Gerhard Josef Arnold Erren (* 4. März 1901 in Mittenbrück; † 17. Juli 1984 in Hamburg-Bergedorf) war ein deutscher Nationalsozialist, der während des Zweiten Weltkrieges als Gebietskommissar im weißrussischen Slonim für die Ermordung von Tausenden von Juden verantwortlich war.
Leben Erren gehörte nach dem Ersten Weltkrieg verschiedenen Freikorps und Grenzschutzverbänden an. Nach dem Abschluss seiner Lehrerausbildung war er als Sportlehrer in Oberschlesien beschäftigt.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 139. Seit Anfang Oktober 1928 war er mit Maria, geborene Müller, verheiratet. http://www.ortsfamilienbuecher.de/famreport.php?ofb=leobschuetz&lang=de&modus=&ID=I88936&nachname=ERREN
Politisch wandte er sich zu Beginn der 1930er Jahre den Nationalsozialisten zu. Er konnte jedoch erst nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten zum 1. Mai 1933 der NSDAP beitreten (Mitgliedsnummer 3.532.894),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8061570 da er den Oberschlesischen Landesschützen angehörte, welche in die Reichswehr eingegliedert worden waren. Ab 1933 war er an einer Sportschule der Partei im Gau Oberschlesien tätig und war ab 1934 Politischer Leiter der NSDAP.Hans-Dieter Arntz: NS-Täter profitieren von der Hilflosigkeit der Justiz: Ein weiterer Beitrag zur Diskussion um die angeblichen „Täter“ von den Ordensburgen Nach Absolvierung eines Sonderlehrgangs auf der Ordensburg Vogelsang war er von 1937 bis 1939 Kameradschaftsführer auf der NS-Ordensburg Krössinsee.Alfred Bernd Gottwaldt, Norbert Kampe: NS-Gewaltherrschaft: Beiträge zur historischen Forschung und juristischen Aufarbeitung, Edition Hentrich, 2005, S. 231.
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges war er von Dezember 1939 bis Juli 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Im Generalbezirk Weißruthenien war er von August 1941 bis Juli 1944 Gebietskommissar in Slonim und dort zusätzlich örtlicher und politischer Leiter der NSDAP. Erren war in Slonim für Ermordung von Juden in großem Umfang verantwortlich.
Bei dieser Aktion erschien Erren mit der Waffe in der Hand im Ghetto, während die Juden aus den Häusern geprügelt wurden.Bert Hoppe (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung) Band 8: Sowjetunion mit annektierten Gebieten II. Berlin 2016, ISBN 978-3-486-78119-9, S. 36. Nach weiteren Judenmorden meldete Erren im September 1942 in einem Bericht: „Ich bin froh, die ursprünglich im Gebiet vorhanden gewesenen 25.000 Juden auf 500 zusammengeschmolzen zu sehen“.Zitiert bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 139 / vollständig abgedruckt als Dok. VEJ 8/190 in: Bert Hoppe (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945 (Quellensammlung) Band 8: Sowjetunion mit annektierten Gebieten II. Berlin 2016, ISBN 978-3-486-78119-9, Zitat S. 433. Erren, der am 2. März 1944 im Rang eines SS-Sturmbannführers in die SS aufgenommen wurde, war ab Februar 1945 Führer für weltanschauliche Schulung bei der Waffen-SS.
Nach Kriegsende befand sich Erren bis Januar 1948 in britischer Internierung.Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weissrussland 1941 bis 1944, Hamburger Edition, 1999, S. 624. Durch Falschangaben zu seiner Person konnte Erren 1949 seinen Lehrerberuf an der Technischen Oberschule „Am Brink“ in Hamburg-Bergedorf wieder aufnehmen und wurde 1951 verbeamtet. Die Hamburger Justiz leitete 1960 ein langjähriges Ermittlungsverfahren gegen Erren ein, dessen Voruntersuchungen erst 1969 abgeschlossen werden konnten.Der Spiegel 15/1971: Justiz / NS-Verfahren - Bombe los. Allerdings wurde er nach der Einleitung des Ermittlungsverfahrens 1960 aus dem Schuldienst entlassen. Von 1961 bis 1971 war Erren Lehrer an einer Privatschule.
Am 25. Juni 1974 wurde Erren durch das Landgericht Hamburg zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht hatte seine „Schuld am Tod von 15 000 Juden“ festgestellt.Justiz. Alte Kameraden. In: Der Spiegel, Ausgabe 26 vom 28. Juni 1982, S. 68. Er sei ein Herrenmensch gewesen, „der mit Hund und Peitsche durch Slonim ging und in aller Öffentlichkeit auf Juden einschlug“. Erren musste die Haftstrafe jedoch nicht antreten, da das Urteil am 16. September 1975 vom Bundesgerichtshof aus formalen Gründen kassiert und der Prozess an das Landgericht Hamburg zurückgewiesen wurde. Die erneute Verhandlung 1976 kam wegen Verhandlungsunfähigkeit Errens nicht mehr zustande.
Literatur
Alfred Bernd Gottwaldt, Norbert Kampe: NS-Gewaltherrschaft: Beiträge zur historischen Forschung und juristischen Aufarbeitung, Edition Hentrich, 2005. Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weissrussland 1941 bis 1944. Hamburger Edition, 1999.
Weblinks Justiz. NS-Verfahren. Bombe los. In: Der Spiegel, Ausgabe 15 vom 5. April 1971, S. 100 ff. Recht. NS-Verfahren. Seift und Seift. In: Der Spiegel, Ausgabe 8 vom 15. Februar 1971, S. 100 ff. Hans-Dieter Arntz: NS-Täter profitieren von der Hilflosigkeit der Justiz: Ein weiterer Beitrag zur Diskussion um die angeblichen „Täter“ von den Ordensburgen vom 22. September 2007. Hans-Heinrich Nolte: Die andere Seite des Holocaust. Die Massaker der Deutschen im Osten zeigen den »archaischen« Charakter des großen Judenmords. In Die Zeit online vom 24. Januar 2008.
Einzelnachweise
Kategorie:Täter des Holocaust Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS Kategorie:Gebietskommissar (Ostland) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Weißrusslands 1941–1944) Kategorie:Freikorps-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann Kategorie:Schullehrer