Die GTS Grube Teutschenthal (Betreiber: Grube Teutschenthal Sicherungs-GmbH), ehemals Kaliwerk Krügershall, ist ein ehemaliges Kalibergwerk, das heute zum Versatz mit bergbaufremden Materialien genutzt wird. Es liegt unmittelbar nördlich des Bahnhofs Teutschenthal. Das Grubenfeld erstreckt sich bogensegmentförmig ca. 6,5 km lang in nordwestlich-südöstlicher Richtung. Die Schachtanlage ist seit 1925 im Niveau der 713-m-Sohle durchschlägig mit dem nördlich von ihr gelegenen Grubenfeld des Kaliwerkes Gewerkschaft Salzmünde und dem sich östlich angrenzenden Grubenfeld Angersdorf (früher waren es zwei selbstständige Kaliwerke: Gewerkschaft Salzmünde sowie Hallesche Kaliwerke A.-G.) verbunden. Der Einwirkungsbereich der miteinander verbundenen Grubenfelder auf die Erdoberfläche beträgt bei einem angenommenen Grenzwinkel von 55° ca. 10 × 2,5 km und reicht vom Westrand der Ortslage Angersdorf bis zum Südrand von Langenbogen einschließlich der Gemeinden Langenbogen und Teutschenthal.
Die Firmennamen änderten sich oft. So hieß das Werk anfangs Kaliwerk Krügershall AG. Ab 1929 Burbach-Kaliwerke A.G., Magdeburg, Werk Krügershall, Bhf. Teutschenthal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk gemäß Befehl Nr. 124 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland ein SAG-Betrieb (Werk Krügershall). Ab 1952 dann VEB Kali- und Steinsalzbetrieb Deutschland (zugehörig der Hauptverwaltung „Kali“ beim Ministerium für Berg- und Hüttenwesen). Schließlich 1970 VEB Kombinat Kali, VEB Kali- und Steinsalzbetrieb „Saale“, Werk Teutschenthal und ab 1988 VEB Kalibetrieb „Ernst Schneller“ Zielitz, Werk Teutschenthal. Ab 1. Juni 1990 wurde die Treuhandanstalt Berlin alleiniger Gesellschafter der KALIMAG GmbH, Bahnhof Teutschenthal, Straße der Einheit 8.
Mit dem Wirken dieser Gesellschaft bis zum 11. Mai 1992 endeten die bergbaulichen Arbeiten auf Krügershall/Teutschenthal. Seit 12. Mai 1992 erfolgen Versatzarbeiten der Gesellschaft GTS Grube Teutschenthal Sicherungs-GmbH, einer Tochtergesellschaft der bayerischen Geiger Unternehmensgruppe.
Such- und Erkundungsarbeiten / geologische und hydrogeologische Lagerstättenbedingungen mini|links|Lage des einstigen Kaliwerkes Krügershall; heute Versatzbergwerk Teutschenthal Die geschichtliche Entwicklung der Kaliindustrie in Deutschland sowie die detaillierten geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse im Teutschenthaler Raum sind ausführlich im Artikel zum Kaliwerk Gewerkschaft Salzmünde abgehandelt.
Die Schachtanlage Krügershall/Teutschenthal sowie die mit dieser untertägig verbundenen Grubenfelder Salzmünde und Angersdorf (ehem. Gewerkschaft Saale und Hallesche Kaliwerke A.-G.) befinden sich auf der NO-Flanke des von Eisleben nach Delitz am Berge streichenden Teutschenthaler Sattels. Westlich von Wansleben ist wegen des Anstiegs der Sattelachse der Sattelkopf abgelaugt. Das Kalilager fällt ungestört mit 7–8 Grad ein. Eine Verflachung in Richtung des Sattelkopfes ist festzustellen. Die einzigen größeren tektonischen Störungen stellen die nördliche und die südliche Salzke-Depression mit dem Salzke-Breitsattel dar, welche mit der Verbindungsstrecke zwischen den Grubenfeldern Krügershall/Teutschenthal und Salzmünde angefahren wurden.
Die Ausbildung des Zechsteins entspricht dem Staßfurter Normalprofil. Es sind die Zechsteinfolgen 1 bis 4 (Z1 bis Z4) vorhanden. Abgebaut wurde überwiegend geschichteter Carnallitit des Z2 (mit einer Mächtigkeit bis zu 40 m) von der 5. Unstrutbank bis oberhalb der Spätbank. Der K2OKalium -Gehalt schwankte zwischen 6 und 10 %. Das gewonnene Staßfurt-Steinsalz hatte einen NaCl-Gehalt von 82 bis 94 %. Mineralogische Besonderheiten waren das Vorkommen von Tachyhydrit und Staßfurtit-Knollen.
Die Internationale Bohrgesellschaft zu Erkelenz von Anton Raky begann im Jahre 1902 mehrere Tiefbohrungen abzuteufen. Etwa 70 m westlich des späteren Schachtes Krügershall/Teutschenthal lag die Erkundungsbohrung „Teutschenthal I“. Sie traf in 450,8 m Teufe auf Steinsalz und bei 634,7 m Teufe auf ein 55,3 m mächtiges Kalilager. In der Folge wurden bis 1905 weitere neun Bohrungen niedergebracht. U.a. erreichte Bohrung „Langenbogen I“ in 551,4 m das Steinsalz und im Teufenabschnitt 721,4–765,9 m Kalisalz. Hingegen fanden die Tiefbohrungen „Langenbogen II“ und „III“ nur Steinsalz (ab Teufen 589,0 m bzw. 572,9 m). Auf die Funde in diesen Bohrungen wurden seitens der Bohrgesellschaft Mutungen eingelegt und die bergamtliche Verleihung des „Rechts auf Abbau des Steinsalzes und beibrechender Salze“.
Die Hydrogeologie im Bereich des Schachtes Teutschenthal ist durch die wasserführenden Schichten des Mittleren Buntsandsteins (Hauptwasserleiter sind dessen mächtige und gut permeable Sandsteinbänke) gekennzeichnet. Im Unteren Buntsandstein (bis 300 m mächtig, überwiegend tonig/schluffiger Fazies) sind lokal vorhandene Rogensteinbänke wasserführend.
Die Unternehmensentwicklung von 1905 bis 1992
Unternehmensgründung Durch Abtretungsvertrag vom 27. März 1905 erwarben die Herren Friedrich H. Krüger (Halberstadt) und Siegfried Weinstock (Halle a. d. Saale) die Rechte auf die von der Internationalen Bohrgesellschaft (A. Schaaffhausen’scher Bankverein) eingelegten Mutungen sowie auf das gesamte Interessengebiet (10 Preussische Normalfelder in den Gemarkungen Teutschenthal und Langenbogen gelegen). Diese Gerechtsame wurde Gegenstand des künftigen Bergwerkunternehmens.
Gegründet wurde am 29. März 1905 das Unternehmen durch die Kaufleute Krüger, Krumbiegel und Grau sowie Bankier Weinstock und Dr. med. Friedmann als Kaliwerk Krügershall Aktiengesellschaft, eingetragen ins Handelsregister am 19. Juni 1905. Der Name Krügershall wurde zu Ehren des Gründers und ersten Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Aktiengesellschaft gewählt.
Im Jahre 1912 erwarb die Gewerkschaft Burbach die Mehrheit der Krügershall-Aktien und stellte mit Gerhard Korte den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden.
Den auf den 12. Dezember 1928 einberufenen General- bzw. Gewerkenversammlungen der Aktiengesellschaften Krügershall, Wittekind, Niedersachsen und Heldburg, sowie der Gewerkschaften Walbeck, Salzmünde, Günthershall, Schwarzburg, Hildasglück, Carlshall, Volkenroda, Wilhelmshall-Ölsburg, Siegried-Giesen, Fürstenhall, Rössing-Barnten, Königshall und Hindenburg, Asse, Friedrichroda, Oberhof, Reinhardsbrunn, Frisch-Glück, Desdemona, Bernsdorf, Rastenberg und Riedel wurde die Vereinigung in eine Aktiengesellschaft vorgeschlagen. Als Träger der Majorität der Gesellschaft und damit als Spitzenwerk diente die GewerkschaftGewerkschaften – obwohl schon im späten Mittelalter bekannt – erlebten ihre große Blüte mit der industriellen Revolution ab 1860 und besonders ausgangs des 19. Jahrhunderts mit der Kohleförderung im Ruhrgebiet bis 1930. Später verloren die Gewerkschaften an Bedeutung und wurden durch die Aktiengesellschaften verdrängt Burbach. Der Firmenname wurde in Burbach-Kaliwerke Aktiengesellschaft geändert. Ihr Sitz wurde nach Magdeburg verlegt. Die Gewerkschaft Burbach selbst sowie die Gewerkschaften Beienrode, Baden und Markgräfler wurden von der Transaktion ausgenommen.
Gerechtsame Von den ursprünglich 10 Preußischen Normalfeldern wurden 5 an die Gewerkschaft Salzmünde abgegeben. Es verblieben in den Gemarkungen Wansleben, Langenbogen, Bennstedt, Eisdorf, Köchstedt, Unter-Teutschenthal, Cöllme und Müllerdorf 10.788.471 m2 (verliehen vom ehemaligen Oberbergamt Halle auf Steinsalz und beibrechende Salze). Am 15. Februar 1908 trat das Werk dem Kaliverkaufssyndikat bei.
Die Unternehmensentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Am 3. Mai 1945 nahm das Kaliwerk Krügershall / Teutschenthal die seit April d. J. kriegsbedingt unterbrochene Rohsalzförderung und den Fabrikbetrieb wieder auf. Mit Befehl des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung und Oberbefehlshabers der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland vom 30. Oktober 1945, Befehl Nr. 124, „Über die Beschlagnahme und provisorische Übernahme einiger Eigentumskategorien in Deutschland“,DDR-Lexikon: Befehl Nr. 124 SMAD ging auch das Kaliwerk Krügershall in sowjetische Verwaltung über und verlor seine Zugehörigkeit zum Burbach-Konzern.
Am 1. August 1946 wurde die Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) für Kalidünger gegründet und übernahm auch das Kaliwerk Krügershall. Ab dem 1. Oktober 1946 firmiert das Werk als Kaliwerk Krügershall im Verbund Industriewerke der Provinz Sachsen-Anhalt. Erst am 3. April 1947 wurde es als Landeseigentum an die Industriewerke Sachsen-Anhalt, Industriegruppe Bergbau zurückgegeben. Ab dem 1. Juli 1948 gehörte das Kaliwerk Teutschenthal (der Name Krügershall gehörte nun der Geschichte an) als Volkseigentum der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Kali und Salze in Halle an. In dieser Eigentumsform – jedoch mit wechselnden Namen – verblieb das Werk bis zur politischen Wende im Jahr 1990.
Am 1. Juni 1990 wurde das Kaliwerk Teutschenthal unter der Firmenbezeichnung KALIMAG GmbH, Bahnhof Teutschenthal, Straße der Einheit 8 eigenständige Kapitalgesellschaft. Alleiniger Gesellschafter war die Treuhandanstalt Berlin. Schließlich übernahm am 1. Juni 1992 die Grube Teutschenthal Sicherungsgesellschaft mbH GTS das Werk Teutschenthal samt den angrenzenden Grubenfeldern Salzmünde und Angersdorf.
Der Schachtbau Höhe Rasenhängebank: + 110,0 m NN; Durchmesser: 5,25 m; Teufe: 733 m. mini|Einbau eines Tübbingsegmentes im Abteufschacht Krügershall (sog. „Unterhängen“) mini|links|Die Abteufmannschaft posiert vor dem hölzernen Abteufgerüst des Schachtes Krügershall
Angeschlagene Sohlen: 2. Sohle, 660 m Teufe (−549,8 m NN); 3. Sohle, 713 m Teufe (−603,2 m NN).
Bis 1940: 2. Sohle: −549,8 m NN; 3. Fördersohle: −532,1 m NN; 4. Fördersohle: −525,1 m NN; 5. Fördersohle: −516,3 m NN; 6. Fördersohle: −505,6 m NN.
Ab 1940: 1. Sohle: 610 m tief; 2. Sohle: 660 m tief; 3. Sohle: 713 m tief (Die Änderung der Sohlenabstände ist der Neuorientierung des weiteren Grubenfeldaufschlusses infolge des Gebirgsschlages 1940 geschuldet, da das alte Grubenfeld durch die Zerstörungen nicht mehr erreichbar war).
Ab 1972: 1a-Sohle: 628 m tief; 1. Sohle: 658 m tief; 2. Sohle: 688 m tief; 3. Sohle: 713 m tief; 4. Sohle: 747 m tief; 5. Sohle: 787 m tief; 6. Sohle: 817/827 m tief. (Veränderung der Sohlenabstände infolge einer neuen Abbaudimensionierung durch Vorgaben des Instituts für Bergbausicherheit Leipzig).
Das Abteufen begann am 1. September 1905. Die ersten 20 m teufte wurden im Senkschachtverfahren bis Dezember 1905 abgeteuft. Mitte März 1906 stand der Schacht bereits bei Teufe 75 m. Drei Monate später hatte man 162 m Teufe erreicht. In der Folge gelang das weitere Verteufen ohne besondere Probleme. Am 22. März 1907 erreichte man in Teufe 495 m das Steinsalz und am 25. Juni gleichen Jahres das Kalilager. Nach dem Erreichen von 660 m Teufe schlug man hier das Füllort der Hauptförderstrecke und bei 650 m die Wettersohle an.
Die nun folgend installierten zwei völlig voneinander unabhängigen Fördereinrichtungen waren eine elektrische Hauptfördermaschine (System Ilgner) und eine Dampffördermaschine als Nebenförderung. Erstere hatte eine Schichtleistung von 500–600 t bei einer Fördergeschwindigkeit von 19 m/s. In der gleichen Zeit schaffte die Nebenförderung notfalls 250 t. Der Förderkorb der Hauptförderung fasste zwei hintereinandergestellte Förderwagen zu je 800 kg Rohsalz. Im eigens abgeteilten Wettertrum der Schachtröhre blies ein elektrisch angetriebener Ventilator (System Cappel) eine Luftmenge von 4.000 m3/min.
Im Jahr 1940 wurden zur Steigerung der Rohsalzförderung Fördergerüst und -maschinenhaus sowie die Schachtförderausrüstungen bei laufendem Betrieb weitgehend ausgewechselt. Es wurden die entsprechenden Teile des Schachtes „Hindenburg“ in Reyershausen nach deren Rückbau und Sanierung eingebaut. Gegenüber der alten Anlage wurde das Hauptfördergerüst um 90 Grad gedreht.