Der Große Preis von Schweden 1978 (offiziell IX Swedish Grand Prix) fand am 17. Juni auf dem Scandinavian Raceway in Anderstorp statt und war das achte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1978.

Berichte Hintergrund Die Rennstrecke in Anderstorp, auf der seit 1973 der Große Preis von Schweden ausgetragen wurde, war am Ende der langen Gegengeraden mit einer Schikane modifiziert worden, die die Strecke um 13 Meter verlängerte.

Zur Saisonmitte hatte man bei Brabham unter Federführung des Chefdesigners Gordon Murray kurzfristig eine Weiterentwicklung des BT46 konstruiert, die als BT46B bezeichnet wurde und beim Schweden-GP erstmals eingesetzt wurde. Der Wagen verfügte am Heck über einen überdimensionierten Ventilator, der vom Team offiziell als Hilfsmittel zur Ölkühlung deklariert wurde, um den damaligen Regeln zu entsprechen, die bewegliche aerodynamische Hilfsmittel untersagten. In Wirklichkeit diente das Gerät allerdings dazu, Luft nach hinten abzusaugen, um unter dem durch Seitenschürzen abgedichteten Fahrzeugboden einen Unterdruck herzustellen. Man wollte damit einen ähnlichen Abtrieb erreichen, wie die zu diesem Zeitpunkt der Saison überlegenen Lotus 79, die mit sehr effektiver Wing Car-Technik ausgestattet waren. Die Konkurrenten verurteilten das Prinzip, da es sich ihrer Meinung nach eindeutig um ein verbotenes aerodynamisches Hilfsmittel handelte und der Ventilator darüber hinaus Steine aufwirbelte, die hinterherfahrende Piloten mit hoher Geschwindigkeit am Helm trafen. Sie legten Protest ein, doch der Wagen durfte zunächst eingesetzt werden.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 204

Da sein bisheriges Team Theodore Racing vorübergehend pausierte, wechselte Keke Rosberg zu ATS, um dort Alberto Colombo zu ersetzen. Da außerdem das Martini-Team fehlte, ergab sich aufgrund von lediglich 27 gemeldeten Fahrern keine Notwendigkeit für eine Vorqualifikation, wie sie bei den meisten vorangegangenen Grand Prix der Saison durchgeführt worden war.

Rolf Stommelen bestritt seinen 50. Grand Prix.

In der Fahrerwertung führte Mario Andretti mit zehn Punkten vor Ronnie Peterson und mit 13 Punkten vor Patrick Depailler. In der Konstrukteurswertung führte Lotus mit 20 Punkten vor Tyrrell und mit 23 Punkten vor Brabham.

Mit Jody Scheckter (zweimal), Jacques Laffite und Niki Lauda (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Der Große Preis von Schweden wurde letztmals ausgetragen (Stand: 2026).

Training Andretti sicherte sich erneut mit großem Vorsprung von nahezu sieben Zehntelsekunden die Pole-Position. Noch vor seinem Teamkollegen Peterson qualifizierten sich allerdings tatsächlich die Brabham-Werkspiloten John Watson und Lauda mit ihren umstrittenen Fahrzeugen für die Plätze zwei und drei. Der gewünschte Effekt des Ventilators schien zu wirken. Riccardo Patrese erreichte den fünften Startplatz für das Team Arrows, das sich nach wie vor mit Shadow in einem Rechtsstreit um die angeblich kopierten Baupläne des DN9 befand. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 5. August 2012)

Rennen Während Andretti die Führung übernahm, geriet Watson, den Lauda am Start überholt hatte, unter Druck von Patrese. Dieser übernahm in der zweiten Runde den dritten Platz. Watson fiel eine Runde später auch hinter Peterson zurück.

In der zehnten Runde ging Peterson an Patrese vorbei, wurde jedoch kurz darauf aufgrund eines Reifenschadens langsamer. In der 20. Runde schied Watson aufgrund eines technischen Defektes aus. Während sich Andretti und Lauda um die Spitzenposition duellierten, folgte hinter dem zu diesem Zeitpunkt ungefährdet auf dem dritten Platz liegenden Patrese mit einigem Abstand Carlos Reutemann vor Alan Jones und Gilles Villeneuve.

Durch einen Fahrfehler Andrettis konnte Lauda in der 38. Runde die Führung übernehmen. Neun Runden später schied der US-Amerikaner aufgrund eines Motorschadens aus. Dadurch gelangte Patrese auf den zweiten Rang. Er verteidigte diesen knapp gegen Peterson, der nach einem Reifenwechsel wieder einige Positionen gutgemacht hatte. Laffite, der nach dem technisch bedingten Ausfall von Jones auf dem vierten Rang gelegen hatte, ging in der drittletzten Runde der Kraftstoff aus. Somit musste er seine Position Patrick Tambay überlassen, der letztlich vor Clay Regazzoni und Emerson Fittipaldi Vierter wurde.

Lauda gelang mit dem Brabham BT46B der einzige Sieg beim einzigen Einsatz des Wagens. In der Woche nach dem Rennen wurde dem Protest der übrigen Teams stattgegeben und das Ventilator-Prinzip verboten.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 205

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Brabham BT46B Alfa Romeo 115-12 3.0 F12 2 3 Tyrrell 008 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Lotus 79 6 7 McLaren M26 8 9 ATS HS1 10 11 Ferrari 312T3 Ferrari 015 3.0 F12 12 14 Fittipaldi F5A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 15 Renault RS01 Renault EF1 1.5 V6t 16 Shadow DN9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 17 18 Surtees TS20 19 20 Wolf WR5 22 Ensign N177 25 Lotus 78 26 Ligier JS9 Matra MS78 3.0 V12 27 Williams FW06 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 30 McLaren M26 35 Arrows FA1 36 37 Merzario A1

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:22,058 176,846 km/h 1 2 1:22,737 175,394 km/h 2 3 1:22,783 175,297 km/h 3 4 1:23,120 174,586 km/h 4 5 1:23,369 174,065 km/h 5 6 1:23,621 173,540 km/h 6 7 1:23,730 173,314 km/h 7 8 1:23,737 173,300 km/h 8 9 1:23,951 172,858 km/h 9 10 1:23,963 172,833 km/h 10 11 1:24,030 172,695 km/h 11 12 1:24,203 172,341 km/h 12 13 1:24,274 172,195 km/h 13 14 1:24,761 171,206 km/h 14 15 1:24,986 170,753 km/h 15 16 1:25,007 170,711 km/h 16 17 1:25,813 169,107 km/h 17 18 1:26,618 167,536 km/h 18 19 1:26,787 167,209 km/h 19 20 1:27,011 166,779 km/h 20 21 1:27,139 166,534 km/h 21 22 1:27,479 165,887 km/h 22 23 1:27,560 165,733 km/h 23 24 1:27,812 165,258 km/h 24 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 24 Wagen begrenzt war, scheiterten Keegan, Lunger und Ickx an der Qualifikation. 1:28,282 164,378 km/h – DNQ 1:28,388 164,181 km/h – DNQ 1:28,400 164,158 km/h – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 70 0 1:41:00,606 3 1:24,836 (5.) 2 70 0 + 34,019 5 1:25,897 3 70 1 + 34,105 4 1:25,897 4 69 0 + 1 Runde 151:27,164 5 69 0 + 1 Runde 16 1:27,164 6 69 0 + 1 Runde 13 1:26,819 7 69 0 + 1 Runde 11 1:27,337 8 69 0 + 1 Runde 14 1:27,271 9 69 0 + 1 Runde 7 1:25,665 10 69 0 + 1 Runde 8 1:32,118 11 68 0 + 2 Runden 20 1:28,511 12 68 0 + 2 Runden 21 1:28,552 13 68 0 + 2 Runden 19 1:28,670 14 67 0 + 3 Runden 24 1:29,354 15 63 2 + 7 Runden 23 1:29,714 – 62 0 NC 22 1:29,034 – 46 0 DNF 1 1:25,064 – 46 0 DNF 9 1:26,213 – 42 0 DNF 12 1:26,898 – 28 0 DNF 10 1:26,549 – 19 0 DNF 2 1:25,874 – 16 0 DNF 6 1:27,303 – 8 0 DNF 17 1:28,131 – 7 0 DNF 18 1:28,174

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). Es zählten nur die besten sieben Ergebnisse aus den ersten acht Rennen und die besten sieben Ergebnisse aus den letzten acht Rennen. In der Konstrukteurswertung zählte nur das Ergebnis des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Lotus-Ford 36 2Lotus-Ford 303Brabham-Alfa Romeo 254Tyrrell-Ford 235Ferrari 22 6 Ligier-Matra 107Brabham-Alfa Romeo 98Arrows-Ford 8 9Wolf-Ford 7 10 Fittipaldi-Ford 711Tyrrell-Ford 512McLaren-Ford 413McLaren-Ford 414Shadow-Ford 4 15Williams-Ford 3 16 Ferrari 317ATS-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 18McLaren-Ford 019Surtees-Ford 020ATS-Ford 0 21McLaren-Ford 022Arrows-Ford 023Martini-Ford 024Lotus-Ford 025Renault 0 26Shadow-Ford 027Surtees-Ford 028Ensign-Ford 029Theodore-Ford / ATS-Ford 0 –Ensign-Ford 0–Ensign-Ford 0–Merzario-Ford 0–Hesketh-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 492 31 3 254 225 10 6 87 78 79 710 4 Pos. Konstrukteur Punkte11 312 013 0 14 015 016 0– 0– 0– 0 Einzelnachweise

Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1

#1978 Schweden Kategorie:Sportveranstaltung in Gislaved Kategorie:Scandinavian Raceway