Saturday ist der Titel eines zuerst auszugsweise in literarischen Zeitschriften, darunter das gesamte erste Kapitel in der The New York Times Book Review,Homepage von Ian McEwan: http://www.ianmcewan.com/bib/books/saturday.html, zuletzt abgerufen am 14. September 2012. und schließlich im Jahr 2005 in Buchform publizierten Romans des britischen Schriftstellers Ian McEwan, der dafür den James Tait Black Memorial Prize erhielt.Winners of the James Tait Black Prize for Fiction, listed by year of publication, The James Tait Black Prizes Website, abgerufen am 24. September 2012. Auf Deutsch erschien der Roman in der Übersetzung von Bernhard Robben unter Beibehaltung des englischen Originaltitels ebenfalls im Jahr 2005.

Handlungsübersicht Die Handlung spielt am Samstag, dem 15. Februar 2003, in London, als über 700.000 Menschen gegen die Irak-Politik der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs demonstrierten, und verfolgt den Tagesablauf des 48-jährigen Neurochirurgen Henry Perowne, der mit seiner Frau Rosalind (Juristin, Anwältin einer Zeitung) und dem achtzehnjährigen Sohn Theo (Bluesmusiker) im Londoner Stadtviertel Fitzrovia in einem Haus am Fitzroy Square wohnt und am Nachmittag die Rückkehr der dreiundzwanzigjährigen Tochter Daisy (Studium der Literaturwissenschaft und Lyrikerin) aus Paris erwartet.

Kapitel 1: Nacht Perowne erwacht in der Nacht gegen vier Uhr und kann nicht mehr einschlafen. Gedanken besetzen seinen Kopf: einmal an seine präzise mit höchster Professionalität durchgeführten Hirn-Operationen in der letzten Woche, die verantwortungsbewusste Arbeit als Arzt, seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit dem Leid vieler Patienten sowie seine Freude über geglückte Eingriffe. Zum anderen denkt er nach über seine Familie: über die kreativen Kinder Theo und Daisy, die im Gegensatz zu den bürgerlichen Eltern in ihrem Leben andere Schwerpunkte setzen, seine solide, vertrauensvolle, wenn auch in letzter Zeit etwas routinierte Ehe mit Rosalind (kurzer Sex mit „mühelose[r] Verführung! Sein Wunsch erfüllt, kein Finger gerührt, von Göttern und Despoten beneidet.“McEwan, S. 75.), die er als neunzehnjährige, an einem Tumor an der Hypophyse erkrankte Patientin seiner Klinik kennenlernte und die sich ihm vorsichtig angenähert hat.

Beim Blick aus dem Fenster entdeckt Henry ein brennendes Flugzeug im Anflug auf Heathrow und befürchtet, den Anschlag auf die Twin Towers im September 2001 noch in Erinnerung, ein Attentat. Um die Nachrichten im Radio zu hören, geht er in die Küche, trinkt mit dem ebenfalls schlaflosen, eine Musikzeitschrift lesenden und Popmusik hörenden Theo eine Tasse Kaffee, während er sich an das ihn bewegende Gitarrenspiel des Sohnes erinnert, und unterhält sich mit ihm über dessen Auftritte. An den ermüdenden Diskussionen der letzten Zeit über die weltpolitische Lage beteiligt sich Theo kaum mehr, denn sie nehmen ihm die Freude am Privatleben, an den Freundschaften und der Musik. Seine neue Philosophie lautet: „Je größer man denkt, desto beschissener sieht es aus [...] Also soll mein Motto sein - denk klein.“McEwan, S. 52 ff. mini|hochkant|Die Protestdemonstration gegen den Irak-Krieg am 15. Februar bildet den Hintergrund der Romanhandlung. Auf seinem Weg zum Squash-Spiel mit Henry Perowne begegnet Jay Strauss mehreren Zehntausend am Themse-Embankment (Bild)Ian McEwan: Saturday. Deutsche Übersetzung von Bernhard Robben. Diogenes, Zürich 2005, ISBN 3-257-06494-2, S. 141. Nach dieser Ausgabe wird zitiert. Kapitel 2: Morgen Da Rosalind an diesem Samstag arbeiten muss, macht sich Perowne nach der Morgentoilette im Squash-Outfit auf den Weg zum Spiel mit seinem Kollegen, dem Anästhesisten Jay Strauss. Seine Reflexionen des frühen Morgens setzen sich fort und fokussieren u. a. das autoritäre System im Irakkrieg und das Literaturförderungsprogramm, das Daisy ihm verordnet hat. Auf der Fahrt mit seinem Mercedes S 500 begegnet er Demonstrantengruppen mit Transparenten. Polizisten leiten den Verkehr um und lenken ihn in eine enge Straße. Dort touchiert er einen BMW und reißt dessen Spiegel ab. Die drei Insassen Baxter, Nark und Nigel verlangen für die Reparatur einen hohen Betrag, den zu zahlen er sich weigert. Als er die Polizei zur Aufnahme des Unfalls rufen will, droht eine Schlägerei. Henry, der bei Baxter die Symptome einer beginnenden Huntington-Krankheit entdeckt hat, verhindert eine Eskalation dadurch, dass er in die dominante Rolle des Arztes schlüpft, ihn auf seine Behinderungen anspricht und Hilfe anbietet. Dieser wird neugierig und schickt seine Kumpel weg, damit sie nichts von seinem Leiden erfahren. Jedoch ist für Baxter das Gespräch unbefriedigend, da auch Perowne kein Wundermittel kennt, er versetzt Henry einen Schlag gegen die Brust und läuft dann hinter seinen sich absetzenden Freunden her.

Perowne fährt anschließend zu den Squash-Courts. Sein Partner hat sich ebenfalls wegen der Demonstrantenzüge verspätet. Während der Pausen und nach dem Spielende unterhalten sie sich über ihre Arbeit in der Klinik. Das als freundschaftliche Freizeitaktion intendierte Spiel entwickelt sich zunehmend zum Kampf: Perownes Ehrgeiz zu gewinnen korreliert mit seinem Wunsch, sich durch einen Sieg von seinen GedankenMcEwan, S. 153. frei zu schlagen: „Den ganzen Vormittag ist er schon in irgendeine Form von Auseinandersetzung verwickelt“McEwan, S. 160. und so kämpft er ebenso wie sein Gegner verbissen um jeden Punkt: „Wenn eine Passantin vor der Glaswand stehenbliebe, um zuzuschauen […] Vielleicht fragte sie sich sogar, ob dies ein Hassmatch sei, solche Verzweiflung liegt in ihrem Spiel.“McEwan, S. 161. Henry verliert in der Finalrunde und verabschiedet sich fair von seinem Gegner.

Kapitel 3: Nachmittag Auf dem Rückweg zur Wohnung kauft Perowne in der Paddington Street Fisch für das Abendessen, das zum Versöhnungsfest zwischen Daisy, die von ihrem sechsmonatigen Parisaufenthalt zurückkehrt, und ihrem Großvater werden soll. Früher haben sie ihre Familienferien in dessen Villa am Fuß der französischen Pyrenäen verbracht, wo Opa John versuchte, die Enkelkinder durch ein kulturelles Programm zu fördern, Theo in der Musik, dessen Schwester in der Literatur. Als Daisy ihre ersten Erfolge als Lyrikerin präsentierte und der nach Alkoholgenuss zum Jähzorn neigende Dichter-Großvater ihre erotischen Gedichte unsensibel kritisierte, zog sie sich verletzt zurück und besuchte ihn nicht mehr. Nun hat er in einem langen Brief ihre neuen Werke überschwänglich gewürdigt und sich gewissermaßen entschuldigt, so dass Henry auf einen friedlichen Abend hofft.

Am Nachmittag besucht er seine demente Mutter Lilian im Pflegeheim Suffolk Place in Perivale. Sie erkennt ihn, wie auch die Personen ihrer Umgebung, nicht mehr und die räumlichen und zeitlichen Eindrücke mischen sich in ihren Reden zusammenhanglos mit Erinnerungsfragmenten, während sie die Äußerungen des Besuchers sofort wieder vergisst. Obwohl der Sohn seiner Mutter nicht helfen kann, hat er wegen ihres Heimaufenthaltes Schuldgefühle. Noch unter dem ihn betäubenden Eindruck der Kranken fährt er nach Wesbourne Grove zu Theos Probe in einem alten Varietétheater und kann sich durch die Musik für Augenblicke von der belastenden Realität befreien.

Kapitel 4: Abend Henry hat gerade mit den Vorbereitungen für das Fisch-Stew-Abendessen begonnen, als Daisy eintrifft und sie sich liebevoll begrüßen. Sie war bei der Demonstration im Hyde Park und verwickelt ihn sogleich in eine ihrer typischen Diskussionen, in der er, zuerst spielerisch, dann immer ernsthafter, bewusst den Gegenpol, den Advocatus Diaboli (möglicherweise kurzer Krieg, Beseitigung einer Diktatur und Aufbau einer Demokratie...) übernimmt. Seine Tochter reagiert überrascht und kritisiert nicht nur seine Argumente, sondern seine Einstellung: Die Kontroverse wird persönlich, indem sie ihm vorwirft, er könne sich wie immer nicht entscheiden. Zwar würde er das Risiko eines Krieges eingehen, sei sich aber zugleich nicht sicher, ob dadurch auch die Ziele erreicht würden. Das sei nicht konsequent. Perowne kontert, ihre pazifistische Haltung unterstütze indirekt das Saddam-Regime und die al-Qaida-Terroristen. Schließlich wettet der Vater, um die Spannung aufzuheben, in Erinnerung an ähnliche familiäre Konfliktlösungen bei früheren Auseinandersetzungen um 50 Pfund: Demokratie oder Chaos im Irak in drei Monaten. Damit ist der Streit beigelegt, doch Henry ist mit sich unzufrieden: „Jay Strauss gegenüber ist er eine Taube, seiner Tochter gegenüber ein Falke. Was ergibt das für einen Sinn? Und welch ein Luxus ist es doch, daheim in der Küche über geopolitische Schachzüge und militärische Strategien zu philosophieren, ohne dafür von Wählern, der Presse, Freunden oder gar der Geschichte verantwortlich gemacht zu werden.“McEwan, S. 268. Die Ankunft des Schwiegervaters John Grammaticus schafft neues Spannungspotential, da dieser zum einen nur wenig Respekt für den Beruf des Schwiegersohnes empfindet und zum anderen Großvater und Enkelin nach jahrelanger Verstimmung versöhnt werden sollen, beide jedoch sofort über die korrekte Skandierung einer Gedichtzeile streiten. Theos Erscheinen lockert die Atmosphäre wieder auf.

Dann bricht in die Welt der gut situierten Familie mit ihren künstlerisch-ästhetischen und wissenschaftlich-theoretischen Vorlieben die Realität der Klassengesellschaft bzw. der unkontrollierbaren Gewalt ein: Nigel und Baxter haben Rosalind abgefangen, mit einem Messer bedroht und sind in das Haus eingedrungen. Sie wollen sich für Henrys Verhalten bei der Kollision rächen und die Bourgeoisie demütigen. Dem sich verbal wehrenden Großvater wird sofort ins Gesicht geschlagen, so dass seine Nase bricht. „Henry begreift schlagartig, dass er bis jetzt wie in einem Nebel gelebt hat“.McEwan, S. 292. Er beobachtet Baxters Bewegungen und Äußerungen und diagnostiziert, er sei wegen seiner unheilbaren Krankheit sowie der fehlenden Zukunftsperspektive unberechenbar und wolle wegen seiner Frustration nach dem Unfall sein Ansehen vor seinem Kumpel wiederherstellen. In dieser Situation könnte er seine Fähigkeit zur Koordination verlieren oder enthemmt aggressiv werden. Henry überlegt sich einen Plan, Baxter zu überwältigen: Er gibt vor, von einer neuen Behandlungsmethode in den USA erfahren zu haben und ihn in einer Versuchsgruppe unterbringen zu können. Zum Beweis will er ihm Daten zeigen. Doch dieser geht nicht darauf ein, bedroht Rosalind mit dem Messer und zwingt Daisy, ermuntert durch Nigel, sich auszuziehen. Der Körper einer im vierten Monat Schwangeren wird sichtbar und die Einbrecher verlieren ihr sexuelles Interesse. Dann entdeckt Baxter ihren Lyrikband Mein dreister Kahn und ist verwundert, dass die junge Frau eine Dichterin ist. Sie muss ihm ein Gedicht vorlesen. Doch anstelle eines eigenen Werkes rezitiert sie Dover Beach von Matthew Arnold, das Baxter emotional anspricht, da es ihn an die Gegend seiner Kindheit erinnert. In einer plötzlichen Gemütsschwankung möchte er das Buch behalten und Daisy darf sich wieder ankleiden. Er kommt auf den Behandlungsvorschlag zurück und möchte die Unterlagen sehen. Henry lockt ihn in sein Arbeitszimmer im oberen Stock. Von dort hören sie, wie die Haustür ins Schloss geworfen wird, Baxter befürchtet, dass Nigel das Haus verlassen hat und geht zum Treppenabsatz, wo ihn Perowne und der zu Hilfe eilende Theo überwältigen und die Treppe hinunterwerfen. Nach Baxters Abtransport ins Krankenhaus löst sich der Albtraumschock der Familie langsam im befreienden Gespräch über das Geschehene. Kurz darauf ruft Jay Strauss an und bittet Henry, die Operation eines jungen Mannes, Baxters, zu übernehmen.

Kapitel 5: Nacht mini|„Vom zweiten Stock blickt [Henry] in die Nacht, sieht […] die knochig kahlen Bäume auf dem Platz und […] den schwarzen Eisenzaun wie eine Reihe aufgestellter Speere. […] Das gleißende Licht der Straßenlampe“.McEwan, S. 8.