Kampf um Ungarn wird der gesamte Kriegsabschnitt in der Endphase des Zweiten Weltkrieges an der Ostfront auf dem damaligen ungarischen Territorium genannt, der weitgehend mit dem deutschen Rückzug aus dem Reichskommissariat Ukraine – unter dem Oberkommando von Generaloberst Johannes Frießner – Richtung Ungarn im Herbst 1944 begann. Die Phase umfasst die Schlacht um Budapest vom Oktober 1944 bis Februar 1945, die zehntägige Plattenseeoffensive im März 1945 bis zur Beendigung der Operation „Frühlingserwachen“ und die Wiener Operation ab 29. März 1945; sie endete schließlich mit der vollständigen Eroberung Ungarns durch die Rote Armee am 4. April 1945. Die deutsche Wehrmacht – ab Dezember 1944 unter dem Kommando von General der Infanterie Otto Wöhler – und Verbände der Königlich Ungarischen Armee unter Generaloberst Károly Beregfy, versuchten die dortigen Erdölquellen und Treibstofflager zu sichern, die für die strategische Einsatzbereitschaft der Wehrmacht- und Waffen-SS-Verbände als höchst wichtig galten.

Vorgeschichte

Nachdem die deutsche 6. Armee in der Kesselschlacht von Kischinjow (Chișinău) ab dem 20. August 1944 fast vollständig zerschlagen worden war, zogen sich Teile der 8. Armee über die Karpaten nach Ungarn zurück. Seit dem Staatsstreich in Rumänien am 23. August 1944 kämpfte die rumänische Armee auf Seite der Alliierten gegen die deutsche Wehrmacht und ihre verbliebenen Verbündeten, vor allem Ungarn, worauf das Oberkommando der Wehrmacht und Adolf Hitler sich gezwungen sahen, die verbliebenen Truppenverbände bis nach Ost-Ungarn zurückzuziehen.

Dort positionierte sich die Heeresgruppe Süd, unter dem Oberkommando von Generaloberst Johannes Frießner, neu und stellte sich mit der 6. und 8. Armee der Wehrmacht sowie drei Divisionen der Heeresgruppe F. Diese verfügten zusammen über 3500 Geschütze, 300 Panzer und 500 Flugzeuge, unter anderem des Jagdgeschwaders 4, das vorher die Ölproduktionen in Rumänien gegen die Luftangriffe der Alliierten gesichert hatte. Hinzu kam die ungarische 2. Armee unter dem Kommando von General Lajos Veress Dálnoki.

Am mittleren Abschnitt der Ostfront war während der Ostkarpatischen Operation die 1. Ukrainische Front unter Marschall Iwan Konew im Raum Dukla und die 4. Ukrainische Front unter Armeegeneral Petrow im Rahmen der Karpaten-Uschgoroder Operation in die Slowakei eingerückt, um den Slowakischen Nationalaufstand zu unterstützen. Nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Operation hatten sich die 2. und 4. Ukrainische Front bei Csap vereinigt und banden dort die deutsche 1. Panzerarmee und ungarische 1. Armee, auch Armeegruppe Heinrici genannt, welche deshalb nicht die 8. Armee unterstützen konnten, als die Masse der 2. Ukrainischen Front den Vormarsch auf Miskolc und Budapest begann.

Kämpfe in Siebenbürgen Die ungarische 2. Armee (Generalleutnant Lajos Veress von Dálnoki) rückte am 5. September 1944 zwischen Klausenburg (Cluj-Napoca) und Neumarkt am Mieresch (Târgu Mureș), im damaligen ungarischen Komitat Torda-Aranyos vor. Ziel war es, die in Siebenbürgen seit dem Zweiten Wiener Schiedsspruch an Ungarn gefallenen Gebiete Nordsiebenbürgens zu sichern, aber auch zusätzliche Teile des rumänisch gebliebenen Südsiebenbürgen zu besetzen. Zwei Tage später, am 7. September, erklärte darauf Rumänien den Krieg. Bereits am 25. August 1944 hatte die von König Michael I. eingesetzte Regierung Sănătescu, insbesondere wegen der Bombardierungen Bukarests und der offenen kriegerischen Handlungen der vom Kommandierenden General und Befehlshaber der deutschen Luftwaffe in Rumänien, Generalleutnant Alfred Gerstenberg, kommandierten deutschen Kampfverbände, dem Deutschen Reich den Krieg erklärt.

mini|links|Ungarischer Panzer Turán II in Siebenbürgen

Ausgestattet mit Zrinyi-Sturmgeschützen, Turán-II-Kampfpanzern und einigen Nimrod-Flugabwehrpanzern, rückte die ungarische 2. Armee bis nach Nădlac in einer Linie entlang des nördlichen Ufers des Flusses Maros vor. Die Kämpfe begannen am 13. September, die ungarischen Verbände konnten die angreifenden sowjetischen Verbände zwar aufhalten, verloren aber im direkten Panzerkampf mit den überlegenen T-34-Panzern die meisten ihrer Turán-Panzer. Als aus der Region Torda verstärkende sowjetische und rumänische Verbände gegen die ungarischen Stellungen vorrückten, mussten diese sich über Cluj-Napoca nach Westen in Richtung Székely zurückziehen. Innerhalb ihrer Rückzugskolonnen flohen auch zahlreiche Angehörige der ungarischen und deutschen Bevölkerungsgruppen Siebenbürgens. mini|Leichter Toldi-Panzer der ungarischen Armee

Gegenangriffe der sowjetischen 46. und 53. Armee der 2. Ukrainischen Front sowie der rumänischen Divizia 9 Cavalerie Română und Regimentul 13 Călărași hatten bereits am 12. September gegen die sich in der Region Banat und vor allem bei Timișoara befindlichen deutschen Verbände begonnen. Diese mussten sich angesichts der sowjetisch-rumänischen Überlegenheit und trotz des unterstützenden Eingreifens der aus Serbien kommenden 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division unter dem Kommando von SS-Brigadeführer Fritz Schmedes bis an die Béga und den Temesch zurückziehen und das gesamte Gebiet der Banat-Ebene bis an das östliche Ufer der Theiß aufgeben, womit der Weg für die sowjetischen Truppen in Richtung ungarisches Kernland frei war.

Kämpfe im Raum Torda Ab dem 15. September versuchten ungarische und deutsche Truppen durch Schließung der damaligen ungarisch-rumänischen Grenze bei Torda (Thorenburg) die sowjetischen Verbände aufzuhalten. Der ungarische Generalstabschef Generaloberst Elemér Kozar unterstellte hierzu die ungarische 2. und 3. Armee der Armeegruppe Fretter-Pico, unter dem Kommando von General der Artillerie Maximilian Fretter-Pico. Vorerst konnten diese auch erfolgreich die rumänischen Armeeverbände in der Region um Câmpia Turzii und Torda aufhalten und errichteten eine Kampflinie bis Mirăslău. Den sowjetischen Truppen war es aber bereits gelungen, die sich in Rumänien befindlichen deutschen Truppen, aus Luduș kommend, in die Defensive zu zwingen. Die sowjetische 6. Garde-Panzerarmee rückte dabei mit ihren T-34-Panzern auch in Richtung der ungarisch-deutschen Stellungen vor. Generaloberst Kozar schickte diesen Feindverbänden daraufhin die ungarische 2. Panzerdivision unter Generalmajor Laszlo Hollósy-Kuthy und die Honved-Regimenter 25 und 26 unter Oberst Géza Böszörményi entgegen. Diese bildeten gemeinsam mit den deutschen Verbänden einen Brückenkopf und konnten die rumänisch-sowjetischen Verbände, bestehend aus der sowjetischen 7. Schützen-Division und der rumänischen 18. Infanterie-Division, bis zum 7. Oktober aufhalten.

Am 19. September durchbrachen 25 sowjetische Panzer die Brückenkopf-Stellung und konnten kurzfristig in Torda eindringen. Durch massive deutsche Fliegerangriffe wurden sie aber zum Rückzug gezwungen. Bei den Gefechten wurde auch der ungarische Oberst Böszörményi getötet, ein Umstand der die Kampfmoral der ungarischen Soldaten verringerte.

Schon zu dieser Zeit reiften bei Miklós Horthy Pläne zur Beendigung des Krieges gegen die Sowjetunion, und er beauftragte seinen im August neu ernannten Ministerpräsidenten Géza Lakatos mit der Aufnahme von Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit der Sowjetunion.

In Siebenbürgen sammelten sich zwischenzeitlich die verstärkten sowjetischen Verbände, um am 22. September die zweite Phase ihrer Operation Torda einzuleiten. Hierbei wurden während der ersten Angriffswelle die ungarisch-deutschen Truppen bis vier Kilometer vor Torda zurückgedrängt. Am Morgen des 23. September startete die deutschen 23. Panzerdivision unter Generalleutnant von Radowitz, eine Gegenoffensive. Diese wurden erst am 24. September von rumänisch-sowjetischen Panzerdivisionen und motorisierten Einheiten gestoppt und zurückgedrängt. Ab dem 26. September brachen die sowjetischen Truppen an mehreren Frontabschnitten durch, so dass bis Anfang Oktober der dortige ungarisch-deutsche Widerstand weitgehend zusammenbrach. Diese sammelten ihre restlichen Kräfte und waren gezwungen sich weitgehend kampflos aus Siebenbürgen zurückzuziehen.

mini|links|Generaloberst Károly Beregfy nimmt die Meldung der angetretenen Pfeilkreuzler über den erfolgreichen Umsturz auf der Budapester Burg entgegen

Horthy nahm diese Entwicklung zum Anlass, die Bemühungen von Lakatos zu forcieren, um nach dem Verlust von Siebenbürgen einen Separatfrieden zur Sicherung des verbliebenen Stammlandes zu erreichen. Um die Bemühungen von Lakatos zu beenden, entführte das deutsche Kommandounternehmen „Panzerfaust“ unter Führung von Otto Skorzeny am 15. Oktober 1944 Miklós Horthy jr. (1907–1993), den Sohn des Reichsverwesers. Horthy verkündete daraufhin in einer Rundfunkansprache, dass er die Alliierten um einen Waffenstillstand gebeten hatte. Die Partei der Pfeilkreuzler setzte ihn daraufhin ab, zwang ihn, seine Proklamation zu widerrufen, und installierte eine faschistische prodeutsche Regierung unter Ferenc Szálasi, die bereit war, den Krieg fortzusetzen. Auch Lakatos wurde zum Rücktritt gezwungen und von den Pfeilkreuzlern in Sopron vom 21. Oktober 1944 bis 1. April 1945 unter Hausarrest gestellt.

Nachdem die sowjetischen Truppen das gesamte Rumänien besetzt hatten, standen sie an der Donau und Theiß auf ungarischem Gebiet. Versuche der Heeresgruppe Süd, die nachfolgende 2. Ukrainischen Front aufzuhalten, scheiterte an der zahlenmäßigen Übermacht der Roten Armee, welche über 10.200 Geschütze, 825 Panzer und 1.100 Flugzeuge verfügte. Während der Debrecener Operation vom 6. bis zum 27./28. Oktober versuchte Marschall Malinowski mit der 6. Garde-Panzerarmee und den mechanisierten Kavalleriegruppen Plijew und Gorschkow über Debrecen nach Norden zur Theiß durchzubrechen. Nach deutschen Gegenangriffen wurden dabei drei sowjetische Korps eingekesselt und erlitten schwere Verluste.

Drohender Verlust der Ölreserven und Konsequenzen Nach dem Seitenwechsel Rumäniens befanden sich die letzten bedeutenden Ölreserven des Großdeutschen Reiches in Ungarn. Die ungarische Ölproduktion, welche im Jahre 1943 auf etwa 838.000 Tonnen Rohöl angewachsen war, reichte zwar bei weitem nicht, die gesamte Wehrmacht in Bewegung zu halten, bot allerdings ab Mitte 1944 die einzige Möglichkeit, den Krieg überhaupt weiterführen zu können. Eine Verlegung der dortigen Kraftstoffreserven zu anderen Kriegsschauplätzen war nur noch eingeschränkt bis gar nicht möglich, da der Bahnverkehr durch die alliierte Lufthoheit weitgehend zusammengebrochen war. Daher war die Wehrmacht gezwungen, das wenige noch vorhandene Öl möglichst in der Nähe seiner Produktionsstätten zu verbrauchen. Durch die damals durchaus beträchtlichen ungarischen Ölreserven und bestehenden Ölraffinerien konnte die Heeresgruppe Süd vollständig und die Heeresgruppe Mitte teilweise versorgt werden. Praktisch war somit die Heeresgruppe Süd der einzige deutsche Großverband, welcher zu dieser Zeit noch Angriffsoperationen in einem größeren Radius durchführen konnte. Durch US-amerikanische Luftangriffe am 14. und 16. März wurden die Ölraffinerien bei Komárom und Pétfürdő weitgehend bzw. vollständig zerstört. Da bereits die deutschen Hydrierwerke seit Mai 1944 wiederholt Ziele der Bombenangriffe waren und die Produktion von deutschem synthetischen Benzin drastisch sank, war damit eines der wichtigsten Ziele der deutschen Truppen gescheitert. Allein die Zalaer und Zistersdorfer Ölfelder, welche bereits im Januar 1945 80 % der gesamten Treibstoffproduktion lieferten, waren noch nutzbar. Hitler begründete gegenüber dem Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) Generaloberst Alfred Jodl und dem Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine Großadmiral Karl Dönitz zum Erhalt der letzten Ölreserve, die Zweckmäßigkeit zu einer Gegenoffensive in Ungarn. Er ignorierte dabei allerdings, dass dies nur unter der Vorbedingung örtlicher Erfolge möglich gewesen wäre, was jedoch zu dieser Zeit nicht mehr der Fall war.