rahmenlos|rechts|Logo der Hotlist 2012 Die Hotlist ist ein seit 2009 jährlich vergebener Literaturpreis. Ausgezeichnet mit dem Hotlist-Preis wird ein unabhängiger Verlag aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz für das beste deutschsprachige Buch des Jahres, das in einem der teilnehmenden unabhängigen Verlage erschienen ist. Im Gegensatz zu anderen Literaturpreisen wie beispielsweise dem Deutschen Buchpreis gibt es kaum formelle Beschränkungen an Verfasser oder Literaturgattung, so dass unter anderem Romane, Lyrikbände, Graphic Novels, Essays, erzählende Sachbücher oder Anthologien aus dem deutschsprachigen Raum sowie übersetzte Werke aus anderen Sprachen gegeneinander konkurrieren können. Der ausgezeichnete Verlag erhält 5000 Euro. Mit dem Melusine-Huss-Preis (dotiert mit 4000 Euro) wurde seit 2011 eine zweite Auszeichnung an einen auf der Hotlist vertretenen Verlag vergeben, die Vergabe ruht seit 2019. Die Preisverleihung findet jeweils im Herbst im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Um die Organisation kümmert sich ein gemeinnütziger Verein.
Geschichte Erste Preisverleihung und Kritik Der Hotlist-Preis wurde kurzfristig 2009 nach Bekanntgabe der Longlist zum Deutschen Buchpreis ins Leben gerufen.Die Hotlist 2009 – Empfehlungen der Independents bei boersenblatt.net, 19. August 2009 (abgerufen am 25. August 2012). Auf Anregung des Münchener Verlags Blumenbar taten sich 20 deutschsprachige Independent-Verlage zusammen, die nicht mit Titeln auf der Longlist vertreten waren. Sie präsentierten eine von einer Jury unter Vorsitz von Hubert Winkels ausgewählte Liste von 20 Büchern aus ihren Programmen (laut Winkels ein „Schattenkabinett von rund zwanzig weiteren sehr bemerkenswerten und auszeichnungswürdigen Romanen“),Hotlist zum Deutschen Buchpreis 2009. In: Berliner Zeitung, 21. August 2009, Nr. 194, S. 25. die als Gegenentwurf zum Deutschen Buchpreis angepriesen wurde.Holger Heimann: Die laue Liste. boersenblatt.net, 9. September 2009 (abgerufen am 25. August 2012). Die Liste war laut der Verlegerin Anya Schutzbach (weissbooks.w) ursprünglich als Empfehlungsliste gedacht, um die Vielfalt auf dem Buchmarkt zu dokumentieren.„Reine Willkür kann einen gewissen Charme haben“ bei boersenblatt.net, 4. September 2009 (abgerufen am 25. August 2012). Neben Blumenbar waren aus Deutschland die Friedenauer Presse, kookbooks, der Liebeskind Verlag, der Lilienfeld Verlag, mairisch, Matthes & Seitz, der Ventil Verlag, der Verbrecher Verlag, Voland & Quist und weissbooks.w, aus Österreich die Edition Korrespondenzen, der Luftschacht Verlag, der Milena Verlag sowie orange-press und aus der Schweiz der Bilgerverlag, der Echtzeit Verlag, der Folio Verlag, Urs Engeler Editor und der Salis Verlag die gemeinsamen Gründungsmitglieder der Hotlist. bei hotlist-online.com (abgerufen am 25. August 2012). Der Gewinner unter den nominierten Romanen wurde anhand einer Internet-Abstimmung auf den Webseiten von der Freitag ausgewählt, an der sich circa 10.000 Leser beteiligten. Als erster Preisträger setzte sich der österreichische Autor Alexander Schimmelbusch mit seinem im Blumenbar Verlag erschienenen Roman Blut im Wasser durch (3725 Stimmen), gefolgt von Uljana Wolfs Gedichtband Falsche Freunde (kookbooks, 2489 Stimmen) und Michael Weins Roman Delfinarium (mairisch, 1184 Stimmen). Schimmelbusch wurde am 16. Oktober 2009 im Rahmen einer von Literaturkritiker Denis Scheck moderierten Preisverleihung im Saal des Frankfurter Kunstvereins während der Buchmesse ausgezeichnet. Die Gewinnsumme von 5000 Euro wurde von der Mayerschen Buchhandlung gespendet.Hotlist-Publikumspreis der Independents an Blumenbar-Autor Alexander Schimmelbusch bei boersenblatt.net, 17. Oktober 2009 (abgerufen am 25. August 2012).
Die erste Preisverleihung führte zu gemischter Kritik. Während die Idee eines unabhängigen Buchpreises positiven Anklang fand, wurde die Organisation zum Zustandekommen der ersten Hotlist überwiegend negativ bewertet. Kritiker beanstandeten die Auswahl als nicht repräsentativ und willkürlich, teilweise wurde sie auch als Respektlosigkeit gegenüber anderen Verlagen wahrgenommen, die nicht vertreten waren. Unter anderem hatten die Initiatoren es auch versäumt, die Kurt Wolff Stiftung über den neuen Preis zu informieren, die seit 2001 einen eigenen Preis für unabhängige Verlage auslobt.Klaus Sander: Eure ‚Hotlist‘ ist eine Farce. boersenblatt.net, 4. September 2009 (abgerufen am 25. August 2012). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die taz beanstandeten die Methode des Online-Votings.Parade ohne Hit. In: FAZ, 2. Oktober 2009, S. 34.Ariane Breyer: Die Buchpreisfindung. In: taz, 1. September 2009, S. 14. „Dieser Preis experimentiert noch. Wofür genau er stehen soll, ist noch nicht klar. Und Publikumspreise haben sowieso immer einen Stich ins Unseriöse. Aber Experimente sind immer gut.“, so taz-Autor Dirk Knipphals.Dirk Knipphals: Das Potenzial der Messe als Event. In: taz, 19. Oktober 2009, S. 15.
Umstrukturierung des Preises mini|hochkant|Ausgezeichnet 2011: Die Frankfurter Verlagsanstalt für den Roman Mein sanfter Zwilling von Nino Haratischwili (Bild) Ein Jahr nach der ersten Preisverleihung wurde der Hotlist-Preis erstmals öffentlich ausgeschrieben, wobei erneut die Mayersche Buchhandlung die Dotierung von 5000 Euro auslobte. Beobachter bemerkten gleichzeitig, dass 2010 ungewöhnlich viele Independent-Verlage auf der Longlist des Deutschen Buchpreises vertreten waren (unter anderem Titel vom Klöpfer & Meyer Verlag, Verbrecher Verlag und Literaturverlag Droschl), was aber unter anderem auf die Zusammensetzung der Jury zurückgeführt wurde.Holger Heimann: Deutscher Buchpreis: Geld und Geschick. boersenblatt.net, 18. August 2010; abgerufen am 26. August 2012. Im Vorfeld war 2010 der gemeinnützige Verein der Hotlist mit Sitz in Düsseldorf gegründet worden, mit dessen Hilfe zukünftig „eine neutrale Findung des besten Buches aus den Programmen der deutschsprachigen Independent-Verlage und das Fortwirken der Hotlist-Idee garantiert werden“ soll.Der Verein. vereinderhotlist.de; abgerufen am 25. August 2012. Ebenfalls wurde ein unabhängiges Kuratorium für den Buchpreis geschaffen, dem Fachleute aus allen Bereichen der Literaturbetriebs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören. Das Kuratorium muss sämtliche Formalitäten zur Entstehung, Durchführung und Ermittlung der Gewinner der Hotlist zustimmen und soll damit die Qualität der Preisverleihung gewährleisten.Das Kuratorium. vereinderhotlist.de; abgerufen am 25. August 2012. Aktuell gehören ihm zehn Mitglieder an, darunter die früheren Jurymitglieder Traudl Bünger, Autorin, Kritikerin und Programmplanerin der Lit.Cologne, und Monika Schärer, Schweizer Fernseh- und Hörfunkmoderatorin. Ebenfalls wurde ein Förderverein gegründet. Nach der zweiten Vergabe des neu mit einer Jurywahl umstrukturierten Preises an Ulrike Almut Sandigs Erzählband Flamingos sah die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Etablierung der Hotlist, die auch „eine Einladung“ sei, „Entdeckungen zu machen“.Andrea Diener: Angenehm stillgestanden. In: FAZ, 11. Oktober 2010, S. 31. Die Zahl der Einreichungen stieg nach der ersten öffentlichen Ausschreibung 2010 von 110 auf 145 Titel im Jahr 2012. Die auf der Hotlist vertretenen Romane Juja (2010) von Nino Haratischwili, Vorabend (2011) von Peter Kurzeck und Heimlich, heimlich mich vergiss von Angelika Meier fanden jeweils im selben Jahr auch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises Berücksichtigung.
2011 wurde im Andenken an die Frankfurter Buchhändlerin Melusine Huss (eigentlich Hussendörfer,Priesterin des Lesekults: Zum Tod der Buchhändlerin Melusine Hussendörfer. In: FAZ, 30. Mai 1989, S. 35. 1920–1989Traueranzeige in der FAZ, 30. Mai 1989, S. 35.), unter anderem früheres Stiftungsratsmitglied für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels,Neue Mitglieder im Stiftungsrat Friedenspreis. In: FAZ, 1. Juni 1981, S. 27. ein zweiter Hotlist-Preis eingerichtet. Der Melusine-Huss-PreisMelusine Huss (1920 – 1989) entstand durch die Stiftung eines Druckgutscheins der Freiburger Graphischen Betriebe (fgb), der mit 4000 Euro dotiert ist. Er wird alljährlich durch eine Abstimmung unter den Buchhändlern an einen Verlag auf der Hotlist vergeben. bei hotlist-online.com (abgerufen am 25. August 2012).
Abstimmungsmodalitäten Nachdem die erste Wahl 2009 aus einer reinen Internetabstimmung bestand, setzt sich das aktuelle Abstimmungsprozedere aus einer Publikumswahl und mehreren Jurywahlen zusammen. Unabhängige Verlage aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz dürfen je einen Titelvorschlag einreichen. Für die Auflage 2014 mussten diese zwischen dem 1. September 2013 und spätestens bis zum 1. September 2014 auf Deutsch erschienen sein beziehungsweise erscheinen und bis Mitte Juni eingereicht werden.
Im Gegensatz zu anderen Literaturpreisen werden kaum formelle Beschränkungen an Verfasser oder Literaturgattung gestellt. Um die Vielfalt abzubilden, konkurrieren Lyrik, Prosa, Essays, erzählende Sachbücher von sowohl lebenden als auch bereits verstorbenen Autoren, die auf Deutsch schrieben oder aus anderen Sprachen übersetzt wurden. Alle Einreichungen werden auf der Webseite der Hotlist veröffentlicht und nach Kategorien sortiert, 2012 waren dies „Lyrik“, „Deutschsprachige Erzählungen“, „Deutschsprachige Romane“, „Erzählliteratur aus anderen Sprachen“, „Krimi/Thriller“, „Graphic Novel“, „Essays/Tagebücher/Betrachtungen“, „Erzählendes Sachbuch“, „Politik/Zeitkritik“, „Anthologien“ und „Das besondere Buch“. bei hotlist-online.com (abgerufen am 25. August 2012). Aus allen Einreichungen nominiert das Kuratorium als Vorjury 30 Titel, aus denen das Publikum via Internet-Abstimmung drei Titel zur Hotlist wählt. Sieben weitere werden von einer jährlich wechselnden Jury, bestehend aus Fachleuten aus allen Bereichen der Literaturbetriebs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, ergänzt. Unter diesen zehn Titeln wählt die Jury den Preisträger aus, der während der Frankfurter Buchmesse mit einem mit 5000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet wird. Seit 2010 wurde stets ein Titel der Vorjury preisgekrönt.
Preisträger Hotlist-Preis