Der Große Preis von Österreich 1978 (offiziell XVI Großer Preis von Österreich) fand am 13. August auf dem Österreichring in der Nähe von Zeltweg statt und war das zwölfte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1978.

Berichte Hintergrund Kurz vor dem zwölften WM-Lauf der Saison in Spielberg bestätigte ein Gericht, dass das Team Arrows mit dem Bau des FA1 die Urheberrechte des Klägers Shadow verletzt habe und dass das Fahrzeug demnach nicht mehr eingesetzt werden dürfe. Da man bei Arrows mit diesem Urteil gerechnet hatte, stand rechtzeitig zum Österreich-GP das neue Modell A1 zur Verfügung, das man zwischenzeitlich entwickelt hatte. Bereits seit Beginn der Saison war aufgrund der Ähnlichkeit zwischen dem FA1 und dem Shadow DN9 spekuliert worden, dass möglicherweise ehemalige Shadow-Mitarbeiter wie Jackie Oliver, Alan Rees oder Tony Southgate kurz vor ihrem Ausstieg illegal die Baupläne des neuen Rennwagens kopiert und mitgenommen haben könnten, um dann auf dieser Basis ihr neues Team zu gründen.

Nelson Piquet, der beim Großen Preis von Deutschland sein Grand-Prix-Debüt bei Ensign Racing gegeben hatte, wechselte ins Privatteam BS Fabrications, wo man einen M23 als zweiten Wagen neben dem McLaren M26 für Brett Lunger einsetzte. Piquets Platz im zweiten Werks-Ensign wurde daraufhin an den inzwischen als Stammfahrer verpflichteten Derek Daly zurückgegeben.

Anstelle von Jean-Pierre Jarier, der das ATS Racing Team nach kurzer Rückkehr bereits wieder verlassen hatte, durfte Hans Binder seinen Heim-Grand-Prix für das deutsche Team absolvieren.

In der Fahrerwertung führte Mario Andretti mit 18 Punkten vor Ronnie Peterson und mit 23 Punkten vor Carlos Reutemann. In der Konstrukteurswertung führte Lotus mit 27 Punkten vor Brabham und mit 36 Punkten vor Ferrari.

Mit Vittorio Brambilla, Emerson Fittipaldi, Alan Jones, Peterson, Reutemann und John Watson (jeweils einmal) traten sechs ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Als einziger der acht Piloten, die an der Vorqualifikation teilnehmen mussten, scheiterte Rolf Stommelen, an dessen neuem Arrows A1 technische Probleme auftraten.

Für die Fachwelt wenig überraschend setzte sich die erste Startreihe aus den beiden Lotus 79 zusammen, wobei Peterson erneut minimal schneller war als sein Teamkollege Andretti. Jean-Pierre Jabouille erreichte mit dem deutlich weiterentwickelten Renault RS01 den dritten Startplatz neben Reutemann im Ferrari 312T3. Die dritte Startreihe setzte sich aus Jacques Laffite und Fittipaldi zusammen.

Rennen Bei regnerischen Bedingungen ging Peterson in Führung, während Andretti hinter Reutemann zurückfiel. Den vierten Platz nahm Jody Scheckter vor Laffite, Fittipaldi und James Hunt ein. Bei einem Überholversuch während der ersten Runde berührten sich die Wagen von Andretti und Reutemann, woraufhin der in der Weltmeisterschaft führende US-Amerikaner in die Leitplanken prallte und ausschied. Reutemann verlor seinen zweiten Platz an Scheckter.

Als es in der vierten Runde deutlich stärker zu regnen begann, rutschte Scheckter von der Strecke und kollidierte mit dem dort abgestellten Lotus von Andretti. Kurz nachdem auch Reutemann und Jabouille sich aufgrund von Aquaplaning gedreht hatten, wurde das Rennen aus Sicherheitsgründen mit der roten Flagge unterbrochen.

Bei nachlassendem Regen wurde eine neue Startaufstellung gebildet, die der Reihenfolge zum Zeitpunkt des Rennabbruchs entsprach. Demzufolge startete Peterson vor Patrick Depailler, Watson und Laffite, während Reutemann und Jabouille sich in der Mitte des Feldes einreihen mussten.

Während Depailler ein guter Restart gelang, kam Watson nur schlecht von der Stelle, was infolge einer Kettenreaktion zu einer Kollision zwischen Riccardo Patrese und Harald Ertl führte, wodurch beide ausschieden. In derselben Runde kam es außerdem zu einer Kollision zwischen Daly und Hunt, der ein Dreher von Jones vorausgegangen war. Am Ende der ersten Runde nach dem Neustart lag Peterson vor Patrick Depailler, Niki Lauda und Laffite.

Peterson führte das Rennen weiterhin an, während die Strecke abtrocknete. Reutemann, der in der Zwischenzeit einige Plätze gutgemacht hatte, übernahm in Runde 19 die Führung, indem er auf Regenreifen weiterfuhr, während einige Kontrahenten Boxenstopps einlegten, um auf Slicks zu wechseln. Aus dem gleichen Grund gelang es dem ursprünglich vom 12. Platz aus gestarteten Gilles Villeneuve, Reutemanns Spitzenposition zu einer Ferrari-Doppelführung auszubauen. Im 23. Umlauf übernahm er schließlich sogar die Spitze von seinem Teamkollegen.

Als die Ferrari-Piloten schließlich ebenfalls auf Slicks umstiegen, übernahm Peterson wieder den Spitzenplatz und verteidigte ihn bis ins Ziel. Hans-Joachim Stuck lag bis zu seinem Ausscheiden durch einen Unfall auf dem vierten Rang. Danach übernahm Daly diesen Platz, drehte sich jedoch ebenfalls von der Strecke. Er konnte das Rennen zwar fortsetzten, nachdem ihn Streckenposten aus dem Kiesbett geschoben hatten, wurde wegen dieser damals unerlaubten Inanspruchnahme fremder Hilfe allerdings disqualifiziert. Dadurch gelangte Fittipaldi auf den vierten Rang vor Laffite und Brambilla, der sich somit seinen ersten Punkt in der laufenden Saison sicherte.

Durch seinen Sieg lag Peterson in der WM-Wertung nur noch neun Punkte hinter seinem Teamkollegen Andretti. Aufgrund seines vertraglich geregelten Nummer-Zwei-Status durfte er diesem jedoch ohnehin den Titel nicht streitig machen.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Brabham BT46 Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 2 3 Tyrrell 008 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Lotus 79 6 7 McLaren M26 8 9 ATS HS1 10 11 Ferrari 312T3 Ferrari 015 3.0 F12 12 14 Fittipaldi F5A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 15 Renault RS01 Renault EF1 1.5 V6t 16 Shadow DN9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 18 Henton steuerte den Surtees TS20 mit der Startnummer 18 nur während des Trainings am Samstag, erzielte jedoch keine gewertete Rundenzeit. Surtees TS20 19 20 Wolf WR5 22 Ensign N177 Sachs Racing 23 25 Lotus 78 26 Ligier JS9 Matra MS78 3.0 V12 27 Williams FW06 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 29 McLaren M23 30 McLaren M26 31 Martini MK23 32 Wolf WR3 35 Arrows A1 36 37 Merzario A1 Anmerkungen

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:37,71 218,925 km/h 1 2 1:37,76 218,813 km/h 2 3 1:38,32 217,567 km/h 3 4 1:38,50 217,170 km/h 4 5 1:38,71 216,708 km/h 5 6 1:38,77 216,576 km/h 6 7 1:38,85 216,401 km/h 7 8 1:39,10 215,855 km/h 8 9 1:39,23 215,572 km/h 9 10 1:39,35 215,312 km/h 10 11 1:39,40 215,203 km/h 11 12 1:39,49 215,009 km/h 12 13 1:39,51 214,965 km/h 13 14 1:39,59 214,793 km/h 14 15 1:39,81 214,319 km/h 15 16 1:40,11 213,677 km/h 16 17 1:40,80 212,214 km/h 17 18 1:40,84 212,130 km/h 18 19 1:41,02 211,752 km/h 19 20 1:41,15 211,480 km/h 20 21 1:41,16 211,459 km/h 21 22 1:41,42 210,917 km/h 22 23 1:41,58 210,585 km/h 23 24 1:41,60 210,543 km/h 24 25 1:41,72 210,295 km/h 25 26 1:41,84 210,047 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Merzario, Mass, Keegan und Binder an der Qualifikation. 1:41,85 210,027 km/h – DNQ 1:42,47 208,756 km/h – DNQ 1:43,06 207,561 km/h – DNQ 1:44,46 204,779 km/h – DNPQ Stommelen scheiterte an der Vorqualifikation. 1:44,88 203,959 km/h Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 54 ? 1:41:21,57 1 1:43,12 (53.) 2 54 ? + 47,44 13 3 54 ? + 1:39,76 11 4 53 ? + 1 Runde 6 5 53 ? + 1 Runde 5 6 53 ? + 1 Runde 21 7 53 ? + 1 Runde 10 8 52 ? + 2 Runden 17 9 52 ? + 2 Runden 26– 50 ? NC 22– 49 ? NC 25– 40 ? DNF 14– 33 ? DNF 23– 31 ? DNF 3– 28 ? DNF 12– 20 ? DNF 9– 8 ? DNF 8– 7 ? DNF 15– 6 ? DNF 24– 6 ? DNF 16– 3 ? DNF 7– 2 ? DNF 20– 1 ? DNF 18– 0 ? DNF 2–DSQ Daly und Reutemann erhielten unerlaubte Hilfe von Streckenposten und wurden daher während des Rennens disqualifiziert. 43 ? – 19DSQ 27 ? – 4 Anmerkungen

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Lotus-Ford 54 2Lotus-Ford 453Tyrrell-Ford 324Brabham-Alfa Romeo 315Ferrari 316Brabham-Alfa Romeo 16 7 Ligier-Matra 16 8Wolf-Ford 14 9 Fittipaldi-Ford 1310Arrows-Ford 811McLaren-Ford 8 12 Ferrari 713Tyrrell-Ford 7 14Williams-Ford 515McLaren-Ford 516Shadow-Ford 417Shadow-Ford 218Surtees-Ford 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte19Lotus-Ford 120ATS-Ford 0 21McLaren-Ford 022McLaren-Ford 023ATS-Ford 0 24Arrows-Ford 025Martini-Ford 026Renault 0 27Theodore-Ford / ATS-Ford / Wolf-Ford 028Surtees-Ford 029Ensign-Ford 030Ensign-Ford 0 –Ensign-Ford 0–Ensign-Ford 0–Merzario-Ford 0–Hesketh-Ford 0–Ensign-Ford 0–Ensign-Ford / McLaren-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 762 40 3 364 355 166 147 138 12 9 810 6 Pos. Konstrukteur Punkte11 512 113 0 14 015 016 017 0– 0– 0 Einzelnachweise

Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

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