Ferdinand Joseph Friedrich Custodis (* 9. April 1842 in Köln; † 1911 ebenda) war ein deutscher Bildhauer. Sein Werk ist besonders dem Historismus zuzuordnen.

Leben

Ferdinand Custodis wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern in einer Pflegefamilie auf.Paul Georg Custodis: Der Bildhauer Ferdinand Joseph Friedrich Custodis. In: Kölner Domblatt, Jahrbuch des Zentral-Dombauvereins, Hrsg. von Willy Weyres und Herbert Rode, Köln 1975, S. 217–220. Über seine Ausbildung ist nichts überliefert. Ab 1871 arbeitete er im Atelier des Kölner Dombildhauers Peter Fuchs und war an dessen Lebensaufgabe beteiligt, rund 700 Skulpturen für den Kölner Dom zu fertigen. Noch vor der Vollendung der Portalskulpturen an West- und Nordfassade der Hohen Domkirche machte sich Custodis mit der figürlichen Ausstattung zweier Brunnen in Kleve selbständig. Sein Atelier führte Custodis in der Palmgasse 6 in Köln.Bildhauerateliers betrieb Custodis in der Palmgasse 6, ab 1892 in der Antoniterstraße 16, danach in der Hohestraße 47, Steinstraße 37 und mit einem Zweitgeschäft in der Bonnerstraße 81 (vgl. Josef Abt: Bildhauer und Steinmetze in Kölner Adressbüchern 1797–1941/42. Köln 1986, S. 11).

Neben einer Vielzahl von skulpturalen Arbeiten sowohl an Sakral- wie Profanbauten war Custodis als Grabmalbauer in und um Köln erfolgreich tätig. So lassen sich allein auf dem Kölner Zentralfriedhof Melaten 22 Grabdenkmäler lokalisieren, die von ihm geschaffen wurden. Ab 1905 führte sein Sohn Friedrich Custodis das Bildhaueratelier weiter. Ferdinand Custodis war mit Agnes Ostermann aus Aachen verheiratet.

Werke (soweit bekannt) Grabanlagen auf dem Melatenfriedhof Folgende 22 Grabanlagen (gegliedert nach „Datum der Werkausführung/Familienname/Grabmaltyp/Position“) befinden sich auf Melaten:Vgl. Vogt-Werling / Michael Werling 2010. Die einzelnen Positionen sind auf der beiliegenden DVD entsprechend auffindbar.

1890: Streiffler/Schulz/Bachern, Figurenstele mit Wangen, Fl. 55, Nr. 94–97 1890: Wilfert/v. Thelen/Fröhlich, Kreuzstele, Lit. H, Nr. 245–246 1890: Scheben/Muschard, Kreuzstele, Fl. 66, Nr. 38–39 1895: Mertens, ehemalige Kreuzstele, Fl. 58, Nr. 66–67 1895: Custodis/Thywissen, Stele mit Kissensteinen, HWG, Nr. 336 1896: van Broeck, Stele, Fl. 63, Nr. 151–152 1896: Weiser, ehemalige Kreuzstele, Fl. 59, Nr. 43–44 1899: Bonn/Recht/Taubert, Figurenstele, Fl. R2, Nr. 32–33 1901: Endepols, Kreuzstele, Fl. 73, Nr. 36–37 1903: Wilz, ehemalige Kreuzstele, Fl. 87, Nr. 196–197 1903: Kretzer/Helfrich/Dörr, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 67a, Nr. 6 1903: Nolden/Guntermann, Kreuzstele, Fl. 80, Nr. 6–7 1903: Hartung/Rautenberg, Obelisk, Fl. 89, Nr. 197–198 1904: Jost, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 82, Nr. 52–55 1904: Bosch/Holl/Wild, Obelisk, Fl. 83, Nr. 22–23 1904: Schmidting, ehemalige Figurenstele, Fl. W1, Nr. 18–19 1905: Waxweiler/v. Rüdgisch, Hochstele, Fl. 67a, Nr. 10 1905: Klein/Weier, Kreuzstele, Fl. 77, Nr. 63 1907: Meininghaus, Ädikula mit Wangen, Fl. 93, Nr. 36–37 1908: Müller, Ädikula, Fl. 73, Nr. 20–21 1908: Jost/Mungen/Soddemann, Kreuzstele mit Wangen, Fl. 98, Nr. 18–19 1910: Küpper, Stele, Fl. 74, Nr. 20–22

Weitere Werke 1874/75: Kierdorf, Errichtung eines Hauptaltares (Mensa durch F. Custodis, Retabel durch Heinrich Joseph Koulen) für die im neuromanischen Stil erbaute Pfarrkirche St. Martinus 1875: Hoffnungsthal (Rösrath), Kriegerdenkmal auf dem ehemaligen Volberger Kirchhof für die Gefallenen von 1870/71Michael Werling, Erika Wagner, Elisabeth Klein: Volberg. Vom Kirchhof zum Friedhof, Denkmäler und Persönlichkeiten. Rösrath 2012, S. 78 ff. 1875: Hoffnungsthal (Rösrath), Grabmal von Christoph Heinrich Theodor Müllenbach, auch als Volberger Engel bekanntMichael Werling, Erika Wagner, Elisabeth Klein: Volberg. Vom Kirchhof zum Friedhof, Denkmäler und Persönlichkeiten. Rösrath 2012, S. 92 ff. 1878: Kleve, Brunnen für Otto den Schützen, Entwurf von Vincenz Statz unter Beteiligung von Edward von Steinle und dem Klever Steinmetzen Grod, der für die architektonischen Bildhauerarbeiten verantwortlich war. Der Brunnen war zunächst Ecke Kirchstraße/Hagsche Straße aufgestellt, wurde 1916 an das Ende des Prinzenhofes versetzt und ist durch den Zweiten Weltkrieg (1944) zerstört worden. 1881/82: Kleve, Schwanenritterbrunnen, Entwurf von Vincenz Statz unter Beteiligung von Edward von Steinle.Vgl. Hans Vogts: Vincenz Statz. Kunstgabe des Vereins für Christliche Kunst. Köln-Aachen 1959/60 bzw. Führer durch Cleve und Umgebung, Kleve 1912. 1887: Köln, Skulpturenschmuck am Mutterhaus der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus in der Severinstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind lediglich die Gewandfiguren von Maria, Josef und des Hl. Augustinus erhalten geblieben. Seit 2004 im Skulpturengarten des Augustinerinnen-Krankenhauses in Köln aufgestellt. 1890–1892: Köln, Engelsfiguren für den Pfarraltar in St. SeverinSybille Fraquelli: Die romanischen Kirchen im Historismus. Band 2 (= Colonia Romanica. Jahbruch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V. Band 26). Köln 2011, S. 119f. 1891–1896: Köln, Beteiligung an der bildhauerischen Ausstattung von Neu-St. Heribert in Köln-Deutz 1892–1901: Köln, Beteiligung an der Herstellung der Figuren für den Kölner Rathausturm 1894: Köln, Figuren von Severin, Cornelius, Cyprianus und Bruno über dem Westportal von St. SeverinSybille Fraquelli: Die romanischen Kirchen im Historismus. Band 2 (= Colonia Romanica. Jahbruch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V. Band 26). Köln 2011, S. 113. 1900: Geldern, Skulptur der Kreuzabnahme in der Kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena (SQA)Vgl. Christoph Joosten: Kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Geldern 2004.

Bilder von Grabsteinen Die nachfolgenden Grabsteine stehen unter Denkmalschutz.

Literatur Paul Georg Custodis: Der Bildhauer Ferdinand Joseph Friedrich Custodis. In: Kölner Domblatt. Jahrbuch des Zentral-Dombauvereins, 1975, S. 217–220. Josef Abt, Wolfgang Vomm: Der Kölner Friedhof Melaten. Begegnung mit Vergangenem und Vergessenem aus rheinischer Geschichte und Kunst. Köln 1980, ISBN 3-7743-0182-4. Josef Abt, Ralf Beines, Celia Körber-Leupold: Melaten. Kölner Gräber und Geschichte. Köln 1997, ISBN 3-7743-0305-3. Marianne Vogt-Werling, Michael Werling: Der Friedhof Melaten: Alle Denkmäler und ihre Zukunft. Mit einer DVD mit Belegungsplan und digitalen Rundgängen zu allen denkmalwerten Gräbern. Köln 2010, ISBN 978-3-7743-0471-0.

Einzelnachweise

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