mini|Das M40A3 ist eine Präzisionswaffe des US Marine Corps im Kaliber 7,62 mm.
Ein Scharfschützengewehr ist ein langläufiges Gewehr mit gezogenem Lauf (Büchse), das dazu konzipiert wurde, Ziele in großer Entfernung zu treffen. Der Begriff Präzisionsgewehr oder Präzisionsbüchse wird meist im Zusammenhang mit Präzisionsschützen der Polizei gebraucht, beispielsweise Präzisionsschützenkommandos. Einsatzgrundsatz ist die Bekämpfung eines Ziels mit möglichst einem oder wenigen, aber effektiven Schüssen. Unterschieden wird es vom Designated Marksman Rifle.
Scharfschützengewehre werden militärisch von Scharfschützen und polizeilich von Präzisionsschützen eingesetzt, um ein großes Gebiet abzusichern, wie bei großen Veranstaltungen, oder ein herausragendes Einzelziel zu bekämpfen, ohne selbst entdeckt zu werden. Bei einem Polizeieinsatz wird aufgrund der hohen Präzision der „finale Rettungsschuss“ mit diesem Gewehrtyp ausgeführt. Auch Jäger und Wildhüter verwenden für die Jagd auf weiten, offenen Flächen derartige Waffen. Im Sportschießen werden sie für das Langstreckenschießen eingesetzt.
Geschichtliche Entwicklung Erste Präzisionsgewehre mini|Konventionelles Zugprofil in einer 9-mm-Pistole mini|Jäger Hessen-Kassel, 1631. Sie operierten selbständig, abseits der regulären Schlachtordnung, als Kundschafter und Scharfschützen. Der entscheidende Schritt bei der Entwicklung des Scharfschützengewehres war die Entwicklung des gezogenen Laufs. Das Prinzip des gezogenen Laufs mit Zügen und Feldern wurde im 15. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entwickelt. Namentlich bekannt ist Gaspard Kollner aus Wien, der um 1498 daran arbeitete. Der spiralförmig gerillte (das englische Wort rifle stammt ursprünglich von dem deutschen Wort geriffelt ab) Gewehrlauf, so wie er heutzutage Verwendung findet, wird Augustus Kotter aus Nürnberg 1520 zugeordnet.finedictionary.com Diese neuartigen Gewehre mit Zügen und Feldern wurden Büchsen genannt. Das Wort Büchse wurde anfangs für jedes Gewehr angewandt. Erst im 17. Jahrhundert wurden damit Gewehre mit gezogenem Lauf bezeichnet. Mit Büchsen konnte man deutlich weiter und vor allem präziser schießen als mit Musketen. Die Muskete verfügt nur über einen glatten Lauf (wie bei einer Flinte) und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Standardwaffe der Soldaten. Der Nachteil der Vorderladerbüchsen war der längere Ladevorgang und die deutlich teurere Herstellung. Der Ladevorgang dauerte ca. 2- bis 3-mal länger (je nach Erfahrung des Schützen) als bei einer Muskete, da man die Kugel in einen kleinen Lederlappen einwickeln musste, um der Kugel mehr Halt in dem gedrallten Lauf zu geben. Der Beschaffungspreis einer Büchse war damals fünffach höher als bei einer Muskete. Vor allem die teure Herstellung verhinderte den Einzug in die reguläre Infanterie bis ins 19. Jahrhundert. Des Weiteren war die Handhabung einer Büchse weitaus komplexer und bedurfte einer gründlichen Ausbildung. So mussten z. B. die Büchsen intensiver gereinigt werden und da es kaum standardisierte Läufe gab, musste der Schütze seine Kugeln oftmals selber gießen.Torsten Verhülsdonk, Carl Schulze: Napoleonische Kriege. Einheiten – Uniformen – Ausrüstungen, VS-Books 1996, ISBN 3-932077-00-8.
Die ersten regulären Militäreinheiten die diese neuartigen Gewehre verwendeten, waren im 17. Jahrhundert die Jäger der Jägereinheiten in Hessen, Bayern und in Preußen, die ihre Waffen in der Anfangszeit selbst mitbrachten und ansonsten zur Jagd dienten. Die erste bekannte Jägereinheit wurde 1631 von Wilhelm von Hessen-Kassel aufgestellt, die bereits die Aufgaben heutiger Scharfschützen hatte. Der Hauptauftrag der Jägertruppe war es, den Feind aufzuklären und mit gezieltem Schuss ausgewählte und weit entfernte Ziele (vor allem Offiziere und Kanoniere) zu bekämpfen und dadurch den Gegner zu schwächen. Bei der Belagerung und dem anschließenden Angriff auf Fritzlar am 9. September 1631 zeichneten sich die Jäger aus Hessen-Kassel durch gezieltes Feuer, vor allem auf die Kanoniere, aus und ermöglichten so die Erstürmung. Dies ist der erste bekannte bzw. dokumentierte Fall von gezielter Ausschaltung von militärischem Funktionspersonal mittels einer Büchse. Das Aufstellen und die Aufgaben dieser Jägereinheit war die Geburtsstunde des Konzeptes des Scharfschützen.Georg Heinz Wetzel: Die Hessischen Jäger. Eine deutsche Truppenhistorie im politischen Wandlungsprozess von vier Jahrhunderten (1631–1987). George, Kassel 1987.
Ein weiterer großer Schritt im Scharfschützenwesen war das am 24. Februar 1788 herausgegebene Königliche Reglement für die Königlich Preußische Leichte Infanterie, welches den Einsatz und die Anzahl (10 pro Kompanie) der Büchsen-/Scharfschützen regelte. So gab es genaue Anweisungen für die Taktiken, die heute noch Gültigkeit haben, wie zum Beispiel, dass der Schütze vorzugsweise aus einer geschützten Deckung wie z. B. Graben oder Zaun zu agieren hat oder aus einer überhöhten Position wie zum Beispiel einem Baum oder einem Haus. Dabei muss er die Stellung so wählen, dass er sich von dort zur nächsten Stellung ungesehen fortschleichen kann (Scharfschützenprinzip der Wechselstellung). Ein Jahr später wurde das Reglement dahingehend erweitert, dass die Scharfschützen durch zusätzliches Training in der Lage sein müssen, aus sämtlichen Stellungen und Lagen (stehend, kniend, liegend) im Gelände zu schießen. Dieses Reglement war die erste bekannte schriftlich festgehaltene Ausbildungsanweisung für Scharfschützen; damit war zugleich die Basis für einen modernen Scharfschützenlehrgang gelegt.Jan Boger: Jäger und Gejagte. Die Geschichte der Scharfschützen. Motorbuch, Stuttgart 1987, ISBN 3-87943-373-9.
Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg rekrutierte Daniel Morgan 1775 eine Schützenkompanie mit ausgezeichneten Schützen, die zumeist mit der präzisen Pennsylvania-Büchse (Kentucky Rifle) ausgerüstet waren. Die Pennsylvania-Büchse (Kentucky Rifle) hatte ihren Ursprung in der deutschen Pirschbüchse, die aber relativ schwer war. Laut den Historikern Timothy Trussell und Joel Dworsky von der Millersville University of Pennsylvania entwickelte Martin Meylin, ein deutscher Einwanderer aus Rheinland-Pfalz, das Kentucky Rifle, welches später als Pennsylvania Rifle bekannt wurde. Das Pennsylvania-Rifle/Kentucky Rifle war nur noch halb so schwer war wie die deutsche Pirschbüchse, hatte aber einen längeren Lauf und das Kaliber wurde auf einen Durchmesser von 11,4 mm (Kaliber. 45) reduziert. Durch das kleinere Kaliber konnte der Schütze deutlich mehr Munition und Pulver mit sich führen.
Die im Jahr 1800 in England aufgestellten Schützenkompanien (95th Regiment of Foot (Rifles)) und das 60th (Royal American) Regiment of Foot, das in den nordamerikanischen Kolonien aus amerikanischen Kolonisten aufgestellt worden war und später in King’s Royal Rifle Corps umbenannt wurde, waren mit Baker Rifles ausgerüstet.
Nach den Koalitionskriegen gab es keine Zweifel mehr, dass sich die Kriegsführung durch den Einsatz von Büchsen ändern würde. Der Sezessionskrieg zeigte bereits einige Elemente der modernen Kriegsführung wie die Verwendung von Geschützen mit gezogenem Lauf, Telegraphen und Eisenbahnen. Trotzdem standen sich die Soldaten noch größtenteils Schulter an Schulter in Linie gegenüber, obwohl die Soldaten mehrheitlich bereits mit Büchsen ausgerüstet waren. Diese waren aber zum größten Teil noch Vorderlader, während man z. B. bei der Preußischen Armee bereits das Dreyse-Zündnadelgewehr (Hinterlader) Modell 1841 eingeführt hatte. Auch gab es bereits Mehrladergewehre, die aber von der militärischen Führung abgelehnt wurden mit der Begründung, dass bei Verwendung dieser Gewehre der Infanterist die Munition im Übermaß verschießen würde. Auf beiden Seiten wurden eigenständige Scharfschützeneinheiten aufgestellt, so etwa die Freiwilligen der United States Sharpshooters bzw. „Berdan-Sharpshooters“ (nach ihrem Kommandeur Hiram Berdan genannt) der Nordstaaten. Berdan war kein Absolvent einer Militärschule. Er war lediglich Maschinenbauingenieur und ein sehr guter Sportschütze. Des Weiteren gab es auf der Seite der Union noch die 1st und die 2nd U.S. Sharpshooters. Hier kamen zu Beginn des Krieges noch vielfach selbst mitgebrachte Gewehre und aus Europa (privat) eingeführte Schützengewehre zum Einsatz, bis die Unionstruppen im Frühjahr 1862 einheitlich mit Sharps-Hinterladegewehren ausgerüstet wurden. Vermutlich prominentestes Opfer eines Scharfschützen in diesem Krieg war John Sedgwick, ein Nordstaaten-General. Er starb durch einen Scharfschützen, weil er nicht in Deckung ging. Als seine letzten Worte gelten: Auf diese Entfernung können die Konföderierten selbst einen Elefanten nicht treffen.
Erster Weltkrieg Im Herbst 1914 ließ der deutsche Herzog von Ratibor (Victor II. Amadeus von Ratibor, 1895 Präsident ADJV) ca. 20.000 Jagd- und Sportgewehre im Militärkaliber 7,92 × 57 mm mit Zielfernrohren an die erstarrte Westfront schicken. Parallel wurden zusätzlich weitere 15.000 Gewehre 98 mit Zielfernrohr bestellt. Da die Deutschen im Dezember 1914 mit einer Scharfschützenausbildung begannen, wurden die ersten Gewehre hauptsächlich den Jägerbataillonen zugeteilt und im Gegensatz zu anderen Ländern in der Regel nur an Soldaten ausgegeben, die im Umgang mit Zielfernrohren ausgebildet waren, wie Jäger, Förster oder Sportschützen.Jäger und Gejagte: Die Geschichte der Scharfschützen, Jan Boger, 1997, Motorbuch VerlagDeutsche Scharfschützen-Waffen 1914–1945, Peter Senich 1996, Motorbuch Verlag, S. 12.Militär & Geschichte Nr. 41, Oktober/November 2008, S. 8. Spezialisierte Scharfschützengewehre wurden dann etwa ab Mitte 1915 eingesetzt. Diese Waffen wurden außerhalb der Serienproduktion gebaut und mit verschiedenen Läufen sowie Bauarten und Kalibern erprobt.
Zweiter Weltkrieg mini|Deutscher Scharfschütze, Russland 1942, mit einem Karabiner 98k und einem 4×36 Zeiss ZF39 Die Wehrmacht vernachlässigte das Scharfschützenwesen, da das deutsche Konzept des Blitzkrieges keine langen Stellungskämpfe vorsah, sondern einen schnellen Bewegungskrieg mit eigenständigen Panzerverbänden, die von der Luftwaffe unterstützt werden. Erst als sie im Laufe des Russlandfeldzuges in die Defensive geriet, forcierte sie wieder die Scharfschützenausbildung und gliederte Scharfschützen in jede Infanteriegruppe ein oder setzte sie, unterstellt einer Kompanie, in selbständigen Scharfschützentrupps ein. Eines der ersten in großer Stückzahl hergestellten Scharfschützengewehre war der deutsche Karabiner 98k im Kaliber 7,92 × 57 mm mit Zielfernrohr. Von diesem Gewehr wurden bis 1945 rund 130.000 Stück gebaut. Daneben wurde das G43-Selbstladegewehr in der Scharfschützenrolle eingesetzt, während dem StGw-44 ZF im Kaliber 7,92 × 33 mm eher die Rolle der erweiterten Feuerunterstützung in der Schützengruppe zukam.
Sowjetunion Scharfschützengewehr der Roten Armee war eine Variante des Mosin-Nagant M1891/30 mit dem Zielfernrohr PE bzw. PU als Scharfschützenwaffe. Um das Zielfernrohr montieren zu können, wurde der Kammerstängel verlängert und um 90° gekröpft. Neben dem über 200.000-mal hergestellten Mosin-Nagant kam das SWT-40 zum Einsatz, von dessen Scharfschützenausführung etwa 50.000 Stück hergestellt wurden.
Vereinigtes Königreich Als Scharfschützengewehr der britischen Armee dienten modifizierte ausgesuchte Lee-Enfield-Mk.4-Gewehre.
USA Die Scharfschützen der US Army verwendeten das Springfield M1903.
Neuere Entwicklung bis heute mini| Scharfschützengewehr M40 war ein modifiziertes Jagdgewehr auf Basis der Remington 700 welches im Vietnamkrieg eingesetzt wurde.