Die Summarische Risikoprüfung (SRP) ist ein systematisches, vorlagengestütztes (weitgehend standardisiertes und digital vorbereitetes), interaktives Prüfungsnetz und wird in der steuerlichen Betriebsprüfung zur Risikoabschätzung und strategischen Ausrichtung, zur einzelfallbezogenen Prüffeldselektion sowie zur Aufdeckung von Manipulationen eingesetzt.Wähnert, Andreas: Zeitgemäße Datenanalyse der Betriebsprüfung – Das Datenprüfungsnetz „Summarische Risikoprüfung (SRP)“, In: DER BETRIEB 45/2016, S. 2627–2631.Wähnert, Andreas: Einsatzmöglichkeiten neuer Prüfverfahren für die Finanzverwaltung – Integration der neuen Prüfungsmethoden in ein systematisches Risikomanagement, In: BBK 15/2009, S. 738–747.Wähnert, Andreas: Summarische Risikoprüfung – Echtes Risikomanagement in der Finanzverwaltung mit Hilfe einer neuen Prüfungsmethode, In: StBp 10/2008 S. 296–299.Wähnert, Andreas: Anwendung summarischer Methoden in der elektronischen Betriebsprüfung, In: BBK 11/2008, S. 581–588 und S. 633–642.Wähnert, Andreas: „Bildgebende Verfahren“ in der (Groß- und Konzern-)Betriebsprüfung – Gläserne Massendaten für korrekte rechtliche Bewertungen, In: StBp 2014 S. 217 – 221.Der Spiegel, Steueroase Deutschland 40/2013 S. 74–77.Süddeutsche.de: Steueroase Deutschland, 7. November 2013. In fast allen Bundesländern, der Bundesbetriebsprüfung, Teilen des Zolls und der niederländischen Finanzverwaltung wird u. a. das SRP-Konzept mit seinen Schwerpunkten „Methodenverständnis inkl. -validierung“ und „systematische Vernetzung diverser Prüfungsansätze für aussagekräftige Entscheidungsgrundlagen“ als Einstieg in die komplexeVgl. z. B. Enquete-Kommission des Bundestages "Berufliche Ausbildung in der digitalisierten Arbeitswelt", nachzulesen unter: digitale Prüfungstechnik genutzt (z. T. unter dem Namen „Visualisierung“); so haben auch erste Erfahrungen mit den zunehmend verbreiteten B(usiness-)I(ntelligence)-Programmen gezeigt, dass auf Basis der SRP ein besseres Verständnis der Arbeitsweise zu beobachten ist.

Mit der SRP können insbesondere umfangreiche Besteuerungsdaten untersucht werden; dies betrifft auch die Konzernbetriebsprüfung/Verrechnungspreisprüfung sowie die „Tax Compliance Management Systeme“ der WirtschaftsprüfungWeiterführend zu diesen speziellen Anwendungen: . Grundsätzlich dient die SRP der steuerlichen Betriebsprüfung für die schnelle Einschätzung der Notwendigkeit einer Intensivprüfung von Besteuerungsdaten (Risikomanagement(PDF; 747 kB)), die Festlegung und Eingrenzung von Prüffeldern und die komplette Beweisführung bei Mängeln im Bereich der vollständigen Erfassung von Einnahmen inklusive einer Zuschätzung basierend auf den vorliegenden Betriebsdaten; aufgrund der inneren (mehrperspektivischen und interaktiven) Ergebnisabsicherung wird ihr eine hohe Aussagesicherheit attestiert.Pump, Hermann (RiFG a. D.) / Heidl, Wolfgang (StB/FAStR): Hilfestellung bei der Kassenführung durch den steuerlichen Berater, In: StBp 2014 S. 162 – 167, 204 – 210.Becker, Arno: Außenprüfung digital – Prüfungsmethoden im Fokus (Teil II), In: DStR 25/2016, S. 1430–1436.

Insgesamt kann mit der SRP der Prüfungsablauf wesentlich effizienter gestaltet werden. Die Methode setzt auf bewährten, von Gerichten anerkannten Verprobungsmethoden auf und verknüpft diese mit weiteren Analyseansätzen zu einem systematischen Netz.Wähnert, Andreas: Beweislast und Schätzung im Zusammenhang mit modernen Verprobungsnetzen, In: StBp 4/2011, S. 108 ff.

Entwicklung Die SRP ist seit Mitte 2007 vom Betriebsprüfer Andreas Wähnert aus Schleswig-Holstein unter bundesweiter Vernetzung mit Kollegen konzipiert und verbreitet worden. In der Finanzverwaltung Schleswig-Holstein wird das Verfahren seit 2008 geschult und in der Prüfungspraxis angewendet.Finanzministerium Schleswig-Holstein: Mehrergebnisse der Betriebsprüfung: Mehr Schein als Sein, Punkt 20.2, 2012. (PDF; 111 kB) Außerdem haben unter anderen Andreas Wähnert und Erich Huber (Leiter des Bereichs „Neue Prüfungstechnik“ im österreichischen Bundesministerium für Finanzen) im Jahr 2009 die Arbeitsgruppe „Neue interaktive Prüfungstechnik (NiPt)“ zur Optimierung des Einsatzes von elektronischen Prüfmethoden gegründet.Huber, Erich / Wähnert, Andreas: Neue Interaktive Prüfungstechnik (NiPt) – Der systematische Einsatz neuer Prüfverfahren in der Finanzverwaltung In: NWB 2009 S. 2814 – 2818.Wähnert, Andreas: Deutung von Zeitreihenauffälligkeiten - Die Stabilität wirtschaftlicher Abhängigkeiten In: StBp 2014 S. 97 – 101.

Die (Weiter-)Entwicklung von Aus- und Fortbildungsformaten, die Aktualisierung der SRP-Vorlagen hinsichtlich weiterer Funktionalitäten und Anforderungen der Finanzrechtsprechung sowie die Vernetzung des methodischen Wissens und der Prüfungserfahrungen werden i. R. von Treffen und über eine Intranet-Plattform zwischen den Dozenten der Bundesländer bzw. Institutionen regelmäßig ausgetauscht.

Jüngst hat der Bundesrechnungshof (BRH) eine bundeseinheitliche Anwendung sog. IT-gestützter quantitativer Prüfungsmethoden gefordert: „Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt das elektronische Datenvolumen in den Unternehmen beträchtlich. Traditionelle Methoden der steuerlichen Betriebsprüfung, beispielsweise Beleg- und Akteneinsicht, verlieren an Effektivität und Effizienz. Nur IT-gestützte quantitative Prüfungsmethoden können auffällige Muster und Beziehungen in großen Datenmengen ersichtlich machen.“ Hintergrund ist, dass „zur Vermeidung der Verfassungswidrigkeit des materiellen Steuergesetzes dieses in ein normatives Umfeld einzubetten [ist], das die tatsächliche Lastengleichheit der Steuerpflichtigen gewährleistet, insbesondere auch durch die Ergänzung des Deklarationsprinzips durch das Verifikationsprinzip“, also die gesetzlichen und die Kontroll- bzw. Prüfungsbedingungen der Besteuerung einen weitgehend gleichmäßigen Vollzug ermöglichen sollen – da die digitale Ordnung, Berechnung (Kalkulationen, Kennzahlen etc.) und Modellanalyse (Zeitreihen-, Musteranalysen usw.) von Besteuerungsdaten um ein Vielfaches schneller und genauer funktioniert als analoge Arbeitsweisen, ist eine zügige und vergleichbare Vermittlung von „Digitalkompetenz“ hierfür eine so grundlegende Voraussetzung, dass der BRH ansonsten die „[g]leichmäßige Besteuerung gefährdet“ sieht.

Beschreibung Betrieb(swirtschaft)liches Profil Ausgangspunkt einer SRP ist die Aufnahme betrieblicher Bedingungen und Daten des zu prüfenden Unternehmens. Aus diesen werden in Verbindung mit bestehenden Branchenerfahrungen betriebsnahe Erwartungen ermittelt und ein betriebswirtschaftliches Profil erstellt. Das Profil ist die Voraussetzung für eine seriöse Beurteilung von Prüfungsergebnissen.Seer: in Tipke/Kruse AO/FGO zu § 158 AO, Rz. 17, 136.Wiggen, Martin: Die Beweiskraft des Zeitreihenvergleichs, In: StBp 2008, S. 168–173.

Im Zusammenhang mit der Erkenntnis der hochgradigen Stabilität wirtschaftlicher Abhängigkeiten in betrieblichen DatenWähnert, Andreas: Aussagekraft und Belastbarkeit von Zeitreihenvergleichen – Erkenntnisse der Neuen interaktiven Prüfungstechnik (NiPt), In: BBK 9/2013, S. 420–429.Wähnert, Andreas: Deutung von Zeitreihenauffälligkeiten – Die Stabilität wirtschaftlicher Abhängigkeiten, In: StBp 2014, S. 97–101. werden aus dem betriebswirtschaftlichen Profil begründete Annahmen über die Höhe und Entwicklung von Größen und Relationen besteuerungsrelevanter Daten getroffen. Außerdem wird festgestellt, welche Einzelmethoden in welchem Umfang bei der Überprüfung des Betriebs eingesetzt werden können.

Wichtige Einflussfaktoren für das betriebswirtschaftliche Profil sind die Nachfragesituation (z. B. regionale Gegebenheiten und Absatzwege) insbesondere für absolute Erfolgsgrößen eines Unternehmens (z. B. Umsatz, Gewinn). Des Weiteren sind operative Zusammenhänge wie außerordentliche Schwankungen im Warenbestand und die Periodizität des Nachkaufs wichtig für prüfungsrelevante Relationen, wie Rohgewinnaufschlagsätze, Produktivitäten und Rentabilitäten.

Auf Basis dieser Informationen kann durch die systematische Analyse der prüfungsrelevanten Besteuerungsdaten eine wesentlich genauere Einschätzung der betrieblichen Situation und Entwicklung getroffen werden als dies durch den reinen Vergleich von Erfolgskennzahlen möglich ist.Knief, Peter: Verbesserte Risikofrüherkennung und Bonitätsanalyse durch eine neue „BWA 2008“, In: Risiko Manager Spezial II/2008, S. 24–33.Pump, Hermann / Heidl, Wolfgang: Hilfestellung bei der Kassenführung durch den steuerlichen Berater, StBp 2014, S. 162 – 167, 204 – 210. Auffälligkeiten können aus den Daten herausgefiltert und anschließend auf menschliche Eingriffe (Gestaltungen, Fehler oder Manipulationen) hin untersucht werden. Mit der Analyse können auch einschneidende Veränderungen der Abläufe oder des Umfelds oder Prozessschwächen sowie die gesamte kaufmännische Qualität des Handelns für eine betriebswirtschaftliche Beratung festgestellt werden.

Mit den Vorkenntnissen über die betriebsspezifischen Verhältnisse wie den Marktauftritt des Betriebs und die Prozessabläufe lässt sich die auf die Erstellung des betriebswirtschaftlichen Profils folgende Gesamtbildprüfung der Besteuerungsdaten wesentlich sachgerechter auswerten.Wähnert, Andreas: Einsatzmöglichkeiten neuer Prüfverfahren für die Finanzverwaltung – Integration der neuen Prüfungsmethoden in ein systematisches Risikomanagement, In: BBK 15/2009, S. 740 ff.Wähnert, Andreas: Anwendung summarischer Methoden in der elektronischen Betriebsprüfung, In: BBK 11/2008, S. 581–588 und S. 633–642.

Systematik Bei der SRP werden betriebswirtschaftliche Daten und betriebsinterne Entwicklungen mit (internen und volkswirtschaftlichen) Erfahrungen bezogen auf den Erfolgsinhalt und Strukturmerkmale (z. B. Ziffern- oder Werteverteilung) verglichen. Interaktive Korrekturmöglichkeiten (siehe unten) unterstützen dabei die gemeinsame Sachaufklärung von Implausibilitäten.Wähnert, Andreas: Interaktive Außenprüfung – Möglichkeiten der gemeinsamen Sachverhaltsaufklärung im digitalen Zeitalter, In: Stbg 1/2014 S. 20 – 27. Daraus ergibt sich ein qualifizierter Überblick über die Schlüssigkeit der Besteuerungsgrundlagen mit folgenden Vorteilen für die steuerliche Betriebsprüfung: Die Aufdeckungswahrscheinlichkeit von Fehlern oder Steuerhinterziehung nimmt zu, weil eine insgesamt stimmige Manipulation der gesamten betrieblichen Daten nur mit großem Aufwand möglich istHuber, Erich: Steueraufsicht und Betriebsprüfung in der Zeit der Kassenandroiden und ohne INSIKA – Grundgedanken, Ziele, Risiken und zweitbeste Lösungen, In: StBp 2012 S. 301 – 307, 333 – 339 sowie StBp 2013 S. 5 – 12, 35 – 43, 71 – 79 und 93 – 101.Härtl / Schieder: Ordnungsmäßigkeit digital geführter Erlösaufzeichnungen – Elektronische Registrierkassen und digitale Erlöserfassungssysteme im Brennpunkt des Steuerrisikos Erlösverkürzung, In: StBp 2011 S. 33–40, 68–74.Hill: The difficulty of Faking Data, In: Chance, Vol. 12, No. 3, 1999, S. 27., was zur Qualitätssicherung der Prüfung beiträgt.Seer in Tipke/Kruse AO/FGO zu § 158 AO, Rz. 21b.Ehlers: Tax Compliance, In: NWB 18/2012 S. 1535–1543. Die Sicherheit des Gesamtergebnisses erhöht sich dadurch, dass Schwächen von EinzelmethodenFG Köln vom 27. Januar 2009, 6 K 3954/07. durch eine mehrperspektivische Absicherung weniger ins Gewicht fallen.

Zum Beispiel kann eine auffällige Warenzeitreihe nach Quartalen durch die Darstellung nach Monaten und als gleitende Trendanalyse kontrolliert werden.

Mit Einsatz der SRP erhält die Betriebsprüfung folgende Analysemöglichkeiten, mit denen besteuerungsrelevante Datenbestände gleichzeitig untersucht werden können: Blockweise Überprüfung von Untersuchungsgegenständen, beispielsweise Waren- oder Leistungsdurchfluss, in mehreren Perspektiven (Vergleichsperiode und Darstellungsform) auf einen erwartungsmäßigen Zusammenhang. Jahrweise Gegenüberstellung von Einzelgrößen auf vergleichbare Entwicklungen.