Die Laurentiuskirche in der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Dirmstein ist eine Doppelkirche für Katholiken und Protestanten. Der Turm hat einen romanisch-gotischen Unterbau, der Saalbau geht auf die späte Barockzeit zurück. Die beiden ersten Baupläne stammen vom Kirchenbaumeister Balthasar Neumann. Der zweite Entwurf wurde vor Ort durch Franz Rothermel modifiziert, der den Bau ausführte.
Die heute einzige Kirche des Ortes ist ein von beiden christlichen Konfessionen genutzter Sakralbau; allerdings wird nicht wie bei einem Simultaneum ein einziger Raum wechselseitig belegt, sondern es handelt sich um zwei aneinander gebaute Gotteshäuser, über die es schon 1739 im Vertrag über die Planung hieß, dass „sowohl die catholische, als die gleichfals hiernechst neüerbauende reformirte kirche unter ein dach gezogen werden soll.“ Sie haben also, ähnlich wie die Teile eines Doppelhauses, zwar ein gemeinsames Dach, aber unterschiedliche Eigentümer. Die massive Trennwand, funktionell eine Brandmauer, war bereits im Plan vorgesehen, wurde mithin im Gegensatz zu anderen Bauwerken dieser Art nicht nachträglich eingezogen. Der Turm gehört beiden Kirchengemeinden gemeinsam.
Übersicht Geographische Lage
mini|Laurentiuskirche auf der Liegenschaftskarte von Dirmstein mit Grundstücksnummern: protestantischer Teil (linkes Drittel, 267/2) | Trennwand | katholischer Teil (267/1) mit Turm (267/3)
Die Laurentiuskirche steht im historischen Dirmsteiner Oberdorf, dem heutigen Ortszentrum, im Übergangsbereich der Straßen Mitteltor (Nordseite) und Affenstein (West- und Ostseite), die dort den innerörtlichen Abschnitt der Landesstraße 455 (Freinsheim–Monsheim) bilden, auf einer Höhe von ; die Anschrift ist Affenstein 1. Weil sich das Eigentum an der Kirche auf verschiedene Rechteinhaber verteilt, gibt es drei Grundstücksnummern: für den katholischen Ostteil (267/1), den protestantischen Westteil (267/2) und den Turm (267/3).
Unmittelbar benachbarte Baudenkmäler sind von Norden im Uhrzeigersinn die St.-Michael-Apotheke, das Alte Rathaus, der Hochheimer Hof, das ehemalige katholische Schulhaus, der Spitalhof mit seiner Kapelle und das Haus Marktstraße 1. Südlich der Kirche liegt zum katholischen Schulhaus hin der rund 300 m² große gepflasterte Kirchplatz, der als Parkplatz ausgewiesen ist.
Die Längsachse des Gotteshauses weist nach Ostnordost. Eine exakte Ostung konnte nicht erfolgen, weil das Gebäude aus Platzgründen im Westen und im Osten sehr eng an die umgebende Bebauung herangerückt werden musste. Insbesondere zum westlich gelegenen Spitalhof hin entstand auf diese Weise ein Engpass, der lediglich eine einzige Fahrspur von etwa 3 m Breite ermöglichte. Für die langsamen Fuhrwerke vergangener Jahrhunderte war dies ausreichend, zumal die Durchfahrt etwas verbreitert werden konnte, indem der Baukörper in Abänderung des letzten Bauplans geringfügig gegen den Uhrzeigersinn gedreht wurde. Für den Verkehr auf der heutigen Landesstraße bedeutet die Einengung allerdings ein beträchtliches Hindernis. Erschwerend kommt hinzu, dass sich inmitten der Engstelle der Eingang des protestantischen Kirchenteils befindet.
Name Der katholische Kirchenteil ist dem Märtyrer Laurentius von Rom geweiht, dessen Namenstag der 10. August ist. Der protestantische Kirchenteil trägt keinen eigenen Namen; im örtlichen Sprachgebrauch wird jedoch die gesamte Doppelkirche als Laurentiuskirche bezeichnet. Zur Bauzeit gab es eine katholische und eine reformierte Gemeinde, Lutheraner bildeten eine Minderheit. Sofern im Artikel von „Protestanten“ oder „protestantisch“ die Rede ist, bezeichnet dies bei historischen Aussagen Reformierte und Lutheraner zusammen, bei aktuellem Bezug die heutige protestantische Kirchengemeinde oder ihren Kirchenteil. Der katholische Teil bietet etwa 300 Personen Platz, der protestantische 150.
Konfessionen in Dirmstein Das Grundflächenverhältnis der Doppelkirche von 2:1 zu Gunsten des katholischen Teils resultiert aus dem Bauvertrag. Danach war die Dirmsteiner Bevölkerung kurz vor der Mitte des 18. Jahrhunderts zu 2/3 katholischen und zu 1/3 protestantischen, meist reformierten Bekenntnisses, und dieses Verhältnis sollte auch in den Kirchenanteilen zum Ausdruck kommen. Doch schon sechs Jahrzehnte später, 1802, betrug der Anteil der Katholiken nur noch 56 % und derjenige der Protestanten bereits 40 %. Letzterer erhöhte sich im Laufe der Zeit kontinuierlich, während der Anteil der Katholiken zurückging; nach einer jüngeren Erhebung gab es im Jahre 2004 gut 45 % Protestanten, fast 34 % Katholiken sowie knapp 21 % Andersgläubige und Konfessionslose. 2022 waren laut Zensus 34,5 % Protestanten, 25,2 % Katholiken und 40,3 % Andersgläubige und Konfessionslose.
Die katholische Kirchengemeinde Dirmstein bildet einen Pfarrverband mit den Nachbargemeinden in Laumersheim, Obersülzen und Großkarlbach, die protestantische mit Gerolsheim. Die katholische Pfarrei gehört zum Bistum Speyer, die protestantische zur Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche).
Geschichte Peterskirche mini|hochkant|Bischofswappen am Schloss neben der einstigen Peterskirche
Die erste Pfarrkirche Dirmsteins war die Peterskirche. Sie lag, umgeben vom damaligen Friedhof der Gemeinde, im Niederdorf unmittelbar nordöstlich des Geländes, auf dem das frühere Bischöfliche Schloss steht; dies war sowohl Sommersitz als auch Verwaltungsfiliale des Bischofs, der im 12 km entfernten Worms residierte. Die Kirche wurde in der Zeit der Romanik deutlich vor 1044 erbaut – in diesem Jahr wurde erstmals der Zehnt der „Kirche von Dirmstein“ urkundlich erwähnt – und war dem Patron des Wormser Doms, St. Petrus, geweiht. Deshalb wird vermutet, dass der Kirchenbau auf die Initiative eines Wormser Bischofs zurückgeht; möglicherweise war der bischöfliche Stifter Burchard I. von Worms, der vom Jahr 1000 bis 1025 amtierte. Die Kirche gehörte dem Wormser Kloster Nonnenmünster. Aus all diesen Umständen geht hervor, dass die Kirche zumindest in der Anfangszeit in erster Linie dem Bedürfnis des jeweiligen Bischofs diente, auch bei seinen Aufenthalten am Sommersitz in repräsentativer Umgebung die Messe lesen zu können. Zur Pfarrkirche wurde die Peterskirche erst nach und nach, als der Weiler, den das Dirmsteiner Niederdorf ursprünglich darstellte, sich durch Zuzug allmählich vergrößerte.
Nach dem Protokoll einer Visitation von 1740 wies der Turm der Peterskirche eine Besonderheit auf, er besaß nämlich ein „mit Stein gedecktes Dach“. Ob damit eine Eindeckung mit Steinplatten oder eine treppenförmige Aufmauerung gemeint war, ist ungeklärt. Aufgrund mehrerer übereinstimmender Quellen schätzen die Historiker das Fassungsvermögen der Kirche auf nur etwa hundert Personen. Bis ins 18. Jahrhundert waren alle anderen Gotteshäuser Dirmsteins noch kleiner als die Peterskirche.
Kapellen mini|hochkant|Spitalhof mit ehemaliger Kapelle St. Maria Magdalena
Das einige hundert Meter westlich gelegene Oberdorf verfügte über die am 12. Juli 1240 erstmals erwähnte gotische Laurentiuskapelle, die der Peterskirche als Filialkirche zugeordnet war. Im 13. oder 14. Jahrhundert kam nebenan die Maria-Magdalena-Kapelle des Spitalhofs hinzu, im 14. Jahrhundert die Antoniuskapelle auf dem Friedhof im Niederdorf. Auch diese beiden Gebäude waren in gotischem Stil errichtet. Im Oberdorf gab es wahrscheinlich zwei weitere Kapellen; denn 1367 wurde im Norden des Ortszentrums eine Augustinerpropstei gegründet, im Jahre 1500 unmittelbar daneben ein weiteres Kloster, das bald vom damals neuen Jesuitenorden übernommen wurde. Dieses verfügte noch 1795 über eine Glocke (siehe Abschnitt Geschichte der Dirmsteiner Glocken).
Kondominium Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts unterstand Dirmstein ausschließlich dem Hochstift Worms. Doch von 1419 bis 1705, also über die Zeit der Reformation hinweg bis zur Pfälzischen Kirchenteilung, war der Ort in der Form eines Kondominiums gemeinsam zwei Herren zu Eigen, dem Fürstbischof von Worms und dem Kurfürsten von der Pfalz, den über Jahrhunderte die Wittelsbacher stellten. Nach der Reformation hatten die protestantischen Einwohner gemäß dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ ( Wem das Land gehört, dem gehört auch die Religion) der Konfession des jeweiligen Fürsten anzugehören; nach anfänglichem Hin und Her entschied sich die wittelsbachische Linie Pfalz-Simmern unter Pfalzgraf Johann Casimir, der für seinen minderjährigen Neffen Friedrich IV. die Regentschaft führte, 1583 endgültig für die Reformierte Kirche und gegen das Luthertum. Bischof Dietrich II. und Kurfürst Friedrich III. hatten sich schon 1564 darauf verständigt, die Peterskirche im Niederdorf den Katholiken zu belassen und die Laurentiuskapelle im Oberdorf zu einer reformierten Kirche umzubauen, und dieses Abkommen noch im gleichen Jahr umgesetzt.
1705 endete das Kondominium durch einen Gebietstausch zwischen Worms und der Kurpfalz im heutigen Nordbaden, bei dem das Hochstift wieder alle Rechte an und in Dirmstein zurückerhielt. Nur bei internen Angelegenheiten der reformierten Einwohner blieb dem Kurfürsten die Entscheidungsbefugnis vorbehalten. Nachdem die Wittelsbacher Linie Pfalz-Simmern 1685 durch die katholische Nebenlinie Pfalz-Neuburg beerbt worden war, ergab sich die ungewöhnliche Situation, dass ein katholischer Landesherr – zunächst Philipp Wilhelm, dann sein Sohn Johann Wilhelm, bekannt auch als „Jan Wellem“ – über religiöse Angelegenheiten der reformierten Gläubigen zu bestimmen hatte.
Streit, Kriegsschäden und Abrisse Die Dirmsteiner Katholiken glaubten nunmehr, beim Kurfürsten ihrer Konfession mehr Rückhalt zu haben. Wegen der altersbedingten Reparaturbedürftigkeit der Peterskirche unternahmen sie in den Jahren 1686 bis 1689 mehrere Versuche, ihre Gottesdienste auch in der reformierten Laurentiuskapelle im Oberdorf durchzuführen, die trotz ihrer relativ bescheidenen Ausmaße zur Unterscheidung von der noch kleineren Spitalhof-Kapelle „große Kirche“ genannt wurde. Am Fronleichnamstag 1687 schlugen sie sogar mit Äxten eine Tür ein und wollten
mini|Von der Feuersbrunst 1689 verschont: das „Älteste Haus“ (bezeugt 1596) nahe der Laurentiuskirche
Ähnliche Provokationen durch die Katholiken wiederholten sich in den nächsten beiden Jahren, besonders im Zusammenhang mit der Fronleichnamsprozession. Allerdings kam es nicht mehr zur Anwendung von Gewalt, obwohl der Kurfürst nicht mehr die Macht besaß, die zerstrittenen Konfessionen in Dirmstein auf Dauer zu beschwichtigen. Denn 1687 hatte der Pfälzische Erbfolgekrieg begonnen, bei dem der französische König Ludwig XIV. zahlreiche Orte in der von ihm begehrten Kurpfalz zerstören ließ. Als schließlich die französischen Truppen 1689 auch Dirmstein in Brand setzten, fiel die reformierte Laurentiuskapelle im dicht bebauten Oberdorf den Flammen zum Opfer, die nur einige wenige Gebäude wie das heute älteste Haus im Ort verschonten. Die reparaturbedürftige katholische Peterskirche erlitt hingegen, da freistehend, keine zusätzlichen Schäden durch das Großfeuer.
Erst nach dem Erlass der Kurpfälzischen Religionsdeklaration vom 21. November 1705 konnten die Reformierten die Ruine notdürftig wieder herrichten. Da, wie erwähnt, auch die Peterskirche Mängel aufwies, gab es spätestens 1721 zwischen der katholischen und der reformierten Kirchengemeinde erste Überlegungen, zwei neue Kirchen unter einem gemeinsamen Dach zu bauen. Dies sollte im Oberdorf geschehen, das bevölkerungsreicher war als das Niederdorf. Hauptgrund für die Kombinationslösung war, dass Baugrund im Oberdorf knapp war. Zudem war es durchaus üblich geworden, auch bereits vorhandene Kirchen durch Trennwände aufzuteilen.
Die beiden Gotteshäuser im Niederdorf wurden im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgetragen, die Peterskirche 1809, die Antoniuskapelle um 1850; es gibt keinerlei Spuren mehr von ihnen. Nur die inzwischen profanierte Spitalhof-Kapelle im Oberdorf existiert noch.
Baugeschichte der Laurentiuskirche Planung Vorbereitungen