Palauisch (auch Belauisch, Selbstbez. a tekoi er a Belau) ist eine austronesische Sprache, die auf Palau sowie in Teilen Guams gesprochen wird. Die Sprache hat etwa 15.000 Sprecher.ethnologue.com

Klassifikation Palauisch gehört innerhalb der austronesischen Sprachen zur west-malayo-polynesischen Gruppe. Es ist neben Chamorro die einzige Sprache dieser Gruppe, die in Mikronesien gesprochen wird. In der west-malayo-polynesischen Gruppe hat Palauisch keine nahen Verwandten und kann somit als isolierte Sprache innerhalb dieser Familie angesehen werden.Carol Georgopoulos: Syntactic Variables – Resumptive Pronouns and A'-binding in Palauan. Kluwer, Dordrecht 1991, S. 21

Geschichte Um etwa 1000 v. Chr. wurde Palau besiedelt. Die seit dem 16. Jahrhundert immer wieder wechselnden Besetzungen der Insel durch die Spanier, Deutschen, Japaner und US-Amerikaner haben die Sprache bis auf einige Lehnwörter kaum beeinflusst. Ein Lehnwort aus dem Deutschen, das sich erhalten hat, ist „chausbéngdik“ (auswendig).

mini|Lage Palaus mini|Palau

Offizieller Status Palauisch ist neben Englisch die Amtssprache der Republik von Palau und wird in Teilen Guams gesprochen, wo es allerdings nicht zu den offiziell anerkannten Sprachen zählt. Palauisch hat rund 15.000 Sprecher.

Dialekte und Soziolekte Dialektvariation ist in Palauisch nur in sehr geringem Maße vorhanden.

Phonetik und Phonologie Lautsystem Das Lautinventar des Palauischen ist mit zehn Konsonanten und sechs Vokalen im Vergleich zu anderen austronesischen Sprachen (z. B. Fiji: 20 Konsonanten, fünf Vokale) relativ klein. In der Lautverteilung gibt es einige Besonderheiten.

Konsonanten bilabial dental alveolar velar glottal stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. Plosive Nasale Flap Frikative laterale Approximanten

Vokale vorne zentral hinten hoch zentral tief

Die Vokale des Palauischen haben nur wenige Allophone. Die Phoneme [ə] und [e] sind kontrastiv, d. h., sie können im selben Kontext vorkommen. Die Vokallänge ist im Palauischen ein distinktives Merkmal, das Worte voneinander abgrenzt. Lange Vokale werden als Gleitlaute artikuliert: [i:] und [e:] werden als [y]-Gleitlaut gesprochen, [u:] und [o:] als [w]-Gleitlaut.

delek [dəlekʰ ] 'mein Nagel' (von deel [dεyl] Nagel) delek [delekʰ ] 'mein Bauch’ (von diil [ðiyl] 'Bauch')

buuch [buwə] 'Betelnuss' chiis [iys] 'Flucht'

Wortakzent Der Wortakzent liegt bei mehrsilbigen Worten ohne Suffix im Allgemeinen auf der vorletzten Silbe. Bei suffigierten Formen verschiebt sich der Wortakzent auf das Suffix.

Lautverteilung Obwohl Palauisch einen stimmhaften bilabialen Laut // besitzt, ist das stimmlose Gegenstück // nicht vorhanden. Nach Kriterien des Markiertheitsansatzes ist dies ungewöhnlich: /p/ ist unmarkierter als /b/ und daher der eher zu erwartende Laut. Wenn also einer dieser Laute fehlt, so sollte es das /b/ sein. Das Fehlen des stimmlosen bilabialen Plosivs kann aber durch den Lautwandel von Proto-Austronesisch (PAN) /*p/ zu Palauisch /w/ erklärt werden. PAN /*b/ hingegen hat sich nicht verändert und bleibt auch in Palauisch als /b/ erhalten.

Auch bei Nasalen fehlt das weniger markierte Segment: es gibt //, aber nicht /n/. Diese Lücke im Lautsystem wird durch die Lautveränderung von PAN /*n/ zu Palauisch /l/ erklärt. Die wenigen vorhandenen Beispiele für [n] sind nach Flora (1974) Allophone des zugrunde liegenden //.

Allophone Der Lateral, der Tap, der Frikativ sowie der glottale Plosiv haben im Palauischen keine Allophone. Auch bei den anderen Phonemen gibt es lediglich geringe allophonische Variation. Der dentale Plosiv /d/ hat die Allophone d, , t, ], die abhängig von umgebenden Lauten an Wortanfang sowie -Ende und je nach Sprachgeschwindigkeit auftreten. Der velare Plosiv /k/ wird zwischen zwei Vokalen stimmhaft (z. B. ngikei [ngigəi] 'Fisch'). Am Wortende werden die dentalen und velaren Plosive aspiriert: dakt [ðaktʰ] 'Angst'. Der Nasal // wird dental, wenn er vor t, d, s, r steht sowie vor Lehnwörtern aus dem Japanischen oder Englischen. In allen anderen Kontexten wird er velar artikuliert.

Lautkluster Palauisch lässt einige ungewöhnliche Konsonantenkluster (Kombinationen von Konsonanten) zu. Teilweise haben sich diese Kluster durch historischen Wegfall von Vokalen gebildet. Wortinitial gibt es beispielsweise folgende Kluster: /kp, θp, pk, km, pŋ/; wortfinale Kluster können wie folgt aussehen: /tp, kp, pθ, md, bl/, z. B. kbokb [kpokp] 'Wand'. Unmögliche Konsonantenkluster sind Kombinationen aus Dentalen und /l/ sowie jegliche Kombinationen mit dem glottalen Plosiv //. Auch Vokalkluster treten im Palauischen häufig auf. In Vokalklustern bekommt einer der Vokale des Klusters den Wortakzent, obwohl es in einigen Fällen auch vorkommen kann, dass beide Vokale unbetont bleiben, z. B. eanged [yaŋəð] 'Himmel', sechelei [səəlεy] 'Freund'.

Reduplikation Es gibt zwei Arten von Reduplikation, die im Palauischen besonders produktiv sind. Typ I ist eine Stammreduplikation, die jedoch das Segment am rechten Rand weglässt. Typ II ist eine Ca-Reduplikation, die den initialen Konsonanten des Wortstammes kopiert und als Standard-Vokal ein /e/ anfügt. Typ II-Reduplikation kann auch an bereits durch Typ I reduplizierten Stämmen operieren, Typ I-Reduplikation hingegen kann nur an unreduplizierten Stämmen angewendet werden. Durch die wiederholte Reduplikation wird die Bedeutung nicht weiter verändert. Die reduplizierten Formen unterliegen zusätzlich einer Reihe von phonologischen Prozessen, u. a. Vokalreduktion oder Verschiebung des Wortakzents. Eine detaillierte Analyse hierzu gibt Flora (1974).

Reduplikation kann im Palauischen an Nomen und Verben operieren, allerdings ist sie in der Gegenwartssprache nur an Verben produktiv. Prinzipiell können sowohl Zustands- als auch Aktionsverben redupliziert werden. Es ist aber nicht vorhersagbar, ob ein Stamm redupliziert wird oder nicht.

Nominale Reduplikation: chatu 'Rauch’ > chetechat 'Nebel'

Verbale Reduplikation:

Typ I: medakt 'Angst haben' > medekdakt 'irgendwie Angst haben' meduch 'begabt’ > medecheduch 'sehr begabt'

Typ II: dekimes 'nass sein' > dedekimes 'irgendwie nass sein' smecher 'krank sein' > sesmecher 'irgendwie krank sein'

Typ II & Typ I: medakt > mededekdakt meduch > mededecheduch

Veränderung der Wortbedeutung durch Reduplikation: Im Allgemeinen bewirkt die Reduplikation eine Abschwächung in der Wortbedeutung, bei wenigen Worten auch eine Verstärkung der Bedeutung. Es gibt eine Gruppe von Zustandsverben, die das resultierende Zustandsinfix -e- sowie das antizipierende Zustandssuffix -e enthalten und die ihre Bedeutung auf eher unübliche Weise verändern: die reduplizierten Verben verweisen auf Zustände, die durch unvollständige bzw. inadäquate Durchführung einer Aufgabe hervorgerufen werden, z. B. ngeltachel 'geputzt’ wird durch Reduplikation zu ngengeltachel 'oberflächlich geputzt'. Bei reziproken Verben ist die Reduplikation optional und bewirkt zudem für die Mehrheit der Sprecher keine Bedeutungsänderung (Vgl. kedakt bzw. kadekdakt 'einander fürchten').

Weitere phonologische Prozesse Die Liquide können in verschiedenen Wortpositionen Sequenzen bilden. /r/ wird dann zum Vibranten. Des Weiteren werden /m, , l, r/ zu silbischen Konsonanten, wenn sie am Wortbeginn vor anderen Konsonanten stehen. Die einzige Ausnahme dazu ist das Kluster /ml/ (siehe mlai [mlay] 'Kanu'). Generell sind Metathese und verschiedene Vokalveränderungen häufig auftretende Prozesse.

Grammatik Palauisch gehört zu den agglutinierenden Sprachen, d. h., Worte werden hauptsächlich durch Hinzufügen von Affixen gebildet. Die wichtigsten Wortklassen in Palauisch sind Nomen (inklusive Pronomen) sowie Verben, die viele Adjektivfunktionen übernehmen.Aus den vorhandenen Quellen geht nicht hervor, ob die Klasse der Adjektiva in Palauisch überhaupt existiert, da sich die Quellen vornehmlich mir nominaler und verbaler Morphologie befassen. Der Partikel a leitet alle Nominal- und Verbalphrasen ein (jedoch keine Pronomina und Demonstrativa). Er steht unabhängig von der syntaktischen Funktion der Phrasen direkt vor der einzuleitenden Phrase.Diese Beschreibung von Josephs (1975) kritisiert Georgopoulos (1991) als zu simpel und geht detailliert auf die speziellen Funktionen des Partikels ein.

Morphologie Nomen Palauisch macht eine klare Unterscheidung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Nomen. Das kommt in der Personenmarkierung zum Tragen: menschliche Nomen bilden den Plural mit dem Präfix re- bzw. r-, bei nicht-menschlichen Nomen gibt es keinen morphologisch sichtbaren Plural.

Definitheit wird Nomen in Palauisch durch Einleitung mit dem Spezifizierer er zugewiesen. Im Zusammenhang mit menschlichen Nomen ist der Spezifizierer obligatorisch,Das Fehlen von er in folgenden Beispielen könnte dadurch zu erklären sein, dass hier die Phrase a neglekek 'mein Kind' durch die Possession bereits definit ist, obwohl auch der Possessiv mit dem Spezifizierer auftreten kann. es gibt keine indefinite Interpretation. Wenn der Spezifizierer fehlt, dann wird der Satz nur mit imperfektiven Verben auch als indefinit verstanden, perfektive Verben implizieren immer ein spezifisches Objekt. Bei nicht-menschlichen ermöglicht er eine Singular-Plural-Unterscheidung. Wird der Spezifizierer verwendet, wird das Nomen als spezifisch und im Singular interpretiert; wird er weggelassen, ist die Bedeutung mehrdeutig: Es kann sich um ein unspezifisches Nomen im Singular oder um ein spezifisches Nomen im Plural handeln.

Beispiele: A neglekek a medakt a derumk. Kind-POSS (1.P Sg) fürchten Donner. 'Mein Kind hat Angst vor Donner.'

A neglekek a medakt er a derumk. Kind-POSS (1.P Sg) fürchten SPEZDonner. 'Mein Kind hat Angst vor dem Donner.'

Ak ousbech er a bilas er a klukluk. Ich brauchen SPEZ BootSPEZ morgen. 'Ich brauche morgen das Boot.'

Ak ousbech a bilas er a klukluk. Ich brauchen BootSPEZ morgen. 'Ich brauche morgen ein Boot / die Boote.'

Possessivformen sind die einzigen Suffixe, die an nominale Stämme gebunden werden können. Die Possessiv-Nomen werden in drei Gruppen unterteilt: inalienabel, d. h. unabtrennbar possessive Nomen, alienabel possessive Nomen und Nomen, die niemals als Possessivform auftauchen, sondern die Possession über eine Possessivphrase ausdrücken.

Inalienabel possessive Nomen: Zu dieser Gruppe gehören Körperteile von Menschen und Tieren, Verwandtschaftsbeziehungen, Teil-Ganzes-Beziehungen sowie einige andere Possessiv-Beziehungen (ultil 'sein Abdruck'). Allerdings sind nicht automatisch alle Wörter dieser Kategorien inalienabel possessiv. Possessive Nominalphrasen können nochmals possiviert werden: bkul a chimak 'mein Ellbogen'. Die Teil-Ganzes-Beziehung und sonstige Possessiv-Beziehungen funktionieren normalerweise nur mit der 3. Person Singular. Ihnen folgt dann meistens ein spezifizierendes oder identifizierendes Nomen (z. B. ultil a oach 'Fußabdruck'). Das Possessiv-Nomen uchul 'sein Stamm (Baum), sein Grund' ist als eigenständiges, nicht-possessives Nomen reinterpretiert worden, das wiederum eine Possessivform mit einer abgewandelten Bedeutung hat: uchulel 'Anfang, Ursprung, Vorfahren'. Eine kleine Gruppe von Nomen, die sich auf Vorlieben, Abneigungen, Fähigkeiten und Verpflichtungen beziehen, wird nicht als inalienabel possessiv klassifiziert, diese Nomen kommen trotzdem nur als possessive Formen vor, z. B. soak 'meine Vorliebe':

Ng soak a biang.PRON Vorliebe-POSS (1.P Sg)Bier. 'Ich mag Bier.' (wörtlich: 'Meine Vorliebe ist Bier.')

Alienabel possessive Nomen bilden die größte Gruppe. Dazu gehören auch einige Lehnwörter, die sich so stark an die Struktur des Palauischen angepasst haben, dass sie ebenfalls Possessivsuffixe erlauben:

chim 'Hand' > chimal 'ihre/seine Hand' katuu 'Katze' > katungel 'ihre/seine Katze'