mini|Turm der Malstatter Josefskirche von der St.-Josef-Straße aus mini|Seitenansicht vom Kirchbergweg auf der historischen Malstatt mini|Seitenansicht aus der Blickachse der Lebacher Straße vom oberen Malstatt aus mit Oberleitungsmasten der Saarbahn mini|Der heilige Josef mit dem Jesuskind, Stele vor der Kirche Die Kirche St. Josef ist eine katholische Pfarrkirche in Malstatt, einem Stadtteil der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Kirchenpatron ist der heilige Josef. Patroziniumstag ist das kirchliche Hochfest des Gedenktages des heiligen Josef von Nazaret am 19. März. In der Denkmalliste des Saarlandes ist die im Stil der Neofrühgotik errichtete Kirche mit dem zugehörigen Pfarrhaus als Einzeldenkmal aufgeführt.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landeshauptstadt Saarbrücken (PDF; 638 kB), abgerufen am 17. August 2012. Zusammen mit der St. Johanner Michaelskirche, der St. Ingberter Josefskirche sowie dem Dillinger Saardom zählt die Malstatter Josefskirche zur Gruppe der größten Sakralbauten des Saarlandes. Seit dem schweren Bombenangriff auf Saarbrücken vom 4. Oktober 1944, bei dem das Malstatter Sakralgebäude stark beschädigt wurde, fehlt der Kirche der ursprünglich hohe Turmhelm des damals höchsten Kirchturmes des Saarlandes. Die Josefskirche gehört seit dem 1. September 2011 zusammen mit St. Marien in Rußhütte und St. Albert auf dem Malstatter Rodenhof zur „Pfarreiengemeinschaft Saarbrücken-Malstatt“ im Bistum Trier.
Vorgeschichte mini|Portalansicht der Turmfassade mini|Prozession mit Bischof Michael Felix Korum zur Kirche am Tag der Kirchweihe, 10. Mai 1911
Mittelalter mini|Benediktinerinnenkloster St. Peter, Metz, Eigentümer des Malstatter Kirchenpatronates Malstatt wurde im Jahr 960 zum ersten Mal in einer in Köln ausgestellten UrkundeEvangelisches Pfarramt Malstatt (Hrsg.): Tausend Jahre Kirche in Malstatt 960–1960. Saarbrücken 1960, S. 3. König Ottos I. hinsichtlich seiner Dorfkirche (Ecclesia de Mathalstatt) erwähnt, die sich im Besitz des Metzer Benediktinerinnen-Klosters Sankt Peter auf der Zitadelle/St. Peter zu den Nonnen befand. Die Malstatter Dorfkirche lag allerdings im Gebiet des trierischen Dekanates Merzig. In einer Urkunde Ottos II. aus dem Jahr 977 wird Dudweiler als Filialkapelle von Malstatt genannt.Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Saarbrücken. 2. Auflage, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Düsseldorf 1932, Saarbrücken 1975, S. 58.Heinrich Kuhn: 1000 Jahre Malstatt, Die drei Kaiserurkunden von 960, 977 und 993 für die Abtei St. Peter in Metz. In: Saarbrücker Hefte. 11/1960, S. 32–45.
Die Malstatter Pfarrerbestellung geschah im Wechsel zwischen dem Metzer St. Peterskloster und den Saarbrücker Grafen, die allerdings im Jahr 1561 das Patronat und den Zehnten vollständig aufkauften. Damit hatten die Saarbrücker Grafen das alleinige Besetzungsrecht der Pfarrei.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 122.Albert Rosenkranz (Hrsg.): Das Evangelische Rheinland, Ein rheinisches Gemeinde- und Pfarrbuch, Teil I, Die Gemeinden. Düsseldorf 1956.Wilhelm Engel (Hrsg.): 375 Jahre Evangelische Kirche an der Saar, 1575–1950. Saarbrücken 1950, S. 68.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2. Nachdruck der 2. Aufl. von 1914, St. Ingbert 1979, S. 166. Kirchlich gesehen blieb Malstatt bis zur Reformation südlichste Grenzspitze des Erzbistums Trier und war an drei Seiten seines Bannes vom Bistum Metz umgeben. Anders als die NachbargemeindenSt. Johann, Saarbrücken, Gersweiler, Sulzbach, Güdingen, Bübingen und Fechingen war Malstatt nie in Abhängigkeit vom Stift Sankt Arnual geraten. Der Verkauf der Patronatsrechte Malstatts durch das Metzer Kloster an das Haus Nassau-Saarbrücken steht im Zusammenhang mit der Besetzung der Trois-Évêchés (deutsch: ‚Drei Bistümer‘), der Fürstbistümer (Hochstifte) Metz, Toul und Verdun in der Kirchenprovinz Trier im Jahr 1552 durch Frankreich unter dessen König Heinrich II. Dabei wurde das alte Metzer Peterskloster profaniert.Heinrich Kuhn: Tausend Jahre Kirche in Malstatt 960–1960. Evangelisches Pfarramt Malstatt, Saarbrücken 1960, S. 5–6.
Reformation und Dreißigjähriger Krieg Im Zuge der Nassauer Reformation im Jahr 1575 musste die Dorfbevölkerung Malstatts aufgrund der Anordnung von Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken zwangsweise zum protestantisch-lutherischen Bekenntnis wechseln. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die alte Malstatter Kirche zerstört.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2. Nachdruck der 2. Auflage von 1914, St. Ingbert 1979, S. 154. Infolge der Kriegswirren war Malstatt derartig geschwächt, dass der Ort in den Jahren 1673–1679 pfarrlich von Dudweiler und anschließend von St. Johann übernommen werden musste. Die alte Malstatter Filiale Gersweiler wurde von Gymnasialrektoren betreut. Erst im Jahr 1738 wurde Malstatt wieder selbständig und erhielt die Zuständigkeit für die umliegenden Ortschaften Burbach, Rußhütte, Großwald, Luisenthal, Neudorf, den Rastpfuhl und die alte Filiale Gersweiler mit Ottenhausen, Klarenthal und Krughütte.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2. Nachdruck der 2. Auflage von 1914, St. Ingbert 1979, S. 203. Malstatt hatte zu dieser Zeit eine Kirche, die auch von den Burbacher Einwohnern mitbenutzt wurde. Die meisten Bewohner waren zu dieser Zeit lutherischer Konfession, wenige waren katholisch (Zuordnung zur katholischen Pfarrei St. Johann) und nur ein Einwohner gehörte zur reformierten Konfession (Zuordnung zur reformierten Pfarrei Saarbrücken).Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2. 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 173–181. Gersweiler (Aschbachkirche) war eine lutherische Filiale der evangelisch-lutherischen Malstatter Pfarrei. Der Pfarrer der Pfarrei St. Johann, die für die wenigen Malstatter Katholiken zuständig war, wurde vom Bischof von Metz besetzt und vom König von Frankreich seit der Zeit der Reunionen besoldet. Die kleine katholische Gemeinde von Malstatt war seit 1680 eine Filiale von St. Johann und gehörte damit zur Diözese Metz.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 122–123. Im Sommer 1793 verbrannten französischer Revolutionstruppen das Inventar der Malstatter Kirche. Im Jahr 1802 kam St. Johann mit seiner größten Filiale Malstatt zum Bistum Trier.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 123.
Preußische Übernahme und Rekatholisierung durch die Industrialisierung mini|Malstatt, Ortszentrum am Ende des 19. Jahrhunderts in Blickrichtung von Markt und evangelischer Kirche (Stadtarchiv Saarbrücken) Im Ersten Pariser Frieden im Jahr 1814 blieben Malstatt und Burbach unter König Ludwig XVIII. französisch. Bei der Erstürmung St. Johanns durch bayerische Truppen am 23. Juni 1815 wurden Malstatt und Burbach vollständig ausgeplündert. Der durch die bayerischen Truppen entstandene Schaden wurde im Jahr 1820 durch französische Kriegsentschädigungen beglichen, die zur Erneuerung der Malstatter Kirche verwendet wurden.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914. Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 179–181. Im Zweiten Pariser Frieden gelangte Malstatt mit den übrigen Orten des Saartales von Frankreich an das Königreich Preußen (Rheinprovinz). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Malstatt weiterhin mehrheitlich evangelisch-lutherisch.Joachim Conrad: „Das Band der Vereinigung immer fester knüpfen“. In: Ders., Stefan Flesch, Nicole Kuropka, Thomas Martin Schneider (Hrsg.): Evangelisch am Rhein. Werden und Wesen einer Landeskirche. Schriften des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland, Bd. 35. Düsseldorf 2007, S. 178–181.Johann Friedrich Gerhard Goeters: Die Einführung der Union im Bereich der alten Kreissynode Saarbrücken. In: Helmut Franz, Hans Walter Herrmann: Die Evangelische Kirche an der Saar gestern und heute. Saarbrücken 1975.