglich, weil Zimmermanns Dienstakte nicht durch irgendwelche Konflikte mit der russisch-orthodoxen Kirche beeinträchtigt worden war, was bei seinen älteren Amtsbrüdern anders war, die damit für eine Wahl nicht in Betracht kamen. So befand sich beispielsweise der betagte Pastor Kunzendorf gewissermaßen ständig wegen entsprechender „Verbrechen“ vor Gericht.

Die anderen Pastoren vertrauten Zimmermann trotz seiner Jugend bedingungslos. Er nahm erfreut zur Kenntnis, dass es bei Amtseinführungen von Pfarrern in seiner Propstei niemals zu Unruhen kam, trotz des damals ausgeprägten Nationalismus, der Letten und Deutsch-Balten wie Zimmermann in Gegnerschaft zueinander brachte. Wenn er Visitationen abhielt, nahmen auch Gemeindemitglieder interessiert teil. Er galt als freundlich und konnte bei solchen Anlässen auch erwachsene Gemeindemitglieder zu Antworten bewegen. Die geringe Größe seiner Gemeinde ermöglichte ihm die zusätzliche Tätigkeit als Propst. Diese erforderte nämlich häufige Fahrten in der Größenordnung von 100 km bei schlechten Straßenverhältnissen.

Am 17. Juni 1892 fand der erste Spatenstich für das Blindenheim in Riga statt. Zimmermann weihte zuvor ausgehend von und den Platz und bat um Gottes Segen.Locales. in der Düna-Zeitung, Nr. 185, 17. August 1892, online unter

Als Pastor von Neuermühlen war Zimmermann auch für die evangelisch-lutherischen Schüler des Korrektionsasyls und der Ackerbaukolonie für Minderjährige männlichen Geschlechts in Rodenpois zuständig, beispielsweise durch die Abnahme von Prüfungen und die Oberaufsicht über den Religionsunterricht.Das Correktionsasyl und die Ackerbau-Colonie für Minderjährige männlichen Geschlechts in der Düna-Zeitung, Nr. 96, 30. April 1894, online unter Zurechtstellung. in der Düna-Zeitung, Nr. 100, 5. Mai 1894, online unter

1895 starb das letzte Mitglied der Familie Croon, die fast ein Jahrhundert lang das Predigtamt in Lennewarden innegehabt hatte.

Am 25. Mai 1895 hielt Zimmermann eine lettische Rede bei der Grundsteinlegung der lutherischen Kirche in Kemmern.Locales in der Rigaschen Rundschau, Nr. 116, 26. Mai 1895, online unter

Propst und Pastor in Lennewarden 1896 übernahm dann Ludwig Zimmermann die große Gemeinde in Lennewarden und deren Tochtergemeinde in Groß-Jungfernhof, was die Arbeitslast für ihn deutlich erhöhte. In der Hauptgemeinde wurde er aufgrund seiner deutsch-baltischen Abkunft, und da er vom Patron eingesetzt worden war, recht kühl empfangen, was sich in seiner weiteren Amtszeit auch nicht änderte, während die Beziehung der Tochtergemeinde zu ihm auch unter den kritischsten Zeitumständen sehr herzlich war.

Im Zuge der Erweiterung der Kirche von Kirchholm wurde am 5. Mai 1896 eine Urkunde in den Grundstein eingelegt, auf der Ludwig Zimmermann erwähnt wurde.Urkunde in den Rigaschen Stadtblättern, Nr. 19, 9. Mai 1896, online unter

Am Sonntag, dem , hielt Zimmermann um 16 Uhr einen lettischen Strandgottesdienst in Bilderlingshof ab.Locales. in der Düna-Zeitung, Nr. 132, 14. Juni 1896, online unter

Am Donnerstag, dem , dem Geburtstag der Kaiserin-Mutter Maria Fjodorowna, fand morgens die Einweihung der neuen Kirchholmer Kirche statt. Architekt Croon übergab den Kirchenschlüssel dem Kirchenvorsteher, der daraufhin eine kurze Ansprache hielt, und den Schlüssel an Zimmermann weitergab. Dieser schloss die Kirchentür auf und sprach den üblichen Segen. Unter Führung von zehn Pastoren zog die lettische Gemeinde mit dem Lied „Mir nach, spricht Christus, unser Held“ in die Kirche ein, wo Zimmermann vor dem Altar eine Ansprache hielt und Kirche, Kanzel, Altar und Altargeräte weihte. Nach einem Segenswunsch durch jeden der Pastoren und Chorgesang begann der Gottesdienst. Die Eingangsliturgie hielt Zimmermanns Freund, der Nitauer Pastor Karl Schilling (1865–1905). Auf den lettischen Gottesdienst folgte der reich besuchte deutsche, den Zimmermann mit einer Ansprache und der Eingangsliturgie einleitete.Notizen. in den Rigaschen Stadtblättern, Nr. 50, 12. Dezember 1896, online unter

Am 10. August 1897 wurde unter Zimmermanns Leitung das 150-jährige Bestehen der Lennewardener Kirche gefeiert. Zimmermann trug dabei kirchliche Nachrichten aus der Vergangenheit vor und hielt die Fürbitte ab.Schloß Lennewarden. Kirchenjubiläum. in der Düna-Zeitung, Nr. 194, 28. August 1897, online unter

Am 10. Oktober 1897 sprach er auf der Beerdigung des emeritierten Propstes Emil Loppenowes.Sunzel. Nekrolog. in der Düna-Zeitung, Nr. 244, 28. Oktober 1897, online unter Für das September/Oktober-Heft 1898 der Mitteilungen und Nachrichten für die evangelische Kirche in Rußland verfasste er einen Nekrolog über Loppenowe.Inland. in der Rigaschen Rundschau, Nr. 269, 28. November 1898, online unter

Am 30. September 1899 sprach er auf der reich besuchten Trauerfeier für den Besitzer von Groß-Jungfernhof und Kroppenhof, Nikolai Baron Vietinghoff-Scheel in der Jungfernhofschen Kirche; am 2. Oktober hielt er dann die deutschsprachige Rede auf der Beerdigung.Aus Groß-Jungfernhof in der Rigaschen Rundschau, Nr. 238, 23. Oktober 1899, online unter

Um die Jahrhundertwende verbüßte Schilling seinen Hausarrest bei Zimmermann, der ihm auferlegt worden war, weil er sich bemühte, von der evangelischen Kirche zur russisch-orthodoxen Staatskirche konvertierte Letten wieder in die lutherische Kirche zurückzuführen.

Neben seiner geistlichen Tätigkeit war Zimmermann, ebenso wie Karl Schilling, die 1919 von Bolschewiki hingerichteten Pfarrer Hans Bielenstein, Alexander Bernewitz, Xaver Marnitz, Arnold von Rutkowski, Paul Fromhold-Treu, Christoph Strautmann, Karl Schlau, Eberhard Savary, Eugen Scheuermann und Wilhelm Gilbert und wie die Pastoren Gustav Cleemann und Erwin Gross, die an den Folgen ihrer Gefangenschaft bei den Bolschewiki starben, ordentliches Mitglied der Lettisch-Literärischen Gesellschaft, die sich der Erforschung der lettischen Sprache, Folklore und Kultur widmete. Diese Gesellschaft wurde überwiegend von deutsch-baltischen Pastoren und Intellektuellen getragen. Für die Letten selbst war eine höhere Bildung zur Zeit der kaiserlich-russischen Vorherrschaft noch kaum zugänglich, ihre Kultur führte ein Schattendasein.

Am Sonntag, dem um 11 Uhr 30, beteiligte sich Zimmermann an der Grundsteinlegung zum Umbau der Kirche in Schlock. Er eröffnete den Festakt mit einer Rede in lettischer Sprache.Inland. in der Libauschen Zeitung, Nr. 136, 19. Juni 1902, online unter Schlock. Grundsteinlegung zum Umbau der Kirche. in der Düna-Zeitung, Nr. 137, 20. Juni 1902, online unter

Bei der Einweihung am Sonntag, dem , hielt er dann die Weiherede über und vollzog den Einweihungsakt.Schlock. in der Rigaschen Rundschau, Nr. 199, 3. September 1903, online unter Die Kirche war so gut gefüllt, dass etliche Gäste außerhalb bleiben mussten.Einweihung der umgebauten Kirche in Schlock. in der Düna-Zeitung, Nr. 201, 5. September 1903, online unter

Am 26. April 1904 sprach er um 17 Uhr auf der Beerdigung des ehemaligen Pastors von Sissegal und Altenwoga, Carl Friedrich Stoll.Lokales. in der Düna-Zeitung, Nr. 95, 27. April 1904, online unter

Während der Russischen Revolution von 1905 Am 29. Januar 1905 warb Zimmermann in der Düna-Zeitung für das neu gegründete lettische Gemeindeblatt Ewangeliuma Gaisma („Licht des Evangeliums“) und empfahl es auch für deutsche Haushalte mit lettischen Angestellten.Inland. in der Düna-Zeitung, Nr. 19, 29. Januar 1905, online unter

Am Mittwoch, dem um 14 Uhr 30, leitete er vor mehreren tausend Gästen die Beerdigung eines weiteren ehemaligen Pastors von Sissegal und Altenwoga, Robert Schröder, in lettischer und deutscher Sprache.Lokales. in der Düna-Zeitung, Nr. 118, 3. Juni 1905, online unter

Aggressionen waren seinem Naturell fremd. Seine Arbeit in Lennewarden wurde durch passiven Widerstand beeinträchtigt. Dies führte wohl dazu, dass das sozialdemokratische Zentralkomitee zur Zeit der ersten Russischen Revolution seine Kirche für einen Tumult auswählte, um die Kirche zu diskreditieren:

Am Pfingstsonntag 1905 (der Pfingsttermin 1905 war nach der julianischen Berechnungsmethode – damals Standard im Russischen Reich, dem das Baltikum angehörte – der ) befanden sich Baron Huene, der Verwalter des Gutes Lennewarden, als Vertreter der Gutspolizei, und sein Bruder vor der Lennewardener Kirche, in der Zimmermann den Gottesdienst leitete, da Gerüchte kursierten, dass dem Propst Gefahr drohte.