mini|1994 Luftbild von Wiesendorf Wiesendorf, , ist ein Ortsteil der Gemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße im südwestlichen Brandenburg. Mit rund 44 Einwohnern (Stand: 2024) gehört Wiesendorf zu den kleinsten Ortsteilen von Kolkwitz.
Namensherkunft Die erste urkundliche Erwähnung von Wiesendorf stammt aus der Zeit um 1500, als die vier Brüder von Mosch mit dem Ort Wesendorf belehnt wurden. Doch ältere Quellen lassen vermuten, dass die Siedlung bereits früher existierte. Eine mögliche frühere Erwähnung datiert aus dem Jahr 1438 mit der Schreibweise Weßendorf, was als "Dorf an einer Wiese" interpretiert werden kann. Diese Namensform wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte über Varianten wie Weßendorf, Weßendoff, Wießendorf und Wißendorff hin zum heutigen Wiesendorf.
Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt Hinweise darauf, dass er sorbischen Ursprungs sein könnte. Unter dem Ortseingangsschild von Wiesendorf findet sich die sorbische Bezeichnung Naseńce. Die genaue Bedeutung dieser Bezeichnung ist umstritten. Mögliche Übersetzungen reichen von „das besäte Feld“ (Nasenjec) über „das Wiesendorf“ (Nasenjce) bis hin zu „am Wiesenbach“ oder „am Heubach“ (na + senica).
Mögliche Übersetzungen sind:
Nasenjec – „das besäte Feld“ Naseńce – „das Wiesendorf“ na + senica – „am Wiesenbach“ oder „am Heubach“
1934 wurde im Rahmen der Germanisierungspolitik des NS-Regimes ein Gesetz zur Änderung der wendischen Orts- und Flurnamen in deutsche Schreibweisen erlassen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde aus den älteren Formen die heutige Bezeichnung Wiesendorf.Lausitzisches Magazin, S. 73, 1842
Geografie Wiesendorf ist ein kleines Dorf in der Gemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg. Es liegt in der Niederlausitz, umgeben von Wiesen, Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen. Wiesendorf befindet sich in einer Senke zwischen den Städten Cottbus, Drebkau, Calau und Vetschau. Die nächstgelegenen Ortschaften sind Krieschow, Brodtkowitz, Kackrow und Wüstenhain. Wiesendorf ist Teil des Randspreewaldes und wird von einem kleinen Fließ durchzogen.
Koordinaten: 51°44' N, 14°09' O Höhe: ca. 65 m ü. NHN Einwohner: ca. 44 (Stand 2024) Postleitzahl: 03099 Vorwahl: 035604
Touristische Ziele in der Umgebung Gräbendorfer See Illmersdorfer Mumien Heilstätte Klinikum Kolkwitz Steinitzer Treppe Koselmühle
Geschichte Die nachweisbare Geschichte von Wiesendorf beginnt um das Jahr 1500 mit der Existenz eines Ritterguts. Erste Erwähnungen des Ortsnamens stammen aus dieser Zeit, als die vier Brüder von Mosch mit Wesendorf belehnt wurden. Historische Schreibweisen variieren von Weßendorf über Wißendorff bis zur heutigen Form.
Es wird vermutet, dass sich Wiesendorf entweder aus einem Rittergut oder durch die Ansiedlung in dessen Nähe entwickelte. Die strategische Lage inmitten von Wiesen und einem kleinen Fließ, der Kzschischoka, machte die Region für die Landwirtschaft, Jagd und Fischerei attraktiv.
Bereits auf alten Karten sind Verbindungswege nach Brodtkowitz, Wüstenhain, Kackrow und Krieschow zu erkennen. Eine Zeit lang existierte zudem eine direkte Verbindung nach Illmersdorf. Der wichtigste Wirtschaftsweg war die Strecke nach Krieschow, einem damals wachsenden Adelsstandort.
16. Jahrhundert Die Geschichte Wiesendorfs reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1554, als das Adelsgeschlecht "die Müschen" im Ort genannt wurde. Bereits 1500 wurde das Gebiet Wiesendorf und Kackrow als Rittergut an die vier Brüder von Mosch (auch Muschen oder Musswitz geschrieben) verliehen.
Im Jahr 1583 befand sich Wiesendorf im gemeinsamen Besitz der Familien von Mosch und von Löben. Ab 1612 wurden Anteile der beiden Dörfer an Caspar von Zabeltitz verkauft, später ging der Besitz bis 1811 an die Familie von Löben über.
18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert war Wiesendorf durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. 1708 kam es zu Streitigkeiten zwischen Kaspar Friedrich von Löben auf Wiesendorf und Leopold von Birkholz zu Wüstenhain bezüglich Wegegerechtigkeit und Fischerei im Fließ.Dokument im Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), 17B 2916 Weitere Grenzstreitigkeiten mit benachbarten Adelsfamilien prägten das Jahrhundert. Im Ort befanden sich im 17. und 18. Jahrhundert eine Schmiede, ein Ziegelofen, eine Ziegelei und das Forsthaus. Noch heute steht auf dem Weg zwischen Wiesendorf und Kackrow ein Stein, auf dem namentlich alle aufgeführt sind, die seit 1818 im Forstdienst standen.
1750 wurde das Gutshaus Wiesendorf errichtet, vermutlich auf Befehl Friedrichs des Großen. Ab 1753 wurden Meliorationsmaßnahmen auf den Gütern Wiesendorf und Kackrow vorgenommen, um landwirtschaftliche Flächen nutzbar zu machen.
Für 1875 sind bereits 126 Einwohner belegt.
19. Jahrhundert Das Gutshaus Wiesendorf blieb bis ins 19. Jahrhundert im Besitz der Familie von Löben, ehe es 1843 vom Grafen Pourtales-Georgier erworben wurde. 1874 gehörte Kackrow den von Winterfelds, die ebenfalls Besitzrechte an Wiesendorf hatten.
20. Jahrhundert Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wiesendorf 1945 von der Roten Armee eingenommen. Nach Kriegsende wurde das Gut Wiesendorf im Rahmen der Bodenreform enteignet. In der DDR wurde das Gutshaus zeitweise als Kindergarten genutzt. 1952 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) "Einheit" Wiesendorf gegründet, die bis zur Wiedervereinigung bestand.
1991 wurde die LPG aufgelöst, landwirtschaftliche Flächen privatisiert und teilweise verpachtet.
Der Zusammenschluss mit Krieschow folgte zum 1. Januar 1928, wobei diese Gemeinde auch zeitweilig als Krieschow-Wiesendorf bezeichnet wurde. Zum 6. Dezember 1993 wurde der Ort nach Kolkwitz eingemeindet.
2006 wohnten 66 Menschen in Wiesendorf.
2010 Im September vernichtet ein Großbrand die Cattlemans Ranch (Reiterhof) im Ort.
2017 Das Dorf erhält sein Dorfgemeinschaftshaus. Bisher hatte Wiesendorf einen völlig heruntergekommenen Treffpunkt im alten Konsum. Dort gab es keine funktionierenden Toiletten mehr. Die Wände waren feucht. Der alte Konsum wird 2018 zum Kauf angeboten und befindet sich jetzt in Privatbesitz.Artikel aus der Lausitzer Rundschau vom 6. September 2017
2024 wohnten 44 Menschen im Ort.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Naturdenkmäler Hexenkiefer: Ein historisch bedeutendes Naturdenkmal in der Nähe von Wiesendorf. Die Dorfgemeinschaft plant derzeit eine Wiederherstellung des verwitterten Denkmals. Greifenhainer Fließ: Ein kleines Gewässer, das durch die Gemeinde fließt und in die regionale Landschaft eingebettet ist.
Bauwerke Gutshaus Wiesendorf: Ehemaliges Rittergut, heute in Privatbesitz. Dorfgemeinschaftshaus: Veranstaltungszentrum der Dorfgemeinschaft. Feuerwehrgerätehaus Wiesendorf: Standort der Freiwilligen Feuerwehr Wiesendorf, die seit 1916 besteht.
Gutshaus Wiesendorf Das Gutshaus Wiesendorf ist ein historisches Herrenhaus im Ortsteil Wiesendorf der Gemeinde Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert und war ursprünglich der Sitz eines Rittergutes. Es ist eines der wenigen erhaltenen Gutshäuser in der Region, befindet sich heute jedoch in Privatbesitz und wird nicht genutzt.
Geschichte Entstehung und frühe Nutzung (18.–19. Jahrhundert) Das Gutshaus Wiesendorf wurde um 1750 auf Befehl Friedrichs des Großen durch den damaligen Besitzer erbaut. Es diente als Wohnsitz eines Gutsherrn, der auch die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen verwaltete. Das Gut umfasste verschiedene Wirtschaftsgebäude, darunter Ställe, Scheunen und eine Ziegelei, die für die Produktion von Baumaterial genutzt wurde.
Das Gebäude selbst ist ein zweigeschossiger Bau mit Satteldach und war Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebs. Die dazugehörigen Ländereien waren oft an ortsansässige Bauern verpachtet, die dem Grundherrn Abgaben leisten mussten. Das Gutshaus wurde in historischen Aufzeichnungen auch als Rittergut Wiesendorf bezeichnet, was seinen rechtlichen Status innerhalb der preußischen Agrarstruktur unterstreicht.
Im 19. Jahrhundert wurden umfangreiche bauliche Veränderungen vorgenommen. Unter Graf Heinrich Portales von Gorgier erhielt das Gutshaus eine neue Einrichtung, und ein Lustgarten wurde angelegt.
Umbauten und Erweiterungen unter Hugo Wiechert von Winterfeld (1868) 1868 übernahm Graf Hugo Wiechert von Winterfeld das Gut Wiesendorf. Er besaß bereits die Dörfer Kackrow und Wiesendorf und leitete zahlreiche Bauprojekte in der Region. In dieser Zeit entstanden feste Wohnhäuser für die Gutsarbeiter, ein Beamtenhaus sowie Verbesserungen der landwirtschaftlichen Flächen.
Ein bedeutender Einschnitt war die Einebnung des Friedhofs sowie die Fällung großer Bäume im Park des Gutshauses.
20. Jahrhundert: Von der Familie Schaper bis zur Enteignung (1935–1945) 1935 wurde das Gut von der Familie Schaper erworben. Die Familie zog im April 1936 in das Herrenhaus und bewirtschaftete das Anwesen bis 1945. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zur Plünderung des Guts durch sowjetische Truppen am 19. April 1945. Die Besitzer wurden im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) am 4. Oktober 1945 enteignet.
Im Zuge der Bodenreform wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 100 Hektar enteignet. Viele Gutshäuser in der DDR wurden entweder zerstört oder für neue Zwecke umgenutzt.
Nutzung in der DDR-Zeit (1945–1990) Die genaue Nutzung des Gutshauses nach 1945 ist bislang nur teilweise dokumentiert. Aus Erzählungen von Dorfbewohnern ist bekannt, dass das Gebäude eine Zeit lang als Kindergarten diente.
Viele Gutshäuser in der DDR wurden staatlichen Landwirtschaftsbetrieben (LPGs) zugeordnet oder als Wohnhäuser genutzt. In Wiesendorf scheint das Gutshaus jedoch keine zentrale Funktion in der sozialistischen Agrarwirtschaft übernommen zu haben.
Nach der Wiedervereinigung (1990–heute) Nach der deutschen Wiedervereinigung ging das Gutshaus in Privatbesitz über, wurde jedoch nicht weiter genutzt oder instand gehalten. In den 1990er Jahren entstanden verschiedene Postkartenansichten, die das historische Gebäude dokumentierten.
2022 wurde das Gutshaus erneut fotografiert, wobei der fortschreitende Verfall erkennbar ist.
In Erinnerung an die Familie Schaper errichteten die Dorfbewohner von Wiesendorf in Eigeninitiative ein Holzkreuz mit eingefasstem Grab auf dem Gelände des Kriegsdenkmals im Ort. 2023/2024 wurde dieses Denkmal im Rahmen einer Neugestaltung erneuert. Die Finanzierung erfolgte durch ortsansässige Familien.
Architektur Das Gutshaus Wiesendorf ist ein typisches zweigeschossiges Herrenhaus mit Satteldach. Ursprünglich waren weitere Wirtschaftsgebäude wie Scheunen, Ställe, ein Taubenschlag und ein Eiskeller vorhanden, die jedoch nicht mehr erhalten sind.
Das Gebäude wurde mehrmals umgebaut:
1850: Neue Inneneinrichtung und Anlegen eines Lustgartens. 1868: Erweiterung des Guts durch neue Gebäude für Gutsarbeiter. Nach 1945: Unklare Nutzung, teilweise Verfall.
Eigentümer und Besitzer Das Gutshaus Wiesendorf hatte verschiedene Besitzer, darunter:
Familie von Loeben (früherer Grundbesitz) Graf Heinrich Portales von Gorgier (ca. 1850) Familie von Zschertwitz, eingeheiratet in die Familie Zabeltitz (19. Jahrhundert) Graf Hugo Wiechert von Winterfeld (ab 1868) Familie Schaper (1935–1945, enteignet durch die Bodenreform) Privatbesitz seit 1990
Bedeutung Das Gutshaus Wiesendorf ist eines der wenigen erhaltenen historischen Gutshäuser in der Region. Es zeugt von der agrarischen Geschichte Brandenburgs, der Rolle des niederen Adels und der sozialen Umbrüche des 20. Jahrhunderts, insbesondere durch die Enteignungen während der Bodenreform.
Infrastruktur
Verkehr Wiesendorf liegt an der Kreisstraße K 7131 und ist über die L49 mit Krieschow und Brodtkowitz verbunden. Die Autobahn A15 (Auffahrt Vetschau) ist etwa 11 km entfernt.
Bildung Die nächstgelegene Schule befindet sich in Krieschow, etwa 3,2 km entfernt.