mini|Katholische Pfarrkirche St. Jakob, Saarbrücken mini|Arnold Güldenpfennig (1830–1908), Architekt der Jakobskirche St. Jakob ist die römisch-katholische Pfarrkirche in Alt-Saarbrücken, dem Zentrum der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken im südlichen Bereich des Bistums Trier. Kirchenpatron ist der Apostel Jakobus der Ältere. Hinsichtlich ihres Patroziniums steht die Kirche in historischer Tradition der mittelalterlichen Saarbrücker Burgkapelle. In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kirche als Einzeldenkmal aufgeführt.Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landeshauptstadt Saarbrücken (PDF; 653 kB), abgerufen am 17. August 2012.
Geschichte Mittelalter Saarbrücker Nikolauskapelle Die Einwohner der ursprünglichen Stadt Saarbrücken, dem heutigen Stadtteil Alt-Saarbrücken, gehörten zur Pfarrei der Stiftskirche St. Arnual. Sie besaßen aber schon im 13. Jahrhundert eine eigene Kapelle. Der Bau dieser Kapelle erfolgte unter der Regierung der Gräfin Lauretta (1233–1271). Der Metzer Bischof Philipp von Flörchingen (1261–1264) hatte am 23. August 1261 die Erlaubnis zum Bau der Kapelle gegeben:Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150-jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 12–13 unter Bezugnahme auf das Chartularium Saraepontanum, S. 337, Nr. 64.
Zehnt- und Patronatsherr der Kapellengemeinde war das St. Arnualer Chorherrenstift. Diese Kapelle war dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht worden. Nachdem die alte Kapelle baufällig geworden war, errichtete an ihrer Stelle im Jahr 1476 Baumeister Hans von Zabern die heutige gotische Schlosskirche.
Saarbrücker Burgkapelle mini|Kirchturm von Südwesten
Darüber hinaus gab es wohl schon vor dem Jahr 999 in Saarbrücken eine Burgkapelle (capella castri Sarapontensis) für den gräflichen Hof und die Burgmannen, die vermutlich dem heiligen Georg geweiht war. Graf Johann I. (1307–1342) ließ anstelle der alten Burgkapelle nach seiner Rückkehr aus Italien zu Ehren der Schutzheiligen seiner Mutter Margarethe eine Margarethenkapelle errichten, die am 2. Mai 1315 von Chorbischof Daniel von Metz eingeweiht wurde. Graf Johanns Nachfolger, Johann II., ließ im Jahr 1356 in der Burgkapelle einen Altar zu Ehren des hl. Jakobus des Älteren errichten. Johann II. hatte nämlich zuvor eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela gelobt, die er allerdings nicht angetreten hatte. Papst Innozenz VI. hatte von Avignon aus dem Saarbrücker Grafen erlaubt, das versprochene Gelübde in eine Altarstiftung zu Ehren des heiligen Jakobus umzuwandeln. Die Altarstiftung sah vor, dass zu Ehren des hl. Jakobus ein Priester an drei Tagen pro Woche eine Messe zu lesen habe.
Nach dem Abriss der Kapelle im Jahr 1466 ging das Patrozinium auf eine zwei Jahre später neu errichtete Kapelle über, die vom Metzer Generalvikar Simon de Rubo geweiht wurde. Allmählich wurde der ursprüngliche Name der Margarethenkapelle in der Saarbrücker Burg durch das Jakobuspatrozinium ersetzt. Das Patrozinium der mittelalterlichen Burgkapelle wurde dann beim Bau der heutigen Jakobskirche auf diese übertragen.
Konflikt mit dem St. Arnualer Chorherrenstift Da die seelsorgliche Tätigkeit der St. Arnualer Stiftsherrn nach Meinung des Saarbrücker Grafen Johann I. zu wünschen übrig ließ, versuchte dieser in den Orten St. Johann und Saarbrücken, das kirchliche Leben aus dem Einfluss des Stiftes St. Arnual herauszulösen. Bereits im Jahr 1309 war Johann I. im Auftrag König Heinrichs VII. als Chef einer königlichen Gesandtschaft zu Papst Clemens V. nach Avignon geschickt worden. Bei einer zweiten Reise zum Papst nach Avignon im Jahr 1325, zu der Johann I. durch Johann von Böhmen, dem König von Böhmen und Grafen von Luxemburg beauftragt worden war, brachte der Saarbrücker Graf Papst Johannes XXII. sein Anliegen vor:
Papst Johannes XXII. gab daraufhin dem Saarbrücker Grafen Johann I. für den Bischof von Metz eine schriftliche Weisung mit, den Pfarrherren zu St. Arnual durch Androhung von Kirchenstrafen anzuhalten, in Saarbrücken und St. Johann Taufbrunnen anzulegen und dort einen Priester zu bestellen, der die Sakramente spende. Dennoch blieben Saarbrücken und St. Johann weiterhin von St. Arnual abhängig. Erst im Jahr 1549 gab das Stiftskapitel seine Erlaubnis, dass ein von ihm bestellter Priester in Saarbrücken residierte.Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 15–16.
Neuzeit mini|Portal der Seitenkapelle im östlichen Querschiff
Reformation 1549 wurde Saarbrücken selbstständige Pfarrei. 1575 wurde durch Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken die Reformation eingeführt, und bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Saarbrücken keine katholische Pfarrei mehr.
Wiedererstehen der katholischen Gemeinde Am 9. Mai 1803 wurde im damals zu Frankreich (Département de la Sarre) gehörenden Saarbrücken eine Kantonspfarrei errichtet, die aber über keine eigene Kirche verfügte, sondern die Kirche in St. Johann nutzen musste.
Errichtung des Kirchengebäudes Bereits im Jahr 1866 hatte die Tochter des früheren Maires von Saarbrücken Charles Rupied und Enkelin des lothringischen Schatzmeisters Charles François Julien Rupied, Witwe Maubon aus Bar-le-Duc, der Pfarrei St. Johann drei Landparzellen in Saarbrücken geschenkt, um darauf eine katholische Kirche zu errichten. Das Grundstück in Saarbrücken war der Kirchengemeinde mit der Auflage geschenkt worden, innerhalb der nächsten vier Jahre mit dem Bau einer Kirche zu beginnen. Der Saarlouiser Baumeister Carl Friedrich Müller, der nahezu zeitgleich auch im Nachbarort Burbach die St.-Eligius-Kirche errichtete, hatte die Pläne für den Neubau der ersten katholischen Kirche in Saarbrücken seit der Reformation entworfen. Anfang des Jahres 1870 wurden die Pläne genehmigt. Am 6. April 1870 konnte bereits der Grundstein gelegt werden, doch wurde der Weiterbau durch Uneinigkeiten verhindert und das Grundstück verkauft. Dies geschah nicht zuletzt deshalb, weil das Grundstück für Kirche und Pfarrhaus zu klein war.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2002, S. 316–317.
Im Jahr 1874 erfolgte der Kauf eines größeren Bauplatzes, jedoch verhinderte der Kulturkampf mit seinem Altkatholikengesetz den Beginn des Bauvorhabens. Erst im Juli 1884 wurde mit den Erdarbeiten und dem Fundamentmauerwerk begonnen. Diese Arbeiten waren im Herbst 1884 vollendet. Den Grundstein legte der Trierer Bischof Michael Felix Korum (sub invocatione Sancti Jacobi majoris apostoli et martyris, dt.: unter der Anrufung des Hl. Jakobus des Älteren, des Apostels und Märtyrers) am 21. Juni 1885.
mini|Blick entlang der westlichen Langhausfassade
Die in den Grundstein eingelegte Urkunde lautet in deutscher Übersetzung:Johann Peter Muth: Pfarrgeschichtliche Bilder der katholischen Pfarreien St. Johann und Saarbrücken zum 150jährigen Jubiläum der Einweihung der jetzigen Pfarrkirche von St. Johann. St. Johann an der Saar 1908, S. 92–94.
In den Jahren 1885–1887 schließlich konnte der Bau der Kirche nach Plänen des Architekten und Dombaumeisters Arnold Güldenpfennig aus Paderborn verwirklicht werden. Güldenpfennig ist auch der Architekt der katholischen Hamburger Kathedrale St. Marien. Für die örtliche Bauleitung zeichnete der Saarbrücker Baurat Neufang verantwortlich, die Bauausführung oblag Baumeister Ludwig Barth und Friedrich Sehmer (Saarbrücken).Informationen zur Pfarrkirche St. Jakob Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 17. August 2012. Am 9. Juli 1887 wurde die fertiggestellte Kirche vom damaligen Trierer Bischof Michael Felix Korum dem Schutz des Hl. Jakobus des Älteren geweiht, und am 1. März 1888 wurde der erste Pfarrer eingeführt. Die Baukosten betrugen 200.000 Mark.
mini|Blick ins Innere der Kirche
Inneres Die mit der Apsis nach Norden ausgerichtete Kirche war ursprünglich eine dreischiffige neogotische Stufenhalle mit Portalturm im Süden, wenig ausladendem Querschiff, eingezogenem Chorraum mit Chorjoch und dreiseitigem Schluss. Spitzbogenarkaden auf schlanken Rundpfeilern teilten die Schiffe des dreijochigen Langhauses. Die Vierung wurde durch Pfeiler aus vier Halbsäulen mit polygonalen Kämpferplatten betont. Die Joche waren kreuzgewölbt.
Äußeres Die zweifach abgetreppten Strebepfeiler zeigen außen die innere Einteilung der Kirche in Joche. Große Spitzbogenfenster mit Maßwerkfüllungen öffnen sich über einem Sohlbankgesims, das Kirche und Turm miteinander verbindet.
Der mächtige Turm wird von Gesimsen sichtbar in drei Hauptgeschosse unterteilt. Das untere Turmgeschoss führt die Höhe des Hauptschiffes fort. Drei große Maßwerkfenster öffnen sich zum Innenraum. Die Turmecken werden von Strebepfeilern umgeben, die im zweiten Geschoss in runde Ecktürmchen überführt werden. Zwischen den Rundungen der Ecktürmchen sind Blendspitzbögen mit Blendmaßwerk eingespannt. Darüber erheben sich die spitzbogigen Schallarkaden.
Der hohe, achteckige Turmhelm ist von den vier Kegeldächern der Ecktürmchen umgeben. Kleine Zwischengiebel, die die Turmuhren aufnehmen, setzen Akzente.
Erweiterungsbau In den Jahren 1906–1907 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Moritz Gombert (Saarbrücken) erweitert, indem ein Querschiff und ein neuer Chor hinzugefügt wurden, so dass sich als Grundriss nun ein Kreuz ergab. Der ursprüngliche Chorabschluss wurde dabei abgerissen und durch ein stilgerechtes zweites, weit ausladendes Querschiff mit einem neuen Chorraum ersetzt. Die Dreikonchenanlage ist annähernd gleich tief und schließt jeweils dreiseitig. Nebenchöre öffnen sich zu Chor und Querschiff.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2002, S. 316–317.
Abpfarrungen 1929 wurde für die Katholiken in St. Arnual die Pfarrei Christkönig von St. Jakob abgetrennt. 1938 wurde die Expositur St. Mauritius errichtet, deren Kirchengebäude 2004 profaniert und dem Land übereignet wurde.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kam es 1948–1949 zunächst nur zu einem teilweisen Wiederaufbau. Unter der Leitung des Architekten Rudolf Krüger (Saarbrücken) wurden nur Chor und Querschiff wiederhergestellt, bevor 1954 durch den Saarbrücker Architekten Emil Tiator der vollständige Wiederaufbau erfolgte. Die Kirche wurde jedoch nicht originalgetreu, sondern verändert wieder aufgebaut, so entspricht die heutige Rasterdecke nicht mehr dem Vorkriegszustand mit neogotischem Wölbsystem. Ebenso wurden aus finanziellen Gründen nicht mehr die Giebelwände an den Stirnseiten des älteren Querschiffes aufgebaut und man verzichtete auf die Wiederherstellung der ursprünglich reichen Maßwerkfüllungen der Langhaus- und Querschifffenster.Kristine Marschall: Sakralbauwerke des Klassizismus und des Historismus im Saarland. Institut für Landeskunde im Saarland, Saarbrücken 2002, S. 316–317.
Im Jahr 1994 wurde der Altarraum umgebaut. Hierfür zeichnete die studentische Projektgruppe Thomas Becker und Ralf Tiedtke unter Leitung von Klaus Dieter Köhler (HTW Saarbrücken) verantwortlich.
Ausstattung Innenraum Zur Ausstattung der Kirche gehört ein um einen festen Standpunkt drehbarer Altar, der dadurch für verschiedene sakrale Nutzungen verwendbar ist. Außerdem ist es auch möglich den Altar komplett herauszuheben und somit den Altarraum für kulturelle Nutzungen freizugeben.
Weitere Ausstattungsgegenstände sind die Skulptur der heiligen Barbara in der linken Seitenkapelle, die Skulpturen-Gruppe Mutter Anna selbdritt in der rechten Seitenkapelle, die Madonna mit Jesuskind in der Marienkapelle, die holzgeschnitzte Skulpturen-Gruppe St. Antonius und der Tabernakel mit Abendmahlszene.
Orgel