mini|Einfahrtsgebäude zum ehemaligen KZ Mauthausen 2014 mini|Plan des Lagers Mauthausen (Stand: Mai 2010) mini|rechts|KZ-Gedenkstätte Mauthausen von oben, Sept. 2020 Das Konzentrationslager Mauthausen war das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten auf dem Gebiet Österreichs, der Ostmark, ab 1942 Alpen- und Donau-Reichsgaue. Es befand sich 20 Kilometer östlich von Linz in Mauthausen und bestand vom 8. August 1938 bis zu seiner Auflösung nach der Befreiung seiner Insassen durch US-amerikanische Truppen am 5. Mai 1945. Im KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern wurden rund 200.000 Menschen inhaftiert, von denen mehr als 100.000 getötet worden sind.Karl Vocelka: Geschichte Österreichs. Kultur-Gesellschaft-Politik. 7. Auflage. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 2002, ISBN 3-453-21622-9, S. 313. Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wurde ab 1947 eine Mahn- und Gedenkstätte der Republik Österreich geschaffen, diese wurde 1949 eröffnet.
mini|Lagereingang (1942/43), Aufnahme aus dem Bundesarchiv mini|Eingangsgebäude mit Haupttor ehemaliges KZ Mauthausen 2014 mini|Häftlingsbaracken und Appellplatz
Geschichte Errichtung des Lagers mini|Heinrich Himmler (Mitte rechts) besucht mit Ernst Kaltenbrunner (ganz links), August Eigruber, Georg Bachmayer und Franz Ziereis (ganz rechts) 1941 das KZ Mauthausen, Aufnahme aus dem Bundesarchiv mini|Fast verhungerte, bis auf das Skelett abgemagerte Sowjetische Kriegsgefangene der Roten Armee vor einer Baracke
Am 22. März 1938, zehn Tage nach dem „Anschluss“ Österreichs, kündigte der Reichsführer SS Heinrich Himmler in Linz an: „Der Führer hat genehmigt und befohlen, daß die Schutzstaffel Österreichs zwei Standarten aufstellen darf, eine Standarte der Verfügungstruppe mit 3 Sturmbannen und eine Standarte der Totenkopfverbände mit ebenfalls drei Sturmbannen, welche letztere nach Oberösterreich kommen werden.“Hans Maršálek: Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 4. Auflage. 2006, ISBN 3-7035-1235-0, S. 14.
Dies war zwar nur eine indirekte Ankündigung der Errichtung des Konzentrationslagers, weil zu diesem Zeitpunkt die SS-Totenkopfverbände ausschließlich in den Konzentrationslagern eingesetzt waren; aber ebenfalls noch im März 1938 gab Gauleiter August Eigruber bekannt: Wir Oberösterreicher erhalten aber noch eine andere, besondere Auszeichnung für unsere Leistungen während der Kampfzeit. Nach Oberösterreich kommt das Konzentrationslager für die Volksverräter von ganz Österreich.Roman Sandgruber: Die NS-Konzentrationslager. Mauthausen und seine Nebenlager. In: Oberösterreichische Nachrichten. 10. Mai 2008, S. 6.
Gründung der Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH mini|links|hochkant|Strangulierter Häftling Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen begann mit der Gründung einer GmbH durch die SS. Ausschlaggebend dafür war die Machterweiterung bzw. die gewollte Selbständigkeit der SS vom Staatsapparat.
Am 29. April 1938, kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich, wurde in Berlin die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) gegründet. Da die Hauptverwaltung aller Konzentrationslager bis zum 16. März 1942 erst beim SS-Führungshauptamt (SS-FHA) und ab dem 19. März 1942 beim SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) lag, konnte die DEST von Anfang an auf billige Arbeitskräfte aus den Konzentrationslagern zugreifen. Eine der ersten Handlungen der DEST war unter anderem der Erwerb und die Inbetriebnahme von Steinbrüchen bei Flossenbürg, Gusen und Mauthausen, wo infolgedessen Konzentrationslager errichtet wurden. Bei Mauthausen und Gusen befanden sich bedeutende Granitsteinbrüche. Granit war damals in großen Mengen für die sogenannten Führerbauten gefragt; zusätzlich spielte die Nähe zu Linz eine Rolle, da Hitler plante, die Stadt zur „Führer-Stadt“ auszubauen, wofür ebenfalls umfangreiche Granitlieferungen benötigt wurden. Mauthausen und Gusen liegen nur 15 bzw. 12 Kilometer östlich von Linz an der Donau.
Einrichtung der Lager mini|Ehemaliges Verwaltungsgebäude der DEST-Werkgruppenleitung in St. Georgen/Gusen mini|Steinbruch Wiener Graben (1941/42), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Am 16. Mai 1938 nahm die SS den Steinbruch Mauthausen mit 30 Zwangsarbeitern in Betrieb, und am 18. August 1938 fand die endgültige Übergabe der Steinbrüche an die DEST statt. Die Steinbruchbetriebe in Gusen wurden parallel dazu ebenfalls bereits am 25. Mai 1938 durch die DEST durch Kauf und später durch Enteignung erworben und bildeten in weiterer Folge das Zentrum der Granitwerke Mauthausen mit Werkgruppenleitung in St. Georgen an der Gusen.Rudolf A. Haunschmied, Jan-Ruth Mills, Siegi Witzany-Durda: St. Georgen-Gusen-Mauthausen – Concentration Camp Mauthausen Reconsidered. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8334-7440-8, S. 80 ff.
Die ersten Häftlinge in Mauthausen waren 300 österreichische und einzelne deutsche Polizei-Sicherungsverwahrungs-Häftlinge. Sie kamen am 8. August 1938 aus dem KZ Dachau im Konzentrationslager an. Mit ihnen kamen auch die ersten Bewacher von SS-Totenkopfverbänden. Der erste Kommandant des KZ Mauthausen war Albert Sauer.
Der Geologe Alois Kieslinger gab die Erzeugung im Steinbruch Wienergraben im September 1938 bereits mit „80 Tonnen je Tag Grundbausteine“ an. Er bezifferte die Höhe der Belegschaft mit „20 Zivil, 70 Häftlinge“.Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, Wien 2020. S. 359–408. Hier S. 381 (Online)
Am 27. November 1938 traf der erste Zug mit Häftlingen am Bahnhof Mauthausen ein.
Stammlager Mauthausen – Lagerstufe III mini|Neuankunft sowjetischer Kriegsgefangener (Oktober 1941), Aufnahme aus dem Bundesarchiv Das Konzentrationslager Mauthausen wurde ab März 1939 zu einem selbständigen Lager erweitert.
Bis 1945 wurden nach Mauthausen und in seine Nebenlager etwa 200.000 Personen deportiert. Es waren Menschen mit über 30 Nationalitäten. Etwa 2,5 Prozent der Insassen waren Frauen. Es wurden auch Jugendliche und Kinder inhaftiert und ermordet.
Das Konzentrationslager Mauthausen war aus nicht bekannten Gründen das einzige Konzentrationslager der Kategorie III auf dem Gebiet des Reiches. Die Kategorie III bedeutete Vernichtung durch Arbeit. Ein Grund dafür kann die isolierte Lage des Lagers an den Steinbrüchen sein. Wörtlich heißt es in dem Erlass von Reinhard Heydrich (Chef der Sicherheitspolizei, des SD und SS-Obergruppenführer), die Lagerstufe III sei „...für schwerbelastete, unverbesserliche und auch gleichzeitig kriminell vorbestrafte und asoziale, das heißt kaum noch erziehbare Schutzhäftlinge Mauthausens“.
Insgesamt waren im Konzentrationslager 197.464 Häftlinge inhaftiert. Die letzte Häftlingsnummer – 139.317 – wurde am 3. Mai 1945 ausgegeben, wobei die durch die „Aktion Kugel“ ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen nicht gezählt wurden.
Etwa 120.000 Häftlinge kamen durch Zwangsarbeit in den unzähligen Kommandos und Nebenlagern des Lagers um oder wurden ermordet, mehr als ein Drittel davon in den nahe gelegenen Konzentrationslagern Gusen.
Lagerbordell mini|Lagerbordell, Aufnahme aus dem Bundesarchiv mini|Gefangene des Außenlagers Ebensee, Aufnahme vom 7. Mai 1945
Auf Befehl Himmlers entstand in Mauthausen im Juni 1942 das erste von zehn Häftlingsbordellen. Hierfür wurden Frauen gezwungen, die als „asozial“ eingestuft waren. Viele dieser zur Prostitution gezwungenen Frauen kamen aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Zogen sich Frauen eine Geschlechtskrankheit zu, wurden sie für medizinische Versuche zur Verfügung gestellt. Schwangere wurden einer Zwangsabtreibung unterzogen.
Bis in die 1990er Jahre galten die Betroffenen nicht als Opfer der Naziherrschaft und erhielten keine Entschädigung.Helga Amesberger, Katrin Auer, Brigitte Halbmayr: Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Wien 2004.Baris Alakus, Katharina Kniefacz, Robert Vorberg: Sex-Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Wien 2006, ISBN 3-85476-205-4.
Wachmannschaft mini|Ehemaliges Konzentrationslager – Frontansicht Kommandant des KZ Mauthausen war zunächst Albert Sauer, der diese Position von 1. August 1938 bis 1. April 1939 offiziell innehatte. Seit Mitte Februar 1939 fungierte Franz Ziereis als Lagerkommandant; er blieb es bis zur Auflösung 1945.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich - Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage, Frankfurt am Main Juni 2007, ISBN 978-3-596-16048-8. Ihm zur Seite standen ein I., II. und III. Schutzhaftlagerführer als Leiter des Häftlingslagers sowie der Kommandant der SS-Wachtruppe. Als I. Schutzhaftlagerführer fungierte von März 1940 bis 1945 der SS-Hauptsturmführer Georg Bachmayer, als II. Schutzhaftlagerführer zwischen 1938 und 1945 der SS-Obersturmführer Johann Altfuldisch, als III. Schutzhaftlagerführer zeitweise der später zum Offizier beförderte SS-Hauptscharführer Anton Streitwieser.Hans Maršálek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen. Dokumentation. 3. Auflage, Wien/Linz 1995, S. 193.
Am 23. Mai 1944 wurde SS-Obersturmführer Otto Riemer als Kommandant des Häftlingslagers abgesetzt. SS-Obersturmführer Anton Ganz wurde sein Nachfolger. Er hatte zuvor in Mauthausen, Ternberg und Wiener Neustadt gedient. Unter seinem Kommando standen im Mai 1944 vier SS-Führer, 128 SS-Unterführer und eine 475 Mann starke Wachmannschaft.Nach:
Siehe auch: :Kategorie:Personal im KZ Mauthausen
Im Bereich zwischen den Mauthausener Ortschaften Ufer und Wienergraben entstand ab 1941 eine eigene Wohnsiedlung mit zunächst 12 Häusern für SS-Offiziere, während die Mannschaften und Unteroffiziere des KZ Mauthausen überwiegend auf dem Lagergelände selbst untergebracht waren. Zu der ursprünglich „Am Berg“ genannten Offizierssiedlung gehörten u. a. Villen für den Lagerkommandanten Ziereis und den Lagerarzt, später wurden für Mitglieder der Lagerführung dort auch Doppelhäuser errichtet.Siehe dazu weiterführend Marc Baumgart: SS-Siedlung Mauthausen – Ein Überblick, in: coMMents (2024) Heft 2, S. 65–94 (online) Eine weitere Gruppe von SS-Wohngebäuden in Form von Mehrparteienhäusern entstand im tiefen Geländeeinschnitt entlang des Rieder Baches westlich der Offizierssiedlung und wurde ursprünglich „Fahrersiedlung“ genannt. Nach Kriegsende wurden die ehemaligen SS-Siedlungen zunächst von amerikanischen, dann von sowjetischen Soldaten bewohnt, ehe die Häuser österreichischen und heimatvertriebenen Zivilisten zugewiesen wurden und in Privatbesitz übergingen. 1946 erhielt die ursprünglich „Am Berg“ genannte Siedlung zum Gedenken an Richard Bernaschek den Namen „Bernaschek-Siedlung“, wobei rechtlich bis 1955 nicht abschließend geklärt war, ob dort die Stadt Wien oder die Gemeinde Mauthausen als Grundeigentümer zu gelten habe. Heute bildet die „Bernaschek-Siedlung“ eine der insgesamt 13 Ortschaften der Marktgemeinde Mauthausen. 1996 wurde die Straße durch die „Bernaschek-Siedlung“ im Zuge der Einführung neuer Straßennamen in Mauthausen in „Bernaschekstraße“ benannt, während eine Straße entlang der ehemaligen „Fahrersiedlung“ heute den Namen „Riederbachstraße“ trägt.
Ereignisse 1945 Ausbruch und Menschenjagd
In der Nacht zum 2. Februar 1945 unternahmen etwa 500 sowjetische Offiziere gemeinsam einen Fluchtversuch aus dem Todesblock 20; fast alle wurden bei der darauf folgenden dreiwöchigen Verfolgungsaktion ermordet (siehe auch die sogenannte „Postenpflicht“ der KZ-Wachposten). Große Bekanntheit erlangte dieses Kriegsverbrechen 1994 durch den Film Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen. Einige der elf Überlebenden wurden von der Bevölkerung bis zum Kriegsende versteckt oder versorgt. Im Mai 2001 wurde in Ried in der Riedmark ein erster Gedenkstein errichtet. Am 7. Mai 2006 wurde in Gallneukirchen ein Mahnmal feierlich übergeben, hier waren rund 20 Flüchtlinge, die schon elendig geschunden waren, ermordet worden.