Hurrikan Isaac war der neunte benannte tropische Wirbelsturm der Atlantischen Hurrikansaison 2012. Das Kapverdensystem entwickelte sich in der zweiten Augusthälfte, zog über die nördlichen Inseln über dem Winde hinweg, streifte Puerto Rico und erreichte den Süden von Hispaniola als starker tropischer Sturm. Dieser zog über die Tiburon-Halbinsel und den Golf von Gonâve hinweg in westnordwestlicher Richtung zur Ostspitze Kubas. Der Sturm verbrachte nur kurze Zeit über der bergigen Region des Inselstaates und folgte dann dessen Nordküste weiter nach Nordwesten. Nach der Passage durch die Floridastraße nahm Isaac Kurs auf die westlichen Florida Keys. Nach einer Verlagerung seines Zentrums nach Westen setzte Isaac seine Wanderung nach Nordwesten durch den östlichen Golf von Mexiko fort. Am Nachmittag des 28. August erreichte Isaac in Richtung New Orleans ziehend den Status eines Hurrikans. Sich langsam vorwärtsbewegend zog Isaac im Südosten von Louisiana über Land und allmählich nordwärts entlang des Mississippi River. Am 29. August wurde Isaac zum tropischen Sturm zurückgestuft und am 30. August zum tropischen Tiefdruckgebiet. Seine tropischen Eigenschaften verlor das System am 1. September über Missouri.
Sturmverlauf mini|links|Zugbahn des Hurrikans Isaac entwickelte sich aus einer tropischen Welle, die sich in der Nacht vom 15. zum 16. August von der Küste Afrikas löste. Im Tagesverlauf und früh am folgenden Tag bildete das System vor der Küste von Sierra Leone liegend mehr Konvektion aus, und das National Hurricane Center (NHC) begann damit, das System in seinen Tropical Weather Outlooks (TWOs) zu führen. Die weitere Organisierung des Systems kam kurz ins Stocken, doch konzentrierte sich die Gewittertätigkeit am 18. August stärker. Am 19. August erreichte die tropische Welle eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine tropische Zyklogenese. In den beiden folgenden Tagen trat nur minimale strukturelle Verbesserung des Systems auf, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Wirbelsturmbildung zunahm.
Am 21. August hatten sich Konvektion und eine bodennahe Zirkulation ausreichend entwickelt, so dass das NHC das südlich eines weitgezogenen Hochdruckrückens westwärts ziehende System etwa 1150 km östlich der Leeward Islands zum neunten tropischen Tiefdruckgebiet der Saison erklärte.
mini|Isaac als tropischer Sturm nahe dem Antillenbogen am 22. August Spät am 21. August wurde bei einem Erkundungsflug der Hurricane Hunters auf Flughöhe etwa 1000 Fuß über dem Boden eine Windgeschwindigkeit von 44 Knoten (84 km/h) gemessen, und auf Grundlage dieser Messung wurde das Tiefdruckgebiet vom NHC zum tropischen Sturm hochgestuft und erhielt den Namen Isaac. Doch zu diesem Zeitpunkt erschien der Sturm unorganisiert, und das Zentrum wurde nördlich der stärksten Konvektionstätigkeit festgestellt. Die Zirkulation walzte sich früh am 22. August aus, und im nordöstlichen Viertel absorbierte Isaac reichlich trockene Luft. Im Tagesverlauf zog das System direkt südlich an Guadeloupe vorbei und gelangte so in das Karibische Meer. Die trockene Luft behinderte die Konvektionstätigkeit auch in der Folge, obwohl sich Isaac allmählich besser organisierte. Spät am 23. August wurde es jedoch trotz der gut ausgebildeten Ausströmung und der deutlich erkennbaren äußeren Zirkulation schwierig, den Kern und das Zentrum des Sturms festzustellen. Der Sturm wies mehrere Wirbel auf, und die höchste, von der NOAA-Boje 42059 gemeldete, andauernde Windgeschwindigkeit von 25 bis 30 Knoten lag deutlich südwestlich des durch die Hurricane Hunters ermittelten Zentrums, das seinerseits südlich des Punktes lag, an dem das Sturmzentrum erwartet worden war.
Auch am 24. August erschien Isaac anhand der Daten der Aufklärungsflüge zunächst als gering organisiertes System, doch am Nachmittag macht der Sturm sowohl auf den Satellitenaufnahmen als auch aufgrund der bei den Aufklärungsflügen ermittelten Messwerte einen aufgeräumteren Eindruck. Der Sturm intensivierte sich und erhielt wegen einer Schwäche im subtropischen Rücken über den Vereinigten Staaten eine weiter nordwärts gerichtete Steuerungströmung. Der Luftdruck im Zentrum ging auf 994 hPa zurück, und die andauernde Windgeschwindigkeit wurden mit 55 Knoten festgesetzt, und früh am 25. August deuteten Infrarot- und Mikrowellensatellitenaufnahmen an, dass sich ein Auge zu bilden begann.
mini|links|Isaac am 26. August in der Floridastraße Die hohen Berge der Tiburon-Halbinsel wirkten sich zwar relativ gering auf die Zirkulation des Sturmes aus, doch stieg der zentrale Luftdruck auf 998 hPa, und die stärksten Windgeschwindigkeiten wurden durch die Hurricane Hunters etwa 110 bis 130 km nördlich des Zentrums gemessen. Isaac befand sich nun am südöstlichen Ende eines langen Tiefdruckgebietes, das bis zur Südspitze Floridas reichte und den Sturm in diese Richtung lenken würde. Isaac zog etwa 45 km westlich von Punta de Maisi über die Ostspitze Kubas hinweg und bewegte sich dann die nächsten beiden Tage über Wasser der Nordküste Kubas entlang, doch die Nähe zum Land behinderte die Entwicklung des Sturmes, sodass dessen Gesamteindruck auf den Satellitenbildern wenig eindrucksvoll war. Das System war Bestandteil eines großen Tiefdruckgebietes in niedriger und mittlerer Höhe in der nordwestlichen Karibik und der angrenzenden Seegebiete, in dem sich ein sekundäres Zirkulationszentrum mit Lage zwischen Kuba und den Kaimaninseln bildete. Primäres und sekundäres Zirkulationszentrum begannen, um sich gegenseitig zu rotieren. Diese Entwicklung ließ eine temporäre westwärts gerichtete Bewegung erwarten, sobald das Sturmzentrum in der Floridastraße angelangt war.
mini|Isaac am 27. August beim Erreichen des Golfs von Mexiko Isaac setzte dann seinen Weg in nordwestlicher Richtung durch den östlichen Golf von Mexiko fort. Über dem warmen Wasser des Loop Current organisierte sich das System zwar im Tagesverlauf des 27. August besser und der zentrale Luftdruck sank am folgenden Tag bis auf 977 hPa, doch hatte der Sturm aufgrund seiner großen Ausdehnung und südwestlicher Windscherung zunächst Schwierigkeiten, höhere Windgeschwindigkeit zu entwickeln. Ein ausgefranstes Auge, das sich im Tagesverlauf bildete, hatte keinen Bestand. Schließlich ging der zentrale Luftdruck am 28. August auf 976 hPa zurück, ohne dass der Sturm ausreichende andauernde Windgeschwindigkeiten entwickeln konnte, um als Hurrikan eingestuft zu werden. Hierfür war teilweise trockene Luft verantwortlich, die in die Zirkulation gesaugt wurde. Um 16:20 UTC am 28. August wurde bei einem Erkundungsflug der Hurricane Hunters schließlich eine Oberflächenwindgeschwindigkeit von 65 Knoten (120 km/h) festgestellt und Isaac zum Hurrikan aufgestuft. In den folgenden Stunden intensivierte sich der Hurrikan noch leicht. Nach einem ersten Landfall gegen 23:45 UTC im Mississippi River Delta etwa 110 km südlich von New Orleans über Land versprang das Zentrum des Hurrikans westwärts zurück über Wasser, bevor es schließlich bei Lafourche Parish, Louisiana endgültig über Land zog.
Orkanstärke erreichte Isaac in einem Radius von bis zu 95 km entfernt von seinem Zentrum, Sturmstärke erreichten die andauernden Windgeschwindigkeiten in einer Entfernung von bis zu 280 km. Die Vorwärtsgeschwindigkeit des Hurrikans von sieben Knoten (knapp 13 km/h) war langsam und erhöhte deswegen die Höhe der Sturmflut, deren Stand an der Küste Louisianas und Mississippis stellenweise 1,8 bis 3 m über dem Meeresspiegel reichte. Außerdem erhöhte sich durch den langanhaltenden quasistationären Starkregen mit kumulierten Niederschlagsmengen von 175 bis 300 mm, vereinzelt auch 500 mm, das Risiko von Überschwemmungen. Die Vorhersage des National Hurricane Centers ging davon aus, dass Isaac über den Bayous von Louisiana zunächst kaum an Kraft verlieren würde, dann aber im Landesinnern eine stetige Abschwächung einsetzt. Nachdem ein noch nordwestlich des Hurrikans liegender Rücken sich in Richtung Ohio Valley verlagerte, erwartete das NHC eine nordwärts gerichtete und nach dem Erreichen der Westwindzone eine nordöstliche Zugbahn.
Seine tropischen Eigenschaften verlor Isaac am 1. September über Missouri.
Vorbereitungen Kleine Antillen Mit der ersten Warnung von 09:00 UTC am 21. August wurden Vorwarnungen vor einem tropischen Sturm für die Britischen Jungferninseln, die Amerikanischen Jungferninseln und Puerto Rico sowie Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten ausgegeben. Sturmwarnungen gaben die zuständigen Behörden für Antigua und Barbuda, Dominica, Guadeloupe, Montserrat, Saint Kitts und Nevis sowie für Saint-Martin aus, und kurz machte auch die Regierung von Anguilla die Warnung vor einem tropischen Sturm amtlich. Im Tagesverlauf wurden die Vorwarnungen für Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten zu Sturmwarnungen hochgestuft, und gleichzeitig gab die französische Regierung eine Sturmwarnung für Martinique aus. Die Vorwarnungen für die Britischen und Amerikanischen Jungferninseln sowie Puerto Rico wurden früh am 22. August zu Sturmwarnungen erweitert, gleichzeitig warnten die US-Behörden für ihre Gebiete vor der Möglichkeit der Intensivierung in einen Hurrikan.
Große Antillen und Bahamas mini|Am 24. August schlugen hohe Wellen an die Küsten Hispaniolas. Die Regierung der Dominikanischen Republik verhängte am 22. August um 09:00 UTC eine Sturmvorwarnung für die Nordküste des Staates. Für den Abschnitt zwischen der Isla Saona und der Staatsgrenze zu Haiti an der Südseite Hispaniolas erklärte die Regierung zu dem Zeitpunkt eine Sturmwarnung mit Hurrikanvorwarnung.
Neunzig Minuten später wurde für die Insel Jamaika eine Sturmvorwarnung erklärt. Der Cayman Islands Meteorological Service stellte die Kaimaninseln früh am 25. August unter den Bereitschaftsstatus für einen tropischen Sturm. Nachdem sich erwiesen hatte, dass Isaac einen Kurs nördlich von Kuba eingeschlagen hatte, wurden die Warnungen sowohl für Jamaika als auch die Kaimaninseln aufgehoben.
Vereinigte Staaten Frühen Prognosen zufolge führte die erwartete Zugbahn in etwa parallel zur Halbinsel Florida, nahe an Tampa vorbei. Im Zeitraum vom Montag, dem 27. August an sollte hier die Republican National Convention stattfinden, bei der die Delegierten der Republikanischen Partei ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2012 bestimmen werden. Zu diesem Ereignis wurden in der Stadt an der Westküste Floridas 70.000 Teilnehmer erwartet – Politiker, Delegierte, Sicherheitskräfte, Pressevertreter und Demonstranten. Jeff Masters errechnete einige Tage vor dem Beginn der Veranstaltung anhand von historischen Gegebenheiten eine Wahrscheinlichkeit von 0,2 Prozent, dass es während der Veranstaltung zu einer Evakuierung der Stadt kommen könnte, und ging, während sich der Sturm noch östlich des Antillenbogens befand, anhand der Prognosen von einer Wahrscheinlichkeit von einem bis drei Prozent aus, dass die Auswirkungen Isaacs zu einer Unterbrechung des Parteitages kommen könnte.
Für die Sicherheit des Nominierungsparteitages primär verantwortlich ist zwar der United States Secret Service, doch etwa die Hälfte der 3500 eingesetzten Polizeikräfte wurde aus dem ganzen Bundesstaat Florida zusammengezogen. Der herannahende Wirbelsturm weckte deswegen Zweifel, ob die angeforderte Zahl an Beamten tatsächlich eintreffen würde oder an ihren Heimatorten – vor allem in Südflorida – bei der Vorbereitung auf den Sturm und bei der Bewältigung der Folgen gebraucht würden. Die Nationalgarde bereitete sich deswegen vor, über die 1700 festeingeplanten Soldaten hinaus Kräfte zur Verfügung zu stellen.