Die Stadt Eschweiler [] (von lateinisch Ascvilare, Eschweiler Platt Aischwiile, französisch (veraltet) Exvilliers) ist eine Mittelstadt in der Städteregion Aachen. Sie ist ein Mittelzentrum mit einem der größten Krankenhäuser der Region und regional bedeutender Kultureinrichtungen sowie Karnevalshochburg. Von der Keltenzeit bis ins 20. Jahrhundert prägte der Bergbau die Stadt. Sehenswert sind die zahlreichen Burgen und Herrenhäuser sowie die Inde-Auen und der Blausteinsee.
Ihre heutige Form erhielt die Stadt 1972 durch Eingliederung von Dürwiß, Laurenzberg, Lohn und Weisweiler sowie Wiedereingliederung von Kinzweiler in die Stadt Eschweiler.
Geografie Lage und landschaftliche Beschreibung Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 75,75 Quadratkilometer. Die weiteste Ausdehnung in der Ost-West-Achse beträgt 10,75 km, in der Nord-Süd-Achse 11,65 km. Der tiefste Punkt mit liegt an der Inde, angrenzend an die Gemeinde Aldenhoven, der höchste mit angrenzend an Stolberg (Straße Duffenter); die mittlere Höhenlage, gemessen am Markt, beträgt .
Eschweiler liegt, angrenzend an den Kreis Düren, am Nordhang der Eifel im Übergang zur Jülich-Zülpicher Börde im westlichen Rheinland und ist Bestandteil der Euregio Maas-Rhein. Eschweiler hat Anteil an der Industrielandschaft des Aachener Steinkohlenreviers und des Rheinischen Braunkohlereviers der Kölner Bucht.
Das annähernd kreisrunde Stadtgebiet Eschweilers ist landschaftlich in drei Bereiche zu gliedern: Der nördliche Bereich umfasst Teile einer Bördenlandschaft, renaturierte Landflächen mit dem Blausteinsee sowie weitläufige landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Inde, die fast mittig durch das zentrale Stadtgebiet verläuft und sieben Stadtteile durchfließt bzw. an sie angrenzt. Sie passiert sowohl begradigte Abschnitte als auch renaturierte Bereiche mit einer künstlich ermöglichten Auenlandschaft. Der südliche Bereich ist vermehrt landwirtschaftlich bestimmt, weist mit der Halde Nierche auch Überreste der ehemaligen Montantätigkeiten auf. Ebenso vorhanden sind größere bewaldete Flächen, darunter der Propsteier Wald, der Eschweiler Stadtwald, das Gebiet Korkus und der Bovenberger Wald. + Flächennutzung und Anteil Flächenart Hektar (ha) % Anteil Landwirtschaft./gärtnerisch/Heideflächen 3.425,4380 45,22 % Betriebsflächen (u. a. Halden, Lagerplätze, Abbauland) 100,0856 1,32 % Waldflächen 1.411,9562 18,64 % Erholungsflächen (u. a. Grünanlagen, Sportflächen) 217,3294 2,87 % Wasserflächen 174,4952 2,30 % Andere Nutzung (Friedhof, Schutzflächen) 52,8716 0,70 % Haus-, Hof-, Gewerbe- und Industrieflächen 1.496,1924 19,75 % Verkehrsflächen (Straßen, Wege, Plätze, Bahngelände) 696,8374 9,20 % Gesamt 7.575,21 100 %
Geologie Eschweiler liegt im Gebiet des rheinischen Schiefergebirges.
In der südlichen Hälfte des Stadtgebiets treten Ton-, Schluff- und Sandsteine mit Steinkohleflözen, Quarziten, Konglomeraten, Kalk- und Dolomitsteinen aus dem Devon und dem Karbon auf, von denen Quarzit sowie Kalk- und Tonstein in wirtschaftlich bedeutender Quantität vorkommen. Von den vor 300 Millionen Jahren gefalteten Schichten blieb nur ein flachwelliger Gebirgsrumpf übrig, welcher in nördlicher Richtung unter die Lockergesteinsfüllung der Niederrheinischen Bucht taucht. Die nördliche Hälfte besteht aus bis zu 500 Meter mächtigen Tonen, Schluffen und Sanden mit Braunkohle des Tertiärs. Sie sind von Kiessanden der eiszeitlichen Maas großflächig bedeckt. Die Lockergesteine sind an bis heute noch aktiven Verwerfungen verstellt.
Die Böden im nördlichen Stadtgebiet sind ursprünglich Parabraunerden, seit der Rekultivierung des Braunkohletagebaus jedoch größtenteils künstlich aufgetragener Löss und Lösslehm. Steinkohlebergbau und Braunkohletagebau hinterließen mehrere aus Bergematerial aufgeschüttete und heute meist forstwirtschaftlich genutzte Halden wie den Schwarzen Berg () im Stadtwald, die Halde Nierchen () bei Hücheln und Auf der Kippe () bei Eschweiler-Ost. Im Tal der Inde sind unter dem Einfluss periodischer Überflutungen und starker Grundwasserschwankungen Auenböden entstanden: die Indeauen.
Primäre Grundwasserleiter sind auf Eschweiler Stadtgebiet die Kalk- und Dolomitgesteine sowie die oberflächennah anstehenden kiesig-sandigen Ablagerungen der Maas. Im südlichen Teil des Stadtgebiets wird der Festgesteinsuntergrund als sehr gut tragfähig eingestuft, und auch die Sande und Kiese in der nördlichen Hälfte können hohe Bauwerksbelastungen aufnehmen. In der Vergangenheit traten bergbaubedingte Einflüsse auf Bauwerke in geringem Maße auf.
Seit der Jungsteinzeit findet der Eschweiler Kohlensandstein (EKS) für Ambosse, Mahlsteine und Häuserbau Verwendung.
Gewässer mini|280x280px|Luftaufnahme des Blausteinsees, Stadtteil Dürwiß
Das größte fließende Gewässer in Eschweiler ist der Fluss Inde, welcher (der Fließrichtung folgend) durch die Stadtteile Pumpe-Aue, Röhe, Stadtzentrum und Innenstadt, Nothberg, Weisweiler und Neu-Lohn fließt, um im späteren Verlauf bei Kirchberg (Jülich) in die Rur zu münden. Die Inde verläuft ca. zehn Kilometer durch das Stadtgebiet, in dem über sie eine Autobahnbrücke, vier Eisenbahnbrücken, sieben Fußgängerbrücken (Aue, Jahnstraße, Wurstbrückchen Kochsgasse, Wollenweberstraße, Schlachthof, Wasserwiese, Am Mühlengraben Weisweiler) und 12 Straßenbrücken führen.
Erwähnenswerte Bäche sind der Merzbach, der Omerbach, der Otterbach, der Saubach und zahlreiche Fließe.
Das größte stehende Gewässer ist der im Rahmen der Renaturierung des ehemaligen Tagesbaus Zukunft künstlich angelegte Blausteinsee, gefolgt vom Koppweiher im Stadtwald. Weitere Teiche liegen im Propsteier Wald, Stadtwald, Bovenberger Wald, beim Industrie- und Gewerbepark IGP, im Gewerbegebiet Im Hasselt sowie bei Burgen und Mühlen.
Klima Eschweiler liegt in der kühl gemäßigten bis ozeanischen Klimazone, in welcher feuchte Winde aus westlichen Richtungen von der Nordsee vorherrschen. Hier fallen zu allen Jahreszeiten Niederschläge, die im Windschatten der Eifel etwas geringer ausfallen als in den Regionen des Niederrheins. Die Winter sind relativ mild und die Sommer verhältnismäßig kühl. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8 bis 10 °C. Bei Westwindlage kann sich im Lee der Eifel eine leichte Föhnwetterlage ausbilden.
Stadtgliederung Eschweiler gliedert sich in 15 Stadtteile (Daten zur Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember 2018): StatistischerBezirk Name Zugehörige Viertel Einwohnerzahl Gliederungsübersicht 1 Stadtzentrum Eschweiler-West, Eschweiler-Ost, Vöckelsberg 12.077400x400px|zentriert|Gliederung Eschweilers 2 Innenstadt Altstadt, Klee Oepe, Eschweiler-Südstadt 5.062 3 Röthgen 4.920 4 Röhe 2.446 5 St. Jöris 812 6 Kinzweiler 1.894 7 Hehlrath 1.314 8 Dürwiß 7.584 9 Neu-Lohn Fronhoven 832 10 Weisweiler Hücheln, Wilhelmshöhe 5.912 11 Nothberg 2.050 12 Bergrath Bohl, Volkenrath 5.528 13 Hastenrath Scherpenseel 2.074 14 Stich 3.155 15 Pumpe Aue, Siedlung Waldschule 2.679
Nachbargemeinden (Klein und kursiv geschrieben sind nicht mehr eigenständige Ortsteile der Nachbargemeinden.)
Geschichte
Politische Zugehörigkeit Eschweilers ab dem Jahr 800 (Frk. = Frankreich):
Steinzeit und Kelten Gesichert durch mehrere Funde ist eine Besiedlung in der Jungsteinzeit um 5500 v. Chr. Etwa ein Jahrtausend später betrieben erste Ackerbauer der Bandkeramikzeit Getreideanbau und Viehzucht auf den fruchtbaren Lössböden im Norden des Eschweiler Stadtgebiets am Merzbach. Ebenfalls gesichert ist eine zusammenhängende Siedlung der Rössener Kultur, eine jungsteinzeitliche Besiedlung, ein Keltendorf, erste Spuren menschlicher Ansiedlung in der heutigen Stadtmitte der Latènekultur, ein keltisches Bergwerk aus der Eisenzeit und eine Siedlungsstelle der jüngeren Eisenzeit. Die Kelten hinterließen mehrere Namen in Eschweiler wie Erberich, Inde und Killewittchen.
Römer und Franken Von den Römern sind in und um Eschweiler zahlreiche Villae rusticae und ein Straßennetz nachgewiesen. Das Tal der Inde war dicht besiedelt, jedoch bildete sich keine urbane Siedlung aus. Weitere erwähnenswerte Funde sind eine Kultstelle der westgermanischen Sunuker zu Ehren ihrer Stammesgöttin Sunuxal im Propsteier Wald, eine Sesterze von 163 mit dem Bildnis Marc Aurels in Dürwiß, eine römische Leopardenstatuette aus Bronze aus dem 3. Jahrhundert im Propsteier Wald sowie ein Heiligtum der Matronen Alaferhviae und Amfratninae.
476 gehörte der Eschweiler Raum zum Frankenreich Chlodwigs I., 511 dann – nach der ersten Teilung – zum fränkischen Austrien und 714 zum karolingischen Frankenreich. Aus der Zeit um 800 stammt eine hölzerne Kapelle an der Stelle der späteren Kirche in Laurenzberg, welches um 1400 als Berga Laurencii erwähnt wurde.
Erste Erwähnung und Mittelalter mini|hochkant|Einhard-Denkmal im Stadtgarten
Von 828 stammt die erste urkundliche Erwähnung Eschweilers als karolingisches Königsgut „Ascvilare“ durch Einhard: Ascvilare wird ein Königsgut genannt, von Aachen vier Leugen (= rund 16 km) entfernt. 830 wurden die drei Rodungsorte Bergrath, Hastenrath und Volkenrath im Südosten des Königsgutes gegründet. 843 gehörte Eschweiler zum Mittelreich Lothars I., welcher 851 eine Nona (den neunten Anteil) von der Villa Aschwilra dem Münsterstift zu Aachen schenkte. 888 erwähnte eine Urkunde König Arnulfs Eschweiler als Ascvilra, das dem Aachener Marienstift zehntpflichtig ist.
Aus dem Hochmittelalter um 900 stammen vermutlich die Niederungsburgen (Motten) von Lürken und Kinzweiler. Eine Urkunde von 930 erwähnt Eschweiler als Aschwilre. Um 950 kam die Angriffswelle der Magyaren (Ungarn) im Eschweiler Raum an und 962 gehörte Eschweiler zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Urkunden erwähnen das zum Jülichgau gehörige Eschweiler 966 als Aschwilra, 1003 als Escuuilre, 1082 als Escwilere, 1161 als Eschuilre und 1226 als Eschwilre.
Von 1138 bis 1250 gehörte Eschweiler zu Niederlothringen im Stauferreich und 1216 verpfändete Gerhard von Randerath, der Vogt des Eschweiler Domhofes, seine Vogtei über Eschweiler, Aldenhoven, Inden und das Kirchspiel Lohn der Kölner Domkirche, wodurch der Eschweiler Raum an das Kölner Domkapitel kam. Die Eschweiler Burg, eine von einer Schutzmauer mit sechs Türmen umgebene Wasserburg, stammt aus jener Zeit. 1274 wurde das Zisterzienserinnenkloster St. Jöris gegründet.
1362 erwähnte eine Urkunde Eschweiler als Eyschwilre; zu jener Zeit schuf ein unbekannter Künstler die heute in St. Peter und Paul befindliche Lederpietà.
Johann von Kempenich verkaufte 1420 die Eschweiler Vogtei mit seinem dortigen Besitz an Herzog Reinald von Jülich, womit Eschweiler zum Herzogtum Jülich gehörte und der Jülicher Löwe in das Eschweiler Siegel kam. 1490 besiegelten Eschweiler Schöffen eine Urkunde; das daran hängende Siegel zeigt den Jülicher Löwen und den Petrus-Schlüssel in der oberen rechten Ecke des Wappens, ohne dass wie auf dem heutigen Stadtwappen der Löwe den Schlüssel in seinen Vorderpranken hält; Eschweiler wurde Eschwillre genannt und der dritte, gotische Bau der heutigen Kirche St. Peter und Paul wurde vollendet.
Der Eschweiler Kohlberg Von 1394 stammt die älteste bekannte Urkunde über den Eschweiler Bergbau: der sogenannte Eschweiler Kohlberg (Koylberg zu Eschwylre). Die Eschweiler Bergwerke waren im Besitz der Herzöge von Jülich. Zunächst in unzähligen Pingen und kleineren Schächten wurde dort Kohle ohne größere Technik bei geringen Teufen gefördert. Bei zunehmender Tiefe wurden die Grubenwässer zum Problem, wodurch der Wasserhaltung – auch Rosskunst und Herrenkunst genannt – eine hohe Bedeutung zukam. 1555 wurde diese Rosskunst erwähnt, und seit spätestens 1571 waren Wasserräder im Eschweiler Bergbau im Einsatz. 1632 wurde die für die Wasserhaltung wichtige Herrenkunst – benannt nach den Herren von Jülich – errichtet. Der großindustrielle Abbau setzte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein und prägte Eschweiler für fast zwei Jahrhunderte.