Jaroslawskoje (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Gurjewsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk.
Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) und sieben Kilometer östlich des Dorfs Gurjewsk (Neuhausen).
Geschichte mini|Schönwalde, nordöstlich der Stadt Königsberg, auf einer Landkarte von 1910 Das einstige SchönwaldeOrtsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Schönwalde (bei teilweiser Verwechselung mit Schönwalde, Kreis Bartenstein) wurde am 30. April 1874 namensgebender Ort und Verwaltungssitz des neu errichteten Amtsbezirks Schönwalde.Rolf Jehke, Amtsbezirk Schönwalde Er gehörte bis 1939 zum Landkreis Königsberg (Preußen), von 1939 bis 1945 zum Landkreis Samland, im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1910 lebten in Schönwalde und dem Ortsteil Schönwaldshof (heute nicht mehr existent) 398 Menschen.
Am 30. September 1928 vergrößerte sich die Landgemeinde Schönwalde um den Gutsbezirk Kondehnen (heute russisch: Aistowo), der eingemeindet wurde. Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 518 und betrug 1939 bereits 557.
Nach der Besetzung durch die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Januar 1945 wurde die nördliche Hälfte Ostpreußens und mit ihr Schönwalde von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen. Das Dorf erhielt im Jahr 1947 nach der Herkunft der Neusiedler aus der Oblast Jaroslawl die russische Bezeichnung Jaroslawskoje.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Gurjewsk. Nach dessen Auflösung im Jahr 1954 gelangte der Ort in den Dorfsowjet Kosmodemjanski selski Sowet. Von 2008 bis 2013 gehörte Jaroslawskoje zur Landgemeinde Dobrinskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gurjewsk.
Amtsbezirk Schönwalde (1874–1945) Der Amtsbezirk Schönwalde bestand ursprünglich aus fünf kommunalen Einheiten, am Ende waren es lediglich noch zwei: Name Russischer Name Bemerkungen Landgemeinden: Konradswalde Konstantinowka Schönwalde Jaroslawskoje Waldhöfen Konstantinowka,bis 1993: Uljanowo 1892/1900 nach Konradswalde eingemeindet Gutsbezirke: Kondehnen Aistowo 1928 nach Schönwalde eingemeindet Rachsittenthal Sacharowo 1892 nach Rachsitten im AmtsbezirkBulitten eingegliedert
Am 1. Januar 1945 gehörten nur noch Konradswalde und Schönwalde zum Amtsbezirk Schönwalde.
Jaroslawski selski Sowet 1947–1954 Der Dorfsowjet Jaroslawski selski Sowet (ru. Ярославский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet an den Kosmodemjanski selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung Aistowo (Аистово) Kondehnen 1947 Dobroje (Доброе) Legden 1947 Jaroslawskoje (Ярославское) Schönwalde 1947 Jastrebki (Ястребки) Mantau 1950 Kurgany (Курганы) Wachsnicken 1950 Ljubimowka (Любимовка) Ziegelei Siebeneichenvermutlich 1950 Lomonossowo (Ломоносово) Prawten 1950 Malinniki (Малинники) Spitzings 1950 Matwejewo (Матвеево) Hermannshof 1950 Mendelejewo (Менделеево) Poggenpfuhl 1947 Orechowka (Ореховка) Poduhren 1947 Perwomaiskoje (Первомайское) Kuggen 1950 Poddubnoje (Поддубное) Fürstenwalde 1947 Podolskoje (Подольское) Praßnicken 1950 Prudy (Пруды) Kadgiehnen 1950 Sacharowo (Захарово) Rachsittenthal 1950 Sasanowka (Сазоновка) Sonnigkeim 1947 Snamenka (Знаменка) Bruch 1950 Tscheremchowo (Черемхово) Dossitten 1947 Verkehr Über das Straßennetz ist der Ort zu erreichen über eine Nebenstraße, die von Konstantinowka (Konradswalde) an der russischen Fernstraße A 190 (ehemalige deutsche Reichsstraße 126) über Orechowka (Poduhren) nach Nisowje (Waldau) an der Fernstraße A 229 (frühere deutsche Reichsstraße 1) führt. Innerorts enden zwei Nebenstraßen aus Aistowo (Kondehnen) im Westen bzw. Antonowka (Brasdorf) und Mendelejewo im Osten.
Die nächste Bahnstation ist der O.p. (Ostanowotschny punkt – „Haltepunkt“) Bajewka (Kuikeim, bis 1945 Kuggen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit).
Kirche Kirchengebäude mini|Die Schönwalder Kirche (2015) Die Schönwalder Kirche steht an leicht erhöhter Stelle mitten im Ort und gehört zu den schlichten Sakralbauten im Samland. Das Langhaus wurde chorlos erbaut, der Turm wirkt gedrungen. Baumaterial waren Feld- und Backsteine. Im Jahre 1864 fand eine grundlegende Renovierung des Gotteshauses statt. Von der Kirche sind heute lediglich Ruinenreste erhalten: so der Turm mit geschlossenem Dach sowie niedrige Reste von den Außenmauern des Kirchenschiffs. Eine Nutzung ist nicht möglich.
Kirchengemeinde Die Gründung einer Kirchengemeinde in Schönwalde reicht bis in vorreformatorische Zeit zurück. Die Reformation hielt hier schon früh Einzug. Damals der Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers zugeordnet, war Schönwalde bis 1945 eine Pfarrei im Kirchenkreis Königsberg-Land II (nördlich des Pregel) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Jaroslawskoje im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).
Kirchspielorte (bis 1945) Das Kirchspiel Schönwalde umfasste einen Bezirk mit 16 Orten: Name Russischer Name Name Russischer Name Blöstau Wischnjowka Langendorf Morgunowo Brasdorf Antonowka Lucienhof Bruch Snamenka Molsehnen Kosmodemjanskoje Hüllesheim Poggenpfuhl Mendelejewo Kondehnen Aistowo Schönwalde Jaroslawskoje Konradswalde Konstantinowka Schönwaldshof Kuggen Perwomaiskoje Schugsten (Hundeskrug, Eichenkrug) Kuikeim Bajewka Zur guten Hoffnung
Pfarrer (bis 1945) Von der Reformation bis 1945 amtierten in Schönwalde als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 137 Martin Woymann, 1525 Johann Fuchs, 1543 Adamus Borussus, 1556 Constantin Romitius, 1568 Johann Ascensus, 1572–1574 Gebhard Hanius, 1575–1577 Martin Sommerfeldt, ab 1577 Matthäus Kuntzmann, 1586/1606 Christoph Deutschbein, 1609–1616 Nicolaus Germanus, 1616–1653 Wilhelm Höpner, 1653–1685 Laurentius Fischer, 1685–1726 Melchior Rosener, 1726–1728 Christoph Friedrich Treptau, 1728–1746 Peter Goldbeck, 1746–1770 Valentin Ernst Milo, 1770–1800 Christoph Samuel Domsien, ab 1800 Carl Ferdinand Siegfried Reyländer,1829–1834 Johann Christoph Schurich, 1845–1873 Rudolf Otto Theodor Hass, 1873–1886 Josef Felix Lentz, 1890–1899 Julius Paul Küßner, 1899–1908 Johannes Gerß, 1908–1933 Hans Grämer, 1933–1942 Georg Mudrack, 1942–1945
Kirchenbücher Ein Teil der Kirchenbücher für das Kirchspiel Schönwalde haben den Krieg überstanden und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 105: Taufen: Jahrgänge 1838 bis 1944 (mit Namensverzeichnissen) Bestattungen: Jahrgänge 1844 bis 1944 (ab 1879 bis Namensverzeichnis) Abendmahlsteilnehmer: Jahrgänge 1933 bis 1944
Außerdem liegen gesonderte Namensverzeichnisse vor für: Taufen: Jahrgänge 1800 bis 1939 Trauungen: Jahrgänge 1801 bis 1845 sowie 1837 bis 1944 Bestattungen: Jahrgänge 1900 bis 1933
Schließlich gibt es noch die Kirchhofsbücher für den Alten Friedhof (Jahrgänge 1888 bis 1918) und den Neuen Friedhof (1882 bis 1900) sowie ein Buch mit Bemerkungen zum Alten und Neuen Friedhof (durcheinandergebunden).
Literatur Schönwalde, Dorf, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org). Kondehnen, Gut, Amtsbezirk Schönwalde, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kondehnen und Schönwalde (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 1: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Samlandes. Königsberg 1898, S. 123–125 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 17 (Google Books).
Weblinks Amtsbezirk Schönwalde Territorial.de
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Gurjewsk (Kaliningrad)