0 A.D. (kurz für Jahr null Anno Domini) ist ein kontinuierlich weiterentwickeltes freies Echtzeit-Strategiespiel von Wildfire Games. Zu den Schwerpunkten des Spiels zählt der Aufbau einer Wirtschafts- und Kriegsproduktion zur anschließenden Bekämpfung der Gegner. Die im Spiel enthaltenen Zivilisationen und Technologien sind in etwa von der realen historischen Entwicklung der Antike in den Jahren 500 bis 1 vor Christus beeinflusst. Das Spiel ist seit 2010 für die Betriebssysteme Windows, macOS und Linux verfügbar. Seit Release 28 wird unter Windows nur noch Windows 10 und 11 unterstützt. Mit Version 0.28 (Release 28 „Boiorix“) erschien das Spiel außerdem erstmals ohne Kennzeichnung als Alphaversion. Das „Jahr null“, das in historischen Kalendern nicht vorkommt, wurde als Name gewählt, um die Fiktion der im Spiel dargestellten Szenen zu betonen. Das Spiel beinhaltet zudem einen Karteneditor namens Atlas.

Spielprinzip mini|Video aus dem Jahr 2016 mini|Titelmusik des Spiels

0 A.D. handelt von der wirtschaftlichen Entwicklung und Kriegsführung. Das Spiel folgt dabei den gängigen Echtzeit-Strategie-Prinzipien wie dem Aufbau einer Basis, dem Sammeln von Rohstoffen, der Schulung einer Armee und der Erforschung von Technologien. Das Spiel beinhaltet spezifisch für jede Zivilisation unterschiedliche Land- und Marineeinheiten, Gebäude sowie Technologien. Dabei wurde vor allem auf historische Korrektheit Wert gelegt, weswegen auch keine genretypischen magischen Einheiten existieren. Zudem verfügt jede Zivilisation über ein „Wunder“ – ein teures, großes, nur einmalig errichtbares Gebäude.

Einheiten Das Spiel stellt dem Spieler eine Reihe von verschiedenen Einheiten zur Verfügung, die alle individuell oder in Gruppen gesteuert werden können. Zu Beginn einer Partie stehen hauptsächlich Bürgerinnen zur Verfügung, die für die Rohstoffgewinnung und den Bau einfacherer Gebäude eingesetzt werden können. Die Bürgerinnen sind praktisch nutzlos im Kampf, können aber am effektivsten Nahrung gewinnen und die männliche Bevölkerung zum schnelleren Arbeiten motivieren. Die einfacheren „Bürger“-Soldaten können für dieselben Aufgaben wie die Bürgerinnen eingesetzt werden, aber zusätzlich noch komplexere Gebäude wie Kasernen und Schmieden errichten und etwas effektiver Metall und Stein abbauen. Militärisch über den Stadtsoldaten stehen die „Gardisten“, vollwertige Soldaten der Kavallerie und Infanterie, die sehr effektiv im Kampf sind, jedoch keine zivilen Aufgaben übernehmen können. Einen Sonderstatus nehmen dabei die Heiler ein, die nur eine geringe Kampfstärke besitzen, aber nahe verwundete Einheiten heilen können. Zudem ist es dem Spieler gestattet, einen einzelnen Helden auszubilden, wobei für jede Zivilisation drei verschiedene Helden zur Auswahl stehen, aber nur einer von ihnen gewählt werden kann. Erst wenn der Held gefallen ist, kann einer der anderen beiden ausgebildet werden. Jeder Held kann nur einmal im Spiel ausgebildet werden. Dieser Held hat allen anderen Einheiten überlegene militärische Stärke und gewährt den umliegenden Einheiten bestimmte Boni. Die Helden sind an historisch real existierende Personen angelehnt, meist Feldherren oder Herrscher.

Rohstoffe Es gibt die vier Rohstoffe Holz, Stein, Metall und Nahrung. Das Metall wird dabei genreuntypisch nicht separat nach Element (zum Beispiel Eisen oder Gold) unterschieden. Bis auf einige Formen der Nahrung regenerieren sich einmal abgebaute Rohstoffe nicht. Holz wird durch Baumfällen gewonnen, Stein und Metall lassen sich aus entsprechenden Ablagerungen in der Landschaft direkt abbauen. Die Nahrungsgewinnung ist im Allgemeinen mehrstufig. Zunächst müssen Felder angelegt, Fischerboote produziert oder Tiere gezüchtet werden, die anschließend zur Nahrungsgewinnung benutzt werden können. Zu Beginn des Spiels stehen jedoch meist auch einige jagbare wilde Tiere sowie einmalig aberntbare Beerensträucher bereit. Zusätzlich benötigen die Bewohner Wohnraum, der durch Errichtung von Wohngebäuden bereitgestellt wird.

Die Errichtung von Gebäuden benötigt vorwiegend Holz und Stein, selten jedoch auch Metall. Die Ausbildung von Soldaten und Arbeitern sowie die Tierzüchtung benötigt dagegen hauptsächlich Nahrung sowie gegebenenfalls eine waffenspezifische Komponente, wie zum Beispiel Holz für Speere oder Metall für Schwerter.

Technologien Die erforschbaren Technologien orientieren sich stark an den realen historischen Entdeckungen und sind teilweise von der gespielten Zivilisation abhängig. Deren Erforschung verbessert im Allgemeinen permanent eine oder mehrere Eigenschaften im Verlauf des Spiels. Dazu zählen zum Beispiel der Schaden, den Einheiten im Kampf verursachen, die Ausbildungsdauer von Einheiten oder die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden. Eine genreuntypische spielerische Besonderheit ist, dass der Spieler sich bei einigen erforschbaren Technologien für eine aus mehreren entscheiden muss.

Eine besondere Form der Technologieerforschung sind die drei „Phasen“, in dem sich eine Siedlung befinden kann. Eine Siedlung kann vom Dorf über die Stadt bis zur Großstadt aufsteigen, wodurch jeweils weitere Gebäudetypen zur Verfügung gestellt werden und sich der Einflussbereich der Siedlung erhöht. Insbesondere der Bau der Wunder setzt voraus, dass sich die Siedlung des Spielers bereits zur Großstadt entwickelt hat.

Diplomatie und Handel Es existieren neben der militärischen Auseinandersetzung verschiedene Möglichkeiten, mit den Mitspielern zu interagieren. Zwei Spieler können friedlich, neutral oder feindlich gesinnt sein. Die Gesinnung kann während des Spiels geändert werden. Bei feindlicher Gesinnung führt jede Konfrontation automatisch zu einem Kampf. Bei neutraler Gesinnung ignorieren sich die Einheiten und es ist keinerlei Interaktion möglich. Bei friedlicher Gesinnung ist es möglich, die Gebäude des anderen Spielers teilweise mitzunutzen, beispielsweise um die eigenen Arbeiter im Falle eines Angriffes durch einen dritten Spieler in den Gebäuden zum Schutz unterzubringen. Auch der Handel ist dann möglich. Durch Errichtung eines Marktes und Ausbildung von Händlern bzw. dem Bau von Handelsschiffen, ist es dem Spieler möglich, zusätzliche Rohstoffe zu erhalten. Dazu muss der Händler lediglich vom eigenen zum befreundeten Markt und wieder zurück reisen. Die Rohstoffe werden dabei praktisch aus dem Nichts erzeugt. Der befreundete Markt kann prinzipiell auch ein eigener Markt sein, bei Handel mit dem Markt eines Verbündeten ist jedoch der Ertrag höher. Es ist weiterhin möglich, unabhängig von der Gesinnung, einem Spieler Rohstoffe ohne Gegenleistung zu schenken.

Zusätzlich existiert die Möglichkeit des Tauschhandels, der verhindern soll, dass ein Spieler im Laufe des Spiels ganz ohne einen bestimmten Rohstoff auskommen muss, sobald alle natürlichen Vorkommen erwirtschaftet sind. Dazu ist kein Mitspieler nötig, sondern der Spieler kann einen Teil seiner Rohstoffe mit Mengenverlust gegen einen anderen Rohstoff eintauschen, beispielsweise 100 Steine gegen 80 Metall. Der Mengenverlust steigt beim wiederholten Tauschhandel stetig an, sodass diese Form der Rohstoffgewinnung mit der Zeit unrentabel wird und nur in Notfällen eingesetzt werden sollte.

Zivilisationen 0 A.D. ermöglicht es dem Spieler, eine von fünfzehn altertümlichen Zivilisationen aus der Antike zu steuern, die jeweils besondere Fähigkeiten und Einheiten besitzen sowie optische Unterschiede aufweisen. Die folgende Tabelle listet die spielbaren Zivilisationen zusammen mit den wichtigsten Besonderheiten und einem Bild der Gebäude auf.

Zivilisation Besonderheiten Wunder Helden Bild Athener Gymnasion, stärkste Flotte der Hellenen Parthenon Themistokles Perikles Iphikrates 250px Britonen Können Streitwagen bauen und Kampfhunde ausbilden Stonehenge Caratacus Cunobelinus Boudicca 250px Gallier Schwere Schwertkämpfer und Kavallerie Stonehenge Vercingetorix Brennus Viridomarus 250px Germanen Halbnomadische Zivilisation; „Supply Wagons“ und „Wagon Encampments“ (befestigbar) Einzigartige Technologien: „Wagon Trains“ und „Migratory Resettlement“ Germania Triumphant Boiorix Lugius TeutobodBild Iberer Falarika, günstige Pferdezucht, Elitekrieger Cancho Roano Viriathus Karos Indibilis 250px Karthager Stärkste Mauern im Spiel, beste Handelsbeziehungen Spezielle Einheiten: Kriegselefanten, Heilige Schar Tempel von Baal-Hammon Hannibal Hamilkar Barkas Maharbal 250px Makedonen Makedonische Phalanx, Belagerungstürme Parthenon Philipp II. Alexander der Große Demetrios I. Poliorketes 250px Mauryaner Bogenschützen haben höchste Reichweite im Spiel, Edikte des Ashoka, Wootz Spezielle Einheiten: Elefanten (sowohl für Arbeit als auch Krieg rüstbar) Der große Stupa von Sanchi Chandragupta Maurya Ashoka Chanakya 250px Perser Beste Händler im Spiel, Satrapien, Apadana, können im Marstall alle Arten von Kavalleristen ausbilden Hängende Gärten der Semiramis Kyros II. Dareios I. Xerxes I. 250px Ptolemäer Leuchttürme Stärkste Flotte im Spiel Tempel von Edfu Ptolemaios I. Ptolemaios IV. Kleopatra VII. 250px Römer Stärkste Belagerungswaffen im Spiel, Belagerungswälle, können sämtliche Bergwerkstechnologie erforschen Spezielle Einheiten: Hastati (stärkste Schwertkämpfer im Spiel) Kapitolinischer Tempel Quintus Fabius Maximus Verrucosus Marcus Claudius Marcellus Publius Cornelius Scipio Africanus 250px Seleukiden Kleruchien Apollontempel Seleukos I. Antiochos III. Antiochos IV. 250px Spartaner Stärkste Nahkämpfer der Hellenen, können keine Steinwälle bauen, Syssitien Parthenon Leonidas I. Brasidas Agis III. 250px Kuschiten Bogenschützen haben höchste Reichweite im Spiel Amuntempel Nastasen Ergamenes Amanirenas 250px Han Mingtang Biyong Han Xin Liu Bang Wei Qing 250px

Karteneditor mini|Atlas, der Karteneditor

Das Spiel verfügt über einen komplett grafischen Karteneditor namens Atlas, der in der Lage ist, vollständige Karten inklusive Terrain, Wasser, wilden Tieren und den vorhandenen Völkern zu erstellen. Der Spieler kann sich somit zusätzlich zu den standardmäßig vorhandenen Karten eigene Szenarien erstellen und diese anschließend auch mit anderen Spielern teilen.

Modifikationen Zudem lässt sich das Spiel durch Mods umfänglich erweitern oder verändern. Auf diese Weise können die Spieler eigene Grafiken, Soundeffekte, künstliche Intelligenzen und Spielmechaniken zum Spiel hinzufügen bzw. vorhandene ersetzen, ohne den eigentlichen Kern des Spiels verändern oder tiefergehende Programmierkenntnisse besitzen zu müssen. Zur einfachen Verwaltung von Mods steht eine grafische Benutzeroberfläche zur Verfügung, die alle online verfügbaren Mods anzeigt und deren Aktivierung bzw. Deaktivierung erlaubt.

Rezeption Trotz der großen Gemeinsamkeiten sei 0 A.D. deutlich historischer als das Vorbild Age of Empires. Die verschiedenen Fraktionen spielen sich tatsächlich anders und besitzen nicht nur andere Gebäudearchitekturen. Es gäbe jedoch Probleme mit der Wegfindung und der Performance. Trotz der damaligen Alpha-Phase lasse es sich bereits gut spielen. Die Detailtreue sowohl bei den historischen Anlehnungen als auch der grafischen Gestaltung sei bemerkenswert. Es wurde pädagogisch als ab 10 Jahren geeignet beurteilt.

Auszeichnungen Seit 2008 schafft es 0 A.D. durchgängig jährlich zu einem der 100 besten Mods und Independents auf Mod DB bzw. Indie DB gewählt zu werden. Dort gewann das Spiel zudem 2009 den dritten und 2012 den zweiten Platz für die Player’s Choice Upcoming Indie Game of the Year und wurde 2010 und 2013 dabei lobend erwähnt. Im Juni 2012 war es Projekt des Monats auf SourceForge. Im Februar der Jahre 2014 und 2016 wurde das Spiel als Open Source Game of the Year for 2013 bzw. 2015 ausgezeichnet.

Entwicklung mini|Logo von Wildfire Games