Die schottische Cricket-Nationalmannschaft (; ; ) vertritt Schottland auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Cricket Scotland (CS) geleitet und ist seit 1994 assoziiertes Mitglied () im International Cricket Council, nachdem es sich zwei Jahre zuvor von der englischen Nationalmannschaft getrennt hatte. Damit gehört Schottland zur zweiten Reihe der Nationalmannschaften und das schottische Team gilt traditionellerweise als eine der stärksten Nationalmannschaften Europas. Es verfügt seit 2019, wie alle ICC-Mitglieder, über vollen T20I-Status. Der bisher größte Erfolg der Schotten waren drei Vorrundenteilnahmen bei Cricket World Cups (1999, 2007 und 2015) sowie das Erreichen der Super 12 beim T20 World Cup 2021.
Geschichte Vor dem Beitritt zum ICC mini|hochkant|Leslie Balfour-Melville, Kapitän Schottlands und Präsident der Scottish Cricket Union, ca. 1891 Cricket gelangte früh aus dem benachbarten England nach Schottland und das erste verzeichnete Cricketspiel fand im Jahr 1785 in Alloa zwischen zwei Aristokratenmannschaften – Duke of Athol’s XI v Hon. Col. Talbot’s XI – statt. Es dauerte jedoch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, ehe die Entwicklung des schottischen Crickets in Bewegung kam: 1849 besuchte eine englische Mannschaft Schottland, was das Interesse der Bevölkerung an diesen Sport merklich erhöhte und zur Gründung mehrerer Cricketclubs führte. Es war dies das erste internationale Spiel einer schottischen Mannschaft überhaupt, die aus 22 Spielern bestand und in Edinburgh gegen die Engländer antrat. Charles Lawrence nahm im zweiten englischen Innings alle Wickets für Schottland. Das erste Spiel einer schottischen Auswahl datiert aus dem Jahr 1846, gegen Perth. Das erste vollwertige internationale Spiel wurde 1865 im Londoner Oval gegen Surrey ausgetragen, als Schottland mit 172 Runs gewann; danach verlor es jedoch gegen den Marylebone Cricket Club (MCC).
1874 gelang Schottland der Sieg gegen den MCC im Lord’s. 1878 besuchte Australien während seiner ersten Tour auf die Britischen Inseln Schottland und traf in Glasgow auf eine westschottische Auswahl. 1879 wurde mit der Scottish Cricket Union (SCU) der erste Verband gegründet, der jedoch aufgrund finanzieller Probleme und einer sinkenden Mitgliederzahl nur vier Jahre bestand. 1880 empfing Schottland Australien in Edinburgh und unterlag mit acht Wickets. 1882 bezwang die Nationalmannschaft Australien mit sieben Wickets. Nach der Auflösung des ersten schottischen Verbandes übernahm der Grange Cricket Club bis 1909 die Leitung des Cricketsports. Das erste Spiel gegen Irland folgte 1888 in Dublin, das der Gastgeber gewann. 1894 trafen die Schotten erstmals auf Südafrika, 1906 auf die West Indies, 1911 auf eine gesamtindische Mannschaft und 1927 auf Neuseeland. 1908 erfolgte die abermalige Gründung der Scottish Cricket Union, worauf sich die jährlich ausgetragenen First-Class Matches gegen Irland als feste Größe im Cricketkalender etablierten.
1948 besuchte Australien, nach dem Abschluss der Ashes Tour in England, Schottland für zwei Spiele. Beide Begegnungen, die Australien gewann, waren die letzten internationalen Spiele für Donald Bradman. Dieser lieferte sein gewohntes Spiel und steuerte in seinem Innings 123 Runs zum Sieg Australiens bei. 1954 trafen die Schotten in Edinburgh erstmals auf Pakistan. Die zunächst wichtigste Entwicklung für das schottische Cricket nach dem Zweiten Weltkrieg war die Eingliederung in die englischen nationalen Cricket-Wettbewerbe. Iren und Schotten wetteiferten in dem Zeitraum vor allem mit Sri Lanka um den Status als beste Nicht-Testnation. Irland, Schottland und die Niederlande erhielten bei Gelegenheit Einladungen für die Wettbewerbe der englischen County Clubs, einschließlich des Benson & Hedges Cup und dem Friends Provident Trophy. Da in diesem Wettbewerben keine Beschränkungen bestehen, was die Nationalität betrifft, konnten Nicht-Schotten für die schottische Mannschaft spielen. So trat 2004 und 2005 der Pakistani Yasir Arafat für Schottland an. Im Jahr 1980 nahm Schottland erstmals am Benson & Hedges Cup teil, ab 1983 auch in der NatWest Trophy; in dem Turnier erzielte es 1986 seinen ersten Sieg gegen Lancashire.
Vor Schottlands eigenständiger Mitgliedschaft im International Cricket Council (ICC) ließen sich Spieler und Teams – wie in Irland – vom englischen Verband vertreten. Schottische Spieler erzielten gute Beträge für andere Mannschaften, allen voran die englische Cricket-Nationalmannschaft. Sir Arthur Conan Doyle, der Autor von unter anderem Sherlock Holmes, spielte in der englischen Mannschaft von 1891. Zu den bekanntesten aus Schottland stammenden Cricketspielern gehören wahrscheinlich der ehemalige englische Kapitän Mike Denness, Warwickshires All-rounder Dougie Brown und der frühere englische Test-Cricket-Spieler Gavin Hamilton. Ein weiterer bekannter schottischer Cricketspieler ist Brian Hardie, der in den 1970er und 1980er Jahren wichtige Beiträge zur erfolgreichen Essex-Mannschaft lieferte. Wohl einer der besten Spin Bowler und später Journalist war Ian Peebles, der 1931 gemeinsam mit Donald Bradman zum „Spieler des Jahres“ ernannt wurde. Einer der berüchtigtsten Cricketspieler, Douglas Jardine, war ein Schotte und erfand die „Body Theory“. Diese in Australien viel geschmähte Spieltaktik ging als „Bodyline series“ in die Geschichte ein.
Aufnahme in den ICC mini|The Grange Club, Schottlands Heimstadion in Glasgow. Während des Cricket World Cup 1999 bestritt Schottland hier zwei Spiele Abgesehen von Begegnungen gegen Tour-Mannschaften, wie beispielsweise Australien, Australien 'A' oder Neuseeland, und gelegentlichen Vergleichen mit englischen First-Class Countys oder dem MCC bestritt Schottland seit 1909 fast jährlich ein First-Class-Match gegen Irland. Bis in die frühen 1990er Jahre wurde Schottland (wie Irland) von England vertreten, wodurch diese Mannschaft faktisch das gesamte Vereinigte Königreich und die Republik Irland vertrat. Im Jahr 1992 zog sich Schottland vom damaligen englischen Verband Test and County Cricket Board zurück und beantragte die eigenständige Aufnahme in den ICC, was 1994 gewährt wurde, ein Jahr später als Irland. Ebenfalls 1992 unternahm Schottland seine erste Überseetour, bei der es Südafrika (genauer Johannesburg und Pretoria) besuchte. 1994 folgte eine weitere Tour nach Südafrika, diesmal jedoch nach Kapstadt. 1996 nahmen die Schotten erstmals an der Cricket-Europameisterschaft teil. Bei der erstmaligen Teilnahme an der ICC Trophy erreichte Schottland 1997 das Halbfinale, gewann das Spiel um den dritten Platz gegen Irland und qualifizierte sich so für den Cricket World Cup 1999. 1998 nahm Schottland am Cricketturnier der Commonwealth Games 1998 in Kuala Lumpur, Malaysia, teil, schied jedoch als Gruppenletzter aus. Bei der Weltmeisterschaft 1999 gelang der Mannschaft kein Erfolg und nach Niederlagen gegen Australien, Pakistan, Bangladesch, die West Indies und Neuseeland schied sie in der Vorrunde aus. Immerhin konnte es die beiden Vorrundenspiele gegen Bangladesch und Neuseeland vor heimischen Publikum im The Grange Club bestreiten. Bis 1999 spielten die Schotten jährliche First-Class-Matches gegen Irland, unterbrochen nur durch die Weltkriege; für alle anderen internationalen Cricketspiele waren sie jedoch auf besuchende Mannschaften angewiesen.
2001 erfolgte die Umbenennung des Verbandes in Cricket Scotland, was mit Strukturreformen einherging. Bei der ICC Trophy 2001 verlor Schottland das entscheidende Spiel gegen Kanada und scheiterte somit an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2003 in Südafrika. 2004 etablierte sich Schottland als eines der führenden assoziierten Mitglieder, nachdem es den ersten Intercontinental Cup gewonnen hatte. 2005 gelang es jedoch nicht, die Finalrunde zu erreichen. Bei der ICC Trophy 2005 gewann die Mannschaft mit einem Sieg im Finale gegen Gastgeber Irland den Titel und konnte sich damit abermals für die Cricket-Weltmeisterschaft qualifizieren.
Im März 2006 unternahm Schottland eine Tour nach Barbados. Dort zeigte es gute Leistungen, obschon es nur ein Spiel – gegen den Gastgeber – von sechs gewann. Vor allem Dougie Brown trug zu Schottlands Performance bei, nachdem er 2004 erneut für die schottische Nationalmannschaft berufen worden war. Anschließend nahmen die Schotten an der Cheltenham and Gloucester Trophy teil. Dort lieferten sie bessere Leistungen als ursprünglich erwartet, indem sie drei der neun Spiele gewannen und in der North Conference den achten Platz belegten.
Erlangung des ODI-Status mini|Dougie Brown debütierte im Alter von 36 Jahren für Schottland und war 2007 Teil des Kaders beim Cricket World Cup und der World Twenty20 Im Juni desselben Jahres bestritt Schottland sein erstes ODI seit dem Cricket World Cup 1999, als es Pakistan in Edinburgh empfing. Im Spiel, das die Schotten ohne die beiden Schlüsselspieler Dougie Brown und Navdeep Poonia bestreiten mussten, unterlagen sie mit fünf Wickets. Im August 2006 spielte Schottland in Division One der Cricket-Europameisterschaft gegen Dänemark, Italien, Irland und die Niederlande, wobei die Spiele gegen Irland und die Niederlande ODI-Status besaßen. Schottland erzielte schließlich seinen ersten Sieg, als es die Niederlande in einem aufgrund Regens verkürzten Spiel bezwang. Einige der Spiele musste es jedoch wieder ohne Schlüsselspieler absolvieren und nach der Niederlage gegen Irland mit 85 Runs beendeten die Schotten das Turnier auf dem zweiten Platz.
2006 und im Frühjahr 2007 nahmen die Schotten am dritten Intercontinental Cup teil. Im Mai 2006 bezwangen sie Namibia mit einem Innings, nachdem sie jedoch im August gegen Irland und im Januar 2007 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate ein Remis erzielt hatten, scheiterten sie an der Qualifikation für das Finale. Im Dezember 2006 besuchte die schottische Mannschaft für zwei ODIs die Testnation Bangladesch – die ersten Spiele außerhalb des Vereinigten Königreiches – die sie jedoch beide deutlich verlor.
Im Januar 2007, nach dem Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate beim Intercontinental Cup in Schardscha, besuchte Schottland Kenia und spielte in der Associates Triangular Series in Mombasa gegen den Gastgeber und Kanada; es beendete das Turnier auf dem zweiten Platz. Darauf folgte in Nairobi die Division One der World Cricket League, die Schottland ebenfalls auf dem zweiten Platz abschloss.
Regelmäßige Teilnahme an Turnieren mini|Schottlands Ryan Watson erzielt am 16. August 2007 ein Boundary gegen Indien auf Glasgows Titwood Cricket Ground mini|Schottlands John Blain bowlt Indiens Yuvraj Singh auf Glasgows Titwood Cricket Ground aus (16. August 2007) mini|Schottlands Calum MacLeod bowlt gegen Neuseelands Brendan McCullum beim World Twenty20 2009