mini|hochkant=1.4|Nordamerikanische Skunkfelle Das Fell des amerikanischen Stinktiers beziehungsweise des Skunks gehörte bis in die 1940er Jahre zu den wesentlichen Materialien der Pelzmode. In Deutschland ist das Skunkfell seit etwa um 1860 im Handel.
Der Handel unterscheidet zwischen Streifenskunks oder Kanadaskunks, den Fleckenskunks und den Zorrino oder Südamerikanischen Skunks, die zu den Ferkelskunks gehören. Die Skunks bewohnen den amerikanischen Kontinent vom Norden bis zum äußersten Süden in verschiedenen Arten, lediglich in Mittelamerika kommen sie nicht vor (ausgenommen der Haubenskunk in Teilen Mittelamerikas).
Der Pelz wird in der Regel auch in der Einzahl als Skunks bezeichnet (der Skunks, die Skunkse, häufig deshalb auch das „Skunksfell“).Max Meßner, bearbeitet von E. Unger: Materialienkunde für Leder- und Pelzarbeiter. Alfred Hahns Verlag, Leipzig, 1910, S. 23, 25, 29.Duden, 25. Auflage, Dudenverlag, Mannheim u. a. 2009, Stichwort „2Skunk“ ISBN 978-3-411-04015-5
Aussehen, Herkommen und Handelstypen Mit seinem plumperen, stämmigen Körper sieht der Skunk aus der zoologischen Familie der Marderartigen nicht wie ein typischer Marder aus. Der Kopf ist klein und spitz, das langhaarige Fell ist kontrastreich. Die Grundfärbung ist tiefschwarz (fachsprachlich auch „blau“) bis dunkelbraun. Er wird 40 bis 50 Zentimeter groß, der lange, breite und buschige Schweif erreicht eine Länge von 30 Zentimeter.
Besonderes Kennzeichen der Streifenskunks ist die Rückenzeichnung, eine weiße bis gelbliche „Gabelung“, die in der Form und Ausdehnung stark variiert. Die Streifen sind, im Wesentlichen entsprechend dem Herkommen, kurz oder lang, schmal oder breit, meist zum Schweif hin auseinanderlaufend. Es gibt Felle, die bis auf einen weißen Scheitelfleck völlig schwarz sind und andererseits solche, die bis auf schmale schwarze Streifen fast vollständig weiß sind. Je unbedeutender die Gabelzeichnung war, desto wertvoller galt bei ansonsten gleicher Qualität das Fell. Die schönbehaarte Stelle zwischen den Gabeln wird von den Kürschnern als Medaillon bezeichnet.
Selbst in den einzelnen Gebieten, zum Beispiel den Südstaaten, leben oft mehrere Arten nebeneinander. Schon deshalb ist auch das Verhältnis der schwarzen und kurzstreifigen zu den weißen und langstreifigen Fellen innerhalb der einzelnen Herkommen sehr verschieden. Der Handel unterscheidet schwarze (black) Skunks, die meist jedoch einen kleinen weißen Fleck auf der Stirn oder im Genick tragen, kurzstreifige (shortstriped), langstreifige (longstriped) und weiße Skunks. Weiter wird differenziert nach dem markanten Unterschied zwischen den östlichen Skunks mit verästelten zackigen Streifen (Zackenskunk) und den westlichen Skunks mit gerade verlaufenden, ungezackten Streifen.
Bereits beim Rohfell gibt die Lederseite Hinweise auf die Qualität des Skunks. Ein vollausgereiftes Fell hat eine cremige, lebendige Lederfarbe. Das Leder eines zu früh gefangenen Tieres weist einen gräulichen Farbton auf. Wurde das Tier erst spät in der Saison gefangen, ist das Leder hart und bockig.
Skunkfelle haben meist eine gute Strapazierfähigkeit, ähnlich dem Waschbärfell. Der Haltbarkeitskoeffizient wurde anhand allgemeiner Erfahrung auf 50 bis 60 Prozent geschätzt, für die Herkommen aus Montevideo auf 40 bis 50 Prozent, für Lyraskunks auf 20 bis 30 Prozent.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt. Eine amerikanische Studie ordnete das Skunkfell anhand von mikroskopischen Haaruntersuchungen bei 70 Prozent ein.Redaktion: Die Haltbarkeit des Pelzhaares. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 26, Leipzig, 28. Juni 1940, S. 12. Primärquelle: American Fur Breeder, USA (Anmerkung: Alle Vergleiche setzen das Seeotterfell auf 100 Prozent). → Haltbarkeitsvergleich.
Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Skunkhaar als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung – Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40
Nordamerikanischer Skunk mini|Zwei nordamerikanische Skunkfelle (Streifenskunks) Im Großen und Ganzen kann ein Rauchwarenfachmann aus der Art der Gabelung zusammen mit dem Charakter des Schweifes das Herkommen der Felle bestimmen. Der Leipziger Rauchwarenhändler Friedrich Hering meinte sogar, der weiße Streifen sei für den Händler ein untrügliches Erkennungsmerkmal für die Gegenden, aus denen die Felle stammen: Ist die Gabel zackig, so hat man unbedingt einen Skunks von einer östlichen Provenienz vor sich, ist dagegen der Streifen schmal und dünn, so kommt das Fell aus dem Westen, als zum Beispiel Iowa und Wisconsin. Ferner, ist das Weiß gelblich, so ist der Skunks bestimmt aus dem Osten, rein weiße Streifen deuten ebenfalls auf ein westliches Fell. Aber auch der Prozentsatz vom Schwarz- zum Kurzstreifigen gegenüber dem Langstreifigen beziehungsweise Weißen gibt einen Anhalt für die Provenienz. Skunksanlieferungen aus östlichen Gegenden enthalten im Allgemeinen höchstens 40 % schwarze und kurzstreifige Felle, Minnesotas 10 %, Missouris etwa 50 %; dagegen befinden sich unter den Skunks südlicher Herkommen 60 % und mehr.
Östlicher Typ Westlicher Typ Eastern Minnesota-Dakotas Michigan Northwestern Northern New York und Northern Ohio Iowa Ohio-Pennsylvania Canadian (Western) Indiana-Illinois Kansas-Nebraska Kentucky-Tennessee Southern und Southwestern Virginia-Carolina Southeastern
mini|Sioux Long Fox-To-Can-Has-Ka mit Skunksmütze (1872) In der Hauptzeit der Skunksmode wurden bei der Fellverarbeitung die weißen Gabeln in der Regel herausgeschnitten. Bei den östlichen Qualitäten ist das durch die zackige Zeichnung erschwert, was den Handelswert der Felle meist minderte. Ein Färben empfiehlt sich nicht immer, da die Streifen nicht die gleiche Seidigkeit wie das übrige Haar aufweisen. Die Gabeln wurden bei genügendem Anfall separat für Felldecken, Pelzfutter und Kragen verwendet.
Der Hudsons Bay Skunk, mittleres Kanada, liefert die größten Felle. Vom breiten Scheitelfleck zieht sich ein schmaler weißer Streifen nach hinten bis zu den Schultern, wo er sich in zwei breite weiße Gabeln teilt, die sich zum Fellende hin wieder vereinigen. Der stumpf endende Schweif ist sehr buschig und besteht aus recht steifen, borstigen, schwarz und weiß gemischten Haaren. Das Leder dieser Art ist meist recht dunkel rötlichgelb, die zweiten Qualitäten beziehungsweise die Sommerware haben ein dunkelgrünes Leder. Auch bei rund, mit dem Haar nach innen abgezogenen Fellen ist die Form der Gabeln genau zu erkennen, sie heben sich gelb oder orangefarben vom übrigen Leder ab.
Kansas-Nebraska-Skunks sind sehr viel kleiner als die Felle aus Kanada, das Haar ist deutlich gröber und etwas bräunlich. Eine im Handel geläufige Bezeichnung war für das Herkommen kurz „K-N“.
Minnesota Skunks, laut Bachrach besser Westliche Skunks, sind besonders groß und dunkler als Hudsons Bay, die Gabelstreifen nur bleistiftdünn, das Haar ist rauch bis sehr rauch. Diese in der amerikanischen Pelzindustrie begehrteste Sorte war auch anderweitig gefragt, so hieß es Anfang des 20. Jahrhunderts, dass sie wegen ihrer ausgiebigen Größe und leichten Bearbeitungsfähigkeit besonders bei den Berliner Engrosfabrikanten sehr beliebt ist. Was dazu führte, dass mehr Felle der Provenienz im Handel waren als gefangen wurden, weil bereits in Amerika andere Herkommen in die Sortimente einsortiert wurden.
Die Nordöstlichen Skunks sind kleiner und haben ein dunkleres, feineres und seidigeres Haar, häufig sind sie glänzend bläulichschwarz. Mitunter haben sie nur einen weißen Fleck oder einen schmalen Streifen bis zur Schulter. Es kommen gelegentlich auch ganz weiße Felle vor, die nur eine schmale dunkle Rückenlinie und eine dunkle Wamme haben. Die feinsten und deshalb wertvollsten kommen aus den Staaten Wisconsin, Michigan, Ohio, New York und Pennsylvania.
Kansas und Nebraska waren sehr bekannte Herkommen, die meist als eine Gegend zusammen gehandelt wurden. Trotzdem waren sie nicht sonderlich begehrt, da das Haar etwas grob und spießig ist. Sie sind leicht an den spitzen Köpfen zu erkennen.
Iowa lieferte sehr viele Skunkfelle. Es wird unterschieden in North-Iowa-Skunks mit guter Größe und dickem und genügend seidigem Haar von gedrungener Qualität und dem kleineren South-Iowa-Skunks, der dem North Missouri ähnelt und von den Sammlern deshalb auch häufig zu einer Partie vereinigt wurde.
Central-Skunks kommt aus der Arkansas-Tennessee-Gegend. Das Fell ist recht klein und entbehrt der Unterwolle.
Mississippi und Louisiana sind noch kleiner als Centrals und von noch geringerer Qualität.
Oklahoma-Skunks hat fast die Größe und das Aussehen eines Minnesota Skunks. Er hat einen riesigen Schweif, der gewöhnlich abgeschnitten wurde, um das Herkommen zu verbergen, da er von der Qualität her zu den minderwertigeren Gegenden zählt, der Pelz ist dünn und hohl.
St. Louis Eastern, hierunter werden die Skunks aus den Gegenden östlich von St. Louis zusammengefasst. Hierzu gehören die Herkommen Süd-Illinois, Süd-Indiana und Kentucky. Das Fell ist mittelgroß, fällt jedoch in der Qualität gegenüber den Eastern-Gegenden deutlich ab.
Southern und Southwestern sind sehr klein, nicht größer als ein durchschnittliches Fell der Northwestern-Gegend; kräftig braunschwarz und flach. Sie erbrachten in ihrer Größenklasse nach den Minnesotas die besten Preise. Oklahoma liefert viele Felle, die auch als Oklahomas gehandelt wurden.
Aus den südlichen Landesteilen von Texas und Teilen von Louisiana kommt die einfach-breit-gestreifte Varietät, die im Haarkleid sehr grob und manchmal borstig ist. Der Schweif ist ebenfalls auffallend groß, das Haar ist hart und dünn. Die weißen Streifen laufen zu einem breiten weißen Rücken zusammen, das Weiße setzt sich in der vollen Breite im Schweif fort. Nach dem Färben bekommt das Fell jedoch einen sehr schönen Glanz. Die Felle waren als Texas Broadstripes oder Southern Broadstripes im Handel. Aus Florida und Georgia kommen große Felle mit kurzen Gabeln, gut in der Farbe aber nicht seidig.
New-Mexico-Felle sind groß, sehr weiß und grob.
Kalifornische Skunkfelle sind klein mit weißen Gabeln.
Felle des Haubenskunk, Hooded Skunk oder Langschwanzskunk aus den südlichen USA bis Mittelamerika werden, vielleicht wegen ihrer oft intensiven weißen Rückenzeichnung, trotz des seidigen Haars als von geringem Wert für die Pelzverarbeitung bezeichnet, manchmal wird die sogenannte „weiße Ware“ auch schwarz eingefärbt oder sogar gebleicht und auf hellere Nuancen gefärbt. Dabei kann die Musterung sehr unterschiedlich sein, sie reicht von den beiden Farbextremen – Rücken und Schwanz gänzlich weiß oder aber Rücken schwarz mit zwei weißen Seitenstreifen – dazwischen bestehen Übergänge. Der Bauch ist völlig schwarz. Die Nackenhaare sind gewöhnlich zu einer Halskrause gespreizt. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 30,5 bis 40,5 Zentimeter, die Schweiflänge ist mit 35,5 bis 38 Zentimeter länger als das Rumpffell. Ansonsten heißt es allgemein über die in Mittelamerika verbreiteten Arten, sie sind von sehr geringer Qualität (meist spießig). Für die Pelzwirtschaft haben sie keine Bedeutung.
mini|Muff und Schal aus Lyraskunks (1914)