Der Große Preis von Italien 1978 (offiziell XLIX Gran Premio d’Italia) fand am 10. September auf dem Autodromo Nazionale di Monza in Monza statt und war das 14. Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1978.
Berichte mini|links|hochkant=1.3|Der Arrows A1 von Riccardo Patrese mini|links|hochkant=1.3|Der gestrippte Wolf WR5 von Jody Scheckter Hintergrund Als die Teams zum letzten Europarennen der Saison nach Monza anreisten, war die Weltmeisterschaft quasi bereits zugunsten von Mario Andretti entschieden, da der einzig verbliebene Pilot, der ihm rechnerisch noch die WM-Führung hätte streitig machen können, sein Teamkollege Ronnie Peterson war. Dieser hatte ihm jedoch vertraglich seine Unterstützung zugesichert und sich während der vorangegangenen Rennen auch strikt daran gehalten.
Aufgrund von Beinbrüchen, die er sich bei Testfahrten für das ATS Racing Team in Silverstone zugezogen hatte, konnte Jochen Mass die Saison nicht beenden. Stattdessen nahm Michael Bleekemolen, der bereits beim Großen Preis der Niederlande zwei Wochen zuvor als Gaststarter für das Team angetreten war, seinen Platz ein. Nachdem Harald Ertl freitags im Ensign an der Vorqualifikation gescheitert war, durfte er das reguläre Training am Steuer des zweiten ATS HS1 absolvieren.
Beim Team Surtees wurde der nach wie vor verletzte Rupert Keegan von dem einheimischen Debütanten Carlo Franchi vertreten. Dessen Landsmann Alberto Colombo nahm in einem zweiten Merzario A1 am Rennwochenende teil.
Alan Jones bestritt seinen 50. Grand Prix.
Mit Peterson (dreimal), Clay Regazzoni (zweimal), Andretti und Emerson Fittipaldi (jeweils einmal) traten vier ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Das Training wurde ausnahmsweise nicht von Lotus völlig dominiert. Dennoch erreichte Andretti seine siebte Pole-Position der Saison. Gilles Villeneuve folgte vor Jean-Pierre Jabouille und Niki Lauda. Peterson teilte sich die dritte Startreihe mit Jones. John Watson, Jacques Laffite, Jody Scheckter und James Hunt komplettierten die Top Ten. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 17. August 2012)
mini|Gimax (Carlo Franchi) versuchte sich erfolglos zu qualifizieren. Er war der letzte Fahrer, der unter einem Pseudonym an einem Formel-1-Weltmeisterschaftsrennen teilnahm. Nur die 24 schnellsten der 31 anwesenden Piloten wurden für das Rennen zugelassen.
mini|Der Moment des fatalen Unfalls von Ronnie Peterson mini|Die Unfallstelle, nachdem die Flammen gelöscht waren
Rennen Da Peterson mit dem Lotus 79 aufgrund eines Bremsdefekts am Sonntagvormittag im Warm-up verunglückte, musste er das Rennen mit dem Vorjahreswagen des Typs Lotus 78 aufnehmen.
Der Starter Gianni Restelli gab das Rennen bereits frei, als die Piloten auf den hinteren Rängen noch zu ihren Startpositionen rollten. Während also die ersten Startreihen regulär aus dem Stand anfahren mussten, hatten die nachfolgenden Fahrer einen Beschleunigungsvorteil. Dies führte zu einem sehr kompakten Feld. Da zudem die Startgerade in Monza ungewöhnlich breit war, kam es zu gewagten Manövern, die sich am Ende dieser Geraden, wo sich die Strecke vor der ersten Schikane massiv verjüngte, als Fehler herausstellten.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 206
Villeneuve erreichte als Erster die Schikane vor Andretti und Lauda. Jabouille folgte vor Jones, Watson, Laffite, Scheckter, Peterson und Hunt. Riccardo Patrese befand sich im dichten Getümmel auf der falschen Seite der Strecke und musste, um die Schikane anbremsen zu können, nach innen ziehen. Dort gewährte ihm jedoch Hunt nicht den nötigen Raum, was zur Kollision der beiden führte. Petersons Lotus wurde daraufhin nach einer Berührung mit Hunts Wagen in die Leitplanken geschleudert, prallte zurück auf die Strecke und ging in Flammen auf. In die folgende Massenkollision wurden die beiden Shadow-Piloten Regazzoni und Hans-Joachim Stuck, die Tyrrell-Werksfahrer Didier Pironi und Patrick Depailler, sowie Vittorio Brambilla, Derek Daly und Brett Lunger verwickelt, die allesamt keine Chance hatten, auszuweichen. Durch die Luft fliegende Trümmerteile trafen Stuck am Helm. Brambilla wurde gar von einem abgerissenen Rad getroffen und schwer verletzt. Hunt, Depailler und Regazzoni zogen Peterson, der bei vollem Bewusstsein war, aus seinem brennenden Wagen. Notärzte trafen erst einige Minuten später am Unfallort ein. Mit schweren Beinbrüchen wurde Peterson zusammen mit Brambilla in ein Krankenhaus nach Mailand transportiert. Das Rennen war inzwischen mit der roten Flagge abgebrochen worden.
Als die 19 verbliebenen Fahrer, die aufgrund zu starker Beschädigungen an ihren Einsatzfahrzeugen zum Teil in ihre T-Cars umsteigen mussten, die Einführungsrunde zum Neustart absolvierten, verlor Scheckter in einer der beiden Lesmo-Kurven ein Rad und schlug heftig in die Streckenbegrenzung ein. Andretti, Hunt, Lauda, Reutemann und Fittipaldi besichtigten daraufhin die Unfallstelle und weigerten sich zu starten, sofern die Leitplanken nicht repariert würden. Durch die erforderlichen Reparaturarbeiten verzögerte sich der Neustart auf kurz vor 18 Uhr.
Villeneuve und Andretti gingen mit einem Frühstart in das neugestartete Rennen. In der 35. Runde des auf 40 Umläufe verkürzten Rennens übernahm Andretti die Führung, da Villeneuve mit schlechter werdenden Bremsen und Reifen zu kämpfen hatte. Nachdem Jabouille aufgrund eines Motorschadens ausgeschieden war, nahm Lauda den dritten Platz ein. Watson belegte den vierten Rang vor Reutemann, Laffite und Patrick Tambay. Dieser Zieleinlauf blieb jedoch nicht bestehen, da die Frühstarts von Andretti und Villeneuve im Nachhinein mit einer Zeitstrafe geahndet wurden, was die beiden auf die Plätze sechs und sieben zurückwarf. Lauda wurde somit zum Sieger erklärt.
Nach dem Rennen Aufgrund der Tatsache, dass Peterson im Krankenhaus lag, fanden trotz des gewonnenen Weltmeistertitels keinerlei Siegesfeierlichkeiten bei Lotus statt. Die Nachricht, dass er keine ernsthaften Verbrennungen erlitten habe und seine Beinverletzungen nicht lebensgefährlich seien, sorgte immerhin für Erleichterung.
Während einer Operation in der Nacht zum Montag kam es jedoch zu Komplikationen. Peterson fiel ins Koma und starb schließlich überraschend. Andretti erfuhr dies, als er seinen Kollegen im Krankenhaus besuchen wollte.
Patrese wurde als Auslöser der Katastrophe angesehen. Einige Jahre später entschied ein Gericht auf Basis von Videoaufzeichnungen, dass es vielmehr Hunt war.60 Jahre Formel 1, Michael Schmidt, Motorbuch Verlag: Stuttgart, ISBN 978-3-613-03127-2, S. 106–107
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Brabham BT46 Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 2 3 Tyrrell 008 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Lotus 79 6 Peterson verunglückte im Warm-up mit dem Lotus 79 und startete daraufhin mit dem Lotus 78 ins Rennen. Lotus 79 Lotus 78 7 McLaren M26 8 33 9 ATS HS1 10 Ertl war an diesem Wochenende sowohl für das Team Sachs Racing als auch für ATS gemeldet. 11 Ferrari 312T3 Ferrari 015 3.0 F12 12 14 Fittipaldi F5A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 15 Renault RS01 Renault EF1 1.5 V6t 16 Shadow DN9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 18 Surtees TS20 19 20 Wolf WR5 22 Ensign N177 Sachs Racing 23 25 Lotus 78 26 Ligier JS9 Matra MS78 3.0 V12 27 Williams FW06 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 29 McLaren M23 30 McLaren M26 32 Wolf WR3 35 Arrows A1 36 37 Merzario A1 38 Anmerkungen
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:37,520 214,110 km/h 1 2 1:37,866 213,353 km/h 2 3 1:37,930 213,214 km/h 3 4 1:38,215 212,595 km/h 4 5 1:38,256 212,506 km/h 5 6 1:38,271 212,474 km/h 6 7 1:38,610 211,743 km/h 7 8 1:38,917 211,086 km/h 8 9 1:38,937 211,043 km/h 9 10 1:38,938 211,041 km/h 10 11 1:38,959 210,996 km/h 11 12 1:39,179 210,528 km/h 12 13 1:39,421 210,016 km/h 13 14 1:39,531 209,784 km/h 14 15 1:39,621 209,594 km/h 15 16 1:39,630 209,575 km/h 16 17 1:39,701 209,426 km/h 17 18 1:40,075 208,644 km/h 18 19 1:40,163 208,460 km/h 19 20 1:40,199 208,385 km/h 20 21 1:40,302 208,171 km/h 21 22 1:40,702 207,344 km/h 22 23 1:40,805 207,133 km/h 23 24 1:40,846 207,048 km/h 24 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 24 Wagen begrenzt war, scheiterten Rebaque, Ertl, Bleekemolen und Franchi an der Qualifikation. 1:41,063 206,604 km/h – DNQ Ertl bestritt die Vorqualifikation für das Team Sachs Racing und das reguläre Training für ATS. 1:41,185 206,355 km/h – DNQ 1:41,408 205,901 km/h – DNQ 1:41,677 205,356 km/h – DNPQ Ertl, Rosberg, Stommelen und Colombo scheiterten an der Vorqualifikation. 1:40,27Während der Vorqualifikation wurden keine Tausendstelsekunden gemessen. 208,238 km/h – DNPQ 1:40,75 207,246 km/h – DNPQ 1:40,93 206,876 km/h – DNPQ 1:42,55 203,608 km/h – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 40 0 1:07:04,54 4 1:39,06 2 40 0 + 1,48 7 1:38,77 3 40 0 + 20,47 11 1:39,89 4 40 0 + 37,53 8 1:39,66 5 40 0 + 40,39 19 1:40,26 6 Andretti und Villeneuve erhielten nachträglich eine Zeitstrafe wegen eines Frühstarts. 40 0 + 46,33 1 1:38,230 (33.) 7 40 0 + 48,48 2 1:38,99 8 40 0 + 55,24 13 1:39,70 9 40 0 + 1:06,83 24 1:39,98 10 40 0 + 1:09,11 18 1:41,11 11 40 0 + 1:16,57 16 1:40,60 12 39 0 + 1 Runde 9 1:41,25 13 39 0 + 1 Runde 6 1:39,35 14 39 0 + 1 Runde 20 1:40,67 – 33 0 NC 15 1:41,25 – 28 0 DNF 12 1:40,03 – 19 0 DNF 10 1:40,86 – 14 0 DNF 22 1:42,96 – 6 0 DNF 3 1:40,67 – 0 0 DNF 5 – – 0 0 DNF 14 – – 0 0 DNF 17 – – 0 0 DNF 21 – – 0 0 DNF 23 – Anmerkungen
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Lotus-Ford 64 2Lotus-Ford 513Brabham-Alfa Romeo 444Ferrari 355Tyrrell-Ford 326Brabham-Alfa Romeo 25 7 Ligier-Matra 19 8 Fittipaldi-Ford 15 9Wolf-Ford 1410Arrows-Ford 811McLaren-Ford 8 12 Ferrari 813Tyrrell-Ford 715McLaren-Ford 7 14Williams-Ford 516Shadow-Ford 417Shadow-Ford 218Surtees-Ford 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte19Lotus-Ford 120ATS-Ford 0 21McLaren-Ford 022McLaren-Ford 023ATS-Ford 0 24Arrows-Ford 025Ensign-Ford / McLaren-Ford 026Martini-Ford 027Renault 0 28Theodore-Ford / ATS-Ford / Wolf-Ford 029Ensign-Ford 030Surtees-Ford 031Ensign-Ford 032Ensign-Ford 0 –Ensign-Ford 0–Ensign-Ford 0–Merzario-Ford 0–Hesketh-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 862 533 40 4 365 196 157 148 14 9 810 6 Pos. Konstrukteur Punkte11 512 113 0 14 015 016 017 0– 0– 0
Weblinks
Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
Einzelnachweise
#1978 Italien Kategorie:Sportveranstaltung in Monza Kategorie:Autodromo Nazionale di Monza