Unter Keramik im Alten Ägypten fasst man alle Gegenstände aus gebranntem Ton aus dem Alten Ägypten zusammen (nach Dorothea Arnold mit Ausnahme figürlicher Gegenstände).Dorothea Arnold: Artikel Keramik. In: Wolfgang Helck, Wolfhart Westendorf: Lexikon der Ägyptologie. Band III, Wiesbaden 1980, Spalte 392. Hauptsächlich dienten die Keramikgefäße als Haushaltsware und standen im Zusammenhang mit Lagerung, Zubereitung, Transport und Verzehr von Lebensmitteln und Rohstoffen. Dazu zählen Bier- und Weinkrüge, Wasserbehälter, aber auch die vielfach im Haushalt benutzten Brotbackformen, Feuerbecken, Lampen und Ständer, auf die man rundbodige Gefäße abstellen konnte. Andere Typen dienten rituellen Zwecken. Vielfach wurde Keramik als Grabbeigaben gefunden.

Grundsätzlich wird in der ägyptischen Archäologie zwischen zwei Gruppen von Tonarten nach chemischer und mineralogischer Zusammensetzung und Keramikeigenschaften unterschieden: Niltone und Mergeltone. Der Nilton ist ein Verwitterungsprodukt, das der Nil aus den äthiopischen Bergen nach Ägypten transportierte. Der Ton lagerte sich zwischen dem Jungpleistozän und der heutigen Zeit bei der Nilüberschwemmung an den Ufern ab. Beim Mergelton handelt sich um ein gelblich-weißes Gestein, das in Kalksteinablagerungen eingelagert ist. Die Ablagerungsschichten sind im Pleistozän entstanden, als urzeitliche Wassermassen vom Nil und seinen Nebenflüssen diesen Ton an den jetzigen Wüstenrand herunterschwemmten.

Die ägyptischen Darstellungen auf Grabwänden, Töpferei-Modelle und archäologische Reste von Töpfereiwerkstätten liefern Informationen über Produktion und Organisation der Keramikherstellung. Charakteristisch für die Entwicklungsgeschichte der Keramik ist, dass im Laufe der Zeit neu erfundene Methoden nie ganz die alten ersetzten, sondern das Repertoire erweiterten, so dass schließlich auf den Höhepunkten der Geschichte der Keramik jeder Objektgruppe die ihr gemäße Aufbautechnik zugeordnet ist. Die ägyptischen Töpfer gebrauchten eine große Bandbreite an Dekorationstechniken und -motiven, von denen manche für bestimmte Perioden charakteristisch waren, dazu gehören die Gestaltung ausgefallener Formen, Ritzverzierungen und verschiedene Brandmethoden und Maltechniken.

Ein wichtiges Klassifizierungssystem zur Einteilung der ägyptischen Keramik ist in der Ägyptologie das sogenannte Wiener System, das die Archäologen und Ägyptologen Dorothea Arnold, Manfred Bietak, Janine Bourriau, Helen und Jean Jacquet und Hans-Åke Nordström bei einem Treffen 1980 in Wien entwickelten.

In der archäologisch-relativen Chronologie hat sich die Methode der Keramik-Seriation als nützlich erwiesen. Diese Methode wurde 1899 von W. M. Flinders Petrie eingeführt. Sie basiert auf Veränderungen der Gefäße und dem Auftreten und Verschwinden verschiedener Typen im Laufe der Zeit.

Werkstoffe Für das Verständnis von Entwicklung, Art und Herkunft der Keramik ist das Verständnis des Werkstoffs Ton notwendig. Grundsätzlich wird in der ägyptischen Archäologie zwischen zwei Gruppen von Tonarten nach chemischer und mineralogischer Zusammensetzung und Keramikeigenschaften unterschieden: Niltone und Mergeltone. Als weitere Gruppe lässt sich eine Mischung der beiden Gruppen hinzufügen.D. Arnold: Keramik. In: LÄ. Band III, Wiesbaden 1980, Spalte 394.

Nilton mini|hochkant|Keramik aus Nilton mit Politur und weißer Bemalung (White Cross-lined-Keramik)

Der Nilton ist ein Verwitterungsprodukt, das der Nil aus den äthiopischen Bergen nach Ägypten transportierte. Der Ton lagerte sich zwischen dem Jungpleistozän und der heutigen Zeit bei der Nilüberschwemmung an den Ufern ab. Folglich können Ablagerungen sowohl weit entfernt vom heutigen Flussverlauf als auch innerhalb der heutigen Flussebenen vorkommen. Der Ton zeichnet sich chemisch durch einen hohen Siliciumgehalt und hohe Anteile an Eisenoxiden aus. Mineralogisch gesehen handelt es sich um Glimmer- und Illit-reiche Sediment-Tone, denen Sand und verschiedene Gesteinspartikel aus dem weiträumigen Einzugsgebiet des Nils bereits beigemischt sind (und nicht von Menschenhand hinzugefügt werden müssen).C. Regner: Keramik (= Bonner Sammlung von Aegyptiaca. Band 3). Wiesbaden 1998, S. 5. Der Ton wird rot bis braun, wenn er in einer oxidierenden Ofenatmosphäre gefeuert wird. Im Rohzustand variiert er von Grau bis fast Schwarz.Janine D. Bourriau, Paul T. Nicholson, Pamela J. Rose: Pottery. In: Paul T. Nicholson, Ian Shaw (Hrsg.): Ancient Egyptian Materials and Technology. Cambridge 2000, S. 121.

Mergelton mini|hochkant|Zylindrisches Gefäß aus Mergelton aus der 1. Dynastie

Der Mergelton (auch Wüstenton) taucht entlang des Niltals zwischen Esna und Kairo, in den Oasen und an den Deltarändern auf. Es handelt sich um ein gelblich-weißes Gestein, das in Kalksteinablagerungen eingelagert ist. Die Ablagerungsschichten sind im Pleistozän entstanden, als urzeitliche Wassermassen vom Nil und seinen Nebenflüssen diesen Ton an den jetzigen Wüstenrand herunterschwemmten.C. Regner: Keramik (= Bonner Sammlung von Aegyptiaca. B 3). Wiesbaden 1998, S. 10 f. Mergelton bezeichnet eine Reihe von schon der Grundsubstanz nach ganz verschiedenen Tonarten. Als Gemeinsamkeit weisen sie einen geringeren Anteil an Silicium und einen bedeutend höheren Gehalt an Calcium auf (daher der Name Mergel = Ton und Kalk).D. Arnold: Keramik. In: LÄ. Band III, Wiesbaden 1980, Spalte 395. Die wichtigsten Mergelton-Arten sind:

Qena-Tone: sekundäre Ablagerungen wie solche aus dem Wadi Qena. Solche Tone stammen von Sedimenten, die vom Wadi heruntergespült wurden und sich mit lokalem Schiefer und Kalkstein vermischten. Mergeltone, die von Schiefer und Kalkstein stammen, der entlang des Nils zwischen Esna und Kairo gefunden wurde.

Mergeltone werden normalerweise cremeweiß oder weiß, wenn sie in einer oxidierenden Atmosphäre gebrannt werden. Zudem kann der Schnitt rosa oder orange Zonen aufweisen. Diese Tone sind reich an Mineralsalzen, so dass die Oberfläche häufig mit einer dünnen Schicht von verwitterten Salzen bedeckt ist, die gebrannt eine weiße Oberfläche formt, die durch Unachtsamkeit fälschlicherweise für einen „Überzug“ gehalten werden kann. Bei ausreichender Brenntemperatur (ca. 1000 °C) wird diese Beschichtung olivgrün und ähnelt einer grünen Glasur.Janine D. Bourriau, Paul T. Nicholson, Pamela J. Rose: Pottery. In: Paul T. Nicholson, Ian Shaw (Hrsg.): Ancient Egyptian Materials and Technology. Cambridge 2000, S. 122.

Herstellung mini|hochkant|Darstellung der Keramikherstellung in der Mastaba des Ti aus dem Alten Reich

Materialwahl Die Materialwahl wurde bestimmt durch örtliche Gegebenheiten und die Funktion des herzustellenden Gegenstandes. Der Nilton wurde hauptsächlich für Haushaltsgeschirr und Formen und Behälter des Handwerks wie der Keramik für den rituellen Gebrauch verwendet. Mergeltone waren vorherrschend im Vorratswesen und dort, wo verfeinerte Produkte (Figurengefäße und Ähnliches) hergestellt wurden.D. Arnold: Keramik. In: LÄ. Band III, Wiesbaden 1980, Spalte 399.

Abbau des Tons Es gibt wenige präzise Informationen darüber, wie und wo die altägyptischen Töpfer das Rohmaterial abbauten, wie beispielsweise Besitzverhältnisse der Gruben, Organisation des Transports und Zuteilung an die Töpfer. Generell kann man sagen, dass der Ton aus drei verschiedenen Geländen stammen konnte: vom Ufer des Nils oder eines Bewässerungskanals, von der Wüstenebene neben den Kultivierungsflächen oder von den Hügeln der höher gelegenen Wüste. Eine Darstellung im Grab des Rechmire (TT100) zeigt Arbeiter beim Abbau eines Haufens von Nilschlamm mit Hacken für die Lehmziegelherstellung. Ton für die Keramikherstellung könnte auf die gleiche Weise abgebaut worden sein. Die Szene zeigt auch, dass Nilton nicht unbedingt von einem Feld gewonnen werden musste. Nilton-Haufen wurden, wie heute noch, beim Ausheben eines Kanals angesammelt.D. Arnold, J. Bourriau: An Introduction to Ancient Egyptian Pottery. Mainz 1993, S. 11 f.

Präparieren des Tons mini|hochkant|Aufarbeiten des Tons nach einer Darstellung in einem Grab in Beni Hasan aus dem Mittleren Reich (Grab des Baket III.) mini|hochkant|Walken des Tons nach einer Darstellung in Beni Hasan (Grab des Baket III.)

Mit der Aufbereitung des Tones setzten üblicherweise die ägyptischen Darstellungen auf Grabwänden ein. Hinzu kommen Modelle, die Einzelheiten teilweise etwas anders wiedergeben. Eindeutige archäologische Reste von Töpfereiwerkstätten sind dagegen eher selten. Vermutlich handelte es sich um äußerst vergängliche Anlagen.

Ton, der Luft ausgesetzt ist, trocknet sehr schnell. Deshalb erhielten die Töpfer den Ton (insbesondere den Mergelton aus der Wüste) oft als trockene, steinige Klumpen, die zuerst zerkleinert und mit Wasser gemischt werden mussten, um sie formbar zu machen.D. Arnold, J. Bourriau: An Introduction to Ancient Egyptian Pottery. Mainz 1993, S. 12. Der Rohton wurde auch getrocknet und pulverisiert, um gröbere Verunreinigungen wie Steinchen durch Sieben zu entfernen. Eine weitere Möglichkeit war die Schlämmung des Tons durch mehrfaches Sich-Setzen-Lassen der schweren Tonbestandteile im Wasser und Abschöpfen der feinen Teile oben. Es gibt keine Belege für einen solchen Prozess in der Töpfereiwerkstatt und der Keramik in Ayn Asil (Dachla),G. Soukiassian, M. Wuttmann, L. Pantalacci, P. Ballet, M. Picon: Balat III. Les Ateliers de Potiers d’Ayn-Asil. Kairo 1990, S. 43. aber mögliche Hinweise dafür in Hierakonpolis.R. O. Allen, H. Hamroush, M. A. Hoffman: Archaeological implications of differences in the composition of Nile sediments. (= Archaeological Chemistry. Band IV). Washington 1989, S. 55. Die Schlämmung musste in einer oder mehreren Gruben beziehungsweise Wasserbecken durchgeführt werden. Die Töpfereidarstellung im Grab des Kenamun (TT93) wurde schon dahingehend interpretiert, dass sie auch ein Becken zur Schlämmung zeigt. Zumindest für den Ton der Meidumschalen im Alten Reich und den auffallend homogenen Nilton seit dem Beginn der 18. Dynastie ist eine verfeinerte Reinigungstechnik anzunehmen.D. Arnold: Keramik. In: LÄ. Band III, Wiesbaden 1980, Spalte 400; D. Arnold, J. Bourriau: An Introduction to Ancient Egyptian Pottery. Mainz 1993, S. 12 f.; Janine D. Bourriau, Paul T. Nicholson, Pamela J. Rose: Pottery. In: Paul T. Nicholson, Ian Shaw (Hrsg.): Ancient Egyptian Materials and Technology. Cambridge 2000, S. 122; E. Christiana Köhler: Buto III. Die Keramik von der späten Vorgeschichte bis zum frühen Alten Reich (Schicht III bis VI). Mainz 1998, S. 68; D. Arnold: Wandbild und Scherbenbefund. Zur Töpfereitechnik der alten Ägypter vom Beginn der pharaonischen Zeit bis zu den Hyksos. 1976, S. 3.

Das Bildschema zeigt für die Aufbereitung des Tons einen oder zwei Männer, die die aufgeweichte, mit Wasser vermischte Tonmasse mit Füßen treten, um ihn in eine plastische, formbare Masse zu verwandeln. Bei diesem Bearbeitungsschritt konnte der Ton mit Magerung versetzt werden, wenn er nicht bereits über feinere Verunreinigungen wie Sand und andere Materialien verfügte. Wichtig war, dass diese nicht zu grob oder zu scharfkantig waren: .C. Köhler: Buto III. Die Keramik von der späten Vorgeschichte bis zum frühen Alten Reich (Schicht III bis VI). Mainz 1998, S. 68. Ferner: O. S. Rye: Keeping your temper under control: materials and the manufacture of Papuan pottery. In: Archaeology and Physical Anthropology in Oceania. Band II, Nr. 2, 1976, S. 106–137.