Die Bahnhofstraße (niedersorbisch: Dwornišćwa droga) ist bis heute eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen von Cottbus. Sie erstreckt sich zwischen der Eisenbahnbrücke im Süden und der Berliner Straße im Norden.
Geschichte Nach Inbetriebnahme der ersten Eisenbahnstrecke 1866 begann die Erschließung des südlichen Teils als Verbindung zwischen Bahnhof und Altstadt. Ende der 1870er Jahre ließen die Eisenbahngesellschaften erste Bauten errichten. Die Verbindung zur Berliner Straße war 1880 fertiggestellt. Anfangs bestand die Überbrückung der Gleise am Südende der Bahnhofstraße aus Rampen, die durch zwei Brücken verbunden waren. Der Bahnhof war zwischen den Gleisen gelegen und über die mittlere Rampe erreichbar. 1900/01 wurden die Brücken erneuert. Seit 1903 war der Bahnhof mit der Straßenbahn erreichbar.
Die Bahnhofstraße war eine der aufwändigsten Straßen in Cottbus, in der sich die Oberschicht ansiedelte. Durch den langfristigen Bebauungszeitraum, der sich über drei Jahrzehnte erstreckte, ist in der Bahnhofstraße eine große Vielfalt architektonischer Stilrichtungen vertreten. Damit hebt sich die Cottbuser Bahnhofstraße von denen anderer Städte ab, bei denen die Bahnhofstraßen als kaiserzeitliche Renommierstraßen meist innerhalb weniger Jahre bebaut wurden. Nachdem die Bahnhofsbrücke 1984 erneuert und die Bahnhofstraße zu einer mehrspurigen Straße ausgebaut wurde, wurde sie 2011/2012 wieder auf zwei Fahrstreifen zurückgebaut.
Karte
Baudenkmale in der Bahnhofstraße Grundlage der folgenden Liste ist die Veröffentlichung der Landesdenkmalliste mit dem Stand vom 31. Dezember 2011 und die Satzung zum Schutz des Denkmalbereiches Westliche Stadterweiterung (1870–1914) um die Bahnhofstraße und den Schillerplatz.Amtsblatt der Stadt Cottbus vom 18./19. März 1998.
Stellwerksgebäude
mini|Stellwerksgebäude B23
Das ist ein dreigeschossiger Klinkerbau parallel der Bahnhofsbrücke. Es zeugt von der wirtschaftlichen Blüte der damaligen Cottbuser Verkehrs- und Baugeschichte. Gebaut wurde B23 mit Walmdach, 1903 von der Firma Pabel aus Cottbus, als das erste elektropneumatische Weichen- und Signalstellwerk Deutschlands.
1920 wurde das kleine Uhrentürmchen aufgesetzt. Eher verspielt wirkt der an der östlichen Seite angesetzte Treppenturm mit Pyramidendach, passt sich jedoch zweckmäßig der Gebäudeoptik an. Eine Wendeltreppe aus Eisen führt auf die mittlere Ebene, welche Mitarbeiter- und Funktionsräume beherbergte. Im dritten Geschoss befanden sich an beiden Seiten Türen als Zugang für die Signalbrücken, welche auf Stahlstützen aufgesetzt waren. Dort befanden sich fünf mit der Hand zu bedienende optische Flügelsignale, zwei auf der Südseite und drei auf der Nordseite. Heute sind diese einstigen Zugänge sichtbar zugemauert. Im Innenraum des dritten Geschosses, der die benötigte Aussicht über das Bahnhofsgelände bietet, befand sich das Herz der Anlage. Es beinhaltet bis heute Gleissperren, Weichenstelleinrichtungen, Signale für Blockanlagen und weitere Eisenbahnsicherungstechnik.
Im Zuge von Modernisierungsarbeiten wurden die mechanischen Drahtzugleitungen durch Drucklufttechnik ersetzt. Die Druckluftanlage wurde 1956 wieder außer Dienst gestellt und durch eine elektrische Weichen- und Signalsteuerung ersetzt. Nach 107 Jahren, am 19. November 2010, wurde der Betrieb von B23 und zwölf weiteren Stellwerken des Bahnhofes Cottbus eingestellt. Alle Weichen und Signale werden seitdem über ein ESTW gesteuert. Heute steht B23 unter Denkmalschutz.
Bahnhofstraße 1 mini|Bahnhofstraße 1
Der fünfgeschossige Neubau in der wurde als kompaktes Eckgebäude mit einem Glaserker erbaut. Der Erker teilt das Gebäude in eine linke Fassadenseite (Berliner Straße) mit vier Fensterachsen und eine rechte Fassadenseite (Bahnhofstraße) mit nur zwei Fensterachsen. Der Sockel des halbrunden Gebäudes mit den Ladengeschäften im Erdgeschoss erstreckt sich in glatter geputzter Form über das gesamte Gebäude.
Der Glaserker beginnt über der Eingangstür im Erdgeschoss und reicht über alle vier Etagen bis zum Flachdach. Links vom Eingangsbereich zu den Büros und Wohnungen hat sich die Firma Mobilcom eingemietet. Die hohen und unterschiedlich breiten Ladenfenster mit Fensterbänken sind zwei- bis vierteilig, der Geschäftszugang erfolgt über den Eingangsbereich. Durch eine graue Rechteckgürtelquaderung, eingearbeitet wurde die Werbung der Firma Mobilcom debitel, wird das mintfarbige Erdgeschoss vom graufarbigen 1. Obergeschoss getrennt. Die Fensterfronten der Büroräume im 1. Obergeschoss sind wie im Erdgeschoss angeordnet, jedoch kleinere Stulpfenster mit Fensterbänken. Das 2. bis 4. Obergeschoss mit den Mietwohnungen, farblich insgesamt hellgrau abgesetzt, beginnt über einem dunklen Farbstreifen mit etagenweise identischen aber anderen Fensterfronten als im 1. Obergeschoss. Große Balkonfenster mit brüstungshohen Sichtblenden sorgen für viel Licht in den Wohnräumen. Der dreiteilig kantige Glaserker mit jeweils einem Seitenfenster ist ein optischer Blickfang. Auch auf der rechten Gebäudeseite befinden sich im Erdgeschoss Ladenfenster. Ein drei- und viergeteiltes Fenster mit Fensterbänken und Jalousien im 1. Obergeschoss unterscheidet sich von der Anordnung der Fenster in den Geschossen darüber. Der Vorgängerbau, ein zweigeschossiges Eckgebäude zur Berliner Straße gehörend, mit einem großen Ladengeschäft der Fleischerei Lehniger, entstand 1880. In das viergeschossige Mietswohnhaus, mit der Adresse Bahnhofstraße 1 zogen nachweislich erste Mieter 1883 ein. Eigentümer des Hauses war der Fleischermeister Lehninger. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstand in dem Mietshaus ein Ladengeschäft für den Elektromeister Hering. Das Geschäft wurde auch nach 1945 betrieben. Ende 1960 wurde die Kreuzung zu einem Verkehrsknotenpunkt aus- und umgebaut, dazu wurden die Gebäude im Kreuzungsbereich abgerissen. Erst nach 1990 entstanden in dem Bereich Bahnhofstraße/Ecke Berliner Straße die beiden Neubauten mit den Hausnummern 1 und 2.
Bahnhofstraße 2 mini|Bahnhofstraße 2
Das Bauland in der kauften zehn Rittergutsbesitzer der Gegend, die sich zur Cottbuser Molkerei e. G. zusammenschlossen. 1883/84 entstand ein Gebäude mit Verkaufsräumen, Büros und Wohnungen zur Bahnhofstraße und einer Hofeinfahrt in das Molkereigelände. Bis 1930 wurde von den Bauern im Umland Milch aufgekauft und ausgeliefert bzw. verarbeitet. Nach der Engelhardt–Brauerei wurde noch vor 1935 die Familie Netzker mit einem Spezialgeschäft für Molkereiprodukte Eigentümer des Gebäudes. Den Fuhrpark der Netzkers nutzten nach dem Krieg auch die Post und der Konsum. 1959 gaben die Privatunternehmer Netzker auf. Bis 1989 wurden die Geschäftsräume vielfältig genutzt, dann wurden die Gebäude im Kreuzungsbereich zum Ausbau der Straße gesprengt. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde die Straßenecke neu bebaut und das heutige Gebäude der Bahnhofstraße 2 entstand als Neubau. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt von der Straßenseite aus. Im Erdgeschoss des glatt verputzten, viergeschossigen Gebäudes entstanden zwei moderne Ladengeschäfte mit großen Schaufenstern. Derzeit sind die Geschäfte an eine Fahrschule und eine Versicherung vermietet. Das größere Ladengeschäft mit zwei Sichtfenstern verfügt mittig über eine Eingangstür innerhalb des dreigeteilten Fensters. Der Eingang der Versicherung ist rechts über eine Eingangstür innerhalb des großen dreigeteilten Schaufensters zu erreichen. Das zweite Geschäft war an einen Copy Shop vermietet und steht zurzeit leer. Auch hier befindet sich die Eingangstür mittig in der großen dreigeteilten Schaufensterfront. Farblich abgesetzte vertikale Putzquader trennen das Erdgeschoss vom 1. Obergeschoss, unterbrochen von einem flachen Risalit. Der Risalit reicht bis über das Flachdach hinaus. Die hohen schmalen Fenster mit einer Sichtverblendung gehören zum Treppenhaus. Die Gestaltung der Fensterfronten in den Büros des 1. Obergeschosses weichen von den beiden oberen Wohnetagen deutlich ab. Interessant ist die östliche Ansicht des Gebäudes. Die abgeschrägte Fassade mit dem Flachdach ist in der Seitenansicht deutlich zu erkennen. Die beiden oberen Etagen sind eingerückt und mit großen Balkonfronten modern gestaltet. Im 3. Obergeschoss ist die durchgehende Balkonfront von einer schrägen Dachfront mit Fenstern unterbrochen. In der Mitte des Hinterhofes entstand eine Tiefgarage.
Bahnhofstraße 4 Das zweigeschossige Wohnhaus stand links auf dem Grundstück des heutigen Stadthauses (Erich-Kästner-Platz 1), dem früheren Evangelischen Gemeindehaus (Bahnhofstraße 5). Erbaut wurde es wohl ebenfalls um 1880 beim Ausbau des nördlichen Abschnitts der Bahnhofstraße. Eigentümer des Hauses war die in Cottbus zu dieser Zeit bekannte Lehrerfamilie Berg. Zuletzt wohnten die Schwestern Flora, Käthe und Marie Berg im Haus. Käthe Berg unterrichtete bis nach 1945 in Cottbus. Nach dem Tod der Schwestern Berg, die keine Erben hatten, übernahm die Stadt Cottbus das Haus. 1985 brachte die Stadt ihr Stadtarchiv in dem Haus unter. Das Stadtarchiv und das Gebäude verkamen recht schnell. An dem skandalösen Zustand des Hauses war nichts mehr zu ändern, es musste nach 1990 abgerissen werden. So entstand die heutige große Freifläche vor dem Stadthaus, die Bahnhofstraße 4 als Adresse existiert nicht mehr.
Bahnhofstraße 5 / Erich-Kästner-Platz 1 mini|Bahnhofstraße 5 / Erich-Kästner-Platz 1
Das Grundstück mit der heutigen Adresse und dem Gebäude des Stadthauses Cottbus in der damaligen Bahnhofstraße 5 erwarb vor dem Ersten Weltkrieg die evangelische Ober- und Klosterkirchengemeinde. Für die Kirchengemeinde in Cottbus war ein Bau für verschiedene Veranstaltungen des christlichen Vereinswesens geplant. Im November 1913 begann der Bau eines evangelischen Gemeindehauses nach Entwürfen des Berliner Architekten Erich Blunck unter Beteiligung von Cottbuser Architekten im hinteren Gelände der früheren Feldstraße. Es entstand ein freistehender Ziegelbau mit einem Steildach. In der Mitte der Vorderfront fällt die aufwändig gestaltete Doppeltür sofort ins Auge. Darüber im Giebelfeld ist das Mosaikmedaillon mit dem Kreuz eingearbeitet. Von außen kaum vermuten lässt sich ein großer Festsaal für etwa 500 Personen mit Bühne und Empore. Über der Bühne kann man noch immer Malereien von zwei Hirschen an einem Brunnen sehen und Psalmzitate lesen.
Der Erste Weltkrieg machte die Nutzungspläne zunichte, das Gebäude stand als Lazarett zur Verfügung. Bis 1939 arbeitete die evangelische Gemeinde im Gebäude, aber schon kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Räume wieder als Lazarett gebraucht, nach 1945 war ein Haftkrankenhaus im Gebäude untergebracht. In der Turnhalle des Gemeindehauses durfte die Christenlehre stattfinden, nachdem sie aus den Schulen verbannt worden war. Nach 1950 zog das Polizeikrankenhaus ein. Irgendwann muss das Gebäude von der Kirche in Eigentum der Stadt übergegangen sein. Es wurde von verschiedenen Jugendeinrichtungen genutzt, so waren die „Station junger Techniker und Naturforscher“ und das „Museum für Natur und Umwelt“ in den Räumen aktiv. Der Tierpräparator des Museums ließ sich bei seiner Arbeit gern von den Jungen Pionieren über die Schulter schauen. Ende der 1990er Jahre wurde die Außenfassade des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes restauriert. Nachdem das Haus lange leer stand, wurde es 2011/2012 auch innen umfassend restauriert und umgebaut. Im Dezember 2012 zogen die Stadtverordneten in das neue Stadthaus ein, in dem auch das Standesamt untergebracht ist.
Bahnhofstraße 6–7 / Erich-Kästner-Platz mini|Bahnhofstraße 6–7 / Erich-Kästner-Platz