Karl Poser, getauft als Ernst Carl Poser, (* 5. Juni 1870 in Limbach; † 19. August 1916 in Leipzig) war ein deutscher Architekt.
Leben und Wirken Karl Poser war ältester Sohn des „geprüften Maurermeisters“ Ernst Friedrich Poser und dessen Ehefrau Anna Laura Poser geborene Harzendorf. Sein Großvater war der Bauunternehmer Christoph Poser. Er heiratete am 7. September 1907 Barbara Wilhelmine Bertha geb. Germann (* 25. Oktober 1865 in Darmstadt); die Ehe blieb kinderlos. Am 19. August 1916 starb Karl Poser an einer „Herzschwäche nach Operation des Blinddarms“.Zitiert nach: Kirchenbücher Limbach, Tauf- und Sterberegister.
Vater und Großvater zeichneten für viele Limbacher Bauprojekte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verantwortlich.Vergl. Listen des Landesdenkmalamtes Sachsen Poser war daher von klein auf mit der Baupraxis vertraut. Wo er seine Ausbildung zum Architekten absolvierte, ist bislang nicht bekannt. Als Architekt verfolgte er sehr genau die jeweils aktuellen technischen und gestalterischen Entwicklungen seiner Zeit, griff sie auf und entwickelte daraus eigene Lösungen. So nutzt er beispielsweise früh die Möglichkeiten der Eisenbeton-Konstruktionen.Vergl. Bauakte Villa Pinkau
Ab 1900 errichtete Poser in Leipzig zahlreiche Geschosswohnungsbauten. Daneben bildete Wurzen einen besonderen Tätigkeitsschwerpunkt: 1902 entstanden hier ein Neubau für die Handelsschule sowie ein Geschäftshaus für die Wurzener Bank. Bis um 1903 arbeitete er in Bürogemeinschaft mit dem Architekten Adalbert Friedrich (Friedrich und Poser, Bureau für Architektur und Bauausführungen) und war danach eigenständig tätig. Er beteiligte sich an zahlreichen Architektenwettbewerben und machte sich darüber hinaus einen Namen durch den geschickten und einfühlsamen Umbau historischer Gebäude, z. B. von Schloss Flößberg bei Borna. 1905 entstand das Gemeindehaus der Michaeliskirche am Nordplatz in Leipzig mit seinem außergewöhnlichen Eingangsportal, 1906–1907 die Villa Pinkau – sein erstes Einfamilienhaus. Nach Möglichkeit entwarf Poser auch die Inneneinrichtung seiner Bauten. Als sein wichtigster Beitrag auf diesem Gebiet kann nach gegenwärtigem Kenntnisstand die Einrichtung des Restaurants „Zur Traube“ aus dem Jahr 1908 gelten, das damals eines der elegantesten Lokale Leipzigs war.Der Profanbau, 4. Jahrgang 1908, Beilage Nr. 2, S. 5.
Von der Kritik wurde vor allem sein seine Fähigkeit gelobt, konventionellen Bauaufgaben „originelle“ gestalterische Seiten abzugewinnen.Der Profanbau, 2. Jahrgang 1906, S. 7 f. Poser vermied typische Gliederungselemente wie Säulen, Pilaster oder stark hervortretende Gesimse. Manche seiner Fassaden erscheinen zunächst fast flächig, erweisen sich dann aber als plastisch sorgfältig durchgebildet. Er setzte auf eine einfache, klare Gliederung, sparsame Ornamentik und ungewöhnliche Motiv-Kombinationen.
Gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts wandelte sich sein Stil deutlich: Unter dem Einfluss der aufkommenden Reformarchitektur bzw. Heimatschutzarchitektur treten die dekorativen und bauplastischen Elemente weiter zurück zugunsten „sachlicher“, zweckmäßiger Bauformen und verschwinden schließlich ganz. Dieser Entwicklung entspricht auch seine Berufung in den 1907 gegründeten Deutschen Werkbund. Er war zu dieser Zeit an Planungen für größere Wohnanlagen und Gartenstadtsiedlungen (u. a. Leipzig-Marienbrunn) beteiligt. Seine Fähigkeit zur „malerischen“Der Profanbau, 4. Jahrgang 1908, S. 51 f. Organisation komplexer Gebäudeanlagen kam Poser bei Großprojekten, wie dem Bezirksstift Auerbach (1908–1910) oder dem Krankenhaus in Rabenstein bei Chemnitz (1912–1913) zugute. Diese späten Bauten waren immer noch sorgfältig durchgebildet, doch der originelle, baukünstlerische Zug fehlte nun.Diese Darstellung folgt der Publikation von Wolf von Waldow.
Nach 1910 beeinflusste ihn auch der aufkommende Neoklassizismus. Prägnantestes Beispiel dafür ist die Ausstellungshalle für hygienische Baueinrichtungen auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913. Am einzigen Leipziger Bau, mit dem sein Name populär verbunden wird, dem „Runde Ecke“ genannten ehemaligen Verwaltungsgebäude der Feuerversicherungsanstalt am Thomasring, war er wahrscheinlich nur für die technische Konstruktion im Auftrag von Hugo Licht verantwortlich, nicht aber für den Entwurf.Lebenserinnerungen des Anwalts Rudolf Mothes. lib-ebook.com
Für 1908 ist die Atelier- bzw. Wohnadresse Äußere Hallesche Straße 7 in Leipzig-Gohlis durch ein Mitgliederverzeichnis der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig überliefert,Mitgliederverzeichnis. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Leipzig, 1908; . für 1913 die Adresse Burgstraße 26.Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbundes 1913
Poser war Mitglied im Bund Deutscher Architekten.
Werk Bauten und Entwürfe 1902: Mehrfamilienwohnhaus Kochstraße 31 in Leipzig (unter Denkmalschutz)zeitgenössische Abbildung des Hauses Kochstraße 31. elke-rehder.de; abgerufen am 23. August 2012. bosold-ingenieure.de; abgerufen am 23. August 2012. 1902: Gebäude der Wurzener Bank in Wurzenzeitgenössische Abbildung des Gebäudes. elke-rehder.de; abgerufen am 23. August 2012.Der Profanbau, 1. Jahrgang 1905, Nr. 15, S. 239–242. 1905: Umgestaltung der Stadtkirche in Auerbach im VogtlandNeue Sächsische Kirchengalerie. 1. Band: Die Ephorie Auerbach nebst einem Bericht über die Schulverhältnisse im Inspektionsbezirk Auerbach. Leipzig 1905, Sp. 24 f.; (PDF; 5 MB) rororo-selb.de, Sp. 19–50. 1905: Wohnhaus Salzmannstraße 11 in Leipzig-Eutritzsch (ursprünglich Turnerstraße 11; verändert)Der Profanbau, 2. Jahrgang 1906, Heft 1, S. 7 f. 1905: Umbau des Wohn- und Geschäftshauses Schreiber in Wurzen, Markt 8 (verändert)Der Profanbau, 2. Jahrgang 1906, Heft 1, S. 9. um 1906: Gestaltung eines Torbogens am Gebäude des Musikverlags F. C. Peters in Leipzig, Talstraße 10Edvard Grieg – Gedenk- und Begegnungsstätte Leipzig. In: Sächsische Immobilienzeitung, 6. Mai 2009; abgerufen am 22. August 2018. 1905: Pastorat der Michaeliskirche in Leipzig, Nordplatz 4Angabe am Portal 1905: Wettbewerbsentwurf für ein Wohn- und Geschäftshaus am Naschmarkt in LeipzigDer Profanbau, 2. Jahrgang 1906, Heft 2, S. 61–63. 1906–1907: Wohnhaus für Emil Pinkau in Leipzig, Springerstraße 8 (heute Sitz der Ländernotarkasse)Bauakte 1906–1908: Umbau von Schloss Flößberg bei BornaMatthias Donath: Schlösser in Leipzig und Umgebung. Meißen 2013, S. 136 f. 1908: Bank- und Wohnhaus in Oschatz, Promenade 12Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen 1908: Gebäude Kurt-Eisner-Straße 42 in Leipzig (ursprünglich Kronprinzenstraße 42)Der Profanbau, 4. Jahrgang 1908, S. 51 f. 1908: Einrichtung des Restaurants „Zur Traube“ im Weinhaus Bodenstein in Leipzig, Markgrafenstraße 10 (nicht erhalten)Der Profanbau, 4. Jahrgang 1908, Beilage Nr. 2, S. 5. 1908–1910?: Bezirksstift der Amtshauptmannschaft Auerbach in Obergöltzsch bei Rodewisch, Stiftstraße 10 (heute Klinikum Obergöltzsch Rodewisch, durch Umbauten und Erweiterungen völlig entstellt)Neudeutsche Bauzeitung, 1913, 9. Jahrgang, S. 365. 1909: Wohnhaus mit Atelier für den Bildhauer Adolf Lehnert in Markkleeberg, Mozartstraße 1Andreas Höhn: Bismarcklehnert aus der Mozartstraße. Zum 150. Geburtstag des Bildhauers. In: Markkleeberger Stadtnachrichten, 8/2012, S. 11; 1910?: Herrenhaus auf Rittergut Biesen, Eilenburger Chaussee 8 in Rackwitz-Zschortau (evtl. als Umbau eines älteren Gebäudes; heute stark verändert)Matthias Donath: Schlösser und Herrenhäuser in Nordsachsen. Edition Sächsische Zeitung, 2014, S. 31. 1911: Um- und Ausbau des Wohnhauses Moschelesstraße 13 in Leipzig (Ursprungsbau 1887/1888 nach Entwurf von Ernst Riedel zeitgleich mit dem Nachbarhaus Moschelesstraße 11 errichtet; unter Denkmalschutz)Prospekt zum Haus Moschelesstraße 13 der Deutschen Gesellschaft für Grundbesitz AG 1911–1913: Verwaltungsgebäude der Leipziger Feuerversicherungs-AG in Leipzig, Thomasring (gemeinsam mit Hugo Licht sowie Georg Weidenbach und Richard Tschammer; heute mit Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“) 1911: Wettbewerbsentwurf für die Internationale Baufach-Ausstellung Leipzig 1913 (prämiert mit dem 3. Preis) 1912–1913: Wohnungsbauten in der Gartenvorstadt Marienbrunn in Leipzig, u. a. Triftweg 15–23 1912–1913: Bezirkskrankenhaus der Amtshauptmannschaft Chemnitz in Rabenstein bei Chemnitz, Unritzstraße 23 (heute „Haupthaus“ des DRK-Krankenhauses Chemnitz-Rabenstein; unter Denkmalschutz)Neudeutsche Bauzeitung, 9. Jahrgang 1913, S. 365.vgl. Liste der Kulturdenkmale in Chemnitz-Rabenstein 1912 (evtl. ab 1909): Neues Rathaus in Regis-BreitingenNeudeutsche Bauzeitung, 9. Jahrgang 1913, S. 393. 1913: Ausstellungsgebäude Halle für hygienische Baueinrichtungen auf der Internationalen Baufach-Ausstellung Leipzig 1913 (Innenarchitektur des Empfangsraums von Friedrich Voggenberger; nicht erhalten)Internationale Baufach-Ausstellung mit Nebenausstellungen Leipzig 1913 (Bauten-Übersicht). kmkbuecholdt.de; abgerufen am 11. Oktober 2019. 1913: Villa Lenk, Wohnhaus auf einem Felsvorsprung für den Besitzer der Streichgarnspinnerei in Rodewisch im Vogtland, Bachstraße 95 1914: Wohnanlage Emil-Schubert-Straße 17–37 in LeipzigDenkmalliste des Amtes für Denkmalpflege Leipzig
Grabdenkmale Grabmal G. Koehler in GreizZeitgenössische Publikation des Grabmals Koehler im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin, abgerufen am 23. August 2012 um 1908: Grabmal für die Familie des Bildhauers Adolf Lehnert auf dem Südfriedhof in Leipzigzeitgenössische Publikation des Grabmals Lehnert im Bestand des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin; abgerufen am 23. August 2012, abgerufen am 23. August 2012 Paul-Benndorf-Gesellschaft; abgerufen am 23. August 2012.
Literatur Wolf von Waldow: Leipzig, Springerstraße 8. Eine Spurensuche. In: 25 Jahre freiberufliches Notariat in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt. Otto Schmidt Verlag, Köln 2015, ISBN 978-3-504-06222-4.
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Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Leipzig) Kategorie:Mitglied des Deutschen Werkbundes Kategorie:Mitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Mann