Medienscout (auch Mediascout, Medienscouts, CyberScouts oder Medienmentor) sind Bildungsinitiativen zur Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen. Dabei übernehmen zu Medienscouts oder -mentoren ausgebildete Jugendliche die Information und Bildung ihrer Mitschüler und Freunde in medienbezogenen Themengebieten. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen und somit einen aufgeklärten und verantwortungsbewussten Umgang dieser mit den Medien zu fördern. Die Bezeichnung Scout ( – erkunden, aufklären) soll dabei eine Parallele zu den Pfadfindern ziehen.

Hintergründe Kindern und Jugendlichen stehen heute zahlreiche Möglichkeiten der Mediennutzung offen. In vielen Fällen sind sie jedoch nicht in der Lage, die Vorteile und die Gefahren, die sich daraus ergeben, kompetent einzuschätzen und dementsprechend aufgeklärt zu handeln. Zunehmend ist das jugendgefährdende Potential der neuen Medien auch Inhalt politischer Debatten. (PDF; 205 kB) der ressortübergreifenden Arbeitsgruppe „Medienkompetenz“ mit Vertretern der Innenministerkonferenz (IMK), Justizministerkonferenz (JuMiKo), Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), Arbeit- und Sozialministerkonferenz (ASMK), Kultusministerkonferenz (KMK) und weiteren Experten (Seite 5). Dabei stehen vor allem folgende Probleme im Vordergrund: Gewaltverherrlichende Wirkung: Es wird davon ausgegangen, dass Gewalt im Fernsehen oder in Videospielen die Hemmschwelle der Jugendlichen herabsetzt und sie abstumpfen lässt. Bei der Jugendgewalt wird den Medien oftmals eine Verstärkerrolle zugesprochen. Bei Amokläufen werden oftmals Videospiele, Filme und Musik als mögliche Gründe, Auslöser und begünstigende Faktoren genannt. Jugendschutz: Abhängigkeit: Genau wie Drogen oder Glücksspiele können auch Medien süchtig machen. Besonders Jugendliche sind gefährdet, süchtig nach Videospielen, Internet oder Fernsehen zu werden. Datenschutz: Durch die steigende Vernetzung in sozialen Netzwerken und Communitys geben Jugendliche zahlreiche persönliche Informationen oder Fotos von sich im Internet preis. Oftmals können sie nur schwer abschätzen, wer alles Zugang zu diesen Informationen hat und wie diese zukünftig gegen sie verwendet werden können. mediale Beeinflussung Über Werbung, Film und Computerspiele versuchen Unternehmen auch das Konsumverhalten von Jugendlichen zu beeinflussen bzw. zu lenken. Es stehen also ganz konkrete wirtschaftliche Interessen hinter der Erstellung von medialen Formaten. Diese Mechanismen aufzuzeigen trägt zu einem bewussteren Konsum bei.

Die Möglichkeiten und Stärken des Medienscoutkonzeptes für die Vermittlung dieser wichtigen Inhalte wurde bereits auf politischer Ebene erkannt, auf dem Deutschen Präventionstag thematisiert und es wurde in einigen Medien darüber berichtet.

Pädagogisches Konzept Pädagogisch basiert das Konzept des Medienscouts auf dem aus der Prävention bekannten Prinzip der Peer-Education. Der Begriff Peer (engl. peer: Gleichgestellter, Ebenbürtiger) steht dabei für Personen, die anderen gleichgestellt sind und derselben sozialen Gruppe angehören, besonders in Bezug auf Alter, Stellung oder Status. Die Medienscouts werden befähigt, Gleichaltrigen zu bestimmten Themen Informationen zu vermitteln und Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Zielgruppe wird somit durch gleichberechtigte Mitglieder informiert, aufgeklärt und unterrichtet. Dieses Vorgehen ist vor allem darin begründet, dass Heranwachsende Gleichaltrige als wichtigste Gesprächspartner ansehen. Nach der Motivationstheorie haben Jugendliche eine höhere Lernmotivation, wenn das Gelernte für ihr Leben relevant ist oder sie merken, dass sie mit dem Gelernten anderen helfen können.

Ausbildungsinhalte Bei der Medienscoutausbildung werden verschiedene Themenbereiche angeschnitten, die im Hinblick auf einen verantwortungsbewussten aufgeklärten Umgang relevant sind. Zu den Hauptthemengebieten zählen vor allem: Medienpädagogik Medienkompetenz Medienerziehung Neue Medien Psychologie Recht Soft Skills Prävention Rhetorik Da die verschiedenen Initiativen, Vereine und Projekte unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der Inhalte legen und da nicht immer die gleichen Themenfelder behandelt werden, sind die konkreten Ausbildungsinhalte bei den jeweiligen Initiativen aufgeführt.

Projekte (Unterschiedliche Medienscout-Initiativen in Deutschland) Medienscout e. V. (Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt u. w.)

Bereits 2004 bis 2006 wurden in Berlin, Augsburg und Darmstadt Vorstufen des Projektes im Rahmen der Dissertation von Bojan Godina getestet. Dabei wurden die Durchführung und der Nutzen dieser Methode der Medienbildung wissenschaftlich evaluiert. Inhalt der Ausbildung war, gemäß dem Thema der Dissertation, die Unsichtbare Religion des Sublimalen Marketings in den Medien. Die Jugendlichen sollten in erster Linie über die Funktionsweise und Wirkung medialer Beeinflussung aufgeklärt werden. Mit Hilfe der Ergebnisse der Studie, wurde das Medienscout-Projekt durch die Partner (IKU / vimotion / Haus der Prävention) entwickelt.

Mit der Planung und Umsetzung des ersten Medienscout-Projektes wurde 2009 am Georg Büchner-Gymnasium in Winnenden begonnen. Ein initiales Ereignis war dabei der Amoklauf von Winnenden, in dessen Folge bundesweit über die beeinflussende Rolle der Medien, beispielsweise so genannter „Killerspiele“, diskutiert wurde. Angelehnt an den Pfadfindergedanken sollte so die erste mediale Pfadfinderschaft entstehen. Im Gegensatz zu den Vorstufen in Brandenburg und Bayern wurde dabei auf breit gefächerte Ausbildungsinhalte gesetzt. Offiziell startete das Projekt am 4. Februar 2010 mit 14 Medienscouts. Der Medienscout e. V. wurde im Januar 2012 als gemeinnütziger Verein gegründet und gewann noch im selben Jahr den „Schutzbengel Award“http://www.aktion-schutzbengel.de/https://www.lifetime-learning.de/ilias/goto.php?target=cat_3224&client_id=virtual_client der Rummelsberger Dienste für Menschen gGmbH, zum Thema „Social Media Jugend“.

Die Grundausbildung zum Medienscout findet in Form von Schul-AGs statt und setzt sich aus theoretischen sowie praktischen Aspekten zusammen. Zusätzlich gibt es diverse Aufbaumodule, die sich verschiedenen Schwerpunkten widmen, wie z. B. vertiefende Aufklärung zu den Themen Mediensucht und Kriminalprävention. Zur Unterstützung setzt das Projekt in der Ausbildung auf eine eigene E-Learning-Platform, über welche die Scouts selbstständig bestimmte Lerneinheiten bearbeiten, Organisatorisches abgeklärt wird und über die den Auszubildenden eine Datenbank mit textuellen, bildlichen und filmischen Materialien und Präsentationen zur Verfügung gestellt wird, die sie für ihre Arbeit in den Klassen zu bestimmten Themenkomplexen nutzen können. Damit die Scouts sich in ihrer didaktischen und inhaltlichen Qualität weiterentwickeln können, werden die Unterrichtseinheiten gefilmt und mit Fragebögen ausgewertet. Dadurch wird eine permanente interne Evaluation erreicht.

Zu den Ausbildern der Medienscouts des Heidelberg-Winnender-Konzepts zählen nicht nur Medienpädagogen und Sozialwissenschaftler, sondern auch Filme- und Medienmacher, die die Menschenrechtsphilosophie und die Naturbezogenheit dieses Wertekonzeptes vertreten. Unter dieser Prämisse veröffentlichten die Medienscout-Gründer das Buch „Werteorientierte Medienpädagogik: Das Präventionsprojekt 'Medienscout'“.

Ausbildungsinhalte Die Medienscouts werden in aufeinander folgenden Modulen in verschiedenen Bereichen systematisch gefördert und von Fachleuten ausgebildet. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Schüler zu fördern und ihnen eine selbstständige, kritische Bewertung ihrer medialen Umgebung zu ermöglichen, indem sie z. B. die Menschenrechte als ethisches Prinzip auf die Werte in den Medien anlegen. Zu den Lehrinhalten gehören dabei hauptsächlich: Medienpädagogik/Medienkompetenz/Medienerziehung: Grundlagen der allgemeinen Medienpädagogik, Medienwirkung, mediale Beeinflussung, Medien in der Naturwahrnehmung, filmische Methoden Neue Medien / Sicherheit: Film/Fernsehen, Internet/Social Networks, Handy, Werbung, elektronische Spiele, Internetsicherheit Psychologie: Persönlichkeitspsychologie, psychologische Mechanismen, Funktionen des Gehirns, Medienpsychologie Recht: Menschenrechte, Urheberrecht Soft Skills: Rhetorik, Präsentationstechniken Prävention: Suchtprävention, Gewaltprävention Auf lange Sicht soll die Kreativität der Medienscouts auch weiter gefördert und eigene Medieninhalte produziert werden. Zudem wurden auch spielerische Elemente in die Medienbildung integriert.

Medienscouts MV (Mecklenburg-Vorpommern) Bereits seit 2012 gibt es das von dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern initiierte Projekt Medienscouts MV. Jugend klärt auf. Das Projekt richtet sich auf Schüler der 8. bis 10. Klassen in Mecklenburg-Vorpommern. Medienscout MV möchten die Chancen, aber auch die Risiken der medialen Welt aufzeigen und Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, aktiv Gefahren zu erkennen und die Medien selbstbestimmt, kritisch, aber auch kreativ zu nutzen, da digitale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen einen festen Platz einnehmen und die rasante technische Entwicklung uns alle vor neue Herausforderungen stellt: die Mediennutzung wird immer komplexer. Mit dem Projekt wird die Möglichkeit gegeben, eigene Mediennutzung zu hinterfragen und mehr Wissen im sicheren Umgang Netz zu erlangen.

Der Peer-Education-Ansatz - Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen für Gleichaltrige ist bei der Medienkompetenzförderung besonders hilfreich, denn junge Menschen lernen lieber von ihren Altersgenossen und gleichzeitig können sie, aufgrund des ähnlichen Nutzungsverhaltens, viel besser aufklären und ihr Wissen weitergeben. Die Besonderheit dieser Form von Aufklärung und Wissensvermittlung ist, dass sie vor allem auf Augenhöhe und ohne das Gefühl „des erhobenen Zeigefingers“ erfolgt. Besonders in der heutigen Zeit vertrauen Jugendliche einander häufig eher als Erwachsenen, wenn es sich um Themen oder Probleme im digitalen Raum handelt. Somit gelangt das Wissen in Freundeskreise, in eigene sowie andere Schulklassen und in die Familien. Durch das Multiplizieren des Fachwissens erfahren die Jugendlichen positives Feedback und Wertschätzung. Das trägt gleichzeitig zu ihrer Persönlichkeitsbildung bei und zeigt, dass gesellschaftliches Engagement wichtig ist und Spaß macht.

Ausbildungsinhalte Dank der Zusammenarbeit der verschiedenen Kooperationspartner werden ein fundiertes Fachwissen und eine breite und aktuelle Themenvielfalt garantiert und geteilt. Neben dem LfDI MV als eine unabhängige Landesbehörde, die beratend zu Fragen des Datenschutzes und dem damit verbundenen Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung zur Stelle steht, arbeiten das Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern, die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen Mecklenburg-Vorpommern, der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern, die ComputerSpielSchule Greifswald und die Medientreckern aus Rostock und Neubrandenburg der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Auch die Selbstschutz-Plattform Juuuport e. V. unterstützte eine Zeitlang mit Referenten die Medienscouts MV bei Themen Cybermobbing und Cybergrooming. Neben dem Wissenstransfer in Workshops gibt es zusätzlich ein Methodentraining und medienpädagogische Arbeit (Film, Bild, Audio, Gaming), um dem reinen Medienkonsum entgegenzuwirken und sie auch produktiv und kreativ nutzen und einsetzen zu können.

Datenschutz: Datenbewusstsein in digitaler Welt, Sensibilisierung für Schutz der Privatsphäre, Datenspur im Netz, Urheberrecht, Medienkompetenz Mediensucht: Gesunder Umgang mit Medien, Suchtmerkmale bei Mediensucht und Suchtprävention, Umgang mit Sozialen Netzwerken und Games, Cybermobbing und gesundheitliche Auswirkungen