mini|Wappen der Wappengemeinschaft der v. Brensbach, Duborn, v. Echter-Ungelaube, v. Hochhausen, v. Weckbach und v. Starkerad. mini|Cunradus Ungeloubo verkauft Eigentum um 2 Talente SilberOculus Memorie, Kap. XX A, Gehaborn, verfasst um 1211. mini|Siegelbild der v. Weckbach um 1390 mini|Erbach im Odenwald, Tempelhaus

Die Ungeloube (mittelhochdeutsch für Unglaube)Generalregister adeliger und Patricier-Geschlechter. Dr. Heinrich Eduard Scriba, Verlag des historischen Vereins für das Grossherzogthum Hessen, Darmstadt 1860, Personenregister, S. 92.(Google Bücher)Personarum Praecipuarum – Index II, Abschnitt (i), Nobiles, Register adeliger Personen, Buchstabe U. Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte, Band 2, Verlag Barrentrapp u. Wenner, Frankfurt u. Leipzig, 1797. (Google Bücher) traten zunächst als Vasallen der Reichsministerialen von Dornberg zu Burg Dornberg auf und waren daselbst seit dem letzten Viertel des 12. Jahrhunderts ansässig. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts standen sie in Diensten der Schenken von Erbach und von Kurmainz zur Zeit des Bischofs Gerlach von Mainz.

Herkunft Nach neuerer Literatur wird ein Siedeln der „Ungeloube“ bereits im 11. Jahrhundert in der Umgebung des Wißberges in Rheinhessen bei Gau-Weinheim angenommen. Ein entsprechender Flurname (ym Ungelup(b)en), der mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen solchen Rufnamen zurückgeht und später entstellt wurde, findet sich in einer Urkunde aus 1340Richard Dertsch: Die Urkunden des Stadtarchivs Mainz: 1330 bis 1364. Teil 2, 1962, Urk. Nr. 1127 vom 30. November 1340. Originalurkunde im Stadtarchiv Mainz, Urkunden, Kopialüberlieferung Bestand 13 (Stifts- und Klosterarchive), U/1340 November 30 (in 013/0231), Datierung: 30. November 1340 (siehe Archivaliendatenbank, Syst. Liste) im Mainzer Stadtarchiv.

Name Das Prädikat „von“ tragen die Ungeloube als Familie des Niederadels seit Beginn der ersten urkundlichen Erwähnung nicht im Namen, da dieser schon um 1178 als Familiennamen (ohne Ortsbezeichnung) ausgebildet war und ohne weitere Standeserhöhung danach bis heute (ab etwa 1500) in seiner Endausprägung Unglaube geführt wird. Als Beispiel für diese prädikatsfreie Namensführung im Adel wird hierzu auf das Adelsgeschlecht der Edelfreien Herren Sporn („Sporo“) verwiesen. Zwischen 1114 und 1277 traten Mitglieder dieses Geschlechtes in 45 Regsten ohne das Prädikat „von“ im Namen auf.Christian Burkhart: Die Bergsträßer Edelfreien Sporn („Sporo“) von Weinheim. Ein-fast-vergessenes Adelsgeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts. In: Winfried Wackerfuß (Hrsg.): Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften. Band VIII, Verlag Breuberg-Bund, 2013, ISBN 978-3-922903-18-5.

Das Prädikat „von“ wurde und wird in Familien geführt, die sich ohne Familiennamen auf Ihren damaligen Wohnsitz berufen mussten, um sich so von anderen, gleichlautenden Vornamensträgern unterscheiden zu können. Bei Verlegung ihres Sitzes änderte sich dann auch der „Familienname“. So nannten sich z. B. die Herren von Hagen-Arnsburg ab Mitte des 12. Jahrhunderts nach Errichtung Ihrer neuen gleichnamigen Burg, Herren von Mincenberg (Burg Münzenberg). Das Prädikat „von“ wurde also nicht verliehen, sondern stellte eine notwendige Verbindung zwischen Vor- und Familiennamen (Adelssitz, Gut, Ort) dar. Erst seit 1360 bis hin in die Neuzeit (1918) wurde bei einer Erhebung in den Adelsstand (Briefadel) dem Geadelten u. a. auch das Prädikat „von“ als äußeres Zeichen seiner neuen Würde verliehen (von Goethe, von Schiller usw.).

Der Geschlechtername Ungeloube basiert auf dem gleichlautenden Adjektiv ungeloube(o) (nicht glaubend, andersgläubig, abergläubisch), das um 980 in Schriftform durch den Mönch Notger III. von St. GallenNotker von St. Gallen: Übersetzung von Bibeltexten. belegt wird. Daraus bildete sich im Verlauf des 11. zum 12. Jahrhundert der Beiname Ungeloube, der sich nachfolgend zum Geschlechternamen (hier als Übername) verfestigte. Lautliche Veränderungen ergaben sich durch e-Ausfall (Synkope) und Doppellautveränderung von ou zu au, also von Ungeloube zu Unglaube. Eine mundartlich geprägte, endungslose Variante des Namens Unglaube lässt sich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts im fränkisch-böhmischen Grenzgebiet zwischen Kronach und Asch sowie im thüringischen Saale-Orla-Kreis nachweisen. Aus historischer Sicht hat die Namensvariante Unglaub hier ihren Ausgangs- und Schwerpunkt. Zwischen 1626 und 1892 sind hier rund 51 Belege nachweisbar.

Die Entwicklungsstadien vom gotischen Adjektiv zum Geschlechternamen Unglaube: Um 500, galaubida, (gotisch) Glaube, („ich glaube“).Codex Argenteus, älteste Lateinisch – Gotische Bibelübersetzung, um 500 in Norditalien entstanden. 765, kilaubu, (frühalthochdeutsch) Glaube, („ich glaube“).abrogans – St.Gallen, ältestes Lateinisch – Althochdeutsches Wörterbuch, um 750–765 in Süddeutschland im alemannischen Sprachraum entstanden. 775, unchilaubend, ungläubig, lt. Incredulus.Schrift des ISIDOR aus dem 8. Jhdt. 780, ungiloubo sin, (nicht glaubend) althochd.Gerhard Köbler: Althochdeutsches Wörterbuch. 863/71, ungiloubige.Ottfrid von Weißenburg: Das Evangelienbuch. 980, ungeloubo.Notger von St. Gallen: Übersetzung von Biebeltexten. 1080, ungeloubich.Frau Ava, Das Leben Jesu (um 1060–1127). 1120, ungeloubich, geloubich.Physiologus – Wiener Prosafassung (um 1120). 1160, ungeloubich.Heinrich von Melk: Priesterleben (um 1160). 1178, Ungeloubo, als Geschlechtername erstmals urkundlich erwähnt.Oculus Memorie II S. 354. 1200, Ungeloube, mittelhochd.Mittelhochdeutsches Namenbuch nach oberrheinischen Quellen des Mittelalters, A. Socin 1966. ab 1500, Unglaube, neuhochd.

Geschichte mini|Matthäus Merian: Ansicht von Gerau aus der Topographia Hassiae. Links das Dornberger Schloss.

Die erste urkundliche Erwähnung eines Vertreters des Geschlechts Ungeloube stammt aus der Zeit um 1178. In einer Urkundenabschrift des Klosters Eberbach erscheint der Ritter Cunradus Ungeloubo als Zeuge für Eberhard I. von Dornberg.Wenck (1789), S. 111 f., Urkunde LXXX (um 1178). Wie weiter im Güterverzeichnis des Klosters Eberbach von 1211 verzeichnet, verkauft dieser Cunradus Ungeloubo um 1189 Eigentum (nobis allodium), gelegen am Hof GehabornOculus Memorie, Kap. XX A, Gehaborn, verfasst um 1211 (iuxta curiam), für 2 Mark (II talentis) Silber. Cunrad Ungeloubo erscheint auch in den Jahren um 1198 (1196–1202)Meyer zu Ermgassen, Oc. Mem. 2, S. 354 (Druck); Meyer zu Ermgassen, Oc. Mem. 1, Verzeichnis Nr. 51, S. 33. Die Originalurkunde findet sich bei arcinsys.hessen.de, Hessisches Hauptstaatsarchiv(HHStAW), Zisterzienserkloster Eberbach(22), Urkunden, Jahre 1039–1250, Nr. in 435. und 1209, hier einmal als dritter Zeuge hinter Conrad Reizel (Konrad Reiz von Lützelbach) und Ulrich von Weiterstadt, in einer gleichlautenden Bestätigungsurkunde dann als zweiter Zeuge hinter dem Edelfreien Konrad Reiz (v. Lützelbach), ausgestellt über einen Vergleich, geschlossen zwischen dem Kloster Eberbach und Eberhard Waro v. Hagen,Rossel, UB Eberbach 1, Nr. 64, S. 126 ff.; Meyer zu Ermgassen, Oc. Mem. 1, Verzeichnis Nr. 67, S. 35; Falck, Mainzer Regesten, Nr. 117, S. 57 f. Die Originalurkunde findet sich bei arcinsys.hessen.de, Hessisches Hauptstaatsarchiv(HHStAW), Zisterzienserkloster Eberbach(22), Urkunden, Jahre 1039–1250. sowie 1210 zusammen mit seinem Bruder Heinricus als Ministerialen der Herren von Dornberg (De familia domini Eberhardi de Dornburch).Rossel (1862), S. 126 ff., Urkunde 64 (1209), S. 129 f., Urkunde 65 (1209) und S. 142 f., Urkunde 72 (1210).Wenck (1789), S. 131 f., Urkunde XCIV (Februar 1209).Wenck (1783), Urkundenbuch S. 11 f., Urkunde VIII (12. März 1210). Die Originalurkunde findet sich unter arcinsys, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (HStAD), Urkunden der ehemaligen Provinz Starkenburg (A 1), 7.2 Gehaborn, Nr. 71/2 mit TIF der Urkunde. Die Beurkundung von 1210 wird 1261 durch Werner, Erzbischof zu Mainz, in einer Neuausfertigung inhaltlich bestätigt.Rossel, UB Eberbach 2 (1870), Urkunde Nr. 359, S. 124 ff. Die Originalurkunde findet sich bei arcinsys, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt (HStAD), Urkunden der ehemaligen Provinz Starkenburg (A 1) Gehaborn, Hof, 1261-06-25, Nr. 71/9 mit TIF der Urkunde. In diesem Oculus Memoriae (Auge der Erinnerung) benannten, ältesten Güterverzeichnis des Klosters Eberbach, Capitulum XX, treten die Ungeloube somit mehrfach in Urkundenabschriften als Zeugen und Verkäufer auf. Das einzig erhaltene Exemplar dieses Kopiars aus dem Jahr 1211 gibt Auskunft über die Besitzlagen der Abtei. Als Verfasser dieses einmaligen Dokuments ist der Eberbacher Zisterziensermönch Bernhelm anzusehen, der von 1208 bis 1228 als Notar des Klosters belegt ist.

mini|Dorf/Hof Himmenhausen 1159 bis 1400 urkundl. belegt.